Kindermund – der Bruder

Ihr Lieben, ich habe ja nur dieses eine Kind. Aber durch Bekannte, Freunde und Krabbelgruppe hin und wieder Einblicke in das Verhalten anderer Fastdreijähriger. Und doch finde ich keinen Vergleich für dieses Energiebündel und die Art und Weise, wie sie mit Sprache umgeht. Wir unterhalten uns nämlich wie zwei Erwachsene. Nicht über dieselben Themen, aber mit denselben Sätzen. Sie spricht deutlich, grammatikalisch richtig und in vollständigen Sätzen. Sie stellt für ihre kleine Welt logische Zusammenhänge her und vor allem – SIE REDET VIEL UND REDET GERN. Neuerdings am liebsten mit ihrem und über ihren Bruder und ihre Mädels. Ich habe keine Ahnung, woher sie das hat. Aber in ihrer Welt hat sie einen Bruder und mehrere Mädels um sich herum. Der Bruder spielt gerne Fußball. Er ist ja auch schon groß und kann alleine aufs Klo. Und alleine die Schublade aufmachen. Manchmal geht er auch zur Schule oder wahlweise in den Kindergarten. Er scheint mir ein rechter Tollpatsch zu sein, denn öfter mal verkleckert er den Tisch oder schlägt sich das Knie auf. Hannah erzählt, wie sie ihm hinterherräumt und ihm die Knie verarztet. (Und ich höre mich irgendwie selber reden dabei.) Ihre Mädels hingegen gehen gerne mal in die Stadt mit ihr. Kaffeetrinken oder Eisessen steht hoch im Kurs. Manchmal gehen wir auch alle zusammen in den Edeka oder in den Baumarkt. Weil sie mir recht geben musste, dass unser Auto zu klein für zehn weitere Mädels und einen Bruder ist, laufen die anderen immer hinter uns her. „Aber Mama, NICHT auf der Straße, sondern aufm Gehweg!“ (Natürlich. Safety first.) Der Bruder hat Opas Auto kaputt gemacht. „Mit dem Schraubenzieher!“ sagt das Kind und zuckt entschuldigend die Schultern. Fällt ein Glas um, hat der Bruder nicht richtig aufgepasst. Will ich Klavier spielen, kommt sie aufgeregt ins Esszimmer gerannt, hält sich einen Finger an den Mund und erklärt „Mama, nicht spielen, die Mädels sind erst grad eingeschlafen.“

Ich habe mal nach imaginären Freunden gegoogelt. Und war mit dem Ergebnis zufrieden. So schreibt die SZ:  „…Außerdem verfügen Kindern mit imaginären Freunden über deutlich bessere Kommunikationsfähigkeiten, erkannten die Psychologen Anna Roby und Evan Kidd von der University of Manchester im vergangenen Jahr…“ Ja, da kann ich nur zustimmen. Mehr Kommunikation geht fast gar nicht. Und ich bin begeisterter Zuhörer.

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