Umsonst ist der Tod.

Auch wenn es jetzt den Anschein hat, Frau Venus wäre Tag und Nacht am Meckern – iiiiis gar nicht so. Mir ist nur am Wochenende was eingefallen, was ich noch schnell bemeckert haben möchte, weil ich finde, dass es einen großen Einfluss auf unser Leben und auf unser persönliches Glücksempfinden hat – Geiz.

Ich halte Geiz für alles andere als geil. Geiz ist eine hässliche Charaktereigenschaft, die dem Gegenüber nichts anderes sagt als: Ich hätte schon genug Geld, ich bin nur der Meinung, Deine Arbeit oder Dein Angebot ist es nicht wert. Dieses Verhalten begegnet mir überall – sei es an der Kasse einer Ausstellung, an der ich am Wochenende ein paar Stunden Dienst getan habe („ach, das kostet Eintritt? Ja wenn das so ist, gehen wir wieder“. Mit dem dicken Auto angereist und wegen zweifuffzich wieder abgereist. Muss man nicht verstehen.) Oder bei den Angeboten meiner lokalen Lieblingszeitung (Hallo Kollegen wink), die ein tolles Onlineangebot mit Bezahlschranke versehen hat und dafür immer wieder angegangen wird („Wie jetzt, ihr wollt Geld für Eure Arbeit? Der Bäcker schenkt mir alle meine Brötchen, wieso geht das bei Euch nicht?!“) Oder – und das finde ich fast am Schlimmsten – beim Essen. Aus den Reihen der Fleischesser habe ich mich ja vor geraumer Zeit verabschiedet, aber da fallen mir immer noch die Lockangebote in den Webeblättchen auf. Das Hackfleisch kann nicht billig genug sein, die Hähnchenschnitzel werden einem fast nachgeworfen. Und was machen die Verbraucher? Sie kaufen das Billigste und jammern abends, vorm Fernseher, kauend, dass die Politik nix gegen die Zustände in den Mastbetrieben und Schlachthäusern tut.

Lebensmittel in Deutschland sind im EU-weiten Vergleich sicher nicht am billigsten, aber wie man hier sieht ist nach oben ganz schön Luft. Und es geht weiter bergab. Alles soll immer noch billiger werden, aber die Qualität soll bitte umgekehrt proportional steigen. Antibiotika und Wachstumshormone im Hähnchen? Pfui! Genverändertes Getreide? Pfui! Aber einen Euro mehr für die Rinderroulade? Da hört’s dann schon auf.

Ich habe für unseren kleinen Haushalt schon vor längerer Zeit beschlossen, beim Essen vornehmlich auf kurze Wege und gute Qualität zu achten, so gut ich es eben als Verbraucher im Supermarkt und auf dem Wochenmarkt kann. Billig hört nämlich irgendwann auf, gut zu sein.

(Ich rede nicht von Sparsamkeit, auch nicht von denen, die jeden Euro zweimal umdrehen müssen. Geiz hat viel mehr mit Reichtum als mit Armut zu tun.)

2 Antworten auf „Umsonst ist der Tod.“

  1. Schlimm ist auch, das die Discounter die bäuerliche Landwirtschaft (wo ein einzelnes Tier noch einen Wert hat) killen, zu Gunsten der industriellen Landwirtschaft und Massentierhaltung. Das wiederum führt zu steigender Arbeitslosigkeit, Lohndumping und sinkenden Einnahmen des Sozialsystems. Dafür ist imho neben der neoliberalen Politik der letzten 30 Jahre, auch das Zeitgeist-Phänomen „Geiz ist geil“ verantwortlich.
    Auch hat die EU-Subventionierte Lieferung von Hähnchenabfällen nach Afrika, dort alle einheimischen Erzeuger vom Markt gefegt und durch die gestörte Kühlkette gefährliche Keime verbreitet! Imho ein Skandal. Das alles führt die staatliche Entwicklungshilfe ad Absurdum!

    Unser Geiz hier macht Menschen woanders arm und krank!

    1. Vor allem – wann hört das auf? Wenn wir Lebensmittel wirklich geschenkt kriegen? Wann ist die Untergrenze erreicht? Und wann kommt das große Umdenken?

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