Monday, Monday, part II

…es ging genauso weiter. Ein weiterer Kollege hatte Post vom Hauptzollamt bekommen und konnte nichts damit anfangen. Ich kenne die Schreiben dieser Institution mittlerweile ganz gut, da die öfter ins Haus flattern, ein solcher dreiseitiger Brief war mir allerdings neu und außer Rechtsanwalt und Geschmacksmuster verstand ich nur Bahnhof. Ich rief also dort an und nachdem ich dem skeptischen Herrn darlegen konnte, wie ich an den Brief meines Kollegen gekommen bin und dass ich mir sicher sei, dass es sich bei IHM um den richtigen Ansprechpartner handelt (“Der Brief ist von Ihnen. Doch. Von Ihrem Amt. Aber da steht es doch! AUSSERDEM HABE ICH DIE NUMMER ANGERUFEN, DIE AUF DEM ABSENDER STEHT, GLAUBEN SIE MIR DOCH, SIE SIND ZUSTÄNDIG!”), erklärte er mir, dass mein Kollege womöglich ein Plagiat erworben hätte und die Ware nun zur Überprüfung an den zuständigen Anwalt der Originalfirma geschickt wird. Wahrscheinlich bekomme er innerhalb von zehn Tagen Post und werde aufgefordert, der Vernichtung zuzustimmen. Ich teilte dem armen Besteller also die schlechten Nachrichten mit und der – lächelte gelassen. Ich solle mir keine Gedanken machen. Ihm habe das eh zu lange gedauert und so habe er die Ware EIN ZWEITES MAL dort bestellt.
Ich hoffe, er kann es stornieren. Ich arbeite im Irrenhaus. Ehrlich.

Monday, Monday…

Was für ein Wochenstart. Kaum fünf Minuten am Platz ruft ein Vermieter an wegen einer zu viel gelieferten Mülltonne, deren Abholung ich doch bitte veranlassen möge. Gleichzeitg werden zwei Mitarbeiter vermisst, deren Verbleib ich doch bitte ausfindig machen möge – einer hat verschlafen, der andere war auch auf dem Handy nicht erreichbar. Dann jedoch rief mich sein Mobiltelefon zurück, am anderen Ende der Leitung war indes nicht er, sondern die Ehefrau eines Kollegen , die mir versicherte, sie habe keine Ahnung wo er stecke, ganz bestimmt kein Verhältnis mit ihm und ihre Telefonnummer nur angegeben, weil er auf einen Anruf von einem Makler gewartet habe und kein Deutsch könne. OK. Später stellte sich heraus, dass der Gute in Italien hängen geblieben ist und dort eine Grippe ausbrütet. Währenddessen wurde die Schlange an meinem helpdesk immer länger. Ich habe mit einem Ohr am Hörer und dem anderen beim Kollegen eine Nebenkostenabrechung durchgeblättert und eine Ratenzahlung veranlasst, nebenbei einen Stapel Überweisungen ausgefüllt und mir von einem Vermieter erklären lassen, wie unmöglich seine Mieter doch wären, hätten die am Wochenende doch glatt die Polizei geholt, nur weil er die “Sch**ße aus dem Keller” (da war ein Abflussrohr blockiert) mit Eimern auf den Rasen gekippt hatte und sich nicht dabei stoppen ließ. Und jetzt? Jetzt sitz ich hier mit einer nicht-enden-wollenden Liste. Der Eimer-Vermieter ist bockig, die Mieter grade eben dem Mieterschutzbund beigetreten und grade kam ein Mitarbeiter, der gerne wissen möchte, ob sein Englisches Testament in Deutschland im Fall des Falles Gültigkeit hätte und wenn nicht, ob ich ihn zum Notar begleiten könnte. Na klar.

Ihr seid doch alle so schlau! Wie wär’s wenn endlich einer das zeitlich limitierte Klonen erfände! Ich bräuchte mich die nächsten zwei Stunden doppelt! LOS JETZT!

Mr. Lohse from se deutsche Rörren-AG

Das Tolle an meinem Job ist ja, dass ich immer wieder neue Menschen kennen lernen darf.
Darunter sind mitunter schräge Vögel. Einen ebensolchen traf ich gestern. Seines Zeichens Vermieter.
Ein potentieller neuer Mitarbeiter war mit seiner Frau aus England angereist, um sich hier ein wenig umzusehen. Immerhin müsste die Gattin ihren Job aufgeben, das Eigenheim müsste verkauft und die vierjährigen Zwillinge ebenso nach good ol’ Germany umgetopft werden wie die Eltern. Da will man schon mal gucken, wie das da so ist. Wir haben also eifrig Häuser besichtigt und gestern Nachmittag auch eine riesige Wohnung in der Innenstadt.
Bereits am Telefon hatte mir Mr. Lohse gesagt, dass sein Englisch außerordentlich gut sei und dass er sich freue über die Gelegenheit einer sprachlichen Trainingseinheit.

Nun. Eine Trainingseinheit war es indes. Hauptsächlich für unsere Geduld.
Die Wohnungsbesichtigung begann mit der ausführlichen Erläuterung der Funktionsweise des Fahrstuhls. Dieser, man höre und staune, öffnet automatisch die Fronttür (“se … opening door”) und bewegt sich wie durch Magie in den richtigen Stock, wenn man nur den richtigen Knopf drückt (“sehr ju bress se batten of your stock and sen wi go ab”)
Natürlich ist so ein Aufzug heutzutage ein ungeheuer sicheres Transportmittel. Es gibt nämlich einen Alarmknopf. Sehr beruhigend. “Elliweiters kän bi verrrri dändscher…rus… wenn ju will be stop bei mistäik… ju don’t häff matsch… brihsing… brähsing…bries… air…” Wir schauten erwartungsgemäß erschrocken. Und er setzte noch einen drauf. “Juschulli… ju DON’T bress se batten wis se clock on!” (er meinte die Glocke)”Only in kehs ju nihd help!” (Ahso!) “Sen ju will häff after 20 seconds a connection to Stuttgart and samwon helps ju!” Es entstand eine Pause, in der er uns beifallheischend der Reihe nach ansah. Wir nickten begeistert, in der Annahme, der Mensch am Ende der Leitung in Stuttgart sei dann eigens für unser Entertainment zuständig, bis Hilfe kommt. Dolle Sache.

Die Wohnung war sehr groß und Herr Lohse ließ es sich nicht nehmen, in jedem Raum ein paar Besonderheiten hervorzuheben. “Hier we häff a wasching pleis. I told ju, sis apartment ist verri speschl.” Er grinste verschmitzt. (In der Tat, wer hat schon ein Handwaschbecken nebst Spiegel, gefliester Rückwand und Handtuchhalter im Wohnzimmer?) Wir gingen weiter in eine Art Wintergarten. “Sis is se Loggia. Ju no? Loggia. Itz itäliän. Ei spihk also italian verri well. LOGGIA! L-O-G-G-I-A! Wi kol it wintergarten Itz wie Kindergarten. Only wis a wi. a wi. ju no. a dabel… w.” Ich ergänzte: “Double u”. Er warf mir einen leicht empörten Blick zu. “Siss”, er drehte sich um seine eigene Achse und machte eine ausschweifende Armbewegung, “…was se room of se servant”. Das englische Paar schaute sich an. Unsicher, ob es wohl auf die Schnelle noch Hausangestellte auftreiben könnte, die im Wintergarten wohnen wollten. Herr Lohse verschränkte die Arme auf dem Rücken, schaute aus dem Fenster und wippte von den Ballen auf die Ferse und zurück. “Sehr ju kan sii a brandschutzmauer. Sis was verri popjula ..äh.. in…se past teim. When feiers wehr mohr popjula… feiers, ju no? Wis biiiig fleims. and hot. and… feiers halt. Wis sis … ma..äh…walls sei kept se feiers … in … se…only… behind. So däd not all se ährea was börned.” Die Engländer nickten und beeilten sich aus dem Zimmermädchenzimmer ins nächste Zimmer voranzugehen. Herr Lohse eilte hinterher, überholte beide und öffnete beinahe alle Türen eines Einbauschranks. “Siss, Lady, is for juh!” Er wurde ganz aufgeregt. “Siss is nämlich for se hausweif! You no, lady, in a big apartment ju häff to clihn everidei. For all wenn ju häff kids. Änd siss is se pleis for se brasches and se backets and se clihning ekwipment.” Frau Engländerin schaute zerknirscht, rang sich ein Lächeln ab und nickte.
Als wir fast durch waren und sich das Paar herzlich für seine Mühe bedankte und sein Englisch lobte, kamen wir noch ein wenig ins Plaudern. “Ju no… I was a bissnessmän in Sri Lanka.. Ei wörkt äss a fäschndiseiner for ten jihrs.. in Sria Lanka. Änd sen in Päris.” Wir drei schauten fast synchron auf den etwas fleckigen, hellgrauen Jersey-Pulli und weiter hinab auf die ausgebeulten Jeans. “Ser I hätt (!)”..(strenger Blick, erhobener Zeigefinger…”tu lörn se inglish längisch…guisch…guitsch. Änd ei also spihk itäliän. Änd nou eim lörning celtic. Bikors I reit a buk abaut se celts..celtics…celtic pipel. Änd ei häff tu dogs.” Wir bewegten uns unauffällig in Richtung der Ausgangstür. “I häff won of sem from Spain. It was a street dog”, führte er aus und zu mir gewandt “ganz toller Hund. Sehr schwierig. Aber ganz toll.” “Ju no, ei weik ab evvveri morning at feifsörti and go wis se dogs.” Die Engländer lächelten gequält und nickten. “Ei rrrekomend ju tu lörn se dscherman längwitsch. Ju are matsch more … welcomt if ju spihk dscherman wis se dschermens.” Wir bestiegen den Elliweiter und ich drückte schnell auf den EG-batten. “Ju no”, die Engländern nickten in Dauerschleife immer weiter, “wi häff only good parties hier in sis haus.” Der Engländer horchte auf. “Parties?” “NO, plihs, no loud parties hier! Sis propperti is kombeind wis bissness. Iff ju häff laut parties hier…” “Nein, ich glaube das war ein Missverständnis”, mischte ich mich ein. “Er hat Sie schon richtig verstanden. He means it’s a nice and quiet house.”
Alle drei schauten erschöpft. Wir schüttelten einander alle Hände und versprachen uns zu melden.
Herr Lohse blieb neben der Eingangstür stehen und winkte uns nach “Häff a neis day and a ..äh… come back!”
Der Engländer meinte trocken – “This was… very… educational.”
Irgendwie glaube ich nicht, dass die beiden Herrn Lohses nächste Mieter werden…

Produktiv…

…war ich gestern.
Erst hab ich im Büro ein Rätsel gelöst, dass mich den ganzen Mittag beschäftigt hat.
Zuhause habe ich dann (und jetzt erwarte ich Anerkennung!)

– Wäsche abgehängt
– frische Wäsche aufgehängt
– den Trockner ausgräumt und Wäsche zusammengelegt
– die Spülmaschine eingeräumt
– mein Dokument vom Server geholt und bearbeitet
– zwei wichtige mails verschickt
– das Editorial geschrieben
– vier Seiten layoutet und alles wieder auf den Server gestellt
– einen Berg Schuhe aufgeräumt

Und das alles, obwohl ich gar keine Lust hatte zunächst. Aber gegen zehn hatte ich einen flow und um halb zwölf war ich fertig.
Na, weeeer

Mein Spruch des Tages…

… der einen Kollegen herzlich zum Lachen gebracht hat

“Früher war ich ja immer mit Landkarte unterwegs im Auto. Aber da hab ich mich andauernd verfranst.
Heute fahre ich einfach nach Intuition!”

Sein Kommentar – “Und DAS aus dem Mund einer Frau – lässt jedem Beifahrer das Blut in den Adern gefrieren…”

Sachen gibt’s…

…die braucht kein Mensch. Aus mittagspausenlimitierter Hektik heraus erstand ich dringend benötigtes Toilettenpapier im nahegelegenen Supermarkt um die Ecke. Und weil es da ein recht beschränktes Angebot gab, griff ich nach der Packung, die mir (ohgott ich bin so ein AIDA-Kunde) optisch am besten gefallen hat. Und siehe da – es ist philosophisches Toilettenpapier.
Auf jedem Blatt steht – ein schlauer Spruch.

Welche Konsequenzen wird dies nun auf den Venus’schen Haushalt haben?
Ein Aha-Erlebnis beim ihr-wisst-schon-was?
Eine belesene Kehrseite?
Oder eine längere Verweildauer auf dem stillen Örtchen?
Und warum liefern die nicht gleich einen Kuli dazu? Dann könnte man noch Zahlen mit Linien Verbinden, Sudoku-Rätsel lösen, wenn’s mal wieder nicht klappen will oder Kreuzworträtseln. Auch Einkaufszettel wären prima auf diesem Format unterzubringen.

Vielle

Hunger ist der beste Koch!

Ich geb’s zu. Ich hatte keine Ahnung, wie Pastinaken schmecken. Gut nur, dass ich neugierig bin. Jetzt weiß ich’s – lecker.
Aber so sicher war ich mir anfangs nicht.

Pastinaken in “roh” mit Schale, sehen aus wie bleiche Karotten.

Geschält sind sie erstaunlich weiß:

Dazu gibt’s Spinat!

Und dann kommt erst alles in den Ofen, gewürzt mit Salz, Pfeffer, Koriander,
mit Sahne übergossen….

…und mit Käse überbacken dann anschließend in den Bauch!

Wie sieht’s denn hier aus?!

Ist nur ein Versuch. Kann sein ich vermisse mein schrei-pink morgen schon wieder. Vielleicht auch nicht. Lasst Euch nicht irritieren.