Zeitmanagement – mehr Vormittag bitte!

Es ist ein typischer Vormittag. Wenn ich im Bad mit dem Duschen und Aufhübschen fertig bin, räume ich die Wäsche in Richtung Waschmaschine. Dabei bemerke ich, dass der Trockner noch nicht ausgeräumt ist. Ich werfe also meinen Arm voll Wäsche in den Korb auf der Waschmaschine und mache mich auf, einen leeren Korb aus dem Schlafzimmer zu holen. Dort stört mich das ungemachte Bett und der Bücherstapel auf dem Nachttisch. Ich schnappe mir die Gute-Nacht-Lektüre und trage sie ins Esszimmer, wo ich eine leere Flasche auf dem Tisch erspähe und sie in die Küche trage, von wo mich das Piepen der Spülmaschine dran erinnert, dass das Geschirr in den Schrank geräumt werden will. Während ich hin und her laufe, Dinge von A nach B und zurück räume, denke ich über bevorstehende Termine nach, plane Dinge fürs Blog, überlege, wann ich die Geburtstagsgeschenke für diverse Feierlichkeiten in den nächsten Tagen besorge. Und irgendwann stelle ich irritiert fest, dass der Trockner noch genau so voll ist, wie vorher. Dabei räume ich gefühlt seit Stunden auf. Unnötig zu erwähnen, dass mein Blick hin und wieder in meine instagram-Timeline fällt oder ein sonores Pling eine Mail ankündigt.

Zeitmanagement, oder: Wer hat an der Uhr gedreht

Zeitmanagement – krieg ich das hin?

Die liebe Bine von waseigenes hat einen spannenden Artikel zum Zeitmanagement verfasst. (Scheint mir ein Begriff zu sein, der von Menschen ohne Kinder und mit Putzfrau erfunden wurde.) In groben Zügen erklärt: Alle 45 Minuten klingelt ihr Wecker, alle 45 Minuten wendet sie sich einer neuen Aufgabe zu. Sie versucht, möglichst viel in dieses Zeitfenster zu packen und erzielt so gute Ergebnisse.

Bisher hielt ich mein Zeitmanagement für ganz ausgeklügelt. Ich kann realistisch planen und schaffe meistens, was ich mir vorgenommen habe. Trotzdem habe ich oft das Gefühl, mich in Kleinigkeiten zu verlieren und zu verzetteln. Meine To-Do-Listen sind für mich unabkömmlich, ich liebe den Wettbewerb Frau gegen Liste. Warum nicht auch Frau gegen Uhr?

Heute morgen – ein Testlauf. Mein Wecker warf mich um kurz vor sieben aus den Federn, leider bin ich ein großer Fan der Snoozetaste. Trotzdem fand ich mich kurz nach sieben vor der Kaffeemaschine wieder und war um acht komplett fertig. Ich schmiss das Frollein aus dem Bett und lieferte sie kurz vor neun im Kindergarten ab. Die erste Dreiviertelstunde verbrachte ich mit Hausarbeit. Diesmal allerdings planvoll, eins nach dem anderen. Das drohende Weckerklingeln machte mir offenbar Beine. Ich setzte mich pünktlich ins Auto zum Klavierunterricht und war ebenso pünktlich wieder zurück, um mich jetzt dem Blog zu widmen. Das Doofe ist nur: Ich hätte viel mehr Pläne für 45-Minuten-Fenster als Fenster. 45 Minuten an meinem Buch zu arbeiten würde mir gut tun. Und dem Buch auch. 45 Minuten etwas Kreatives zu tun wäre toll. 45 Minuten reichen nur knapp, um bei allen Lieblingsblogs lesend vorbei zu gucken. Und schließlich frühstücke ich auch gerne in Ruhe, da sind 45 Minuten schon mal gut angelegt. Ihr erkennt also mein Dilemma: Nicht mangelnde Disziplin ist mein Problem, sondern mangelnder Vormittag. (Das Argument, ich könnte ja schon um fünf aufstehen, möchte ich übrigens nicht hören. Um fünf funktioniere ich nämlich nur auf Sparflamme und da wäre keinem meiner Projekte geholfen.)

Trotzdem finde ich die Wecker-Idee gut. Ich werde mir das Fenster auf 30 Minuten verkürzen. Wenn die Kleine um neun im Kindergarten eincheckt, bleiben mir vier mal 30 Minuten, bis der Herd ruft. Ich bin sehr gespannt, ob ich dann mehr aus dem Vormittag rausholen kann oder ob ich nur noch im Wettlauf gegen die Uhr mehr anfange als fertig bekomme. Danke Bine, für die Anregung! Ich muss jetzt leider Schluss machen. Es hat grad geklingelt.

 

Eine Antwort auf „Zeitmanagement – mehr Vormittag bitte!“

  1. Mein Zeitmanagement läuft genau so wie du deins vor dem Experiment beschrieben hast. Meine Hausarbeit habe ich schon immer so verrichtet, und jetzt wo ich selbständig bin mache ich es mit meinen Aufgaben genauso:

    Ich beginne den Tag mit Recherche, dann kommt eine E-Mail von einer Klientin, die eine Frage hat, die ich ja kurz beantworten kann. Stelle fest, dass ich da doch noch was klären muss und recherchiere die Antwort auf die Frage, aber dann kommt eine E-Mail von meiner Praxisbesitzerin, die auf ein Blog wartet, dass zu schreiben ich versprochen hatte, ist ja auch schon fast fertig, aber noch nicht ganz, also schreibe ich das mal eben zu Ende … und so geht das dann den ganzen Tag. 🙁

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