Für den einen sind es 25 Cent …

Heute morgen beim Einkaufen. Ich schlendere in den Supermarkt und mein Blick fällt gerade noch rechtzeitig auf die leere Dose, die in meinem Korb hin und her kullert. Bei einem Geburtstagsgeschenk war eine Dose San Pellegrino Aranciata dabei gewesen, sonst haben wir eigentlich nie Dosen im Haus. Ich steckte sie in den Pfandautomaten und lauschte andächtig dem Häckselgeräusch. Als das Gerät meine Dose gefressen hatte, spuckte es ordnungsgemäß einen Pfandbon aus – 25 Cent. „Ganz schön viel, für so ne popelige Dose“, dachte ich mir. Und ging einkaufen.

Ich arbeitete mich systematisch durch den Laden und sein Ganglabyrinth, kaufte Gemüse und Obst, Milch und Käse, aus Lust noch Schoki und zwei Bund feuerrote Tulpen.

Als ich an der Kasse stand, war der Pfandbon nicht mehr auffindbar. Er muss mir irgendwo zwischen Nudeln und Zahnpasta aus der Hand gesegelt sein. „Sind ja nur 25 Cent“ dachte ich mir. Und dann sah ich meinen Pfandbon plötzlich. In der Hand einer älteren Dame, die an der nächsten Kasse gerade ihre Sachen aufs Band legte. Sie hatte den Großteil ihres Einkaufs aus dem Korb bestritten, in dem der Supermarkt die reduzierte, weil nicht mehr lange haltbare Ware anbietet. Und bevor die Verkäuferin noch das erste Päckchen Wurst über den Scanner zog, wedelte sie mit dem Pfandbon. „Sehen Sie, das hab ich grad gefunden. Da hinten bei den Zeitschriften, auf dem Boden. Das gehört doch sicher jemandem?“ fragte sie. Die Verkäuferin guckte sich den Bon an. Ich bin mir sehr sicher, dass es meiner war. „Gefunden haben Sie den? Tja, da wird sich wohl keiner melden. Und wenn – wenn Sie den abgeben, dann ist es jetzt ihr Pfand“, sagte sie. Die ältere Frau strahlte übers ganze Gesicht. „Da hab ich ja heute mal richtig Glück, was? Da wird sich aber jemand anders ärgern. Aber ich darf ja auch mal Glück haben, gell?“ Sie schäkerte noch während des gesamten Zahlvorgangs mit der Verkäuferin und hatte sichtlich gute Laune. Und ich? Bin selten so bewusst in einen Montag gestartet wie heute. Für mich ist es kein nennenswerter Verlust. Aber wohl die wertvollste Dose, die ich je zum Recycling gebracht habe. Und zum ersten Mal hätte ich mir gewünscht, dass das Dosenpfand ein bisschen höher ist.

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