Türen – öffnen statt verschließen! #BIWYFI

„Ich komme zu nichts mehr“. Dieser Satz einer Mama neulich ist mir im Gedächtnis geblieben. Nicht zum Putzen, nicht dazu, neue Rezepte auszuprobieren, nicht mehr zum Shoppen, zum Bummeln, zum Duschen in Ruhe, zu irgendwas. Sie sagte es mit einer Mischung aus Enttäuschung und Frust. So, als habe das Kinderkriegen ihrem aktiven Leben ein jähes Ende gesetzt. Überhaupt, Müttergespräche. Ich erkenne zwar viele der geschilderten Situationen aus dem Familienalltag (der ja meistens tagsüber Mutter-Kind(er)-Alltag ist, weil die Papas beim Arbeiten sind) wieder, aber ich empfinde etwas ganz anderes dabei, als die Erzählerinnen.

Auch hier ist das Kind natürlich meistens irgendwo bei mir, gerne mal zwischen meinen Beinen an der Jeans festgekrallt. Auch ich könnte mit dem Badputz wesentlich schneller und effektiver sein, wenn nicht zwei kleine, emsige Hände „helfen“ würden. Ich könnte mich von alldem natürlich stressen lassen. Aber was würde es bringen? Es ist, wie das Jammern übers Wetter. Ich entscheide mich einfach dagegen.

Daher heute, brandaktuell, drei Tipps für Mamas, die „ich komme ja zu gar nichts mehr“ sagen wollen:

Erstens. Stress ist relativ. Und Kinder zu haben kann das Tollste und Erfüllendste sein, was Du Dir vorstellst. Du musst Dich nur mit ganzem Bewusstsein darauf einlassen. Klammer Dich nicht an die Vorstellung, alles müsse so sein, wie es vorher war. Das ist es nicht und wird nicht mehr so sein bis die Brut aus dem Haus ist. Wenn das Bad geputzt werden soll, gib den Kurzen einen feuchten Lappen in die Hand versehen mit exakten Anweisungen. Das Fräulein wischt mit großer Begeisterung (unnötigerweise, aber hey!) Schranktüren ab und den Rand der Badewanne. Wir unterhalten uns über die irrwitzigsten Dinge und zwischendurch lass ich die Quietscheente eine Geschichte erzählen (während ich weiterputze). Wir wuppen den Haushalt gemeinsam. Ich versuche erst gar nicht, alles schnell in die Mittagspausenschlafzeit zu quetschen, sondern nehm die Kleine einfach mit zu allem, was ich machen möchte und muss. Kindererziehung KANN frustrierend sein, Stress bedeuten, Nerven kosten. Aber es KANN auch bereichernd und erfüllend sein. Wenn man es einfach aus einem anderen Blickwinkel betrachtet und die Ansprüche an sich selbst neu definiert. Das sich-darauf-einlassen bremst auch all die anderen Gedanken aus wie „wär der Kleine doch nur schon groß“, „wär er doch noch klein“, „hätten wir doch nur schon zwei/nur eins/fünfsiebenelf“ … Manchmal hat das dann die Konsequenz, dass das Bad eine Woche lang kaum geputzt wird. Manchmal ist der Waschkorb bei uns richtig richtig voll. Dann bin ich eben nicht die perfekte Hausfrau. Aber ich war in der Woche womöglich die perfekte Abenteurerin, die perfekte Entertainerin, die perfekte Spielkameradin. Und hey, man muss nicht an allen Fronten gleichzeitig perfekt sein. Perfekt ist, was ich als solches definiere.

Zweitens. Du hattest ein Leben vor dem Kind. Vergiss das nicht. Und zwänge Dich nicht in das Bild der „guten Mama“, indem Du fortan nur noch tust, wovon Du denkst, es sei das Beste für Dein Kind. Dein Kind braucht keine Termine und keine Frühförderung, muss nicht Chinesisch lernen vor dem Kindergarten und braucht keine 16-Stunden-Rundumbetüdelung. Schränke Dich nicht gänzlich ein, denn das macht Dich unglücklich und hinterlässt Frust. Ich sage Dir, Dein Kind lernt von Dir. Sei ihm ein Vorbild und lass es teilhaben an deinem Leben. Wie ich ja schon schrieb, nimm es mit in Deinen Alltag. Erkläre ihm, was Du tust und warum Du es tust. Wir füllen gemeinsam die Waschmaschine und das Fräulein kann sie alleine einschalten, weiß aber auch, dass sie das nur darf, wenn ich es ihr sage. Sie rührt im Topf unter meiner Aufsicht und salzt den Salat nach meiner Anleitung. Wir backen zusammen (die Küche sieht danach aus wie Sau, aber das gehört dazu), wir basteln, wir beziehen die Betten. Zusammen. Und bevor Dir die Decke auf den Kopf fällt, unternimm was, was DIR Spaß macht und nimm das Kind mit. Ich bin zum Beispiel keine Spielplatz-Mama. Ich finde Sandkastenrandsitzen sterbenslangweilig. Das Kind übrigens schaukelt, rutscht zweimal und sitzt dann neben mir und fragt „Was machmer jetzt?“. Und manchmal, wenn wir wirklich Zeit und Lust haben, setzen wir uns ins Auto und fahren einfach mal los. Gestern sind wir durchs mittelalterliche Horb am Neckar spaziert.

Wir haben den Gefängnisturm bestaunt („Ist da noch jemand drin? Warum? Wer war da drin?“), sind drölfzig Stufen hinab und hinauf gestiegen, haben uns ein Eis geholt und dem Neckar beim Rauschen gelauscht. Wir haben eine Weile vor dem Rathaus gesessen und die wunderschöne Fassade bestaunt und uns gegenseitig Tiere und lustige Hüte und andere tolle Dinge gezeigt.

Was ich damit sagen will – Bildung kommt nicht nur aus Büchern. Öffne Deinem Kind Türen, in dem Du seine Sinne schulst für die Alltagskleinigkeiten um Euch herum. Natur, Architektur, Kunst, vieles versteht das Fräulein noch nicht, aber alles, was ich ihr zeige, schaut sie mit großen Augen an und speichert es ab. Wenn Du aber auf all das gar keine Lust hast und viel lieber einen Babyschwimmkurs besuchen möchtest – dann tu das. Hauptsache Du opferst Dich nicht auf und quälst Dich nur zu etwas, wovon Du DENKST, es wäre richtig.

Drittens. Überfordere Dich nicht mit dem Streben nach „normal“. Hör auf, zu gucken, wie andere Kinder sind. Du hast dieses Kind, nicht das andere. Unser Kind geht abends um zehn schlafen. Ich werde oft schief angeguckt deswegen. Viel zu spät. Wird später im Kindergarten Probleme haben. Vermutlich wird das Kind ein verkorkster Erwachsener sein, der nachts arbeitet und tageweise schläft. Oder es hat halt einfach Mamas Gene geerbt. Die morgens gerne liegen bliebe und abends um elf nochmal durchstarten kann. Die, wenn sie muss, aber auch morgens um halb sechs aufstehen und pünktlich Termine erledigen kann. Verlass Dich auf Dein Bauchgefühl und nimm die Macken Deines Kindes an. Es ist ein Mensch, kein Normteil. Lass zu, dass es seine Fähigkeiten und Talente entdecken kann, auch wenn sie fernab von dem sind, was Lehrer und Kindergärtner sonst so kennen. Und vor allem – sag ihm nie „das kannst Du nicht.“ Erst gestern erzählte mir meine Klavierlehrerin, eine Mutter wollte ihrer Tochter das Lied für das Klaviervorspiel ausreden mit der Begründung, sie kriege das nicht hin. Zum Glück hat die Lehrerin sich auf die Seite ihres Zöglings geschlagen und ihr Mut gemacht. „Wenn Du es wirklich willst, kriegst Du das auch hin.“ Ich will meinem Kind alle Wege ebnen, die es gehen will. Ob andere Eltern und Kinder so sind wie wir, ist mir dabei so was von egal. Und im Ernst – wer will denn bitte so sein wie die breite Masse, obwohl er etwas ganz anderes im Herzen trägt?

Wege ebnen und Türen öffnen – die Bilder sind in Horb am Neckar und Riedlingen an der Donau entstanden, wo wir heute morgen Störche geguckt und unsere Hände im Narrenbrunnen gebadet haben. Beide Städte haben mittelalterliche Geschichte und natürlich jede Menge wunderschöne Türen, die hiermit Teil von „Beauty is where you find it“ bei Nic von luziapimpinella werden. Und jetzt mal ehrlich – so vielfältig wie diese Türen sind – wer möchte da nicht möglichst viele aufmachen? 😉

 

7 Antworten auf „Türen – öffnen statt verschließen! #BIWYFI“

  1. Ich habe ja keiner Kinder (ich hab ein Pferd, ich hätte gar keine Zeit für Kinder 😉 ), aber ich finde sogar deine Blogeinträge über Kinder und Kindergroßziehen interessant und Deine Einstellung super.

    Meine Mutter war z.B. überhaupt nicht der Typ der sein Leben um die Kinder rum gestaltet. Sie hat z.B. Kindergeburtstage gehasst (musste immer meine Schwester für mich abhalten, wobei es mich als Kind wahrscheinlich nicht mal gestört hätte, wenn es die gar nicht gegeben hätte, weil ich Kindergeburtstage auch nicht so mochte) und Freizeitparks (da ist sie nur unter größtem Gemecker mit hingekommen und später gar nicht mehr) und Zirkusse und Zoos all so ne Dinge wo Eltern mit ihren Kindern gemeinhin gerne hingehen (sollen?).

    Und so frühkindliches Förderzeugs gabs damals eh nicht. Ich hab auch kein Instrument gelernt und keine Fremdsprache und war nicht im Sport. Bloß Reiten wollte ich immer furchtbar gerne, aber meine Eltern waren auch nicht bereit, mich deswegen ständig im Auto rumzukarren. Es gab dann irgendwann ne Fahrgemeinschaft mit ner Freundin und ab und zu nen Reiturlaub und als ich älter war musste ich den Bus nehmen, um irgendwo hin zu kommen wo ich hin wollte. Ich weiß gar nicht wie aus mir was geworden ist 😉

    Das Einzige wo meine Mutter immer ganz streng war , war dass ich immer um Punkt 19:30 ins Bett musste, bis ins späte Grundschulalter und das fand ich immer ganz ganz furchtbar, weil ich EINFACH NICHT EINSCHLAFEN KONNTE!!!! Ich bin immer an die 2 Stunden wach gelegen und habe gedacht ich sterne an Langeweile und Frust. Ich hab auch bis ins Erwachsenenalter gebraucht bis ich mal einigermaßen schnell einschlafen konnte (innerhalb einer halben Stunde oder so). Bestimmt wegen dem frühkindlichen Trauma 😉

    Das mit dem „zu nichts kommen“ ist denke ich auch Einstellungssache und hat nicht mal groß was damit zu tun ob man Kinder hat oder nicht. Mein Leben ist auch so vollgepackt, dass ich gefühlt zu nix komme, aber man muss dann halt auch einfach für sich mal priorisieren…außerdem hab ich den Eindruck, dass die Leute die ständig darüber reden, dass sie zu nix kommen, immer stundenlang Zeit haben in einem Grüppchen rumzustehen und darüber zu reden, wie sie zu nix kommen…ich hab ja eingangs geschrieben, ich hab ein Pferd und hätte keine Zeit für Kinder (was natürlich Blödsinn ist, ich will einfach keine Kinder 😉 ), aber bei uns am Stall ist das auch krass unterschiedlich. Da gibt’s Leute die haben ein Pferd und bekommen dann ein Kind und haben dann keine Zeit mehr für das Pferd oder sonst irgendwas und müssen es sofort verkaufen. Und dann gibts Leute, die haben 3 Pferde und 2 Kinder und 2 Pflegekinder und die kriegen das alles auf die Reihe und haben auch noch Spaß dran.

    1. Eben, Zeit ist halt auch relativ. Und Prioritäten setzen können viele nicht. 😉 ich finde halt, man sollte das Kind machen lassen. Das heißt nicht, sich selbst überlassen, sondern Impulse geben und gucken, was gut ankommt. 😉

  2. Da wollt ich mir nur schöne Türen angucken, bekomme aber auch noch kluge Gedanken & Ratschläge für Mamis und noch einen Eindruck eines Neckarortes dazu.
    Schön ist so was!
    LG
    Astrid

  3. Ja, Wahnsinn!
    Aber Du hast vollkommen Recht…wer will schon wie die breite Masse sein.
    Kann ja Jeder!
    Die Türen, die Du abgelichtet hast, wunderschön!
    Die viertletzte hat´s mir angetan!

    Liebe Grüße,
    Moni

    1. Hallo Moni, ja, ich frage mich immer, wem wir es mit unseren Kindern denn recht machen wollen? Eigentlich muss man sie nicht von klein auf biegen und formen. Sie blühen von ganz allein, wenn man ihnen die Basis dafür schafft.
      Das viertletzte, gezackte Tor gehört zu einem Feuerwehrmuseum. 😉

  4. Ja, so geht das 🙂 Mit den Kindern, meine ich. Da die jüngste Lieblingshausziege inzwischen entspannte 15 Jährchen ist, kann ich mich zurücklehnen und sagen: Joa. Hat so funktioniert, wie Du es beschreibst. Bis heute.
    viele Grüße
    Jaelle Katz

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