Manchmal…

…stelle ich mir die Zukunft vor. Sehe mich in einer Rolle, ganz detailliert, ich sehe mich arbeiten im homeoffice, während mein hübsches Kind mir gegenüber sitzt und herzallerliebste Bilder malt. Ich trage in meinen Träumen natürlich auch im Homeoffice Perlen und Pumps. Ich sehe mich geschäftig tippen, vermutlich erfolgreiche Kinderbücher, die mir aus den Händen gerissen werden, sobald sie auf dem Markt sind. Oder ich illustriere gerade. Oder ich wähle Bilder aus für meine spannende Reisereportage. Unnötig zu erwähnen, dass es in der ganzen Wohnung blitzsauber und aufgeräumt ist, mein hübsches Kind von mir selbst genähte, todschicke Röcke trägt und das ausgewogene und leckere Mittagessen für die ganze Familie schon im Ofen ist.

Dann wache ich auf. Die kleine Schnullerbacke liegt neben mir in ihrem Körbchen und guckt missmutig. Die Spülmaschine ist halb ausgeräumt. Auf dem Tisch steht ein kalter Kaffee inmitten von Bröseln, die der Gatte nicht auf dem Teller beisammen halten konnte. Ich trage sein T-Shirt, mit dem ich auch geschlafen habe und sehe einigermaßen zerknittert aus. Eigentlich wäre es Zeit für einen Hausputz aber uneigentlich bin ich ein bisschen müde. Das Mittagessen muss sich erst noch in meinem Kopf aus vorhandenen Zutaten formen lassen, bevor es seinen Weg auf unsere Teller findet.
Im Moment klaffen Traum und Wirklichkeit ein WENIG auseinander. Aber das Kind malt ja auch noch keine Bilder. Also werde ich jetzt unter die Dusche schleichen und dann die Perlenkette anlegen. Putzen muss ich auch noch, aber man muss es ja nicht gleich übertreiben.

Grantig…

…war das Kind gestern. Und heut Nacht um vier quäkig und munter. Und so wirklich überschäumend ist die Laune heut auch nicht. Meine übrigens auch nicht. Bin einfach müde. Ob wohl schon Zähne einschießen? Ich hatte wohl mit vier Monaten meinen ersten sichtbaren Milchzahn… Das kann ja heiter werden. Kleine Kinder, kleine Sorgen…

Durcheinander

Hier gibt’s grad nichts als Alltag. Mal laut, mal leise. Heute eher leise. Daher ein paar wissenswerte Fakten aus dem Leben von Frau Venus:

Kinderklamotten sind doof. Erst sind sie viel zu groß, dann findet man, dass sie so langsam passen könnten und bis sie aus der Wäsche kommen, passen sie noch ungefähr eine Woche lang. Außerdem ist Größe 50/56 für jeden Hersteller was völlig anderes. So versuche ich jetzt jeden Tag das passendste herauszufinden. Achja: was nicht passt, weil zu klein, scheidet unwiderruflich aus. Sie wird nicht kleiner.

Morgen versuche ich, schwimmen zu gehen. Versuchen, weil ich nicht weiß, wie das Dramababy morgen gelaunt sein wird. Nur keine zu detaillierten Pläne machen, die gehen doch schief. Das Kind überwintert meinen Schwimmversuch natürlich bei einer Oma.

Mein Mann steckt IMMER den Föhn aus und seinen Rasierer ein, aber niemals wieder andersrum.

Mein Schwiegervater erzählte mir gestern, er habe ein Bild von Vierlingen in der Zeitung gesehen! VIERLINGE! Und zwar einäugige! Ich hatte ein ganz seltsames Bild im Kopf von vier Kindern mit insgesamt nur vier Augen. Was er allerdings meinte, war eineiige. Gut für die Kinder.

Es ist kalt draußen. Zumindest glaube ich das, weil ich meiner Wetterstation glaube, die sechs Grad und ein paar Zerquetschte anzeigt. Ich verfolge die Temperaturentwicklung seit sieben Uhr heute früh. Neben der Station. Ich habe sonst nicht viel zu tun, ok?

Die Post hat das Porto erhöht! Das ist an mir vorbeigegangen, wann ist das denn passiert?

Was wünscht sich unser Kind zur Taufe? Ich habe es gefragt, bin mir aber nicht sicher was Armerudern und “Oi” zu bedeuten haben. Ein Ruderboot? Ein Schlagzeug? Der Patenonkel möchte es wissen und hat vorgeschlagen, einen Mammutbaum in den Garten zu pflanzen. In unseren versteht sich. Bin unschlüssig, ob ich das schattige Dasein der Nachbarn verantworten mag. Andererseits habe ich von den Nachbarn zur Geburt ein Waschgel geschenkt bekommen. Als ob ich auf die Distanz miefen würde. Dafür sollte man sie ruhig ein wenig in den Schatten stellen.

Das Pfarrbüro ist dienstags und freitags besetzt. Immer, wenn ich mich in der Laune fühle, dort anzurufen, ist grad weder Dienstag noch Freitag. Wenn das so weiter geht, bekommt das Kind zur Taufe ein eigenes Auto.

Und bei euch so? Ich wette, Euer Leben ist nur halb so aufregend wie meins.

Aha-Effekt…

…kennt ihr das? Man grübelt tagelang über etwas, versteht es nicht und mit einem Mal macht es pling und das Brett fällt vom Kopf?
Unser Kind hat seit Tagen eine Schreiphase. Brüllt um acht los und schläft um elf endlich völlig fertig ein. Ich war der Meinung, das Kind habe Verdauungsprobleme. Komisch nur, dass es damit tagsüber gut zurecht kommt und abends dann plötzlich abdreht. Aber nein, es ist gar nicht der Bauch! Unser Kind war einfach müde! Aufgefallen ist mir das an Silvester. Wir hatten Gäste und ich war der Meinung, der Trubel wäre ihr zu laut, also habe ich sie in ihr Bett gelegt. Sie ist dort wach alleine geblieben und fand das wohl total ok, sie gab keinen Mucks von sich, schnullerte nur so vor sich hin. Gestern ging das Gebrüll wieder punkt acht los. Ich schlussfolgerte also, dass das Kind Dunkelheit und Ruhe schätzt. Und was soll ich sagen… Sie ist seit halb acht im Bett und hat nur kurz gemosert und will alle halbe Stunde kurz sehen, dass ich noch da bin. Das wars. Gestern um die Zeit sind mir schon fast die Ohren abgefallen. Doofe Mama.

Mein Weihnachtswunder…

…ist tatsächlich noch gekommen. Meine Omi, von der wir nicht glaubten, dass sie Weihnachten noch erleben würde, ist auf dem Weg der Besserung. Sie schluckt wieder und ist wieder ansprechbar. Das ist definitiv mein bestes Geschenk!

Mein Leben…

… War ein Trampelpfad. Zwar nicht immer gerade, aber das sind Trampelpfade ja nie, aber doch gut eingelaufen und gewohnt. So war das. Vor dem Kind. Jetzt bin ich auf einem Schotterweg unterwegs, dessen Richtung sich jeden Tag neu bestimmt. Manchmal ist es auch eine vierspurige Autobahn und manchmal ein Holzrückeweg, für den ich mir mutig Machete und Gummistiefel zurecht lege. Alles in allem halte ich Kinder für das letzte große Abenteuer der Menschheit. Sie sind winzig aber ihr Einfluss auf uns ist riesig. Wenn die Minimaus unglücklich guckt, rennt die Mama nach der Spieluhr, sucht Schnuller und macht sich zum Affen, bis da endlich wieder ein Lächeln übers Gesichtchen huscht. Wenn sie bei Nacht in ihrem Bettchen liegt, grunzt, röchelt, s hnarcht und fiept, fahre ich immer wieder panisch hoch, knipse das Nachtlicht an und gucke, ob das Kind nicht grade dran und drauf ist, im Erbrochenen zu ersticken. War bislang nie der Fall. Man kann es mir aber auch schwer recht machen, denn wenn ich gar nichts höre, schrecke ich panisch auf um zu sehen, ob das Kind noch atmet. Meist gucken mich zwei Kulleraugen fragend an, die sich über die nächtliche Dauer-Beleuchtung wundern.
Und ich glaube ja, dass das erst der Anfang ist…

Und noch was…

… was mich nervte bei der Gebärmutterkursfortsetzung – die Mädels wetteifern geradezu, wer den besten PEKiP-Platz und den schönesten Pool zum Babyschwimmen ausgemacht hat. Es gebe in unserer Stadt nur noch PEKiP-Plätze für Kinder, die im November geboren seien, da HÄTTE ich aber echt Glück…

Ihr hättet die Gesichter sehen sollen, als ich mich bereit erklärte, meinen Platz gerne zu räumen, für eine, die sowas notwendig findet, ICH würde mein Kind von diesem Frühförderwahnsinn gerne fernhalten und hätte auch selbst keine Lust auf Säuglings-Feng-Shui mit überkandidelten Übermüttern.

Vielleicht sollte ich nächstes Mal einfach stillschweigend weiterbeckenbödeln, bevor ich zum Hassobjekt werde…

Der Gebärmutterkurs…

…ist wieder vereint und betreibt gemeinsam Geburtsnachbereitung. So manche frischgebackene Mama sehnt sich offensichtlich nach der Schwangerschaft zurück, da war der Kursabend noch geprägt von mentalen Entspannungsreisen in den kleinen Zeh untermalt von nervtötender entspannender Panflötenmusik…
Ja ich lästere hier, aber das ist MEIN Blog, ich darf das.
Wir liegen nun also nicht mehr in Kissenberge gebettet auf Matten und atmen in unser linkes Ohrläppchen, nehein, wir hüpfen, steppen und beckenbödeln nach Musik und lassen die Muskeln spielen. Sofern es solche gibt. Denn während unsere Hebamme auf ihrem Gymnastikball herumhüpft, motiviert die Arme in die Luft reißt und nebenbei noch Geschichten aus ihrem Erfahrungsschatz zum Besten gibt, sieht es auf der Jungmutterseite ganz anders aus: Schwitzende Frauen zuppeln genervt ihre etwas optimistisch bemessenen Sporthosen zurecht, schwingen die Arme mit verbissenem Gesichtsausdruck über den Kopf und benötigen sämtliche geistige Kapazität für die Koordination von Beinen und Armen. Anekdoten erzählt hier keine. Zugegeben, es sind nicht alle Mädels so bräsig. Ein paar halten gut mit. Und das sind seltsamerweise auch die, die während der Schwangerschaft nicht für zwei Erwachsene gefuttert haben mit der Begründung, man könne ja nach der Geburt mit Sport anfangen…
JA, ich lästere. Böse. Pschscht.

Ich bin dement!

Und zwar stilldement. Während ich das Phänomen der Schwangerschaftsdemenz für eine faule Ausrede schusseliger Baldmütter hielt, hat mich die Stilldemenz jetzt erwischt und voll im Griff. Ich bin nicht mehr richtig zurechnungsfähig. Beispiel gefällig?
Kürzlich telefonierte ich mit meiner Mama. Zweimal. Im einen Telefonat erzählte sie mir, sie und mein Vater wollten gemeinsam zu Bekannten gehen und weil das Wetter ganz ok sei, wollten sie zu Fuß gehen. Deswegen kämen sie nicht bei mir vorbei. Im anderen Telefonat berichtete sie, das Wetter sei jetzt doch nicht so toll und da sie das Auto nähmen, kämen sie dann auch bei mir vorbei. Ich also wartete. Und wartete. Aber keiner kam. Gegen Abend wagte ich es, meine Mutter auf dem Handy anzurufen. Völlig entgeistert wiederholte sie, dass sie mir doch extra angerufen habe, um mir mitzuteilen, dass das Wetter überraschend doch besser geworden sei und sie daher NICHT zu mir kommen wollten, weil sie nun eben zu Fuß unterwegs seien… Ich hatte wohl schlicht die Reihenfolge der Anrufe verwechselt. Tags darauf stellte ich fest, dass uns die Windeln ausgehen. Ich beglückte also die Oma mit einer halben Stunde Babysitten und fuhr einkaufen. Als ich zurückkam, packte ich gut gelaunt meine Schätze aus. Wurst, Camembert, Obst, Schokolade, sogar an das Shampoo und die Zeiung hatte ich gedacht. Einzig Windeln… die hatte ich völlig vergessen. Und so geht es weiter. Ich richte mir morgens eine Schale Müsli, die ich am frühen Nachmittag im Esszimmer entdecke, unangetastet. Ich will in die Stadt fahren und finde mich plötzlich in der Hofeinfahrt meiner Eltern wieder…
HILFE!

Erkenntnis…

…des Tages:

Einen Tagesablauf mit Säugling am Vortag zu planen ist in etwa so sinnvoll, wie das Wetter für nächste Woche bestimmen zu wollen.

Frau Organisationsvenus bekommt gerade eine Lektion in Sachen laissez-faire, Geduld und Flexibilität.