Ich MÖCHTE BITTE! – Ein Tag im Leben der Familie Venus

Weil ich in letzter Zeit immer wieder gefragt werde, wann mir diese Blogsachen eigentlich einfallen würden und wann ich nur die Zeit hätte, sie aufzuschreiben (ihr solltet mal den Bügelkorb sehen, dann würdet ihr verstehen … ), möchte ich Euch heute mitnehmen, einen ganzen Tag lang. Im Zeitraffer. Habt ihr Lust? Na dann los.

Es ist sieben Uhr. Mein Wecker klingelt. Ich schlage die Augen auf, habe Instant-Gute-Laune und hüpfe munter und ausgeschlafen aus dem Bett. Ich decke den Frühstückstisch, mache dem noch schlummernden Kind eine Milch warm und wecke es danach sanft. Es kommt wenige Augenblicke später mit mir in die Küche, trinkt seine Milch leer, lässt sich danach anziehen und waschen und spielt den Rest des Vormittags ruhig und konzentriert in seinem Zimmer, während ich mich mit Blogthemen und schönen Fotos beschäftigen kann, bis es Zeit ist, ein gesundes und ausgewogenes  …

Wie jetzt, das kommt Euch komisch vor? Dabei habe ich mir allergrößte Mühe gegeben. Aber ihr kennt mich. Und ich kenne Euch. Ihr wollt wissen, wie es wirklich, ehrlich, echt ist? Na schön. Aber sagt nicht, ich hätte Euch nicht gewarnt.

Es ist sieben Uhr. Mein Wecker klingelt. Ich fummle das Handy unterm Kopfkissen raus und drücke den Leck-mich-a…Snooze-Knopf. So geht das bis viertel vor acht im Fünfminutentakt. Weil ich mit mir selbst die Abmachung getroffen habe, auf jeden Fall VOR acht aufzustehen, gebe ich schließlich nach. Ich torkle also durch den Flur ins Kinderzimmer und finde ein in seine Decke gewickeltes Kind im Tiefschlaf vor. Streicheleinheiten und Küsse quittiert es mit Murren und dreht mir den Rücken zu. Kommt man aus dem Kinderzimmer raus, steht man unfairerweise vor einer großen Spiegelfläche. Ich gucke in ein knittriges Gesicht, das gekrönt ist von wirren, blonden Strähnen. Aber ich weiß Abhilfe: In der Küche führt mich mein erster Gang zur Kaffeemaschine. Ihr Gebrumm ist mein liebstes Geräusch am Morgen, noch vor dem tochterkindlichen Geplapper. Bis ich letzteres höre, vergeht meist eine knappe halbe Stunde. Ich laufe mit dem Kaffee in der Hand mindestens fünfmal zurück ins Kinderzimmer, streichle, küsse und leiste Überzeugungsarbeit. Irgendwann steht sie dann im Flur, Kuscheltiere unterm Arm. Sie guckt in den Spiegel und zieht die Nase kraus. Vermutlich denkt sie das selbe wie ich eine halbe Stunde vorher. Ihre blonden Strähnen lassen keinen Zweifel daran, dass sie von mir abstammt. Die erste Hälfte der Milch trinkt sie schweigend, dann geht das Erzählen los. Was der Opa neulich gemacht hat. Wie die Oma ihr Bad putzt. Was die Nachbarin heut noch so vor hat (Kind hat auf der Kristallkugel geschlafen). Ich sage nach jedem dritten Satz Dinge wie „hmhm?“ oder „Ja genau.“ Oder „Jetzt trink bitte aber mal Deine Milch.“ Überhaupt, als Mutter besteht die Kommunikation tagsüber aus Wiederholungen. Zieh jetzt bitte Deine Schuhe an. Zieh Deine Jacke aus. Lass die Finger von der Steckdose. Mach das Licht wieder an. Es gibt jetzt keine Schokolade. (Memo an mich: Gatten fragen, ob ich aus Gewohnheit auch so mit ihm rede. Wenn ja, drüber nachdenken.)

Wenn wir dann beide Milch und Kaffee ausgetrunken haben, fängt traditionell die erste Diskussion des Tages an. Ich möchte, dass sie sich ins Kinderzimmer zum Anziehen begibt, sie möchte sitzen bleiben. Bei der Debatte hat sie den deutlich einfacheren Part. Während ich nämlich mit guten Argumenten ums Eck komme („Deine Füße werden doch ganz kalt“, „Du kannst ja hier nicht den ganzen Tag hocken bleiben“, „Wir müssen doch pünktlich in der Krabbelgruppe sein“), sagt sie einfach immer NÖ. Dank des mütterlichen Souveräns fügt sich das Kind schließlich doch irgendwann und lässt sich anziehen. Zum Glück ist Zähneputzen hier keine Diskussion, ich sage das aber ganz leise, um Murphy nicht zu wecken. Wir gehen dann entweder in die Krabbelgruppe oder spielen daheim.

Manchmal kaufen wir auch zusammen ein. Um an der Kasse nicht wieder in die Verlegenheit zu kommen, Dinge bezahlen zu müssen, von denen ich nicht wusste, dass sie im Einkaufswagen liegen, sitzt das Kind IM Wagen. Was auch nicht immer die beste Lösung ist. Falls es jemand wissen möchte: Babykarotten passen durch das Wagengitter und sind an der Kasse einfach nicht mehr da. Salatgurken nicht, die bekommen nur unschöne Kratzer. Hat das Kind für Sie getestet. Bitte, gerne.

Beim Essen gibt es zum Glück auch kaum Gemäkel. Es sei denn, ich habe gewagt, Petersilie irgendwo hineinzumogeln. „Petasiiiie isch bäh!“ findet der Spross. Aber macht sich gut auf Blogfotos, die wir – Achtung, jetzt kommt’s – zur Mittagszeit irgendwie schnell vor dem Essen machen. Wenn ich vorhabe, das Rezept zu verbloggen. Fragt nicht, wie die Leute gucken, wenn das Kind mich im Restaurant verwundert beim Essen beobachtet und fragt „Machst Du heute kein Foto?“

Wenn es dann Zeit zum Mittagsschlaf ist, hat das Töchterchen viele gute Alternativ-Ideen. „Ich will Fonfeher gucken“. „Nein, außerdem heißt das nicht ich will, sondern ich möchte bitte.“ „Ich will Schokolade“. „Nein, und sag nicht immer ich will!“ „Ich will die Puppe/zu Oma/in den Sandkasten/das Klo putzen“ (ja, das Kind putzt gerne das Klo. DAS hat sie sicher nicht von mir.) „Nein. Du machst jetzt Mittagsschlaf“, sage ich und kröne die Diskussion mit dem Satz „da wird jetzt nicht diskutiert“. Überhaupt – sinnlose Elternsätze, die wir nie sagen wollten: „Ich zähle bis drei, dann … “ „Wenn Du jetzt nicht kommst, geht die Mama alleine …“ (Ja man redet von sich in der dritten Person. Wollte man niemals, tut man aber.) „Räum Dein Zimmer auf, sonst …“

Nachmittags lesen wir Bücher, gehen auf den Spielplatz, besuchen das Pferd der Nachbarin oder putzen halt das Klo. Wenn ich einmal in der Woche Omatag habe und das Kind morgens abgeben und abends wieder abholen darf, genieße ich ein paar Stunden Alleinsein. Ich übe Klavier mit nur zwei Händen statt vieren, ich gehe zum Frisör, kaufe in Ruhe ein oder – tatsächlich – arbeite am Blog, mache Fotos oder einfach auch mal gar nichts. Ihr seht also, das mit dem Blog läuft irgendwie nebenher. Wir verbloggen vermutlich deshalb ganz viel Mamakram, weil mein Leben eben aus ganz viel Mamakram besteht zur Zeit.

Da unser Kind ein echter late bird ist und abends nicht vor zehn in die Federn zu kriegen ist, wir aber ganz gut leben damit, hat auch der Papa viel Zeit, sich nach getaner Arbeit noch mit seiner Tochter zu beschäftigen. Und irgendwann kommt dann der Moment, wo wir im Schein des Nachtlichts Kopf an Kopf in ihrem Bett kuscheln und sie mit mir „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ hört. Sie hat die Ohren ihres Hasen fest im Griff und schmiegt sich an meine Schulter. Ich lausche ihrem ruhigen Atem und schlafe fast selbst ein. Und wenn ich mir dann sicher bin, dass sie schläft, strampelt sie die Decke weg, setzt sich hin und sagt: „Aber JETZT will ich Fonfeher gucken!“ Und bevor ich noch etwas sagen kann, beugt sie sich zu mir und flüstert „Ich MÖCHTE BITTE!“

3 Antworten auf „Ich MÖCHTE BITTE! – Ein Tag im Leben der Familie Venus“

  1. Super witzig, ich mag deinen Schreibstil sehr!
    Fast bin ich ja neidisch auf deinen kleinen Spätaufsteher, meine Mädels sind JEDEN Tag um sechs hellwach, wahlweise auch mal eine halbe Stunde früher. Dafür hab ich aber um sieben am Abend schon wieder meine Ruhe 🙂
    LG

    1. Liebe Julia, merci! Ich leih Dir meins morgens und Du mir Deine abends? 🙂 Aber zuviel Ruhe is ja auch nix. Ich freu mich über Deine Besuche! Liebe Grüße, Nicole

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