Pim pam pom und pom pam pim …

Als Mama steckt man ja einiges weg. Dass man Schokolade nur noch heimlich essen kann und mit vollen Backen „müx“ herauspresst, wenn einen das Kind fragt, was man denn bitteschön da grade esse. Dass man beim Gang zur Toilette einen allzeit plappernden Compagnon zur Seite hat, der sich auf der Putzbox niederlässt und  einem von dort interessiert zuschaut, bis man beim Händewaschen angelangt ist. Auch, dass längere Autofahrten mit allerlei Fragen von der Rückbank anstatt mit Musik aus der Anlage einhergehen. (Wann sind wir da? Wo ist der Flieger jetzt? Wo fliegt der hin? Wo war der Krankenwagen? Da war eine Mama mit Baby, wer war das?…)

Um letzterem vorzubeugen, hielt ich mich neulich für besonders schlau. Weil unser Föhn den Geist aufgegeben hatte, stöberte ich mich mit dem Tochterkind durch die Auslage des hiesigen Elektrofachmarkts. Und weil der Haartrockner gleich gefunden war, stöberte sich das Kind noch durch die (viel buntere) Musikabteilung. „Ich brauch eine CD!“ fand sie. In mir flammte Hoffnung auf, dass mit dem Hören einer spannenden Geschichte die Fragerei im Auto unterbleiben würde. Und so kaufte ich unwissend und willenlos eine Folge „Der kleine König“.

Liebe Eltern. Das hier ist eine eindringliche Warnung. Hörspiele machen süchtig. (Nicht Euch. Eure Kinder.) Also entweder ihr kauft gleich die ganze Staffel Bibi Blümchen und der kleine Hexenkönigvampirdrachewilderkerl oder ihr hört die selbe verdammte CD. immer. und. immer. wieder.

Dem Kind ist es schnurzpiepegal, ob es den kleinen König, der nicht ins Bett gehen will, gerade eben erst zu Ende gehört hat. Der Sprecher hat noch nicht einmal „gute Nacht“ gesagt, da kommt, so sicher wie das Amen in der Kirche, von der Rückbank die Forderung „und jetzt nochmal!“ Mittlerweile vermeide ich längere Fahrten nicht einmal mehr wegen der quälenden Fragerei vom hinteren Teil der fahrenden Gesellschaft. Ich habe schlicht Angst, dass mir der kleine König mit seiner quäkigen, schnarrenden Stimme als Schlafeule Kunigunde wieder und wieder erklärt, warum er nicht ins Bett möchte. Oder warum er nicht baden möchte. Gucke ich jedoch in den Rückspiegel, sehe ich ein konzentriertes Kind, über dessen Gesicht an manchen Textstellen ein kleines Lächeln huscht. Das manchmal die Worte mit den Lippen mitformt.

Während sie also auch nach vielen Kilometern vergnügt aus dem Auto aussteigt, bin ich einfach froh, wenn der kleine König nach Abziehen des Schlüssels endlich die Klappe hält. Und wenn ihr jetzt denkt, damit wär mein Leiden vorbei – haha. HA-HA. Noch stundenlang summe ich den ebenso einprägsamen wie nervigen Titelsong vor mich hin, der sich wie eine Motorsäge in mein Stammhirn gefräst hat. „Pim pam pom und pom pam pim, ich freu mich, dass ich König bin … denn immerhin regiiiieehiiiehiiiieheereeee ICH pim pam pom und pom pam pim, über meine Tieeehiiiere!“

(Ja. Und über mich, mein Hirn und mein Auto. Du Idiot.)

8 Antworten auf „Pim pam pom und pom pam pim …“

  1. Hallo – oh – zumindest bei den Kosten schafft die lokale Bücherei Abhilfe! Die sind üblicherweise gut ausgestattet mit allen Kinder-CDs.

    Und man muß auch mal das Kulturgut berücksichtigen – grins. Ich habe meine Freundin in NZ und die in USA für ihre Kids mit massig Hör-CDs versorgt – und nachdem alle mangels praktikabler Möglichkeit nicht in eine deutsche Schule gingen, waren diese CDs (und ein nicht endender Vorrats „Sendung mit der Maus“ auf DVD unter anderem die Basis ihrer Deutschkenntnisse. Denn das, was Eltern mit ihren Kindern reden, ist – besonders wenn sie dann in die Schule gehen – oft gar nicht mehr soooo viel (oder die Worte wiederholen sich: Hast Du Deine Hausaufgaben gemacht? Vergiß nicht Dein Turnzeug! Denk dran, das Essensgeld mitzunehmen! Wie konnte diese 5 in Mathe passieren?)

    1. Lieber unterhalte ich mich zwei Stunden lang mit meinem Kind (was wir beim Autofahren natürlich auch mal machen), als dass ich mir immer dieselbe CD anhöre, denn DARAUF besteht das Kind. Aber, wie mir andere Eltern auf anderen Kanälen grad bestätigten – es geht nicht nur mir so. Da sind es der trötende Elefant und die kleine Hexe. 🙂

  2. Was für ein herrlicher Post, ich musste so lachen!! Ja, so ist das Leben als Mutter. Doch als ich „Der kleine König las“ kam sofort Mitleid auf. Den finde ich soooo schlimm. Diese Stimme, diese nervige Geschichten. Selbst die Tiere finde ich da blöd. Es ist also nicht verwunderlich, dass „wenn der kleine König nach Abziehen des Schlüssels endlich die Klappe hält.“ mein absoluter Lieblingssatz ist. Wir hatten den Kleinen König dummerweise sogar mal mit im Urlaub!! Du weißt was das heißt. Nun teste ich Urlaubs CDs immer vorher und nervige müssen eiskalt zu Hause bleiben.
    Es gibt aber auch etliche die ich selbst total gerne höre. Und im Urlaub kristallisiert sich immer eine Lieblings-Cd heraus, bei der dann die ganze Familie mitsingt.
    Bleib Tapfer!
    Liebe Grüße und danke für ein herrliches Lachen
    Jutta

    1. Liebe Jutta, danke! Auch auf anderen Kanälen schwappte mir eine Welle der Solidarität entgegen. Der kleine König zieht wirklich eine Spur der elterlichen Verzweiflung hinter sich her. 🙂

  3. Oh ja, da sprichst du auch mir aus der Seele! Da ist es mir dann mittlerweile auch echt recht, dass mein Mann derjenige ist, der unermüdlich neue CDs anschleppt – das hat er schon mit DVDs gemacht, nun haben unsere Töchter mehr Filme auf DVD als wir Erwachsenen :-() – dadurch gibt es immer wieder die Möglichkeit abzuwechseln – bei uns stand in einem Urlaub „Ritter Rost – der doppelte Koks“ so hoch im Kurs, dass wir es dann auch wirklich mitsprechen konnten und die wunderbaren Lieder mir laaaaaange nicht aus dem Kopf gingen. Das ist ungefähr so wie mit der Radiowerbung – geht ins Ohr, bleibt im Kopf… puuuuh! Der kleine König ist uns bis auf die Sequenzen im Sandmännchen glücklicherweise erspart geblieben… Herrliche Beschreibungen in deinem Blog – hier werde ich wohl nun öfter mal zu Gast sein.
    Also, frohes Hören! ;-)))
    Irina – die nahteule –

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