Geistige Fehlzündung…

Liebes Leben,

das hat man nun davon, wenn man hilfsbereit ist: Alle verarschen mich. Heute Abend zum Beispiel. Ich mache Feierabend mit meinen Kolleginnen, nachdem ich tatsächlich mal ein bisschen was zu tun hatte und sich so langsam ein Silberstreif am Horizont abzeichnet – ich kriege eine Aufgabe! Wir fahren alle drei hintereinanderher aus dem Parkhaus raus, ich als Erste. Unten, an der Schranke, steht ein Mercedes und eine alte Dame steht ratlos neben der offenen Beifahrertür. Zwischen dem Benz und mir steht noch ein Auto. Wir warten. Und warten. Und warten noch ein bisschen. Irgendwann kommt eine jüngere Frau zurück, schätzungsweise die Tochter der Autobewacherin. Ich sehe sie fuchteln und um sich gucken und sehe förmlich die Panik in ihren Augen. Weil ich ja ein lieber Mensch bin, steige ich aus. Und frage ob ich helfen kann. Als sie mir ihre Karte zeigt, ist mir klar, warum der Automat für ihren Schlitten nicht sein Ärmchen heben will: Die Karte sieht aus, als habe sie erfolglos versucht, damit eine Wohungstür zu knacken: Total zerknickt.   Mir ist zwar ein Rätsel, wie sie die Karte beim Einkaufen so zurichten konnte, aber letzten Endes war das ja nicht mein Problem. Mein Problem war viel eher mein knurrender Magen. Also bot ich ihr an, sie mit meiner Karte – Dauerkarte – aus dem Parkhaus fahren zu lassen. Völlig begeistert über so viel Hilfsbereitschaft kletterte sie über die Beifahrerseite auf ihren Platz, erzählte mir nochmal schnell die Geschichte von der zerknickten Karte und dem unfähigen Personal im Supermarkt und dem verwaisten Parkwärterhäuschen, bis ich sie unterbrach, indem ich einfach meine Karte in den Schlitz schob und sich die Schranke öffnet. Der Benz machte einen fröhlichen Hüpfer und war weg. Soweit so gut. Mit siegessicherer Miene drehte ich mich also um, stolziere zu der Gegenseite hinüber und wollte gerade meine Karte nochmal in den "Einfahrt"-Schlitz stecken, um sie wieder freizuschalten für meine eigene Ausfahrt, da informierte mich der freundliche Herr im Auto vor meinem, dass das leider nicht gehe, dazu brauche man ein Auto. Und tatsächlich. Der blöde Automat nahm meine Karte nicht an. Weil ich kein Auto bin und weil ein Fußgänger kein Recht hat, durch die Schranke ins Parkhaus zu gehen. Hmpf. Da stand ich also in der Schlange und war nun plötzlich selbst ein Verkehrshindernis, das vor einer geschlossenen Schranke steht. Der Mann vor mir meinte aber, wir beide würden locker durch die Schranke passen, hintereinander. Nur dass er blöderweise der Meinung war, man müsse, um den Automat auszutricksen, möglichst langsam durch die Schranke fahren. Als er sah, wie sich dieselbe dann doch schneller schloss, als gedacht, gab er zum Glück Gas und wir beide kamen geradeso noch durch. Und weil er mir vorher so eindrücklich erklärt hatte, dass ich zum Einfahren, ein Auto brauche, war ich dermaßen aufs Reinfahren fixiert, dass ich auf dem Parkplatz umgedreht habe und wieder ins Parkhaus reingefahren bin. Meine Kollegin fragte mich noch durch die offene Scheibe, ob alles ok sei und ich meinte, "Ja, klar, ich fahre nur schnell nochmal rein…" Sie wird sich wohl ihren Teil dabei gedacht haben. Ich fuhr also noch mal rein, drehte eine Ehrenrunde und fuhr wieder raus, immer noch völlig in dem Glauben, ein gutes Werk getan zu haben. Daheim erzählte ich Schatzi die ganze Geschichte und er meinte nur: Wenn Du dann doch draußen warst… warum bist Du nochmal reingefahren? Gute Frage eigentlich…

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