„Es ist staubig…“

sagte meine Putzfrau neulich zu mir. Was soll ich sagen. Sie hatte Recht. Ich guckte betroffen auf das Persönchen im Spiegel, das da mit verschränkten Armen stand und schmollte. „Ja aber… das ist ein Fass ohne Boden, es fängt ja immer wieder von vorne an mit dem Staub und dem Dreck und der vielen Wäsche…“ entgegnete ich und hoffte auf ihr Verständnis. „Egal“, schnaubte sie. „Man müsste EINMAL ganz gründlich überall durchputzen. Das wäre hinterher ein tolles Gefühl“, sagte sie und ihre Stimme bekam etwas werbendes. Ich sah das Glitzern in ihren Augen. Eine komplett geputzte Wohnung mit gewaschenen Gardinen und sauberen Fliesen und entkalkten Elektrogeräten und ausgemisteten Schränken und so… das hätte schon was. Die kleine Putzfrau im Spiegel nutzte meinen schwachen Moment aus. „Mach Dir doch einfach eine Liste, dann haste was zu abhaken“, riet sie mir fast beiläufig. Eine Liste. Argh. Sie kannte meine Schwachstelle. Ich konnte nicht anders, als dem plötzlichen Wunsch nach dem Duft von Bergfrühling in der ganzen Wohnung nachzugeben. Ich ging mit Zettel und Stift von Raum zu Raum und schrieb mich geradezu in Rage. Hier müsste man mal ausmisten, dort Vorhänge abhängen und waschen, hier die Sitzkissen durch die Waschmaschine jagen… Der Plan wurde mehrere Seiten lang. Als ich wieder am Spiegel vorbei kam, grinste meine Putzfrau mich überlegen an. „Wollen wir anfangen?“ fragte sie mit Unschuldsmine. „Na los“, murrte ich und die kleine Putzfee hüpfte mir aus dem Spiegel entgegen. Das war gestern. Wir arbeiten uns seither gemeinsam durch die Wohnung. Zwei wesentliche Punkte haben wir bereits gestrichen. Und tatsächlich duftete es schon ein bisschen nach Bergfrühling. Und nach gewaschenen Gardinen. Hach.

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