Kinderfreie Zeit? YEAH!

Liebe Freunde der guten Unterhaltung, willkommen an Bord der MS Dailydress (Hombre, es ist so mörrrrderheiß hier). Was macht ihr eigentlich hier? Klickt ihr euch so durch oder besucht ihr mich ganz absichtlich? (Psst, letzteres. Dann freu ich mich!) Oder ist Euch etwa langweilig? Lang-weilig. Wann war mir das letzte Mal langweilig. Ich erinnere mich nicht dran. Ich kenne den Zustand der Langeweile eigentlich gar nicht.

Umso verblüffter war ich neulich, als ich von einer Mama hörte, sie wolle die Kleine nicht spontan abgeben zu Schwiegereltern, die sich anböten als Babysitter, weil sie dann in der freien Zeit nichts mit sich anzufangen wisse. Ich wollte ihr so viel sagen, aber ich war erstmal echt baff.

Wenn ich mal ein bisschen Zeit mit mir selbst habe, fallen mir auf Anhieb zehn Dinge ein, die ich gerne machen würde. Meistens (also immer) sind es mehr, als ich in die kindfreien Stunden hineinquetschen kann. Bevor ich also mit meinen ultimativen Tipps für gelangweilte Mütter ums Eck komme, noch ein kurzer Exkurs zum Thema kindfreie Stunden – ihr habt eine Oma in der Nähe? Super! Die Oma ist noch fit und hat Freude am Enkel? Toll! Euer Kind liebt die Oma heiß und innig und freut sich auf sie? Wahnsinn! Dann NUTZT DAS! Oma glücklich, Kind glücklich, Mama glücklich = win-win-win! Dem nächsten, der mir erzählen will, das Kind gehöre immer und ausschließlich zur Mama und man habe, wenn man es in Omas Hände abgebe, gefälligst wenigstens ein schlechtes Gewissen zu haben, halte ich eine Standpauke. Ich liebe mein Kind sehr und grade deswegen bilde ich mir nicht ein, alles zu sein, was es braucht. Ich habe hier schon einmal drüber geschrieben. Nach einem Omatag haben wir beide wieder frischen Input bekommen und freuen uns aufeinander. Alles andere wäre schlimm.

Damit ihr Euch also an freien Stunden ergötzen könnt, auch wenn sie sich sehr spontan ergeben, habe ich euch heute ein paar Tipps aufgeschrieben, bzw. erzähl Euch halt einfach, was ICH so mache an meinen Omatagen.

Erstens. Rausgehen

Ich weiß, viele werden jetzt gleich aufjaulen und weiterscrollen. Für die Tapferen schreibe ich trotzdem weiter. Ihr habt einen Vor- oder Nachmittag kinderfrei? Das Wetter ist gut? (Gut = alles, was nicht in kübelartigem Regen daherkommt.) Super! Zieht Euch je nach Temperatur wetterfeste Sachen an und fahrt bis zum nächsten Wanderparkplatz. (Falls ihr in der Großstadt lebt – fahrt in einen Stadtteil, den ihr nicht kennt.) Vor allem in Süddeutschland gibt es Wanderwege wie Sand am Meer, überall, wo der Schwäbische Albverein zum Beispiel aktiv ist, ist es kinderleicht, eine schöne Strecke zu finden. Wenn man ein normales Tempo anschlägt, läuft man in einer Stunde vier bis fünf Kilometer. Durch die Natur zu streifen ist für mich die totale Entspannung. Die Gleichförmigkeit der Fortbewegung, das Knirschen meiner Schritte, das Vogelgezwitscher … nach ein paar hundert Metern fließen die Gedanken und kaum etwas inspiriert mich so sehr, wie draußen unterwegs zu sein. Kleinere Touren erfordern kein großes Gepäck. Ich habe allerdings immer (Blasen-)Pflaster und mein Handy dabei, im Auto eine Flasche Wasser und gerne einen Pflanzenführer (zum Beispiel den hier), einfach weil ich ein neugieriger Mensch bin, der wissen will, woran er vorbeiläuft.

Wer jetzt sagt „Aber Frau Venus, ich habe schon als Kind wandern gehasst“ – mag sein. Ich mochte als Kind keine Linsen. Heute aber doch. Hätt ich sie nie wieder probiert, wüsste ich das nicht. Also – eine kleine Runde im Wald zum testen. Wenn’s immer noch bäh ist, gibt’s ja noch mehr Tipps.

Zweitens. Splish-splash!

Bei den aktuellen Temperaturen liegt der zweite Tipp doch gradezu auf der Hand. Ab ins Wasser! Drei Stunden reichen dicke, um sich zweimal ins kalte Nass zu stürzen, zweimal wieder trocken zu werden, ein Eis zu essen und sich einen fetten Sonnenbrand zu holen sich durch die neuesten Frauenzeitschriften zu blättern. Und dem braungebrannten Bademeister hinterherzuglotzen. Der Sommer ist so richtig in meinem Kopf angekommen, wenn mir eine Wolke aus Chlor und Sonnenmilchduft entgegenwabert und ich Kinder kreischen und Wasser spritzen höre. Freibäder kosten hier bei uns in der Ecke zwischen zwei und vier Euro pro Person für den ganzen Tag, sind also echt keine riesige Entertainment-Investition. Wer es gerne ruhiger und stiller möchte, ist mit einem Badesee vielleicht besser beraten. Über diesen Link findet ihr Badeseen nach Bundesland sortiert. Speziell für Baden-Württemberg gibt es hier eine Liste mit überwachten Badestellen, die die Lage sowie weitere Infos über das Gewässer beinhaltet. Wer in der Nähe des Bodensees wohnt, kennt sicher ohnehin die besten Strandbäder. Mein Favorit ist das Strandbad Dingesldorf am Klausenhorn.

Drittens. Kultur pur!

Wer jetzt nicht so sehr auf Action steht, sondern Kühle und Ruhe bevorzugt, findet vielleicht in einer Austellung Entspannung. Jede größere Stadt hat Museen und Ausstellungen, die immer wieder lohnenswert sind. Je nachdem wie weit der Anfahrtsweg ist, reichen zwei Stunden schon aus, um sich in Ruhe vor ein Bild zu setzen und sich mit etwas ganz anderem als Wäsche und Küche zu beschäftigen. Keine Angst vor großen Museen! Lieber eine Abteilung aussuchen und die in Ruhe angucken, als mit hektischem Blick auf die Uhr durch das ganze Haus zu hetzen. Die Ausrede, Museen wären staubig und langweilig, lasse ich übrigens nicht gelten. Es gibt allein hier bei uns in der Nähe ein Museum für Ostereier und eins für Peitschen. Eins für Uhren und eins für Feuerwehrwesen. Erzählt mir nicht, ihr würdet Euch für überhauptgarnichts interessieren. Für alles andere gibt es dann auch ein passendes Museum. Übrigens: Während montags viele Häuser geschlossen haben, gibt es oft mittwochs kostenlosen Eintritt. Auf der Homepage, die jede Kleinstadt mittlerweile unterhält, findet man Informationen über das kulturelle Angebot.

Überhaupt Stadt, ob klein oder groß: Wie wäre es mit einem Kaffee in einer Stadt, in der ihr noch nie wart? Wo es vielleicht besonders schönes Fachwerk oder hübsche kleine Läden gibt? Eine Stunde lang um fremde Ecken zu gucken und unbekannte Gassen hinunterzuschlendern ist Balsam für die im Alltagstrott festgefahrene Seele, ich versprech’s euch.

Ach ja, das letzte Argument des Schweinehundes ist ja immer das eine: „Ja aber … all das ALLEINE?“ Jaha, natürlich alleine! Ich muss mich nach keinem fremden Zeitplan richten, ich kann in das Café MEINER Wahl gehen, ich kann mir meine Nase so lange an Schaufenstern platt drücken, wie ICH will … ich kann wunderbar mit mir alleine sein. (Die Stimme in meinem Kopf unterhält mich prima!) Ernsthaft – ich wandere in meinem Tempo, ich lese oder bade, wann ICH möchte und ich kann so lange in Museen verweilen vor ein und demselben Bild, wie ich es für stimmig erachte. Die Bäume und Eichhörnchen interessiert es nicht, ob ich da alleine herumstapfe, die Bilder nicht und im Schwimmbad sind soviel Leute, dass ich mich völlig in die Menge mischen und unsichtbar werden kann. Raus aus der Comfort-Zone! Rein ins Abenteuer! Ich kann nicht jeden einzelnen an die Hand nehmen! (Wäre aber sehr lustig!)

Erzählt mir doch mal, ob Kinder oder ohne, was ihr so mit drei geschenkten Stunden anfangt? Vielleicht kann ich mir dann auch noch was abgucken?

8 Antworten auf „Kinderfreie Zeit? YEAH!“

  1. Mir geht es wie dir, mir ist nie langweilig. 🙂

    Was ich in der kinderfreien Zeit so mache, variiert mit dem Alter des Kindes. 😉
    Am Anfang hab‘ ich das Kind abgegeben, bin sofort nach Hause gefahren, hab mich ne Stunde lang in die Wanne gelegt und danach geschlafen.
    Inzwischen bin ich da wieder aktiver geworden.
    Manchmal mag ich daheim etwas machen, was mit Kind gerade noch schwierig ist. Zum Beispiel etwas schreiben oder neulich habe ich an einem Fotoalbum gebastelt. Ich treffe mich auch mal gerne mit einer Freundin zum Brunch, wenn es sich so ergibt, dass jemand mit mir frei hat. 🙂
    Das ist jetzt schon auch was Tolles, wenn man mal ohne Kind quatschen kann.
    Ich nutze die Zeit für mich inzwischen auch gerne zum Geocachen – da stößt man auch oft auf ganz tolle Orte, die man sonst nie entdeckt hätte.
    Und ich geh auch mal ganz gerne allein in die City. Da tu‘ ich dann ein bisschen bummeln, trinke irgendwo gemütlich einen Kaffee oder esse ein Eis.
    Baden ist jetzt aber z. B. etwas, das ich persönlich nicht so gerne allein mache. Aber ansonsten bin ich da auch wie du – ich kann´s gut mit mir selbst aushalten.

    1. Interessantes Stichwort – es mit sich selbst aushalten. Meinst Du, das ist eine Frage des Alters? Der Reife? Der Kreativität? Der Intelligenz? Der Prägung?

      1. Ich glaube nicht, dass das was mit Alter oder Reife zu tun hat. Meine Mutter sagt immer, dass ich im Urlaub früher völlig unkompliziert war, weil ich mich selbst an Regentagen im Camping Urlaub völlig problemlos den ganzen Tag mit mir selbst beschäftigen konnte.
        Meine Schwester hingegen hat sich schon als kleines Kind laut meiner Mutter in jedem Urlaub egal wo und wie ständig zu Tode gelangweilt und sie konnte laut meiner Mutter auch noch nie einfach mal alleine spielen oder so.

        Ich könnte mir vorstellen, dass es viel mit Introversion und Extroversion zu tun hat. Ich kann mir schon vorstellen, dass extrem introvertierte Menschen es überdurchschnittlich gut „mit sich selbst aushalten können“ und es extrem extrovertierten Menschen eventuell sehr schwer fällt. Die meisten Menschen befinden sich da ja irgendwo in der Mitte. Ich bin aber schon sehr introvertiert und bei mir passt da schon viel was „typisch“ ist. Du kannst diese Theorie natürlich sofort wieder widerlegen indem du offenbarst, dass du ein sehr extrovertierter Mensch bist 😉

        1. Ähm… grade noch wollte ich sagen, ich sei ein sehr extrovertierter Mensch. Aber ich bin mir gar nicht so sicher. Ich war ein schüchternes Kind. Ich habe immer Klassen- und Schulsprecher bewundert. Die den Mut hatten, sich selbst um dieses Amt zu bewerben. Ich hatte zwar immer das Gefühl, ich könnte das auch, hätte mich aber nie getraut. Heute ist es mit meinem Selbstbewusstsein besser bestellt. Ich kann durchaus auch auf fremde Menschen zugehen und meine Meinung vertreten, auch wenn ich damit alleine da stehe. Ich habe das Gefühl, besser zu wissen, wer ich bin. Und was ich bin. Und in mir zu ruhen. Und da kann man gut mit sich alleine sein.

      2. Ich glaube, es ist eine Frage des Charakters. Meine Schwester ist das genaue Gegenteil von mir, die mag nie allein sein. Noch nie. Aber ich glaube, es ist auch Übung. Als ich damals alleine in ne Wohnung gezogen bin, war das schon auch ne Umstellung. Es dauerte ein paar Wochen, ehe ich das gut fand. Aber mich allein mit mit beschäftigen konnte ich schon immer gut.

  2. So ein ähnliches Erlebnis hatte ich neulich auch. Da haben sich in der Kantine einige Kollegen neben mir über Arbeitszeitmodelle unterhalten und es ging um die Frage 40 Stunden Woche vs. 38 oder 35 Stunden Woche und da meinte jemand, wenn er z.b. nur 35 Stunden arbeiten würde, da wüsste er eigentlich gar nicht, was er mit der zusätzlichen Freizeit anfangen sollte. Da hatte ich auch erst mal spontan das Bedürfnis rückwärts vom Stuhl zu kippen oder so.

    Ich gehöre ja zu den Menschen, die 100% überzeugt sind, dass ich mich nicht mal langweilen würde, wenn ich gar nicht arbeiten würde. Ich habe so viele Interessen und Hobbies, ich hab immer den Eindruck, die passen gar nicht in meine Lebenszeit. Ich würde aber gar nicht mal groß andere Dinge machen, als ich sonst auch mache, sondern einfach nur mehr davon. Das sind vor allem:

    Lesen: geht immer. Dafür kann ich nie genug Zeit haben. Ich hab im Urlaub überhaupt kein Problem damit, von morgens bis abends einfach nur zu lesen
    Fotografieren: das tue ich sehr gerne und das kann man ja super mit Erkundungsfahrten und Ausflügen aller Art verbinden, ich hätte gern die Zeit
    Mehr Zeit mit dem Pferd verbringen
    Spazieren gehen oder Wandern: ich wandere ja schon immer mein Leben gern. Ich fand schon als Kind und Jugendliche alle Sachen toll, die man damals als Kind/Jugendliche doof fand, weil uncool, also z.B. Wandern oder Urlaube in Allgäu –> wobei ich den Eindruck habe, dass es heutzutage gar nicht mehr uncool ist, so was auch als junger Mensch zu mögen, ich bin offenbar 20 Jahre zu früh geboren 😉 Heutzutage kann man als junger Mensch sogar zugeben, dass man gerne Schlager hört 😉
    Sport: Yoga, joggen, Fitness
    Museen finde ich auch ganz toll. Ich habe zum Glück eine Freundin die auch gerne in Museen geht, aber alleine hat man das Gefühl völlig ungestört in seinem eigenen Tempo alles anschauen zu können
    Konzerte oder Musicals oder Ballett oder Oper oder Sportveranstaltungen besuchen
    endlich mal die ganzen Serien und DVDs gucken, die ich schon ewig angucken will
    alle diese Sachen lernen, die ich schon immer so gerne lernen würde, da vor allem Zeichnen, Klavier spielen
    Kochen und Backen und Basteln: würde ich total gerne auch öfters machen, mache ich aber praktisch nie, weil die Zeit dafür nicht reicht

    1. Hach, ich bin nicht allein. Es gibt noch mehr wie mich da draußen. Schön, von Dir zu lesen und schön, dass Du so tickst wie ich. Ich fand schon immer andere Sachen cool als der Mainstream. Aber ich mag ja auch ACDC UND Helene Fischer. Bei den Hobbys gehen wir total konform. Bis auf Sportveranstaltungen. Doch, ich war zweimal in Bochum bei einem Fußballspiel, aber das ist eine andere Geschichte. 😉 Das mit dem Klavierspielen habe ich tatsächlich letztes Jahr angefangen. Stand sooo lange auf meiner Bucket List. Eben WEIL ich das Gefühl habe, ich könnte zwei Leben mit Interessen füllen, lebe ich vermutlich besonders bewusst. Und nehme mit, was geht. Langeweile? Langew… wie? 😉

      1. Naja, das mit den Sportveranstaltungen ist auch eher relativ. Ich mag da so Dinge wie Eiskunstlauf, Turnen, Standard- und Lateintanz, Dressurreiten, also eher so künstlerische Sachen, die in Richtung Unterhaltung gehen. Also eher kein Fußball oder Formel 1 oder Boxen 😉

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