Blutige “Wellness”

Meine Angst ist überwunden. Ich hatte jahrelang Bammel vorm Zahnarzt. Und ich war einfach nicht mehr dort. Wozu auch, meine Zähne waren ja ok. Als ich dann eine fiese Eiterzyste unter einem Zahn hatte, musste ich wohl oder übel doch gehen. Und tatsächlich kam ich zu einem Zahnarzt, der so nett und lustig war, dass ich mir gar keine großen Gedanken mehr mache. Und AUSSERDEM sind meine Zähne super und in Ordnung. Nichts auszusetzen. So mag ich das. Nachdem ich also Mitglied seiner Patientenkartei wurde und mich seit zwei Jahren regelmäßig zur Kontrolle anmelde, kam er auf die Idee, mich mit Zahnreinigungen zu verwöhnen. Als Prophylaxe-Maßnahme, damit meine Beißerchen auch morgen noch kraftvoll zubeißen könnten. Ich stellte mir also vor, dass der Zahnarzt ein Bürstchen holt und ein bisschen an meinen Molaren herumfeudelt.
Ich war ja so naiv.
Denn erstens kam nicht er, sondern er schickte mir die Dentalhygienikerin. Und zweitens war es mit ein bisschen feudeln nicht getan. Gestern ließ ich die Prozedur zum dritten Mal über mich ergehen und kann nicht behaupten, dass es irgendwie besser ist als am Anfang.
Beim ersten “Rundgang” meißelt sie mit einem Gerät, das in seinem Ton einem hochfrequenten Staubsauger nahekommt, auf den Zähnen herum. Sie pokelt dabei unter den Zahnfleischrand, um das letzte bisschen “Biofilm” hervorzulocken. Sie klöppelt Zahnstein ab, rubbelt über Zahnhälse und lässt keine noch so kleine Lücke aus.
Spülen bitte! Ich blutete, als hätte ich versehentlich zwei Zähne verloren.

Im zweiten Arbeitsgang kommt der Kärcher zum Einsatz. Mit einem Salzstrahl schrubbelt sie alles ab, was der Meißel vorhin gelockert hat. Sie bemühte sich sicher redlich, mein Zahnfleisch nicht unnötig zu malträtieren, aber hin und wieder hatte ich die Befürchtung, später dort tätowierte Tribals zu finden. Der Salzstrahl spritzte hin und wieder in kleinen Nebelwölkchen in mein Gesicht und der Luft- und Speichelsauger (wie ich das DING HASSE!) sorgte für unangenehm kühlen Durchzug, eine trockene Zunge und ein weiteres nervtötendes Geräusch.
Spülen bitte! Immer noch Blut, diesmal schon ein bisschen geronnen…

Als sie damit endlich durch war, wurden die Zähne poliert und ich konnte sehen, dass die Polierbürste blutig war, als sie neue Polierpaste von ihrem behandschuhten Handrücken tupfte…
Spülen bitte! Blut! So langsam hatte ich den Drang nach der Bevorratung von Blutkonserven in der Praxis zu fragen.

Dann noch einmal mit Zahnseide durch die Zwischenräume, eine Fluorid-Behandlung auf die Zähne und fertig war ich.
Spülen bitte! Blut! ARGH!

Der Zahnarzt verabschiedete mich im Flur mit den Worten “Bis zum nächsten Wellness-Termin”, aber ich hatte nur ein müdes, schmerzverzerrtes Lächeln für ihn übrig.
Immerhin kann ich heute wieder normal essen. AUA!

ich bin wieder hier…

…in meinem Revier… war nie wirklich weg…
So kommt es einem wohl immer vor nach dem Urlaub. SCHÖÖÖN war’s. Und ich bin auch gerne wieder ins Büro gegangen.
ABER: Ich habe etwas rausgefunden. Nächsten Dienstag steht eine interne Prüfung an, für die ich noch etwas vorbereiten muss. Und DAS nagt an meinen Nerven. Und hat mich schlecht schlafen lassen die letzten paar Nächte. Wird Zeit, dass die Vorbereitungen anlaufen und ich wieder ruhig schlafen kann.
Im Urlaub jede Nacht wach zu werden ist nämlich echt nervig!

Trotzdem – ich bin wieder gerne hier und es geht mir gut!
Und Euch so?

Zwischenbericht gefällig?

Alles in bester Ordnung STOP gebadet, Messe besucht, Freunde besucht, türkisch essen gewesen STOP heute Auto innen gesaugt und geputzt, mich für Schwärze des einstmals weissen Lappens geschämt STOP gleich Mittagessen und anschließend Oma besuchen und dann Shoppen STOP melde mich bald wieder OVER AND OUT!

Ab morgen…

…hat Frau Venus Urlaub bis einschließlich nächsten Dienstag. Es könnte also etwas ruhiger werden hier. Ihr werdet mich schon nicht vermissen. Und wenn doch – Mittwoch bin ich wieder da.

MOST WANTED…

Name: Frühling

Zuletzt gesehen: 1. Halbjahr 2011

Besondere Merkmale: Temperaturen über 10 Grad, grün, kommt oft mit dem Geruch frischen Grases und blühender Forsythien daher

Er soll sich derzeit irgendwo in Südeuropa aufhalten und nach Norden fortbewegen.

Mögli

Hin- und hergerissen

… bin ich mit Joachim Gauck. Ich war überrascht, dass es so schnell ging. Ich war überrascht, dass die FDP umgekippt ist.
Vermutlich hat sie sich gedacht, wenn alle den Gauck als Kandidaten der Herzen sehen, dann finden wir den auch gut, damit man UNS wieder gut findet. Wir geben uns jetzt mal ganz volksnah und zeigen unserer Koalitionspartnerin die Zähne. Sie wird zähneknirschend zustimmen müssen, eine FDP, die Morgenluft wittert tut auch der CDU gut.

Gauck also. Wieso ist der eigentlich Kandidat der Herzen? Er hat kein Parteibuch auf dem Nachtkästchen liegen, das ist ein Pluspunkt. Man nennt ihn “Bürgerrechtler”, was sich prinzipiell auch gut anhört. Er ist in der DDR aufgewachsen und hat am eigenen Leib erfahren, wieviel Freiheit wert ist. Er erinnert bei jeder Gelegenheit an die “Montagsdemos” und ist stolz darauf, dass ein Volk damals friedlich protestiert und ein Regime zur Umkehr gezwungen hat.
Mich verwundert, wie ein und derselbe Mensch heute vor der “Protestkultur” warnt. Er bezeichnet die Occupy-Bewegung und andere Bürgerproteste als albern und glaubt, sie würde bald “verebben”. Vermutlich stört mich das Attribut “albern” deswegen so, weil es von oben herab klingt, unnötig, sich weiter damit zu befassen, ein Hirngespinst. Kleine Bürger halt, die von nichts Ahnung haben.

Für gar nicht albern, sondern “mutig” befindet Gauck vielmehr ausgerechnet Thilo Sarrazin. Ihr erinnert euch, der Mann, der blöderweise nicht sich selbst abschaffte, sondern Dinge sagte wie: “Stellen Sie sich vor, dies sei ein Gestüt mit Lipizzanerpferden oder sonst irgendetwas, und irgendwie will es der Zufall, dass dort in jeder Generation einmal ein belgischer Ackergaul eingekreuzt wird. Völlig klar, die genetisch bedingte Fähigkeit zum Laufen sinkt, gleichzeitig steigt die genetisch bedingte Fähigkeit, eine Karre durch den Lehm zu ziehen. Aber das ist dann eine andere Eigenschaft. Und genauso ist es auch beim Menschen.”

Gauck

Kurzer Rückblick

Am Freitagabend war’s mal wieder soweit – die Schockstarre nahm gänzlich Besitz von mir. Kein Muskel wollte sich mehr rühren, außer den Vitalfunktionen funktioniere nichts mehr. Mein Vorhaben, die ganze Wohnung zu putzen und zu feudeln löste sich in wohlgefällige Drögheit auf. Weil ich nicht Fernsehen kann, wenn ich mich in der Horizontalen befinde, bzw., ich kann schon, aber dann dauert es genau fünf Minuten und Frau Venus befindet sich im Tiefschlaf, setzte ich mich dazu auf einen ungeheuer harten bequemen Holzstuhl. So ist wenigstens gewährleistet, dass ich dem Film folgen kann. Um Euch ein besseres Bild zu vermitteln: Ich kniete quer auf dem Stuhl, so dass sich die Lehne zu meiner Linken befand. Den Oberkörper hatte ich dabei auf den Oberschenkeln abgelegt und irgendwann wurde mein Nacken ein bisschen steif vom nach vorne gucken, also ließ ich meinen Kopf nach unten zwischen die Knie sinken… und war tatsächlich kurz davor, einzuschlafen. Gibt’s doch nicht. Herr Schatzi lachte sich krumm als ich mich hinterher über gewisse Schmerzen in den Knien und über eingeschlafene Beine beschwerte. Pfh.
Ich verkrümelte mich also relativ früh ins Bett und schlief dort gemütlich weiter bis Samstagmorgen um viertel vor zehn. Und – oh Wunder – mein Gatte war auch noch da, als ich schlaftrunken die Äuglein öffnete. Das kommt so ungefähr einmal in zehn Jahren vor, dass er samstags ausschläft (überhaupt so lange schlafen kann), deshalb halte ich es für erwähnenswert. Und dann rächte sich die Schockstarre vom Freitag – mich ereilte der Putzfimmel. Kennt ihr das, wenn einen plötzlich die Fliege an der Wand stört? Ich feudelte und kehrte, saugte und wischte und räumte Ecken auf, die ich sonst beim wöchentlichen Putz gerne mal übersehe. Es ging sogar soweit, dass ich Gardinen abnahm und jene einer Grundreinigung in der Maschine zuführte… Mittags allerdings zollte der Aktionismus Tribut und ich schlief beim Wäschezusammenlegen auf dem Bett ein.
Gestern schließlich haben wir einen Freund besucht und mit ihm gebruncht, nachmittags meinen Schwiegervater in der Reha besucht und abends habe ich mich einem neuen Puzzle hingegeben, das jetzt schon zu einem Drittel fertig auf dem Esstisch liegt.
Und wissterwas? Ich hab nur drei Tage zu arbeiten diese Woche! Ab Donnerstag hab ich frei bis einschließlich Dienstag nächster Woche.

Wie war denn Euer Wochenende? Habt auf jeden Fall nen guten Start in die Woche!