Lese- und Lobe-Tips zum Wochenende

Bevor ihr alle ins Wochenende abrauscht, noch schnell ein paar Gedanken zum Thema Ansprüche. Das Thema scheint mich selbst mehr zu beschäftigen, als mir bewusst war. Gut, dass ich mein Blog habe (und Euch natürlich). Nachdem ich vorgestern darüber geschrieben habe, was Bilder von perfekten fremden Wohnungen mit uns machen, wie sehr wir uns von winzigen Ausschnitten aus dem Leben anderer unter Druck gesetzt fühlen, habe ich über die Ansprüche nachgedacht, die ich tatsächlich an mich habe. Denn im Grunde sind wir doch alle Abbild der Anforderungen, die wir an uns selbst stellen, und damit meine ich vor allem uns Frauen. Wir sind Ehefrauen, Mütter, Erzieherinnen, Spielgefährten, Terminkoordinatoren, Kühlschrankfüller, Wäschefrauen, haben einen Beruf und einen Haushalt, einen Mann und eins oder mehrere Kinder. Viele Fronten, an denen wir tagtäglich unser Bestes geben wollen, wenn möglich sogar ein bisschen mehr. Am Ende des Tages, wenn die lange Liste zum großen Teil abgehakt und erledigt ist –  sehen wir aber nur, was liegen geblieben ist. Das Muttertagsgeschenk halb fertig, der Kühlschrank halb leer, der Waschkorb dafür immer noch voll, die Bügelwäsche nicht gemacht, der Teppich nicht gesaugt. Einen sehr ehrlichen Text, was das alles mit uns macht, habe ich dieser Tage bei Minensie gelesen: 

„Ich gebe ungern weniger als 100% und fühle mich durch die Arbeit, oder durch die Familie – je nachdem von welcher Seite man es betrachtet – dazu gezwungen unter 100% zu gehen. Ich kann es niemandem recht machen.“

Als ich heute morgen etwas unsanft von einem Kinderellbogen am Kinn geweckt wurde, war es grade mal halb sieben. Weil an Weiterschlafen aber nicht zu denken war, sind wir alle zusammen aufgestanden. Um halb neun haben wir das Haus in Richtung Wochenmarkt verlassen. Bis dahin hatte ich:

  • eine Waschmaschine befüllt und angestellt,
  • das Frühstück ein- und abgedeckt,
  • die Spülmaschine eingeräumt und angeworfen,
  • Betten gemacht,
  • das motzige Kind angezogen, gewaschen und gestriegelt,
  • geduscht, mich angezogen und hübsch gemacht,
  • das Esszimmer aufgeräumt,
  • die Mülleimer geleert,
  • eine Trocknerladung Wäsche zusammengelegt und verräumt,
  • und so weiter.

Ich staune selbst ein bisschen über die Automatismen, mit denen ich das alles nebenbei erledigt habe, ohne darüber nachzudenken. Diese Punkte standen auf keiner Liste, sie konnten nirgends abgehakt werden. Die Handgriffe sitzen, der innere Wusel kommt nach dem ersten Kaffee auf Touren und macht halt. Wie es die gute Frau Brüllen (Leseempfehlung, eines meiner Lieblingsblogs!) in diesem Beitrag sagt:

„… ranklotzen statt motzen und halt einfach machen. So einfach, so schwer.“

Ebenfalls eine Leseempfehlung: Das Blog von Svenja. In einem bildhaften Rückblick offenbarte sich ihr, dass sie wie ein kleines Duracel-Häschen durch ihren Alltag ratterte:

„Wenn ich mir meine letzten zehn Jahre im Schnelldurchlauf anschaue, sehe ich EIN Muster. Ich bin immer beschäftigt. Ich rödel die ganze Zeit. Wenn ich nicht gerade alles für die Familie mache, renne ich zum Sport oder sitze am Macbook.“

Natürlich kenne ich auch Tage, an denen der innere Schweinehund eher ein tonnenschweres Schweinekalb ist. Aber selbst da denke ich mir – in den zehn Minuten, in denen ich über den schicksalhaften Wäscheberg da in meinem Korb lamentiert habe, hätte ich ihn auch zusammenlegen können.

Wenn ich also sage, lasst uns nicht so streng mit uns selbst sein, meine ich nicht, schraubt die Ansprüche herunter. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass das kaum geht. Entweder man hat den Anspruch oder man hat ihn nicht. Was man aber lernen kann, ist, den Fokus auf das zu richten, was man bereits geschafft hat und nicht immer nur auf das, was liegengeblieben ist. Ich werde mir jetzt also erstmal eine Tasse Kaffee holen und mich freuen, dass heute alles schon soweit gediehen ist. Und damit entlasse ich Euch in einen produktiven Samstag – und sagt einfach auch mal danke zu Euch selbst.

 

 

2 Antworten auf „Lese- und Lobe-Tips zum Wochenende“

  1. Ich tendiere immer dazu, bloß die Sachen zu werten, die ich ungern mache und natürlich alles, was liegen geblieben ist.
    Kind anziehen taucht z. B. nie auf meiner inneren Liste auf, wenn ich am Abend an meine Aktivitäten denke. Auch nicht, dass ich mit dem Kleinen hundert Mal das gleiche Buch angeschaut habe, mit ihm im Garten war oder ihm das Mittagessen serviert.
    Abends denke ich bloß – boah, heute hab ich außer Bad putzen nix gemacht. Die Treppe, das Auto und der Balkon sind immer noch dreckig und dann musste ich noch meinen Mann noch bei der Apotheke vorbei schicken – ich krieg echt nix auf die Reihe.

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