Das Wochenkarussell dreht sich

Eigentlich bin ich immer davon ausgegangen, ein bewusster Mensch zu sein. Beim Essen lasse ich mir Zeit und genieße, beim Leben auch. Nur lässt mir das Leben inzwischen keine Zeit mehr. Ich habe immer öfter das Gefühl hinterher zu laufen, anstatt im Augenblick zu stehen. Ich fahre morgens zur Arbeit, gucke dort drei-, viermal auf die Uhr und stelle fest: Viertel vor sechs, Zeit, nach Hause zu gehen. Dort angekommen widme ich mich meiner Wäsche, tausche mit Schatzi noch ein paar Neuigkeiten aus und gehe schlafen. Am nächsten Morgen wiederholt sich das Ganze. Und dann ist Mittwoch. Und dann Donnerstag. Tag für Tag das selbe Muster. Ja, werdet ihr sagen, so ist das eben, wenn man einer geregelten Arbeit nachgeht. Weiß ich doch. Aber ab welchem Pensum Regelmäßigkeit stirbt die Phantasie? Ich weiß, dass ich mit diesem Empfinden nicht alleine bin. Wenn wir samstags abends mit Freunden in einer Kneipe sitzen, höre ich es von fast jedem: „Schon wieder Wochenende, wie die Zeit vergeht.“ Wir sagen alle „Jaja, ist bei mir auch so.“ Aber eigentlich erschreckt mich das. Wo rennt sie denn hin, die Zeit? Und ist sie wirklich mit dem ausgefüllt, was ich liebe? Zu 90 % ist sie mit „ich muss“ verplant. Und wenn mich jemand fragen würde, was ich letzten Mittwoch gemacht habe, ich wüsste es nicht mehr. Aber ich würde vermutlich sagen: „Ich bin aufgestanden, habe gearbeitet, habe noch die Wäsche aufgeräumt und bin dann ins Bett gegangen.“ Und dann wäre es mindestens zu 75 % richtig, ohne drüber nachgedacht zu haben. Dasselbe würde ich übrigens auch antworten auf die Frage, was ich nächsten Mittwoch tun werden. Ist das ein Leben oder ein Laufrad? Wie man das ändert? Ich bin rast- und ratlos. Vielleicht sollte man jedem Tag mindestens ein „Ich-will“-Higlight schenken. Aber darüber denke ich später nach. Jetzt fahre ich erstmal zur Arbeit. So wie gestern. So wie morgen.

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