Noch 50 Tage…

…hat der Zauber Zeit, sich einzustellen. Denn in fünfzig Tagen ist Weihnachten. Und ich erinnere mich noch gut an die Zeit, in der Weihnachten dieses besondere Kribbeln auslöste. Ich hatte als Kind immer einen Wunschzettel geschrieben und fragte mich wochenlang, was davon unter dem Weihnachtsbaum liegen würde. Die Tanne kam wirklich erst einen Tag vor Heilig Abend ins Wohnzimmer. Die Nadeln und das Harz verströmten einen Geruch, der seither für mich mit Feierlichkeit und Festtag verbunden ist.(Frischgeschlagenes Holz im Wald riecht für mich nach Weihnachten. Auch heute noch.)

Das Baumschmücken war für mich ein Highlight. Die Schachteln, in denen die Kugeln das ganze Jahr über in Schränken schlummerten, waren alt und mussten jedes Mal wieder ein bisschen entstaubt werden, bevor man sich ihrem Inhalt widmen konnte. Ich erinnere mich sogar…

… dass wir früher das Lametta aufgehoben haben und fein säuberlich nach Weihnachten zurück in die Schachtel gelegt hatten.

Der Heilige Abend schließlich wurde grundsätzlich bei meiner Oma gefeiert. Fest mit Weihnachten verbunden ist die Erinnerung, dass wir an einer Kneipe vorbeigekommen sind, in der Licht brannte und ich gefragt hatte, warum die denn geöffnet hätten. Es gebe Leute, die keine Oma und auch sonst niemanden hätten, mit dem sie Weihnachten feiern könnten, erklärte mir meine Mama. Die würden dann eben ein Bier trinken gehen. Ich weiß noch genau, dass ich die Vorstellung unendlich traurig fand. (Weil ich mir vorstellte, dass da alte Männer weinend einzeln an Tischen sitzen und schrecklich traurig sind. Vermutlich war das nicht ganz so. Aber wer weiß.)

Ebenso fest eingebrannt hat sich mir der Moment, als ich bei meiner Oma unterm Plastikbaum (pragmatische Frau) ein Barbie-Pferd auspackte. Dabei hatten mir alle Erwachsenen wochenlang erzählt, dass so ein Pferd teuer sei und dass der Weihnachtsmann auf KEINEN FALL so ein Pferd bringen würde. Ich habe mich so unfassbar gefreut, dass ich das Gefühl von damals heute noch abrufen kann.

Aber was ist zwischen diesen Momenten und heute passiert? Oh warte, ich bin erwachsen geworden. Und Weihnachten hat seinen Zauber ein bisschen eingebüßt. Es ist, als könne man, je älter man wird, weiter hinter die Kulissen gucken. Man erkennt den Kommerz und die ganze Industrie, die sich hinter dem Codewort „Weihnachten“ versteckt. Im September schon findet man beim Einkaufen Lebkuchen und Spekulatius. Das Gartencenter startet zeitgleich einen internen Umbau, um ganze Weihnachtsdörfer zwischen Blumentöpfen und Kakteen aus dem Boden wachsen zu lassen. Weihnachten, so scheint es für Erwachsene, ist nichts weiter als ein weiteres Fest, das es vorzubereiten, auszustaffieren und abzuhaken gilt.

Und während ich die ganzen Jahre vor Hannah immer weniger Spaß am Fest der Liebe (gefälligst! Das MUSS man doch toll finden! LIEBE! Hallo?) hatte, ist seit letztem Jahr etwas passiert. Vielleicht gelingt es mir wieder ein bisschen, die Welt mit Kinderaugen zu sehen. Ich habe dieses Jahr tatsächlich Wünsche (wohingegen ich die letzten Jahre immer mit den Schultern zuckte. Wünsche? Ich hatte alles, was ich wollte. Und den Rest kaufte ich mir einfach selbst.) Ich habe dieses Jahr tatsächlich Lust auf schlichte Deko, Lust auf Basteln, Lust auf einen Baum. Auch auf Weihnachtslieder und Überraschungen. Und vor allem habe ich große Lust, den Zauber, den ich in Erinnerung habe, für mein Kind wieder ein bisschen glitzern zu lassen. Auf dass er für sie noch ganz lange mit Weihnachten verbunden ist.

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