1000 Fragen! Heute gibt’s die ersten 40 Antworten über mich.

Als ich neulich mit einer Freundin über die Zeit vor Hannah plauderte, ist mir etwas bewusst geworden: Entweder ich werde tatsächlich vergesslich, oder die Zeit, die ich ohne Kind erlebt habe, verblasst zusehends. Die Geburt meiner Tochter war ein Lebenseinschnitt, der mein Dasein in eine Zeit davor und eine Zeit seither einteilt. Es ist nicht allein die Tatsache, dass ich früher samstagabends nicht um elf gähnend auf der Couch saß, aber auch. Ich weiß noch gut, wie ich in der Klinik kurz nach der Entbindung ein Gespräch mit meiner Zimmernachbarin hatte, die einen Tag vor mir ihr zweites Kind zur Welt gebracht hatte. Es war Samstagabend und sie sagte “Oh, heute kommt Wetten, dass?. Guckt ihr das auch immer?” Und ich sagte: “Bisher waren wir nie daheim am Samstagabend, sondern immer mit Freunden unterwegs.” Sie guckte kurz irritiert, dann lachte sie: “Stimmt, ich habe ganz vergessen, wie das mal war ohne Kinder.”

Also bin ich heute jemand anders als noch vor fünf Jahren. Aber Wer bin ICH eigentlich noch, seit ich Mutter bin? Genau diese Frage stellt sich Johanna vom Blog Pinkepank.

Diese und noch 1000 weitere. Und ich nehme die Idee gerne auf und beteilige mich an ihrer Sammlung. Weil ich erst ein bisschen später auf die tolle Aktion aufmerksam geworden bin, beantworte ich die ersten 40 Fragen auf einmal.

Ihr holt Euch also jetzt am besten eine Tasse Tee oder Kaffee, geht noch mal schnell aufs Klo und macht’s Euch gemütlich. Das dauert nämlich. Bereit?

Los geht’s!

1 Wann hast du zuletzt etwas zum ersten Mal getan?

Vermutlich gestern. Ich habe noch nie einen wildfremden Mann im Supermarkt angequatscht. Aber gestern stand ich relativ ratlos vor dem Regal mit den Putzmitteln. Ausgerechnet DER Badreiniger war zwar noch zweimal vorhanden, stand aber im obersten Regal ganz hinten. Meine 1,60m plus 9cm Absatz haben nicht ausgereicht. Und ich wollte ungern in das Regal klettern. Wer mich früher m Sportunterricht beobachtet hat, weiß, warum. Also habe ich mich mit Korb und Kind an der Hand auf die Suche nach einem Mitarbeiter gemacht. Kennt ihr das? Wenn ihr an ein Regal wollt, stehen da drei Verkäufer davor und räumen Ware ein. Wenn ihr einen Verkäufer sucht, sind die Gänge leer, als wäre ein atomarer Regen niedergegangen. Irgendwann fasste ich mir ein Herz und sprach den nächstbesten großen Mann an, der mir begegnete. Er war sehr hilfsbereit, bekam ein bisschen rote Wangen und überreichte mir den Badreiniger. Winwin, irgendwie.

2 Mit wem verstehst du dich am besten?

Am besten? Schwierig. Natürlich habe ich ein gutes Verhältnis zu meinem Mann. In den wesentlichen Lebensfragen ticken wir gleich, manchmal haben wir aber auch völlig unterschiedliche Ansichten. Dann gibt es noch meine weltallerbeste Freundin, zu der ich seit Jahrzehnten einen guten Draht habe. Außerdem habe ich ein sehr gutes Verhältnis zu meinen Eltern. Auch hier gilt: Wir sind uns im wesentlichen einig, auch wenn uns ein paar Ansichten trennen. Aber das Grundverständnis füreinander ist natürlich da.

3 Worauf verwendest du viel zu viel Zeit? 

Gute Frage. Vermutlich käme ich morgens 20 Minuten früher aus dem Bett, würde ich nicht erst das halbe Internet leerlesen. Viel zu viel Zeit würde ich das aber nicht nennen. Es ist viel Zeit. Aber ich bestimme darüber. Eigentlich verwende ich für nichts zu viel Zeit. Die Zeit, die ich aufbringe für Dinge, nehme ich mir ziemlich bewusst dafür und empfinde sie als richtig.

4 Über welche Witze kannst du richtig laut lachen?

Über gute, die mich überraschen und die ich noch nie gehört habe. Ich lache auch gern über mich selbst.

5 Macht es dir etwas aus, wenn du im Beisein von anderen weinen musst? 

Das kommt sehr darauf an, wer dabei ist und warum ich weinen muss. Wenn ich im Kino sitze und hemmungslos bei Pixar-Filmen in mein Taschentuch schneuze, dann ist mir das nicht peinlich. Im Grunde sind Tränen einfach ein Zeichen von Gefühl. Ein Ventil für eine Empfindung. Und während ich grade so darüber nachdenke, … nein, ich glaube, es gibt keine Situation, die mir richtig unangenehm wäre. Wenn ich vor Kollegen weinen müsste, würde es dafür einen Grund geben. Wenn ich im Streit weinen muss, gibt es dafür einen Grund. Selbst wenn es als Zeichen von Schwäche gewertet würde – so what? Das bin ich dann in dem Moment offenbar.

6 Woraus besteht dein Frühstück?

Ich versuchte lang ein gutes Vorbild für meine Tochter zu sein und mir das Essen am Morgen anzugewöhnen. Manchmal kann ich das mittlerweile, dann gibt es Birchermüsli mit frischem Obst oder Schokomüsli mit griechischem Joghurt oder sowas. Aber meistens bleibt es für mich beim Kaffee. Ich kann um zehn dann dafür schon ziemlich zulangen.

7 Wem hast du zuletzt einen Kuss gegeben? 

Meiner Tochter auf die Haare, grad vorhin.

8 In welchen Punkten gleichst du deiner Mutter?

Da gibt es wohl ein paar. Wir sind beide absolut konsequent. Ein wohlüberlegtes Nein ist ein Nein, bleibt ein Nein, ist kein Vielleicht und kein Jein. Mittlerweile spüre ich immer mehr, dass mir ihr Minimalismus und ihre Ordnungsliebe auch in den Genen steckt. Und nicht zuletzt habe ich meine Schlagfertigkeit definitiv von Mama.

9 Was machst du morgens als erstes?

Das Internet leerlesen. Mails, Whatsapp, Facebook-Nachrichten checken.

10 Kannst du gut vorlesen? 

Meine Tochter findet, ja. Ich liebe es, den Bären Dr. Brumm mit tiefer Stimme und seinen Goldfisch Pottwal mit einer ganz piepsigen sprechen zu lassen.

11 Bis zu welchem Alter hast du an den Weihnachtsmann geglaubt? 

Ich verstehe die Frage nicht. Wer zweifelt an der Existenz des Weihnachtsmanns?

12 Was möchtest du dir unbedingt mal kaufen? 

Die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Vermutlich, weil ich mit den kleinen Freuden des Alltags maximal glücklich bin und gar nicht so sehr an Materiellem hänge. Aber vielleicht irgendwann ein Paar Jimmy Choos. (Das sind Schuhe.)

13 Welche Charaktereigenschaft hättest du gerne? 

Ich glaube, mir fehlt keine. Ich könnte vielleicht manchmal etwas mehr Geduld aufbringen.

14 Was ist deine Lieblingssendung im Fernsehen? 

Auch schwer zu sagen. Das Einzige, worauf ich mich wirklich freue, ist der Münsteraner Tatort. Viele finden ihn extrem klamaukig und albern, ich mag das Ermittlerduo Thiel und Boerne einfach sehr gern. Ansonsten gucken wir sehr sporadisch und recht wahllos fern. Ah, ich mag die Fixer-Upper-Folgen, die ich mal zufällig auf sixx entdeckt habe. Könnte ich mir mal wieder angucken.

15 Wann bist du zuletzt in einem Vergnügungspark gewesen? 

Das ist geschätzt 15 Jahre her. Mein Mann und ich waren im Europapark. Ich erinnere mich nur noch daran, dass wir am Ende wie zwei ermattete Rentner mit der Milka-Bahn durchs Gelände getuckert sind. Irgendwie gibt mir das nichts.

16 Wie alt möchtest du gerne werden? 

So alt, dass ich zufrieden sagen kann – es ist gut jetzt.

17 An welchen Urlaub denkst du mit Wehmut zurück? 

An den letzten, weil er sehr eindrucksvoll war. Wir haben uns zwei Wochen lang in die Fjorde und durch die Sunde Norwegens schippern lassen. Bergen und Trondheim stehen seither auf der Wiederholungsliste. Außerdem habe ich da ein Rentier gestreichelt und das war wirklich eine sehr spezielle und schöne Erfahrung. Auch wenn es arschkalt war.

18 Wie fühlt sich Liebeskummer für dich an? 

Ich bin da ein bisschen unbeholfen, weil ich noch nie in meinem Leben welchen hatte. Klingt zwar komisch, ist aber so. Die Jungs, die ich spannend fand, fanden mich doof. Die Jungs, die ich doof fand, fanden mich spannend. Bis ich mit 19 über meinen Mann stolperte, mich am ersten Abend verliebte und ihn zehn Jahre später heiratete. Ich habe nie Kummer gehabt wegen einem Mann.

19 Hättest du lieber einen anderen Namen? 

Ein bisschen Frieden, ein bisschen Liebe … in den Achtzigern war die zarte Nicole mit ihrer weißen Gitarre DAS deutsche Wunder. Und vermutlich heiße ich so, weil der Name damals modern war. Ich kann damit leben und finde Nicole sehr in Ordnung. Mit zweitem Namen heiße ich Jasmin, was mir fast besser gefällt, aber es ist eben wie es ist. Als Kind wollte ich übrigens Penelope oder Dorothee heißen. Ich bin heute über Nicole sehr glücklich.

20 Bei welcher Gelegenheit hast du an dir selbst gezweifelt?

Oh, schon öfter. Vor allem während meiner Ausbildung im Volontariat. Ich hatte ganz oft das Gefühl, ich bin zu doof für diesen Job. Wie sich das verändert hat, habe ich hier neulich erzählt.

21 Ist es wichtig für dich, was andere von dir denken?

Hier kann ich mit gutem Gewissen sagen – nein. Sagen wir so – wenn damit gemeint ist, ob es mir wichtig ist, was mein Chef von meiner Arbeit hält – dann natürlich schon. Ich würde mir wünschen, dass er mir die Dinge, mit denen er unzufrieden ist, erklärt. Und nicht einfach denkt – “meine Güte, die hat das auch nicht im Griff.” Auch wenn ich aus dem Haus gehe und mein Mann findet, dass mein Rock zu kurz ist – der darf mir das zumindest sagen. Soll er sogar. Aber wenn mit “andere” wirklich Außenstehende gemeint sind – dann nein. Es ist mir völlig wurscht, was die Nachbarn, andere Eltern, die Frau hinter der Tanstellenkasse von mir denken. Umgekehrt – warum sollte mich das interessieren? Sie leben nicht mein Leben, sie sind nicht ich, sie wohnen nicht hier. Es gibt kaum etwas, was mich so wenig beeindruckt, wie ihre Gedanken über mich.

22  Welche Tageszeit magst du am liebsten? 

Ich lebe furchtbar gerne. Morgens, mittags, abends. Ich mag den Vormittag, weil ich da (wenn ich mal den ersten Kaffee intus habe) frisch und voller Tatendrang bin. Weil ich gleich viel erledigen kann, Wäsche machen, einkaufen oder zur Arbeit gehen.  Ich mag die Mittagszeit, weil es etwas zu Essen gibt (und ich schon mal eine Art Zwischenbilanz des Tages ziehen kann) und ich mag den Abend, wenn wir alle hier zur Ruhe kommen, den Münsteraner Tatort gucken und einen Teller Obst veputzen. Wenn der Ofen bollert und wir uns Kerzen anzünden und mit Hannah eine Runde “die verrückte Wettermaschine” spielen. Eigentlich habe ich keine Lieblingstageszeit.

23 Kannst du gut kochen? 

Wartet, ich frage mal.

Mein Mann sagt, ja. Vermutlich traut er sich nichts anderes zu sagen. Aber vielleicht kriege ich es wirklich ganz gut hin. Ich hab ja nen Thermomix und wie wir alle wissen, ist das ein unnötiges und überteuertes Gerät, das nur Frauen benutzen, die nicht kochen können. *Ironie off*

Über Ernährung habe ich schon ganz viel geschrieben und ich freue mich immer wieder, dass ihr meine Rezepte ausprobiert und genauso mögt wie ich. Insofern kann die breite Masse nicht gaaaanz daneben liegen, ne? Und der beste Indikator ist immer noch mein Kind, das neulich sagte: “Mamas Essen ist das allerbeste auf der ganzen Welt.” Noch Fragen?

24  Welche Jahreszeit entspricht deinem Typ am ehesten?

Ganz eindeutig der Frühling. Ich mag den Winter nicht, weil ich mit Schnee und Kälte nichts anfangen kann. Mit extremer Hitze übrigens auch nicht, ab 30 Grad funktioniere ich nur noch auf Sparflamme und möchte den ganzen Tag jammernd im Keller sitzen. Und der Herbst hat zwar schöne Seiten, aber oft auch etwas Melancholisches. Im Frühling hingegen erwacht die Natur, alles wird neu und frisch und grün. Gibt es etwas Schöneres?


25  Wann hast du zuletzt einen Tag lang überhaupt nichts gemacht? 

Letztes Jahr im Februar. Da hatte ich Magen-Darm-Grippe und lag den gesamten Tag im Bett. Außer Spucken und Leiden war nichts drin. Aber sonst erinnere ich mich an keinen Tag, an dem ich überhaupt nichts gemacht habe. Das entspricht auch überhaupt nicht meinem Naturell, ich liebe es, produktiv zu sein. Und wenn ich mal wirklich Urlaub habe, dann vertiefe ich mich in Kardamom und Kümmel.

26  Warst du ein glückliches Kind? 

Wieso warst? 🙂 Ich bin’s noch immer. Spaß beiseite, ich war ein glückliches Kind. Ich hatte immer alles, was ich brauchte. Ich hatte Eltern, die mir zwar nicht alles kaufen konnten

oder wollten, aber die mich liebevoll zur Selbstständigkeit erzogen haben, die meine musische und kreative Neigung erkannt und gefördert haben und mich in meiner Jugendzeit auf meinen ersten Schritten in Richtung Journalismus unterstützt haben. (Lieber Papa, Du hast mich an vielen Wochenenden zu Kirchenkonzerten und zu Kinderartikelbörsen gefahren und begleitet, dafür bin ich dir noch heute dankbar.)

27 Kaufst du oft Blumen?

Oh ja. Ich habe einen ausgeprägten schwarzen Daumen. Alle Topfpflanzen, die in unserer Wohnung überleben, tun dies dank meines Mannes. Ich bin froh, dass mein Kind sprechen kann und mir mitteilt, wann es Hunger und Durst hat, sonst … hm.

Deswegen kaufe ich mit großer Begeisterung Schnittblumen. Die wirft man nach einer Woche ohne schlechtes Gewissen in die Biotonne. Weiße Blumen aller Art sind hier eigentlich immer. Zur Zeit Tulpen, eine Vase mit sich langsam öffnenden Kirschblütenzweigen und eine weiße Amaryllis. Absoluter Blumenfavorit: Weiße Rosen. Schon immer.

28 Welchen Traum hast du?

Ich habe darauf auch nach längerem Grübeln keine Antwort. Die Frage ist so groß und allgemein, dass ich nichts konkretes damit anfangen kann. Wenn ich mir etwas sehnlichst Wünsche, dann setze ich es um. So bin ich in meinem Traumberuf gelandet und habe mir ein Klavier zugelegt. Einen Traum, der unerreichbar ist, habe ich nicht.

29  In wievielen Wohnungen hast du schon gewohnt?

Elternhaus mitgerechnet in vieren. Ein kurzer Abstecher hat mich nach Neu-Ulm verschlagen, zwei Jahre wohnte ich in einer Jugendstilvilla in Riedlingen, vor 15 Jahren bin ich mit meinem Mann zusammengezogen.

30  Welches Laster hast du?

Schuhe, sagt mein Mann. Was sind schon 75 Paar, sage ich.

31  Welches Buch hast du zuletzt gelesen?

Ich lese es noch: Die Macht der Gewohnheit. Es ist großartig und spannend und erklärt mir viel über mich selbst.

32 Warum hast du die Frisur, die du jetzt trägst?

In den Neunzigern fand ich die Sängerin von Roxette bildhübsch. Sie hatte hellblonde, wilde, kurze Haare. Ich hatte mausbraune lange. Als ich mich zu einem Kurzhaarschnitt hinreißen ließ, wurde daraus ein ziemlicher Topfschnitt und ich ähnelte der Sängerin von Roxette in etwa so sehr wie Mireille Matthieu in brünett. Heute sind meine Haare sehr hellblond und kurz und wenn ich will, style ich sie wie die Sängern von Roxette damals. Ich habe die Frisur also deshalb, weil sie zu mir gehört. Weil ich schon vor 20 Jahren wusste, dass ich das bin. Dabei habe ich übrigens gerne und viele Umwege eingeschlagen. Ich hatte Haare bis zum Hintern, ich trug sie schwarz, rot, pink und grün. (Nacheinander) Ich hatte brünette Dauerwellen und eine schwarzen Beinahe-Iro. Es sind nur Haare.

33 Bist du von deinem Mobiltelefon abhängig?

Ja und nein. Habe ich es griffbereit, werfe ich tatsächlich oft einen Blick darauf. Die Macht der Gewohnheit! Ist es im Nebenraum oder ausgeschaltet, ist das für mich aber auch in Ordnung. Eigentlich genieße ich dann sogar die völlige Freiheit. Ist das ein Zeichen von Abhängigkeit oder einfach Zeitgeist?

34 Wie viel Geld hast du auf deinem Bankkonto?

Es ist ok. Luft nach oben ist immer.

35  In welchen Laden gehst du gern?

Ich liebe Buchläden. In keiner Stadt komme ich an einem Buchladen vorbei. Allein schon wegen des Geruchs nach Papier und Teppichboden. Genauso liebe ich zwei kleine Cafés hier in meiner Heimatstadt. In beiden gibt es neben Kaffee und Kuchen auch Tees zu kaufen, Schokoladen, Porzellan und wunderbare Kleinigkeiten.

36 Welches Getränk bestellst du in einer Kneipe?

Ohgott. Wenn das jemand liest. (haha). Ich bestelle tatsächlich zum Essen gerne Wasser. Und wenn wir abends sonst unterwegs bin eigentlich grundsätzlich alkoholfreie Sachen (die ganze Bandbreite von Saftschorle bis zum Heißgetränk). Hin und wieder aber auch einen Cocktail oder einen Hugo. Hat übrigens nichts mit Askese zu tun: Ich mag zum Beispiel überhaupt kein Bier.

37   Weißt du normalerweise, wann es Zeit ist, zu gehen? 

Immer wenn es Zeiiit wär zu gehn, verpass ich den Moment und bliebe stehn … nö, ich glaub, ich geh keinem auf den Wecker und gehe immer dann, wenn es Zeit ist.

38  Wenn du dich selbstständig machen würdest, mit welcher Tätigkeit?

Schreiben oder Bloggen.

39  Willst du immer gewinnen?

Liebe Oma im Himmel, erinnerst Du Dich noch an unsere Nachmittag mit dem Mühlebrett? Wenn ich verloren habe, habe ich vor Wut das Spielbrett vom Tisch geworfen. Wenn ich gemerkt habe, dass Du mich gewinnen lässt, auch. Insofern – ich gewinne schon gerne, aber seit ich ein Kind habe, predige ich auch, dass man verlieren können muss. Es ist doch nur ein Spiel.

40  Gehst du in die Kirche?

Wenn damit gemeint ist, ob ich regelmäßig sonntags in den Gottesdienst gehe – nein. Aber auch hier: Ich komme an kaum einer Kirche vorbei, ohne hineinzugehen. Ich genieße die Ruhe, die Stille, das Sakrale dieses Ortes und kann darin gut mir selbst zuhören.

 

Hat irgendjemand bis hierhin durchgehalten? Ja? Wer Lust hat mitzumachen, findet die Fragen auf Johannas Blog. Auch die nächsten 20 stehen schon bereit, mit denen lasse ich mir jetzt ein bisschen Zeit.

Nochmals ein dickes Dankeschön für diese tolle Aktion!

Jetzt gehe ich mal lesen ….

Warum ich jetzt offiziell eine alte Frau bin. Und woher meine Currylunge kommt.

Ich bin jetzt eine alte Frau. Gestern wurde ich von einer Verkäuferin in einem Fachgeschäft für Hausrat in den Stand der nicht-mehr-jungen-Frauen aufgenommen. Allein die Tatsache, dass ich Fachgeschäfte für Hausrat aufsuche, sagt ja eigentlich schon alles.

Aber lasst mich einen kurzen Abstecher zum Donnerstag machen. Am Donnerstag habe ich mich mit meinem Mann auf den Weg ins Designer-Outlet nach Metzingen gemacht. Vor meinem geistigen Auge sah ich mich mit dem Pradatäschchen am Handgelenk einen Latte Macchiato auf einer Piazza schlürfen in der Wintersonne. Zwischen einer kurzen Stipvisite bei Jimmy Choo und Gucci. Eine raffiniert geschnittene weiße Bluse hatte ich gesucht. Und ein dunkles Oberteil.

Was ich aber nach drei Stunden kaufte, war ein Kleid von Vero Moda für 18 Euro, drei Gemüsemesser und zwei Bratpfannen. Ich bin kein Fashion-Victim, ich bin ein Silit-Suchti. Großes Kino. Während andere auf dem Heimweg also verliebt über Glattlederstiefel streicheln, streichelte ich hingerissen über die Anti-Haft-Beschichtung meiner beiden Pfannen. Schon da hatte ich den Eindruck, dass früher irgendwie mehr Lametta war.

Gestern aber wurde dieser Eindruck ein für alle mal unwiderbringlich in meinem Bewusstsein festzementiert. Als ich das Gewürzschränkchen neben dem Herd öffnete, war ich plötzlich unfassbar genervt von dem Kuddelmuddel aus Döschen und Tütchen. Und weil ich erst neulich noch behauptet hatte, die kleinen Dinge des Lebens schätzen zu wollen und mir den Alltag schön zu machen – practise what you preach – bin ich also losgezogen, um ein Gewürzregal zu kaufen. (Ein Vorher-Bild kann ich Euch unmöglich zeigen. Der Aufwand, den Blog in Dailymess umzubenennen ist mir zu groß. Aber vertraut mir einfach – es war absolut notwendig! Wer mir auf instagram folgt, kann trotzdem kurz gucken!)

Ich hatte mir das alles sehr einfach vorgestellt. Laden, Regal, Dosen, Kasse, heim, einräumen, fertig. Bis ich im Möbelgeschäft und dort einer ratlosen Verkäuferin gegenüber stand, die mir erklärte, dass kein Mensch heutzutage mehr Gewürzregale benutze. (Ich, der Dinosaurier, merkt ihr?) Derart eingeschüchtert kaufte ich also nach langem Überlegen zwei verchromte Gestelle mit je sechs Glasbehältern darin.

Als ich sie daheim auspackte, war die Enttäuschung groß: Das Attribut verchromt traf allenfalls auf das klapprige Gestell zu. Die Deckel der Dosen, die auf dem Bild silbern geglänzt hatten, waren aus billigem Kunststoff, dessen silberner Bezug verkratzt und dreckig war. Das Glas der Streuer war zum Teil trüb und innen rau. In meiner Küche will ich sowas nicht. Also packte ich die Streuer wieder ein und brachte sie ins Geschäft zurück, das ich mit einer Gutschrift und zwei großen Vorratsdosen verließ. Im zweiten Laden fand ich zwar hübsche Döschen, aber kein Gewürzregal. Weil heutzutage … ihr ahnt es.

Im dritten Geschäft dann die Erleichterung: Die Verkäuferin drehte sich beim Hören meiner Anfrage nickend auf dem Absatz um und bedeutete mir, ihr zu folgen. Es gab Gewürzregale. Sogar zwei zur Auswahl. Aber keine Dosen, beziehungsweise nur sechs Stück. Ich kaufte dennoch glücklich das kleine Regal. Und jetzt kommt’s: An der Kasse erzählte ich ein wenig von der Odyssee und der Suche nach diesem Regal. Darauf sagte die Verkäuferin WÖRTLICH: “Die jungen Frauen brauchen sowas nicht mehr. Die kochen alle mit Maggifix.” ICH BIN ALSO OFFIZIELL RAUS AUS DER RIEGE DER JUNGEN FRAUEN! Sagt das Fachgeschäft für Hausrat! 

Ich machte mich auf den Weg zurück zu Geschäft 2. Dort kaufte ich alle verfügbaren Dosen. Das waren vier, aber sie waren hübscher als die sechs von Geschäft 3. 30 weitere sollten nächste Woche eintreffen.

Ich fuhr nach Hause und begann die ersten vier Gewürze umzufüllen. Dann machte ich mir mitten im Chaos (sind Ärzte unter meinen Lesern? Gibt es eine Currylunge?) einen Kaffee und ließ das Durcheinander auf mich wirken. Und plötzlich hatte ich einen Geistesblitz. Die kleinen Dosen aus Geschäft 2 sahen völlig identisch aus, wie die beiden Vorratsdosen aus Geschäft 1, nur eben kleiner. Ich hatte dort auch kleine Dosen gesehen. Und die Gutschrift. Also  fuhr ich ein drittes Mal in Geschäft 1, grüßte die Verkäuferinnen, als wären wir alte Bekannte und lud mir die Arme voll mit zwei großen und neun kleinen Dosen. Ich habe offiziell den örtlichen Einzelhandel leergekauft, ein Geschäft dreimal, eines zweimal und eines einmal besucht, mindestens 30 Kilometer dafür verfahren, sechs Stunden für die Mission Gewürzregal gebraucht und erfahren, dass ich alt bin. Und das alles an einem einzigen Freitagnachmittag.

Und so sieht es schließlich installiert aus (nachdem der beste Mann noch in den Baumarkt gefahren ist, weil in unserem Sortiment aus 395764839 Fantastilliarden Schrauben natürlich die passenden nicht enthalten waren.).

Und jetzt alle so: Wooooow!

Übrigens behauptet eben jener Mann, er hätte schon beim Kauf der Küche zu einem solchen Gewürzregal geraten, was ich mit abgelehnt hätte mit der Begründung, so ein altmodisches Zeug käme mir nicht in die Küche. ICH BIN ALSO DEFINITIV ALT!

Um wenigstens dem geistigen Verfall ein bisschen Einhalt zu gebieten, habe ich die Dosen übrigens nicht beschriftet. Ich merke mir einfach, welches Gewürz wo drin ist. Im Alter wird ja auch der Geschmackssinn schlechter. Was soll jetzt noch schief gehen.

Warum 2018 mein Jahr wird. Und 2019. Und 2020 …

Ich bin wieder da! Das Blog und ich haben uns eine kleine Auszeit gegönnt. Eigentlich wollte ich pünktlich zum neuen Jahr wieder loslegen, aber ich hab ein bisschen Luft gebraucht. Jahreswechsel sind ja schließlich prädestiniert dafür, sich zu sortieren, neu aufzustellen und die Richtung zu justieren. Dazu später noch mehr.

Ich habe zwischen den Jahren und in der Woche nach Silvester gearbeitet, abgesehen davon hatte ich aber auch einfach kein Bedürfnis, mich daheim an den Rechner zu setzen. Es hat mich viel mehr auf die Couch gezogen mit einem der besten Weihnachtsgeschenke überhaupt: Ich habe von meinem Mann die komplette Sammlung von “Mit Schirm, Charme und Melone” bekommen und mich absolut in die Sechziger verkrümelt. Miss Peel und ich sind ganz dicke.

Das aber eigentlich noch viel bessere Weihnachtsgeschenk war eine Überraschung. (Ich sagte ja, ich habe völlig vergessen, was ich mir so gewünscht habe das Jahr über…) Nämlich: Das Buch “Die Macht der Gewohnheit – warum wir tun, was wir tun” von Charles Duhigg.

Ich hatte erst die Befürchtung, es sei eine trockene, wissenschaftliche Erklärung der menschlichen Psyche. Aber weit gefehlt. Der Autor lässt keine Längen aufkommen, in dem er immer wieder spannende Fälle aus der Praxis schildert. Und ich habe beim Lesen einen Aha-Moment nach dem anderen. Als hätte ich beim Schreiben dieses Posts geahnt, dass ich mich mit dem Thema Disziplin noch weiter auseinandersetzen werde.

Denn Disziplin, das habe ich jetzt gelernt, ist keine angeborene Haltung, sondern eine Gewohnheit, die man sich antrainieren kann. Überhaupt – man kann sich recht viel Gutes angewöhnen. Das Gehirn schafft Strukturen, die einem Auslösereiz eine Tat folgen lassen, die uns das Gefühl der Belohnung verschafft. Diese Strukturen sind, einmal angelegt, kaum mehr abzulegen. Aber sie lassen sich anders füllen. Wer versteht, warum er zur Zigarette greift (kurze Pause, soziale Kontakte, Ablenkung) kann sich das zunutze machen und eine Ersatztätigkeit einbauen, die dieselbe Wirkung hat. Ein Stück Obst, 5 Minuten Augen schließen, etc.

Auch Selbstbeherrschung kann man trainieren, wie einen Muskel. Wer es gewohnt ist, viel auf die Reihe zu kriegen, zahlreiche Aufgaben pro Tag abzuhaken, entwickelt sinnvolle Routinen und lässt nicht locker, ehe er alles geschafft hat, weil am Ende die Belohnung – ein gutes Gefühl – wartet. Wer es gewohnt ist, in den Tag hinein zu leben, sich  nicht um Dinge zu kümmern, bis es zu spät ist – wird auch mit dieser Gewohnheit leben, wenn er sie nicht willentlich ändert und durch eine bessere ersetzt.

Das Buch hat mich zum Nachdenken gebracht und genau aus diesem Grund, aus dem Gefühl heraus, oft zu funktionieren wie ein Schweizer Uhrwerk, habe ich zwei Wochen Abstand zum PC gesucht. Ich halte eigentlich nichts von guten Vorsätzen, ich halte aber viel davon, in sich hineinzuhören und seinem inneren Kompass Gehör zu schenken. Wenn das dann über Silvester passiert – dann ist das eben so.

Beim Nachdenken ist mir klar geworden, was ich für 2018 will – meine Richtung selbst bestimmen. Meine Entscheidungen noch weniger von außen abhängig zu machen, dem Bedürfnis, mich zu rechtfertigen, noch besser zu widerstehen. Beispiel gefällig? Gestern war ich Einkaufen und wollte schnell etwas fürs Mittagessen besorgen. Ich hatte weder Körbchen noch einen Wagen mitgenommen, aber die paar Kleinigkeiten – Fisch, Gemüse, Pasta – würde ich gut tragen können. Dachte ich. Bis ich die weißen Tulpen und die Büschel frischer Frühlingsäste sah und mir den Arm damit vollpackte. Meine Kapazität reichte immerhin noch für eine Packung Backfischstäbchen. An der Kasse scherzte ich mit der Kassiererin, dass es heute wohl Tulpensalat gebe. Und als ich ihr dann erklärte, dass ich grundsätzlich eher in schön als in praktisch denke, räusperte sich die ältere Dame hinter mir. Ich sah ihrem Ausdruck an, dass ihr Verständnis für junge Frauen, die Blumen statt Brokkoli kaufen, die ihrem Mann kein Schnitzel auf dem Teller sondern Knospen an Zweigen präsentieren, irgendwo im Negativbereich pendelte. (Bevor ihr Euch Sorgen macht – ich hatte noch ausreichend Gemüse im Kühlschrank und im Tiefkühler und Hannah seufzte zwischen zwei Gabeln dass “Mamas Essen das allerbeste auf der ganzen Weeelt” ist. Nimm das, fremde Oma.)

Ich habe außerdem beschlossen, mich von Dingen zu trennen, die mir keine Freude machen und mich nutzlos beschäftigen. Eigens dafür habe ich eine Flohmarktkiste angelegt, denn auf der Bucket List fürs neue Jahr steht ein Flohmarktbesuch. Bei einer Blitzumfrage im Freundeskreis habe ich übrigens rausgefunden, dass jeder, wirklich jeder etwas zur Flohmarktkiste beisteuern kann. Ich denke, das wir mal eine ganz vergnügliche Sache und ich werde nicht alleine dabei sein. 🙂

Während ich mich also von unnötigem Gedöns verabschieden möchte, soll das keineswegs einer Askese ähneln. Ich habe ein paar Dinge auf einer Wunschliste notiert, die ich mir das ganze Jahr über zulegen möchte. Schön Stück für Stück, wertschätzend. Meine erste Amtshandlung am Neujahrsmorgen  – darauf kommt ihr nie – war eine Bestellung im Internet. Wer hat wohl demnächst die weltschönsten Geschirrtücher, naaaa, weeeer? 🙂

Genau das bin ich. Ich liebe es, Dinge schön zu machen. Auch die unbeachteten Dinge zu schätzen. Natürlich könnten wir auch ohne weiße Amaryllis leben. Natürlich könnte ich auch mit den alten Geschirrtüchern leben.  Aber lohnt sich Pragmatismus wirklich immer? Natürlich könnte ich mir ein Paar Sneakers kaufen und sie täglich tragen. Ich müsste keine Schuhe wegen ruinierter Absätze zum Schuhmacher tragen. Aber will ich das? Natürlich könnte ich mich in Funktionskleidung hüllen, müsste nicht so oft bügeln und schon gar nicht frieren oder schwitzen. Aber bin ich das? Wenn ich mir etwas vorgenommen habe für 2018, dann genau das: Jeden Tag noch ein bisschen besser hinzuhören, wer ich bin. Was die Stimme in mir will. Ich will meine Persönlichkeit noch ein bisschen besser auskosten, ans Licht holen und einfach ich selbst sein. In Blüschen, auf hohen Hacken und mit frischen Blumen auf dem Tisch.

Und ihr so? Vorsätze?

 

Weihnachten ist in Dir!

Ich war heute Nachmittag in England. Genauer – in der Downtown Abbey. Seriensüchtige wissen vermutlich wovon ich rede . (Ich kannte die Serie davor nur sporadisch, fand allerdings Gefallen daran und freute mich, durch Zufall heute eine halbe Staffel am Stück gucken zu könne.) Und ich habe tatsächlich den gesamten Nachmittag nichts anderes getan. Konsequenz ist quasi mein zweiter Vorname.

Einzige Unterbrechung meines Herumhängens war eine schnelle Bastelaktion mit Fimo: Ich habe, weil meine Weihnachtsanhänger aus Fimo so gut ankamen, zartgraue Sterne ausgestochen und sie mit guten Wünschen fürs neue Jahr beschriftet. An Silvester werden sie schlichter Teil der Tischdeko sein und für unsere Gäste eine kleine Aufmerksamkeit.

So geht’s:

Ihr braucht dazu Fimo-Soft in delphingrau, einen Sternausstecher (am besten gehen die aus Metall), Backpapier und einen Ofen. Ich habe das Fimo in sechs gleichgroße Teile geteilt, auf Backpapier flach ausgewellt, Sterne ausgestochen, ein Loch für die Schleife hinein gemacht und sie bei 110 Grad 30 Minuten gebacken.

Dabei ist mir etwas ganz bewusst geworden – es sind nicht die großen Dinge, die wirklich Freude machen. (Natürlich würde ich mich über einen Porsche oder ein Schwimmbad im Keller auch freuen, just saying) Aber es ist der Gedanke des Schenkens, die Idee, die Freude macht. Wir alle wissen das, aber viele handeln insgeheim dennoch anders.

Gestern ist mein Papa 70 geworden. Ich habe ihm etwas geschenkt, worüber er sich sehr, sehr gefreut hat. Er hat sogar extra gestern Abend nochmal am Telefon gesagt, dass die Idee wirklich toll war. Was es war? Neun Fotos. Ich habe unser Stadtarchiv konsultiert und ein altes Bauwerk heraussuchen lassen, das mein Papa nachbauen möchte. Ich habe die Originalbilder abfotografiert und die Fotos erneut drucken lassen. Kostenpunkt: 2,43 Euro. Freude: Riesig.

Und eigentlich geht es genau darum auch an Weihnachten. Beieinander sein, bewusst Zeit füreinander zu haben, sich eine Freude zu machen, die nichts mit dem tatsächlichen Wert des Verschenkten zu tun hat. Ich freue mich sehr auf Heilig Abend, denn sowohl meine Eltern als auch meine Schwiegereltern versammeln sich mit uns um einen Tisch. Es wird laut und lustig, wir singen und ich spiele Klavier. Zu essen gibt es kein Festmahl – wir essen das ganze Jahr gut. Im Gegenteil: Es geht bescheiden zu bei Würstchen und Kartoffelsalat. Und wisst ihr was? Niemandem hier ist es wichtig, dass sich das ominöse Weihnachtsgefühl einstellt. Jegliche Erwartungshaltung sorgt eigentlich nur dafür, dass am Ende des Abends ein schales Gefühl zurückbleibt. Ich freue mich einfach auf meine Lieben. Die Geschenke sind nettes Zubehör, aber sie machen Weihnachten nicht aus. Und ich mache mein Lebensglück ganz bestimmt nicht abhängig vom Inhalt eines Weihnachtspäckchens oder Ausnahme-Glücksseeligkeit.

Und eigentlich liegt in dieser Nicht-Erwartungshaltung mein Schlüssel zum persönlichen Glück und zu meiner tiefen Zufriednheit: Ich erwarte nämlich grundsätzlich einfach gar nichts, nicht nur an Weihnachten. Um so größer ist meine Freude, wenn mir etwas Nettes wiederfährt.

Euch wünsche ich jetzt das Fest, das Ihr Euch wünscht. Genießt den Abend mit Euren Familien oder – wenn Euch das lieber ist – ganz mit Euch selbst.

Das Blog macht eine kleine Weihnachtspause. Bis bald!

Warum ich mein Pensum im Griff habe und nicht andersrum – Motivation ist eine Haltungsfrage!

“Wie machst du das eigentlich alles?”, fragte mich neulich eine Freundin mit ungläubigem Blick, als wir uns gegenseitig aus unserem Leben erzählten (Frauentagebuchgeplauder, Kinder, Küche, Hausarbeit, Arbeit, wer wann was mit wem, you know). Ich stutzte und dachte kurz nach. Dann sagte ich ihr: “Ich denke nicht, ich mache halt. Und zwar aus Prinzip gerne.” Dank meiner eigenen Motivation.

Die Antwort kam aus dem Bauch heraus und war absolut ehrlich. Aber sie hat mich selbst ein bisschen verblüfft. Denn tatsächlich liebe ich nichts mehr als Produktivität. Am liebsten sinke ich abends in die Kissen mit dem guten Gefühl, den Tag ausgekostet zu haben und Dinge erledigt, geschafft, erschaffen, gewuppt zu haben. Die Königsdisziplin dabei ist: Sich nicht stressen zu lassen. Auch das gelingt mir immer besser.

Ich habe daher beschlossen, das alles mal aufzuschreiben, vielleicht kann ja jemand da draußen einen Nutzen für sich draus ziehen.

1. Zeit sinnvoll nutzen und den Überblick behalten

Grundlage meines Tuns ist eine absolut realistische Zeitplanung. Ich weiß recht genau, wieviel Zeit ich für welches Projekt einplanen muss. Oft sind meine Tage ziemliche Punktlandungen, manchmal gelingt es mir aber auch, Puffer richtig einzuschätzen. An drei Tagen der Woche arbeite ich komplett. Diese Tage sind nur schwer kalkulierbar und ich nehme mir für die Abende nichts weiter vor, weil es grundsätzlich sieben wird, bis ich zu Hause bin, manchmal sitze ich aber auch bis 23 Uhr in der Redaktion, je nachdem, wieviel Abendtermine in der Woche anstehen und wie lange sie dauern.

Wenn ich einigermaßen früh daheim bin, erledige ich Wäsche. Nichts schreckt mich so sehr, wie ein überquellender Waschkorb. Deswegen nehme ich mir an solchen Tagen abends 10 bis 20 Minuten Zeit um eine Waschmaschine zu befüllen und anzustellen, auszuräumen, aufzuhängen, den Trockner auszuräumen etc. Da ich nicht selbst bügle, besteht die einzige logistische Herausforderung darin, die Bügelwäsche rechtzeitig aus dem Haus zu bringen und sie wieder abzuholen. Da ich aber täglich mit dem Auto unterwegs bin, erledige ich das quasi unterwegs. Genauso nebenbei gucke ich täglich mindestens zweimal in den Kühlschrank. Ich habe also ungefähr im Blick, wovon wir noch genug haben und was zur Neige geht. Ich erzähle unserer Alexa vom Notstand im Kühlschrank und sie notiert das brav. Ich könnte aber genau so gut einen Zettel vollschreiben. Wenn ich nach der Arbeit dazu komme, gehe ich Dienstags, Mittwochs oder Donnerstags einkaufen. Wenn nicht, nehme ich es mir für meine beiden freien Tage vor.

2.  Das große Ganze sehen

Ob freier Tag oder Arbeitstag – wer viel auf die Reihe bekommen möchte, muss in erster Linie wollen. Dabei hilft mir (und ich bin erst im Zuge des Grübelns nach dem Gespräch drauf gekommen, ich mache das quasi automatisch) in Bildern zu denken. Ich kenne nur wenige Frauen, die gerne putzen. Auch ich bin nicht unbedingt scharf darauf, an meinen beiden freien Tagen den Putzlappen zu schwingen. Aber kaum habe ich beispielsweise unser Bad betreten, sehe ich es vor meinem inneren Auge – blitzblank und aufgeräumt, einladend, ein richtiger Wellnessraum. Öffne ich die Augen wieder, sehe ich den Unterschied: Herumliegende Klamotten und Kalkränder. In dem Moment ist aber das Bild vor meinem inneren Auge die beste Motivation. Ich fange an zu putzen und weiß, spätestens eine Stunde später ist mein Traumbild Realität.

Das kann ich auf alle Bereiche des Haushalts ausdehnen: Ich habe nicht immer Lust zu kochen, manchmal fehlt mir auch schlicht die Idee. Sollte mir gar nichts einfallen, lasse ich mich im Supermarkt inspirieren. Oft kaufe ich ein Sammelsurium aus Gemüse ein, bis sich das Bild herauszukristallisieren beginnt: Ich sehe meine Familie am Tisch vereint, alle haben ein frischgekochtes und leckeres Essen vor sich. Und plötzlich habe ich nicht nur unbändige Lust zu kochen, die Zutaten fügen sich auch fast von selbst.

Im Prinzip entstehen so auch meine schönsten Geschichten: Ich habe ein Gegenüber vor mir und spüre im Lauf des Gesprächs den Klang, den diese Story hat. Noch während ich mit meinem Interviewpartner rede, beginne ich mich in den Text hineinzudenken. Ich stelle mir einfach vor, dass am Ende des Tages eine einfühlsame, treffende Geschichte steht. Und an diesem Ziel orientiere ich mich.

Diese drei Beispiele zeigen: Ich denke da nicht drüber nach, es ist ein Automatismus. So lange ich schon vor dem ersten Schritt sehen kann, wie das Ergebnis sein wird, so lange fällt es mir nicht schwer, den Weg bis dahin auch zu gehen. Konsequenz ist das Zauberwort.

All das funktioniert allerdings nicht ohne ein bisschen …

3. Disziplin und Fleiß

Wie ich vorhin schon sagte: Wer viel auf die Reihe bekommen will, muss es wollen. Nicht nur von all den Vorhaben sprechen. Am besten gar nicht viel sprechen, lieber machen. Die meisten Dinge sind nämlich schnell erledigt. Mal die Wohnung saugen: 20 Minuten. Die Spülmaschine ausräumen: 10 Minuten. Eine Ladung Wäsche aufhängen: 10 Minuten. Den Trockner ausräumen und Wäsche falten: 15 Minuten. In weniger als einer Stunde lässt sich so eine ordentliche Portion Hausarbeit erledigen. Der Trick dabei ist (neben dem großen Bild) jegliche Ablenkung beiseite zu legen. Kein Instagram, kein Whatsapp, Fernseher aus. Habe ich mal keine Lust auf das Pensum, wäge ich ab. Kann ich es tatsächlich ein bisschen schieben, dann gönne ich mir die Zeit. Aber meistens nehme ich mir einfach vor, es gerne zu tun. Und wie von alleine fängt es dann auch an zu laufen. Ich genieße es sehr, bei relativ einfachen Arbeiten die Gedanken schweifen zu lassen. Dabei lasse ich die Arbeit an sich nicht aus dem Blick: Ich weiß genau, dass mich schiefe Wäschestapel im Schrank nerven, also gebe ich mir beim Zusammenlegen Mühe. Und ehrlich: Ich freue mich beispielsweise jeden Tag über den Blick in meine wirklich ordentliche Wäscheschublade. Denn seid ehrlich:Wäsche schludrig zu falten und sie irgendwie in den Schrank zu stopfen nimmt nur unwesentlich weniger Zeit in Anspruch, als es ordentlich zu tun.

4. Ganz OK ist nicht gut genug

Und wenn ich nun schon Wäsche zusammenlege, dann mache ich es so gut ich kann. Schon aus Prinzip.(A propos Wäsche: Ich werde demnächst den Großteil meiner Wäschesammlung in den Altkleidercontainer bringen. Ich schreibe weiter unten noch, warum) (Ich habe übrigens gehört, dass es Menschen gibt, die ihre Wäsche einfach aus dem Trockner in die Schublade werfen. Diese Menschen und ich sprechen unterschiedliche Sprachen!)

Und im Übrigen: Dieses so-gut-ich-kann hat nichts mit Perfektionismus zu tun. Es ist eine Haltung allem gegenüber, was ich mache. Ganz oder gar nicht. Denn wem ist geholfen, wenn ich Dinge halbherzig erledige? Oft muss ich sie dann ein zweites Mal machen oder ich bin unzufrieden oder mein Chef ist unzufrieden (je nachdem worum es geht). Diese Haltung wirkt sich übrigens ganz konkret auf mein Leben aus: Ich habe nicht nur meinen Traumberuf wieder aufgenommen (und freue mich tatsächlich auch nach sieben Monaten noch jeden einzelnen Morgen wie bekloppt, wenn ich durch die Tür reinkomme), letzte Woche hat auch mein Chefchef völlig überraschend die Befristung meines Arbeitsverhältnisses aufgehoben. Er hätte damit noch fast anderthalb Jahre warten können.

Grundsätzlich glaube ich nicht, dass ich etwas kann, was sonst keiner kann. Ich bin aber überzeugt davon, dass viele unter ihren Möglichkeiten bleiben, weil es bequem ist, weil sie es schon immer so gemacht haben, weil Tante Frieda auch immer sagt, das macht man so, warum auch immer. Im Lauf der Jahre und mit zunehmendem Alter (husthust) habe ich aber auch immer mehr herausgefunden, wer ich bin und was ich will. Und ich werde dabei immer klarer. (Fast hätte ich kompromisslos geschrieben, aber das ist irgendwie negativ belegt, wenngleich es gut passt). Ich bin immer weniger gewillt, Abstriche zu machen. Sowohl bei meiner Arbeit, als auch bei den Dingen, mit denen ich mich umgebe. Um nochmal auf die Unterwäsche zurück zu kommen: Welche Frau kennt das nicht. Im Laden hat der BH noch gut gesessen und war bequem. Aber nach ein paar Tragestunden zwickt und rutscht er hier und dort. Und irgendwann landet er hinten in der Wäscheschublade. Bei mir hat sich da einiges angesammelt, denn ich habe mittlerweile einfach DIE Marke für mich entdeckt, die wunderschöne und zugleich perfekt sitzende Wäsche herstellt. Vom Rest werde ich mich leichten Herzens trennen. Und genau wie mit der Unterwäsche bin ich auch mit anderen Dingen. Das Leben ist zu kurz für schlechtes Essen, für ungesunde Beziehungen, für halbherzg erledigte Arbeit und – für kratzige BHs. 

Im Übrigen kann ich auch völlig entspannt schon nachmittags in einem Schaumbad versinken, ein gutes Buch mitnehmen und Wäscheberge ignorieren. Wenn ich nämlich spüre, dass ich die Auszeit brauche, nehme ich mir die Zeit. Auch das gehört dazu, kompromisslos auf sein Bauchgefühl zu hören. Aber selbst nach einem Winterspaziergang oder einem gemütlichen Bad ist der Tag noch immer lang genug für viele unterschiedliche Dinge. Die eigene Haltung ist der Schlüssel dazu.

 

Sherlock Holmes und die süßen Aprikosen

Würde man mich fragen, welche zwei Medien ich in meinem Leben für unabdingbar halte, so fiele meine Antwort eindeutig aus: Das Internet und Bücher aus Papier. So gerne ich mich schon morgens beim Kaffee online quer durch den Klatsch und Tratsch der Welt lese, so sehr liebe ich es, mich abends unter meine Decke zu kuscheln und noch ein paar Seiten in einem richtigen Buch zu lesen.

Nach der Entdeckertour auf dem Dachboden meiner Eltern neulich habe ich mir Sherlock Holmes mit ins Bett genommen (höhö). Ich habe mich spontan in die Sprache und Ausdrucksweise von Arthur Conan Doyle verliebt. Kein bisschen staubig und kompliziert, dafür flüssig und pointiert. Und weil ich am liebsten Dinge verschenke, die ich selbst großartig finde, habe ich meinem besten Freund Sherlocks gesammelte Abenteuer in ein Weihnachtspäckchen gepackt. Ich kann das hier erzählen, weil er das Päckchen schon vorweihnachtlich ausgepackt hat. Und was noch viel großartiger ist: Ich durfte einen der beiden Bände gleich ausleihen. Auf über 800 Seiten fiebere ich jetzt den Erzählungen von Sherlock Holmes entgegen.

Der intelligente Detektiv, der mit einer scharfen Beobachtungsgabe gesegnet ist und mit Dr. Watson, dem Erzähler, einen Komplizen mit Verstand an seiner Seite hat, ist so was von sympathisch! OK, seine Hauptlaster sind Zigarren, Zigaretten, Morphium und Kokain. Meins eher Schokolade. Trotzdem spricht er mir so oft aus der Seele:

Sherlock Holmes war an sich kein Freund gymnastischer Übungen, (…) erschien ihm doch zwecklose körperliche Anstrengung als Kraftvergeudung und er warf sich nur ins Geschirr, wenn ihn ein bestimmtes Ziel lockte.

(aus “Das Gelbe Gesicht”)

Vielleicht sollte ich mir manche Sätze einfach merken? Oft werde ich in meinem Job gefragt, woher ich was weiß. Auf die Frage, wie er zu seinen “merkwürdigen Schlussfolgerungen” gelangte, sagt Holmes beispielsweise (in “Der Mann mit der Schramme”):

Zu den vorliegenden bin ich dadurch gelangt, dass ich mich auf fünf Kissen setzte und eine gute Portion Tabak verrauchte.

Holmes ist Kunstfigur und hat nie wirklich gelebt. Er gehört nicht der Londoner Polizei an, sondern ist nur beratend tätig. Er handelt deswegen öfter nach seiner eigenen Moral und weniger nach Gesetzen und manchmal lenkt er die Geschicke auch ein bisschen mit:

Insofern trage ich zweifellos mittelbar die Schuld an des Doktors Tod, aber ich glaube kaum, dass sie mein Gewissen sonderlich schwer bedrücken wird.

(aus “Das getupfte Band”)

Wer jetzt noch gerne mehr von Sherlock Holmes wissen möchte, dem sei diese Doku ans Herz gelegt.

Ihr seht: Ich und Holmes, wir sind ganz dicke. Sollte ich  mich die nächsten Tage also hier ein bisschen rar machen, dann könnte es folgende Gründe dafür geben:

a) es ist Weihnachten

b) ich muss trotzdem arbeiten, auch zwischen Weihnachten und Silvester

c) wenn ich nicht arbeiten muss, stecke ich mit Holmes unter einer Decke

d) ich habe zuviele dieser köstlichen Schoko-Aprikosen gegessen und bin geplatzt.

Die sind nämlich die einfachste aber mit einer der köstlichsten Weihnachtsleckereien, die es bei uns fast jedes Jahr gibt. Geklaut habe ich das Rezept bei der Mama meiner besten Freundin, die diese Aprikosen jedes Jahr in der Adventszeit zauberte (und uns manchmal helfen ließ). Sie sind eine schöne Kindheitserinnerung und ich trage die Tradition gerne weiter. (Sie schmecken auch einfach verdammt lecker!)

Eigentlich darf sich das Prozedere nicht mal Rezept nennen, weil es zu simpel ist, aber trotzdem:

Ihr braucht eine Tüte getrocknete, geschwefelte Aprikosen, weiße, blanchierte Mandeln (ohne Haut) und dunkle Kuvertüre. Die Mandel drückt ihr fest in die Aprikose und tunkt das Ganze bis zur Hälfte in Kuvertüre. Auf einem Backpapier kann man warten, bis die Leckereien getrocknet sind, muss man aber nicht. 🙂

Die restlichen Mandeln habe ich einfach in der Kuvertüre gewälzt, mit ein bisschen Zimt bestäubt und ebenfalls trocknen lassen.

Ich werde mich jetzt notgedrungen von Sherlocks Geschichten losreißen und mich ein wenig um so weltliche Dinge wie Wäsche kümmern. Holmes hatte übrigens eine Haushälterin in der Baker Street. Die Welt ist einfach nicht gerecht.

Ein Herz für Kuhfladen! Oder: Warum ich heute fast jedes Weihnachtsklischee erfüllt hätte.

Der Countdown läuft – noch acht Tage bis Weihnachten. Naaa, wer hat seine Päckchen schon fertig eingepackt? Ich habe heute zumindest mal damit angefangen, während mein Mann mit Hannah einen Christbaum aussuchen gefahren ist. Und erfüllte dabei fast jedes Klischee (ich hatte nur keine weiße, gestärkte Schürze an mit Spitzenrändern, kennt man ja). Aber ansonsten gab ich mich völlig dem Flow aus Papier und Bändern und Aufklebern und Gedöns hin, während im Hintergrund Dean Martin von weißer Weihnacht träumte und ein verführerischer Duft nach frischen Plätzchen durchs Haus waberte.

Das mit dem Klischee fand allerdings ein jähes Ende, als ich entdeckte, was aus meinem neuen Rezept geworden ist: Braune, unansehliche Fladen, die verdächtig an die Hinterlassenschaften einer durchfallgeplagten Kuh erinnerten. Großes Kino. Zuerst war ich drauf und dran, das ganze Blech dem Biomüll zuzuführen. Dann besann ich mich eines besseren und stach schnell Herzen aus dem noch warmen Teig aus. Schmecken tun sie nämlich. Ich habe sie mit einem Guss aus dunkler Kuvertüre verziert, zerstoßene Zuckerstangen sorgen für einen Farbklecks. Das Rezept teile ich trotzdem nicht mit Euch, das Ergebnis rechtfertigt den Aufwand nicht.

Dafür ist mir die zweite Sorte gut gelungen und sie ist genau das Richtige für alle, die nach lauter Zuckerzeug Lust auf etwas Herberes haben: Die kleinen Runden Erdnusskekse sind wunderbar mürb aber nicht zu süß, sondern ein klein wenig salzig. Wer salziges Karamell in verbindung mit süß mag, wird sie lieben! Für mich sind sie definitiv meine Cookie-Highlights 2017.

Salty Peanut Butter Rounds

100g weiche Butter, 120g stückige Erdnussbutter, 100g braunen Zucker, 1 Päckchen Bourbon-Vanillezucker, 1 Ei, 220g Mehl, 2 TL Backpulver, gesalzene Erdnüsse

Vermengt die Butter, die Erdnussbutter, den braunen und den Vanillezucker zu einem cremigen Teig mit dem Handrührgerät. Dann rührt das Ei unter. Mischt das Mehl und das Backpulver und rührt es etappenweise unter, bis ein geschmeidiger Teig entsteht.

Formt aus diesem walnussgroße Kugeln, die ihr mit einer Seite in zerstoßenen Erdnüssen wälzt und leicht flach drückt. Im Ofen backen die Kekse auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech etwa 15 Minuten bei 180 Grad.

Für die Mädchen, die einfach eine nette Kleinigkeit bekommen, habe ich mir in diesem Jahr Rosa ausgesucht, wohl wissend, dass nicht ALLE Mädchen auf Rosa stehen. Aber vielleicht auf Schneemänner. Die habe ich einfach aus weißem Karton ausgeschnitten und auf das Packpapier geklebt. Ich packe gerne mit Packpapier ein, weil es eine neutrale Grundlage für alle möglichen Verzierungen bietet. Aber an dem wunderschönen, fein gepunkteten, kupferfarbigen Papier kam ich trotzdem nicht vorbei.

 

Mit dem Schneeflockenstanzer habe ich ein paar Flöckchen gestanzt, die übers eine oder andere Paket rieseln. Die Sterne und die Merry-Christmas-Fahnen sind einfach aus einer Vorlage von Word ausgedruckt, farblich angepasst.

Noch ein paar Worte zum Thema Schenken. Es mag Menschen geben, die hellseherische Fähigkeiten haben. Womöglich können diese Menschen Gedanken lesen und verschenken immer genau das, was der Beschenkte sich insgeheim wünscht. Zwar würde ich mich durchaus als empathische Person beschreiben, aber es ist mir tausendmal lieber, jemand sagt mir, ich wünsche mir dieses Buch, jenen Tee, dieses Parfum zu Weihnachten. Ich weiß, dass ich damit zu 100 Prozent einen Treffer lande und derjenige, der das Päckchen auspackt, freut sich über genau das, was er haben wollte.

Wer findet, die Spannung fehlt dabei, dem erzähle ich jetzt noch was: Ich habe mir zwar seit Herbst schon ungefähr täglich (sagt er) von meinem Mann etwas ganz Konkretes zu Weihnachten gewünscht und ihm auch gleich die Links dazu geschickt. Nur leider kann ich mich nicht mehr erinnern, was das war. Und es kommt noch besser: Mein Mann erinnert sich auch nicht mehr, wo er diese Geschenke versteckt hat. Vorweihnachtlicher Spannungsbogen: Können wir.

Ich wünsche Euch ein wunderschönes drittes Adventswochenende. Ich werde morgen in der Redaktion für die Montagsausgabe sorgen. Aber alles halb so schlimm, denn ICH! HABE! KEKSE!

Schubladen zu!

Wir Redakteure sind gehalten, allen Sachverhalten neutral gegenüber zu stehen. Wir werten nicht, wenn wir berichten, wir spiegeln die Tatsachen möglichst eins zu eins, suchen uns vertrauenswürdige Quellen und gleichen Schilderungen miteinander ab, um der Wahrheit auf die Schliche zu kommen. Das ist der Idealfall. Und trotzdem sind wir Menschen. Die über Dinge empört sind, die sich ärgern über andere. Und Menschen, die sich aus dem Gefühl heraus eine Meinung über andere bilden, ob wir das wollen oder nicht. Vielleicht sind wir sogar besonders empathisch, weil wir es jeden Tag mit Menschen zu tun haben, die entweder unbedingt in unsere Zeitung möchten oder eben lieber überhaupt nicht. Wir lesen unser Gegenüber und auch wenn wir uns an unsere Grundsätze halten, bleibt ein Gefühl, das er in uns auslöst.

Vor ein paar Tagen lief mir eine Geschichte über den Weg, die mich zum Nachdenken gebracht hat. Ein Gerücht zunächst, das sich im Laufe eines Vormittags als wahr herausstellte. Zwar nicht so blutrünstig, wie es erzählt wurde, aber doch so ähnlich. Ich klapperte verschiedene Informanten ab, fügte Puzzelteilchen zusammen, fragte hier nach, hakte dort nach. Anhand der Erzählungen schließlich hatte ich ein Bild des Hauptbeteiligten vorm inneren Auge, an dem es fast nichts zu zweifeln gab. Bis ich ihn anrief, um ihm selbst die Gelegenheit zu geben, sich zu äußern. Der Mann, den ich am Telefon erlebte, war ungefähr das Gegenteil von dem, was ich mir vorgestellt hatte.

Ich hatte das getan, was die meisten Menschen tun: Ich hatte eine Schublade gefunden, in die der fremde Mensch zu passen schien. Glücklicherweise hatte ich ihm die Möglichkeit eingeräumt, sich zu erklären.

Wenn ich diese Woche etwas gelernt habe (außer das mit der Rinderhaltung), dann auf alle Fälle, dass Vorurteile menschlich sind. Sich zunächst nur auf gesicherte Fakten zu verlassen und jedem Menschen offen zu begegnen, ist manchmal gar nicht so selbstverständlich. Aber wichtig. Nicht nur für Zeitungsleute.

Und sonst so? War die Woche irgendwie verdammt lang und anstrengend. Unvorhergesehene Termine, Tage, die früh anfangen und spät aufhören, Geschichten, die sich in die Länge ziehen, Gemeinderatssitzungen, Ortschaftsratssitzungen (man kann über 5 Tagesordnungspunkte über zwei Stunden sprechen!), 32 Arbeitsstunden in 3 Tagen. Trotzdem und immer noch: Ich habe den weltschönsten Beruf. Nicht trotz allem, sondern wegen allem.

Und die Weihnachtsgeschenkefront? Während ich letztes Jahr ungefähr am 1. Dezember fein säuberlich beschriftete Päckchen stapelte, hake ich heute immer noch to-buy-Listen ab. Merke: Eine Arbeitswoche verkürzt meinen Spielraum um 32 Stunden. Nicht immer, aber manchmal. Umso mehr sollte ich eigentlich zufrieden sein, dass niemand hier nackt ins Büro muss oder verhungert, dass irgendwie fast alle Weihnachtsgeschenke im Haus sind und dass bis Weihnachten ja auch noch 9 Tage Zeit ist. Ganz spontan habe ich mir übrigens überlegt, jemandem eine kleine Freude zu machen, der ganz sicher nicht damit rechnet: Jeden Abend in dieser Woche, an dem ich ermattet am Schreibtisch saß und in den Monitor hineinblinzelte, kam Rita vorbei. Rita ist die Reinigungsfee in der Redaktion, Mama zweier Mädchen und ein wunderbarer Mensch. Ich habe sie vom ersten Tag an ins Herz geschlossen, als sie mir kopfschüttelnd wie eine Mama eben meinen Mülleimer vor die Nase hielt mit den Worten: “Das muss besser werden, Sie müssen da ordentlich trennen!” (Ich hatte eine Plastikumverpackung in den Papierkorb getan!)

Weil ich sehe, wieviel sie leistet und ahne, dass sie auch nicht immer die Anerkennung dafür bekommt, die sie verdient, habe ich ihr ein klitzekleines Päckchen geschnürt. Einziges Risiko: Sie hasst Baden oder hat gar keine Badewanne. Aber das Risiko gehe ich ein in der Hoffnung, dass sie die Geste zu schätzen weiß. 

Wenn mich übrigens jemand fragen würde, was er mir zu Weihnachten schenken könnte, würde ich sagen: Rita. Aber mich fragt ja keiner. 🙂

Wie Looping Louie zu einem Berliner kam

Heute war ich Looping Louie. Kennt ihr den kleinen Kerl aus dem Brettspiel, der in einem Flugzeug hockt und immer wieder wegkatapultiert wird, bevor er landen kann? Der Tag war so randvoll gepackt mit “das noch” und “könntest du noch?” und “nicht vergessen”, dass ich mittendrin das dringende Bedürfnis hatte, mich unter den Schreibtisch zu setzen und am Daumen zu lutschen. Aus mehreren Gründen tat ich es nicht. Unter anderem, um meine Kollegen auch weiterhin in dem Glauben zu lassen, ich sei völlig normal. 🙂

Eigentlich begann der Tag ganz entspannt. Zwar verdammt früh für Redaktionsverhältnisse (8:30 Uhr!) aber entspannt. Und zwar vor Gericht. Nur soviel: Ich habe heute viel über Rinderhaltung gelernt, weiß, woran man in einer Kuhherde einen Kümmerer erkennt und wann ein Kalb vom Saugkalb zum Fresser wird. Auch deshalb liebeliebeliebe ich meinen Beruf so sehr.

Als ich dann in der Redaktion ankam, legte jemand den Hebel um und Looping Louie begann seine Runden zu drehen. Erst machte ich mich an den Gerichtsbericht, dann begann ich, Seitenlücken zu füllen, nahm gefühlt 384465 mal das Telefon ab, baute einen Aufmacher nochmal komplett um mit einem Text, der mich eine Stunde Zeit kostete, organisierte Termine von Kollegen, machte eigene aus, räumte das vollgelaufene Postfach auf, bekam Wind von einer großen Geschichte, sah zu, wie sie einen Anruf später zum Gerücht zerbröselte und baute schließlich nochmal alles um, weil ich noch etwas Wichtiges in die Finger bekam. Irgendwann war ich an dem Punkt angekommen, an dem ich neue do’s nur noch mit einem milden Lächeln auf die to-Liste schaufelte. Das mit dem Daumenlutschen war ja keine Option.

Als ich heute Abend nach acht immer noch in der Redaktion war, hatte ich noch ein ganz produktives Gespräch mit dem Chefchef. Allerdings sprudelte nichts Kreatives mehr aus mir heraus. Der Bauch war zu leer und der Kopf zu voll. Als ich das Auto schließlich in die Garage manövrierte, wurde mir bewusst, dass ich es ziemlich genau 12 Stunden vorher dort rückwärts ausgeparkt hatte und in diesen Tag gestartet bin. In einen Tag, der rückblickend nicht zu denen gehört, die ich zu den Top-Ten zählen würde. Eigentlich.

Denn gerade vorhin, als ich neben Hannah im Bett lag und ihre kleine warme Hand hielt, wurde mir etwas sehr bewusst: Der Tag war vollgepackt mit Aufgaben. Aber da waren Menschen um mich herum, die mir die Aufgaben zugewiesen, abgenommen, erledigen geholfen haben. Und je länger ich darüber nachdachte, desto mehr Momente fielen mir heuten ein, die wie kleine Sterne über den Tag verteilt zu leuchten begannen. Das nette Gespräch heute morgen mit dem Kollegen vom Mitbewerber, den ich wirklich mag, wenngleich wir unterschiedliche Chefs haben. Die liebe Mail von einem anderen Redakteur, der sich heute bedankt hat, weil ich ihm einen Packen Arbeit abgenommen habe. Der Kollege von schräg übern Gang, der heute mittag ohne Anlass eine große Tüte Berliner für alle mitbrachte und meine Lieblingskollegin gegenüber, die mich eine Weile durch den Bürobenjamini beobachtete bei meinem Kampf mit der quellenden Marmelade und dem bröselnden Zucker und schließlich kopfschüttelnd mit den Worten “ich hol dir jetzt ne Serviette” aufstand. (Man kann sich an Berlinermarmelade verschlucken, wenn man versucht, sie lachend zu inhalieren, nur so als Tipp) (Wer bitte kann Berliner würdevoll essen? Berliner sind die Döner der Gebäckabteilung!)

Ich hätte mich also heute Abend mit einem wenig eleganten Grunzen auf die Couch fallen lassen und mich darüber auslassen können, wie furchtbar mein Tag war. Hätte ich nicht ein Weilchen an meiner Perspektive geschraubt und mir die vielen schönen Augenblicke des Tages ganz bewusst gemacht. Unter die Top-Ten kommt er zwar immer noch nicht. Aber vom Schlusslicht ist er ganz weit abgerückt.

Und eigentlich ist dieses Ergebnis gar nicht überraschend. Denn im Grunde bin ich konditioniert darauf, aus schlechten Tagen gute zu machen. Auch mir wollen manche Dinge nicht immer so gelingen, wie ich sie geplant habe. Etwas kommt dazwischen, die Arbeit wird mehr, der Arbeitstag immer länger.

Aber all das sind Umstände. Und ganz ehrlich – wozu sollte ich Energie verpulvern für etwas, das ich nicht beeinflussen kann? Würde ich mich vor eine Mauer stellen und jammern, wenn ein paar Meter weiter eine offene Tür ist? Ich würde einfach ein paar Meter Umweg in Kauf nehmen und mich dorthin bewegen. Stillstand und Jammern machen die Umstände nur schlimmer. Ich kann die Gegebenheiten nicht immer ändern, wohl aber meine innere Haltung. Und die ist grundsätzlich positiv, bejahend und willensstark. Die Umstände mögen mir einreden wollen, der Tag würde mich die letzte Kraft kosten, der Haufen Arbeit nie kleiner und das Telefon gar nicht mehr stillstehen. Aber wenn die Umstände so sind, dann vertraue ich aus dem Bauch heraus darauf, dass ich Ihnen gewachsen bin. Und in dem Moment, in dem ich das tue, geben die meisten Umstände klein bei. Plötzlich kommt alles wieder ins Fließen und der Berg löst sich in Häkchen auf der Liste auf. Was ich meine: Fokussiert bleiben, das Pensum ignorieren, anfangen. Was ich nicht meine: Sich täglich selbst zu geißeln und ständig die eigenen Grenzen zu missachten. Wer sich ausbeutet auf Dauer wird das nicht lange schaffen. Sich Hilfe von Kollegen zu holen und die eigene Belastbarkeit zu kennen ist maßgeblich wichtig. Und trotzdem: Wer auf seine Fähigkeiten vertraut und weiß, dass er den Berg bewältigen wird, bevor er überhaupt erst angefangen hat, tut sich viel leichter mit dem ersten Schritt.

Am allerbesten funktioniert das mit dem Selbstvertrauen übrigens, wenn man Berlinermarmelade in den Nasenlöchern hat. Das ist aber kein Muss.

Butter bei die Brote!

Erinnert Ihr Euch noch, dass ich vor ein paar Tagen von der köstlichen Butter erzählt habe, die ich in einem kleinen Lädchen gekauft hatte? Es hat mir keine Ruhe gelasen. Wozu steht ein Thermomix in meiner Küche? Und so ließ ich heute unsere Alexa allerhand Zutaten auf meine Einkaufsliste quatschen, verwarf einen Teil davon beim Einkaufen wieder und wich von meinem ursprünglichen Plan ab, zehn verschiedene Buttersorten à 250g auszuprobieren. Weil unser Haushalt zweieinhalb Personen umfasst, die nicht bis nach Silvester ausschließlich Butterbrote essen möchten, seien sie auch noch so lecker.

Weil ich eine fixe Idee im Kopf hatte und trotzdem nicht auf die klassische Kräuterbutter verzichten wollte, habe ich mich in meiner grenzenlosen Bescheidenheit auf ZWEI Sorten festgelegt.

Vermutlich eignet sich jede Küchenmaschine, die etwas Stängel und auch festere Zutaten kleinkriegt, ich habe den Thermomix TM5 bemüht. Vermutlich könnte man die Zutaten auch ganz fein hacken und unter weiche Butter ziehen, so dass die Rezepte in jeder Küche nachgemacht werden können. Einziges Ausschlusskriterium: Wer keine Butter mag, sollte jetzt nicht weiterlesen. Er sollte vielleicht sowieso gar nichts mehr hier lesen, wir kommen offenbar von anderen Planeten. 🙂 (Früher, als ich noch Wurst und Fleisch gegessen habe, war Butter UNTER TEEWURST für mich das Größte. By the way: Warum heißt die eigentlich Teewurst? Oder heißt die nur bei mir so?)

Egal. Jetzt aber Butter bei die Fische. Höhö.

Für die Kräuterbutter braucht ihr:

250 g Butter, 3 Stängel frischen Dill, 10 Stängel frischen Schnittlauch, 5 Stängel frische, glatte Petersilie, Salz, Pfeffer, eine Knoblauchzehe, ein Esslöffel Olivenöl.

Ich habe die grob gewürfelte Butter und die übrigen Zutaten 10 Sekunden bei Stufe 6 gemixt. Herausgekommen ist eine wunderschön grüne Kräuterbutter.

Für die Tomaten-Zimt-Butter habe ich folgendes verwendet:

125 g Butter, 4 getrocknete, marinierte (in Öl) Tomaten, 1/2 Teelöffel Zimt, 1/2 Teelöffel rote, scharfe Paprika, etwas Salz und etwas Pfeffer. Die Mengenangaben sind Etwa-Angaben.

Auch hier habe ich auf Stufe 6 10 Sekunden gemixt. Wem die Tomatenstücke noch zu groß sind, der hängt ein bisschen Zeit an.

Die Butter lässt sich im Kühlschrank wunderbar aufbewahren, wer also nicht jeden Tag Lust auf Butterbrot hat, kann sich etwas Zeit lassen. Die beiden Buttersorten passen als Topping gut zu dunklem Fleisch, ich kann mir aber auch vorstellen, dass sie Gemüseaufläufe verfeinern. Oder eben Butterbrote.

Lasst es Euch schmecken!

PS: Kleiner Hausfrauentipp: Wäsche wird wesentlich effizienter und schneller sauber, wenn man die Waschmaschine nach Befüllen der Trommel auch anschaltet. Für Euch getestet.