Das kleine Schwarze

…begleitet mich ab sofort.
Ich habe lange darüber nachgedacht, wie ich mein Leben organisieren soll. Wie ich die Ideen festhalten soll, die dauernd aufploppen. Die virtuellen Post-its, die ich vor meinem geistigen Auge sehe und auf denen profane Dinge wie “Klopapier kaufen” steht. (Was sich übrigens, sollte man es vergessen, von einer profanen Kleinigkeit in ein ernstzunehmendes Problem verwandelt auf Dauer!)
Ständig lebe ich mit der Angst, etwas Wichtiges zu vergessen. Natürlich notiere ich mir Dinge in meinem Handy-Kalender mit Erinnerungsfunktion. Aber eben nicht alles. Manchmal auf dem Weg zur Arbeit inspiriert mich die Natur. Ich sollte am Wochenende die Rosen im Garten fotografieren, bevor sie verblühen. Während der Fahrt nehme ich es mir fest vor, nur um es vergessen zu haben an der nächsten roten Ampel.

Jetzt hatte ich eine INNOVATIVE Idee. Ich habe mir – unfassbar originell, nie dagewesen, unglaublich – ein Notizbuch gekauft.
Mit weißen Seiten.
Die ersten zwei Seiten sind schon voll mit “Auflaufform nicht vergessen”, “Spülmaschinentabs kaufen” und “Überweisung einwerfen” und ähnlich wichtigen Dingen. Ich kann – wenn ich mal wieder einen künstlerischen Anflug habe – Zeichnungen machen. Ideen festhalten.

Ich bin einfach nicht der Diktiergerät-iPhone-Blackberry-Typ.
Ich bevorzuge Papier. Und das haptische Habhaftwerden meiner Ideen.
Ich will bewusst das Büchlein nicht nur für Ideen oder Skizzen oder als Mahner und Erinnerer nutzen. Alles, was in meinem Kopf herumspukt und raus muss hat darin Platz. Ich bin sehr gespannt, wie ich damit klar komme. Auch wenn es vermutlich nicht immer hochgeistige Ergüsse sein werden.
Ich sag nu

Vater-Tochter-Zeit

Ich liebe meinen Papa. Ich erkenne mich in ihm wieder, er hat mir einige Charaktereigenschaften und nicht zuletzt auch die blauen Augen vererbt. Meinen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn habe ich ebenso von ihm wie die Gabe, verzeihen zu können.
Mein Papa war Zeit meines Lebens berufstätig. Gestresst, unterwegs, müde daheim.
Er entdeckt jetzt gerade sein Leben nochmal neu. Seit einem knappen Vierteljahr ist er im Ruhestand und tastet sich begeistert vorwärts in die neue Freiheit. Gräbt alte Wünsche aus. Holt “mach-ich-später-wenn-ich-Zeit-habe”-Pläne aus dem Schrank.

Letztes Wochenende rief er mich an. Ob ich diesen Samstag schon was vorhätte. Er würde gerne auf die Frankfurter Buchmesse fahren. Mit mir.
Natürlich fahr ich mit. Morgens um sechs zuckelt der Bus los (das heißt aufstehen um halb fünf…), abends um neun werden wir wieder daheim sein.
Ich denke seit Tagen darüber nach – wann habe ich das letzte Mal so viel Zeit allein mit meinem Papa verbracht? Ich glaube, noch nie. Wird Zeit.

Stuttgart 21 – mir fehlen die Worte, II

Neues aus der Kategorie “hört ihr Euch eigentlich selbst zu?”…

“Bahnchef Rüdiger Grube hält den Widerstand der Gegner des Bahnprojekts “Stuttgart 21” für nicht gerechtfertigt. “Ein Widerstandsrecht gegen einen Bahnhofsbau gibt es nicht”, sagte er der “Bild am Sonntag”. Entscheidungen träfen in Deutschland die Parlamente (…)”
Quelle: Tagesschau.de

Wikipedia sagt:
“Das Parlament (von altfranz.: parlement „Unterredung“; franz.: parler „reden“) ist die Volksvertretung

Sind Demonstranten kein Volk, Herr Grube?

Ein mehrheitlich getroffener Beschluss ist das Eine. Einen Holzweg aus vermeintlicher Konsequenz zu Ende zu gehen, das andere.

Nachtrag zum Thema Vertreter des Volks:
Am 14. November 2007 wurden im Rathaus 61.193 gültige Unterschriften für einen Ausstieg der Stadt aus dem Projekt übergeben; notwendig waren 20.000. Der Antrag auf Zulassung des Bürgerentscheids wurde am 20. Dezember 2007 vom Stuttgarter Gemeinderat mit 45 zu 15 Stimmen mit der Begründung abgelehnt, dass er rechtlich unzulässig sei. Das Regierungspräsidium Stuttgart und das Verwaltungsgericht Stuttgart wiesen Widersprüche von Vertretern des Bürgerentscheids zurück.

“Wenn ich mal groß bin…”

Kennt ihr den Satzanfang? Ich benutze ihn immer noch oft in Gedanken. Ich werde gefühlt nicht groß. Ich warte schon über 30 Jahre drauf. Ich glaube, Älterwerden hat nicht mit körperlichem Verfall zu tun. Nicht nur. Altwerden fängt im Kopf an.
Wenn man anfängt, selbst Grenzen zu sehen. Das passt nicht mehr zu mir. Dafür bin ich zu alt.
Woran macht man das denn fest? Am Datum auf dem Personalausweis? Oder daran, wie andere einen wohl sehen? Muss die in ihrem Alter ein pinkes Schaf am Schlüsselbund tragen? Das ist doch kindisch. Nun ja, das ist doch eine Frage der Perspektive. Bin ich kindisch oder seid ihr verklemmt, erstarrt, ach so reif? Ich will nicht erwachsener tun, als ich bin. Ich will nicht im grauen Hosenanzug und mit knieumspieltem Tweed-Rock einkaufen gehen, wenn mir nach Mini, zerrissenen Jeans oder Chucks zumute ist. Nur weil ich mich von meinen Zwanzigern verabschiedet habe. Man kann doch nicht. Das tut man nicht. Sagt wer? Wer entscheidet, wer und wie ich bin, wenn nicht ich? Jemand anders? Das wäre grauenvoll. Ich will nicht behaupten, ich träfe grundsätzlich Bauchentscheidungen und würde mich kindisch benehmen. Ich weiß sehr gut was ich kann und was ich möchte. Ich habe Ziele vor Augen. Aber wer schreibt mir denn vor, dass die Straße dahin grade und betoniert sein muss? Es gibt auch einen verschlungenen, märchenhaft-abenteuerlichen Pfad durch den Dschungel. Dort entlang, wo es atemlose Lachanfälle gibt. Wo man Turnschuhe mit Pailetten trägt. Wo man eine Plüschgiraffe im Bett haben darf und pinke Schafe mit sich herumträgt. Wo man Regenschirme mit rosa Punkten und Telefone mit Federn am Hörer benutzt. Wo man sich dem, “was MAN tut”, gelegentlich widersetzt. Wo man den Stimmen in seinem Kopf mehr Glauben und Vertrauen schenkt, als den Stimmen derer, die meinen zu wissen, “was sich gehört in dem Alter”. Ich will nicht sagen, ich mag keine Konventionen. Ich bin nicht verrückter als ich mich traue zu sein. Ich bin Bausparer und fahre stets angeschnallt, ich esse ausreichend Salat und Gemüse und geh auch gern mal ein Stück zu Fuß. In vielen Bereichen bin ich die Vernunft und Disziplin in Person. In anderen bin ich wahlweise mal 5 und mal 14 Jahre alt und lasse das Kind in mir die Regie übernehmen. Pause vom Dasein der Angepassten.
Ein Plädoyer für mehr gedanklichen Ungehorsam.

Stuttgart 21 – mir fehlen die Worte

Wir sind das Volk.
An diesen Satz musste ich heute morgen denken, als ich mir vom Sprecher der Polizeigewerkschaft und seinem unsäglichen Interview über die Proteste in Stuttgart die Laune verderben lassen musste. Was geht denn in diesem Land vor sich? Für wen wird denn Politik gemacht? Was ist Euer Auftrag? Ich scheine da was falsch verstanden zu haben. Politiker sind Vertreter des Volkes? Dann sind sie scheinbar blind und taub.

Seht ihr die Proteste gegen Stuttgart 21? Versteht ihr, dass Euer Volk zum Großteil nichts davon hält? Oder zumindest die Vorgehensweise – abgesehen vom Projekt selbst, über dessen Notwendigkeit und Umsetzung man sicher noch einmal reden könnte – unangemessen findet? Offenbar nicht.

Ihr haltet es für konsequent, eine einmal gefällte Entscheidung mit aller Härte durchzuziehen. Intelligenz und Größe haben aber imho nichts mit verbissener Sturheit zu tun. Mit der Scheuklappen-Methode, die seit Beginn beim Mappus-Gedächtnis-Bahnhof angewandt wird, habt ihr Euch in eine Sackgasse manövriert. Wenn man sein Gesicht verlieren würde, wenn man eine einmal gefällte Entscheidung nicht noch einmal überdenken kann, dann würden wir heute noch Hexen verbrennen und hätten die Berliner Mauer noch.

Ich könnte schreien, wenn ich den Pressesprecher der Polizei im Radio sagen höre, dass der Polizeieinsatz gestern völlig gerechtfertigt war. Was ist das für ein Land, in dem alte Damen und Schüler mit Reizgas bespritzt werden, weil sie ihren Unmut durch eine Sitzblockade äußern? “Wer sich einer Aufforderung der Polizei widersetzt, handelt alles andere als friedlich”, wurde ich heute morgen übers Radio aufgeklärt. Wer eine Seniorin mit Wasserwerfern aus dem Weg räumt handelt in meinen Augen alles andere als angemessen. Mein Verständnis von Rechtsstaat ist ein anderes. Ich krieg das große Kotzen wenn ich sowas hör.

Was auch immer…

…ich getan habe (vielleicht waren’s ja echt die Tröpfchen), aber die Erkältung hat auf dem Absatz umgedreht und ist verschwunden. Es geht mir wieder gut und ich fühle mich heute total energiegeladen. Als hätte ich Happy-Pillen geschluckt (vielleicht waren’s ja echt die Tröpfchen).
Hab in der kurzen Zeit, die ich jetzt im Büro bin, schon mehr geschafft, als gestern den ganzen Tag (vielleicht sind’s ja echt die Tröpfchen?).
Ich wünsch Euch nen schönen Tag! (Teelöffel und Tröpfchen holen geh…)

Lost in Oberschwaben…

So ein Navi macht abhängig. Man fährt blindlings dahin, wo die freundliche Stimme aus dem Off einen hinschickt. Manche ja sogar in Hafenbecken oder über Klippen. Viel zu gefährlich. Frau von heute fährt ja selbstbestimmt. Und Karten lesen zu können hat ja auch noch keinem geschadet. Und sich eine Strecke einzuprägen und die Karte dann daheim zu lassen, schult das Gedächtnis und den Orientierungssinn.

Klar. Nur hätte mir am Samstag ein Navi wenigstens sagen können, WO ich mich verfahren habe. Und eine Karte hätte mir gezeigt, WO ZUM GEIER ICH BIN.
Aber nein, Frau Venus fährt ja ohne Hilfsmittel, aber von ihren Navigationskünsten überzeugt zu einer Sitzung los. Was sind schon knappe 100 Kilometer, wenn man zwei Drittel der Strecke kennt. Nun ja. Bis zu einem gewissen Punkt war das alles kein Problem. Und auch danach wurde mir meine prekäre Lage nicht gleich bewusst. Ich hatte auf der Karte gesehen, dass ich mich in Richtung einer größeren Stadt halten muss und danach, so dachte ich wenigstens, kämen noch fünf Käffer und dann müssten wir am Ziel sein.
Soweit so gut. Nach der erwähnten angepeilten Stadt kamen auch Käffer. Aber leider nichts anderes als Käffer. Nachdem wir munter plaudernd (auf meinem Beifahrersitz saß eine noch viel Orientierungslosere) erstmal schön gerade aus gefahren sind, kamen Frau Venus nach geraumer Zeit doch leichte Zweifel. Müsste das Ziel nicht mal langsam irgendwo angeschrieben sein?
Aber wozu ist man schließlich verheiratet? Frau Venus zog selbstsicher den Telefonjoker – und dieser verweigerte den Dienst. Schon unterwegs, keine Karte dabei, kein Internet in Reichweite. Hmpf.
Gut, wozu hat man Freunde? Frau Venus zog leicht genervt den zweiten Telefonjoker – und schmiss jenen Armen erstmal aus dem Bett. Samstagmorgen, halb zehn in Deutschland. Der war aber nicht gram und eilte sofort ins Internet. Und ich wollte ihn – brav mit Freisprecheinrichtung nochmals zurückrufen. Was ich auch tat. Nur leider… war belegt. Und auf dem Handy… ging er nicht ran. Und auf dem Festnetz … war immer noch belegt. Und belegt. Und wir fuhren weiterhin nach “GEFÜHL”. (Hinterher stellte sich raus – Telefon nicht richtig aufgelegt, Handy lautlos, Wegbeschreibung per sms an die alte Handynummer geschickt… Verkettung unglücklicher Umstände…)

Ein gelbes Auto mit Posthorn bewegte mich schließlich zum Anhalten. Frauen haben ja angeblich keine Orientierung, aber wissen, wie man charmant nach dem Weg fragt. Das Gesicht der Dame entgleiste zu meinem Entsetzen etwas, als ich nach dem Zielort fragte. Sie guckte, um genau zu sein, als hätte ich in einem oberschwäbischen Dorf nach Castrop-Rauxel gefragt. Trotzdem schickte sie uns in die richtige Richtung. Und der nächste Herr auch. Und irgendwann… tauchte schemenhaft unser Ziel am Horizont auf. Nach dreimaliger Umrundung des Sitzungshotels und dreimaliger Durchquerung des samstäglichen Wochenmarkts (WER BUCHT DENN EIN HOTEL MITTEN IN DER FUSSGÄNGERZONE…) haben wir dann schließlich die richtige Tür gefunden. Wurden freundlich empfangen. Jaja, erst GRADE EBEN angefangen, NICHTS VERPASST. Hört auf so blöd zu grinsen, ihr Deppen. Immerhin: Sie haben ihr Ziel erreicht. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott bekanntlich nicht zu sorgen. Aber für ausreichendes Kartenmaterial. Ab sofort. Versprochen.

Einer der perfekten Momente…

…des Tages ist der Moment, wenn die Morgensonne sich über die Baumwipfel schiebt. Kennt ihr das? Wenn der Frühnebel für wenige Augenblicke golden schimmert, wenn der warme Atem der Kühe auf der Weide wie kleine, glitzernde Wölkchen aussieht. Wenn die Bäume, deren Laub langsam rot, gelb und braun wird, für einen Moment von innen zu leuchten scheinen. Wenn über der gesamten Landschaft ein Zauber liegt, der nur Minuten andauert, bevor er vom hellen, rationalen Licht des Tages abgelöst wird. In dem Moment ist die Welt perfekt und ich bin zum Platzen glücklich.

Gesündigt…

…habe ich.
Gegen meine eigenen Auflagen verstoßen. Etwas getan, was ich niemals tun wollte.
Meine eigenen guten Vorsätze verraten.

Ich habe Spekulatius gekauft.
IM SEPTEMBER!

Aber..