Ein paar Splitter…

…aus dem Venusschen Alltag.

– Ein Kind entwickelt im Verlauf eines Tages einen merkwürdigen Eigengeruch, wenn man nicht rausfindet, dass es ausgerechnet an der Strumpfhosenferse einen Klecks “Kürbis-Kartoffel-LACHS”-Brei kleben hat.

– Man wacht morgens neben dem angetrauten Gatten auf und sagt – boah, das war ne tolle Nacht! Man meint damit, dass man die ganze Nacht durchgepennt hat wie ein Murmeltier. Die Dinge ändern sich einfach.

– Kürbis und Karotte machen hässliche Flecken. Woraus folgt:

– Ich habe zur Zeit Wäscheberge wie nie zuvor.

– Durchsagen im Supermarkt sind mir prinzipiell egal. Aber gestern erklärte mir eine sonore Frauenstimme, wie man Kaninchen richtig hochhebt. Bei Edeka. Die lieben wohl auch Haustiere.

– Bei Büchern entwickelte ich einen unkontrollierbaren Kaufrausch. Ich kann nicht nur eins kaufen. Heute waren es drei. Die ersten 200 Seiten hab ich schon, weil:

– das Kind hat das Phänomen Mittagsschlaf für sich entdeckt. Bei entsprechend warmer Umhüllung pennt es klaglos zwei Stunden durch. Und Mama kommt drei Leichen weit.

– Ich

Glaubensfragen…

“Erziehung ist Arbeit”. Wir waren uns dessen bereits bewusst, bevor ich wusste, dass sich da ein Würmchen in meinem Bauch eingenistet hatte. Dass es zermürbend sein kann, immer wieder nein zu sagen, dem Kind das mitzugeben, was man selbst für wichtig und richtig hält, dabei fair aber konsequent zu bleiben, haben wir an befreundeten Eltern und in der eigenen Familie gesehen und bewundert.
Unsere Tochter ist gerade mal ein halbes Jahr alt und noch kann man nicht viel an ihr herumerziehen. Ich beschwere mich auch gar nicht über ein knatschiges oder nörgeliges Kind. Ich bin vielmehr selbst die, die sich gegen erzieherische Einflüsse zur Wehr setzt. Noch lange bevor mein eigenes Kind mitbekommt, dass ich es erziehe (klammheimlich!), muss ich mein “Erziehungskonzept” rechtfertigen und mich ständig erklären, warum wir dies so und jenes anders machen.
Ich hatte schon in der Schwangerschaft keine Lust, mir drölf Ratgeber zu besorgen. Ein einziger Blick ins Internet reichte oft schon und mein gesundes, intrauterines Kind wurde aufgrund eines diffusen Zwickens irgendwo unten rechts plötzlich zur Eileiterschwangerschaft mit offenem Rücken und dramatischer Unterversorgung. Will sagen – ich habe meine Arzttermine brav wahrgenommen und darauf vertraut, dass ein fähiger Arzt und ein funktionierendes Ultraschallgerät derlei Missstände frühzeitig erkannt hätten. Und den Rest der Schwangerschaft habe ich mich auf die Kleine gefreut und ganz fest daran geglaubt, dass schon alles gut geht. So wie es die Natur vorgesehen hat.

Das Drama nahm während der Geburtsvorbereitung allerdings Fahrt auf. Mütter mit Geschwisterkind erzählten Schauergeschichten von Eisenmängeln, von hyperaktiven Kindern aufgrund von zuviel Koffein während der Schwangerschaft, diskutierten über Zusatzvitamine und die richtige Schlafposition. Ich klammerte mich an mein restliches bisschen Menschenverstand, das mir sagte, dass mein Körper mein Kind im Schlaf keiner Gefahr aussetzen, sondern mich zum umdrehen veranlassen würde, wäre meine Rückenlage derart lebensbedrohlich für das Ungeborene.
Jetzt ist die Kleine da. Wir gehen brav zu jeder U-Untersuchung und halten uns dafür von möglichst vielen Müttern fern. Ich habe womöglich eine konservative Erziehung genossen und daher gewisse Werte und Vorstellungen von daheim mitbekommen. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur empfindlich gegen den missionarischen Eifer, mit dem man mir wichtige Ratschläge gibt, nach denen ich gar nicht gefragt habe. Zu den Dingen, die ich im Moment, noch, wieder, oder einfach generell ablehne gehören…

1. Babyschwimmen. Ich bin eine Rabenmutter. Weil ich meinem Kind das Erlebnis “Baden im öffentlichen Chlor” vorenthalte. Wir baden – wie langweilig – in der heimischen Badewanne. Sie patscht und plantscht und es braucht vier Hände, um das glucksende, glitschige Bündel vorm Abtauchen zu bewahren. Aber es macht Spaß. “Ja aber es ist doch so wichtig, dass die Kinder in Interaktion mit anderen kommen und noch dazu im entspannenden Wasser…” Mein Kind interagiert nicht. Es guckt andere Babys mit großen Augen an und packt sie allenfalls am Pulli, um sich herumzuziehen. Und wenn ich sehe, dass vierzehn Maxi-Cosis langsam die feuchte Hallenbad-Luft in sich aufsaugen, während vierzehn Mütter auf dem Rücken liegen und ihre Babys auf dem Bauch sitzen haben, frage ich mich ernsthaft, ob das in der Badewanne daheim nicht wesentlich entspannter wäre? Ohne, dass Kinder und Mütter erst an-, dann wieder aus- und wieder angezogen werden, ohne Schwimmwindeln, ohne nasse Badesachen, ohne Wickeltasche, Babykekse in Tupper, Autofahren, Ein- und Ausladen und sieben nassen Handtüchern? Es ist so wichtig für die Kinder ins Wasser zu kommen? Soso. Ich konnte in der Grundschule noch nicht schwimmen, weil ich Wasser einfach doof fand. Heute ist Schwimmen mein erklärter Lieblingssport.

2. Baby-led-weaning. Heißt – Kinder bekommen nach der Milch keinen Brei, sondern essen mit ihrer eigenen Hand weichgekochtes Gemüse. Das Baby soll sich dabei selbstbestimmt füttern dürfen und Gelegenheit haben, Essen abzulehnen. Mein Kind lehnt Essen auch ab. Und zwar vehement und lautstark. Zucchini hält sie beispielsweise für Teufelszeug und lässt mich das auch wissen. Kürbis und Karotte vom Löffel geht stattdessen ganz prima. Ich sehe keinen Sinn darin, dass das Kind, um des “haptischen Erlebnisses” Willen unsere Küche mit Brokkolistückchen überziehen soll. Nicht, weil ich den Aufwand scheuen würde, jeden Tag den Boden nass zu wischen, sondern weil ich mich frage, wann das Kind denn lernen soll, dass man Essen eben NICHT herumwirft? Wieso sollte ich meinem Kind beibringen, dass man mit den Händen ins Essen greift und was nicht schmeckt wegwerfen darf? Nicht nur, dass ich so keine Ahnung habe, wieviel Essen in die Kleine hineinwandert, das, was auf dem Boden landet, ist dann einfach verschwendet. Ist das tatsächlich ein pädagogisches Konzept? Ich würde meinem Kind gerne beibringen, dass man nicht alles essen muss, was auf dem Teller ist und auch nichts, was man überhaupt nicht mag. Aber dass man alles probieren sollte, bevor man etwas ablehnt. Dass man mit Besteck isst und dass Lebensmittel kein Spielzeug sind. Aber ich bin ja auch von gestern.

3. Co-Sleeping. “Wie, Euer Kind schläft schon im eigenen Zimmer?” Ja tut sie. Und zwar gut. Und durch. Sie schläft gegen halb acht ein und wacht nach einer Stunde auf. Sie weint, Mama nimmt die Beine in die Hand, streichelt das Köpfchen, rückt den Schnuller gerade und sie schläft weiter. Manchmal bis morgens um halb sieben. Dann wacht sie auf und singt vor sich hin. Wenn ich in ihr Zimmer komme, wirft sie die Beine in die Höhe, wedelt mit den Ärmchen, strahlt über alle Backen und quietscht mich an. So sieht kein Kind aus, dass nachts von Verlustängsten geplagt nicht geschlafen hat. Zumal wir das Babyphone haben und sie hören, wenn sie weint. “Ja aber man hört so viel über den plötzlichen Kindstod bei Kindern, die alleine schlafen…” Was soll diese Angstmacherei? Dieses Szenario ist ein Alptraum für alle Eltern. Aber ich würde neben dem Kind schlafen, wenn etwas wäre. Ich würde schlafen. SCHLAFEN. Ob sie dabei einen halben Meter neben mir oder ein Zimmer weiter liegt, ich würde es verschlafen. Ich halte es hier wie in der Schwangerschaft – ich vertraue darauf, dass sie gesund ist, alle U-Untersuchungen zufriedenstellend sind und dass alles gut geht. Und trotzdem muss ich ihren Auszug ins Kinderzimmer verteidigen und nehme hochgezogene Augenbrauen und spitze Müttermünder in Kauf.

4. Die Krabbelgruppe. Dasselbe wie Babyschwimmen. Mein Kind möchte nicht interagieren mit anderen Kindern. Fragt mich in einem halben Jahr nochmal. Aber im Moment – nicht. “Es ist ja auch so wichtig, mit anderen Eltern den Erfahrungsaustausch zu pflegen” – Nein, es ist mir HIMMELANGST. Ich finde mein Kind toll, ohne Frage. Aber andere Kinder können schon viel mehr als meins. Ich warte nur darauf, dass eine Mitmutter erzählt, ihr Kind würde mit neun Monaten fragen, ob es kurz austreten darf und dann alleine aufs Klo gehen. Nee, is klar. Ich beschäftige mich den ganzen Tag mit der Maus, weiß, dass sie sich nach links und rechts drehen kann, aber nicht gerne auf dem Bauch liegt. Dass sie Kürbisbrei liebt und Zucchini verabscheut, dass sie beim Wickeln gerne die Zehen in den Mund steckt und dass das grün-rote Schmusetuch ihr Lieblingsstück ist. Wenn ich dann ein paar Stunden für mich habe, möchte ich nicht über Brei, nicht über Windelsorten und nicht über Schlafgewohnheiten sprechen. Ich möchte keine Heldengeschichten von Luca-Finn und Chayenn-Zoe-Clementine erzählt bekommen und auch nicht wissen, wie toll Jamie-Isabelle schon den Löffel halten kann. Jedes Kind entwickelt sich nach seinem Tempo und das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. Und WENN ich schon mal Zeit habe, einen Kaffee in Ruhe zu trinken, dann möchte ich dies mit einer Freundin alleine tun, die mir etwas anderes zu erzählen hat als die Muttis von Maximiliane und Flora. Aber ich bin ja auch völlig soziophob.

Desweg

Liebe Sigrun!

Ich wünsche Dir ALLES LIEBE UND GUTE fürs neue Lebensjahr, viele erfolgreiche Friseurbesuche, viele unkarierte Hemden, lange trockene Laufwege ohne Touris, tausende gebannte Leser und wunderschöne spitze Highheels soviel du tragen kannst! Fühl dich herzlich gedrückt und genieß deinen Tag!

Vom Regen…

… einem Kinderwagen im Galopp, einem Notruf und einem Schaf…

…handelt die folgende unzweifelhaft spannende Geschichte aus dem Leben von Frau Venus.
Die gestern mit dem Venuskind das frühlingsähnliche Wetter nutzen wollte, aber warten musste, bis Mademoiselle aus dem Nachmittagsnickerchen erwachte. Es zog sich ein wenig hin und so verließen Frau Schwiegervenus, Frau Venus und Fräulein Minivenus das Haus erst gegen halb vier. Der Himmel war blau. Wir spazierten also aufs freie Feld, das kleine Fräulein Minivenus blinzelte argwöhnisch in die Sonne und die großen Venüsse plauderten. Wir kamen an einer Schafherde vorbei und amüsierten uns köstlich über die hüpfenden, tobenden Lämmer. Der Himmel war leuchtend blau. Doch was war das? Auf der Seite der Weide lag ein Schaf auf der Seite. Rührte sich nicht. Seinem unfassbaren Umfang nach, war es mindestens mit zwei Lämmern schwanger. Nach einer Weile der Beobachtung beschloss Frau Schwiegervenus, sich das Tier genauer anzusehen und kletterte über den Weidezaun. Tatsächlich schien es dem Schaf nicht gut zu gehen. An seinem Bauch bildeten sich zwei riesige Beulen, eine natürliche Geburt sah in unseren Augen anders aus. Außerdem wimmerte das Schaf nur noch leise. Der Himmel war blau und zwei weitere Spaziergängerinnen gesellten sich zu uns. “Was ist mit Schafff?” fragte mich eine der beiden. Ich erklärte, dass ich leider keine Ahnung habe, dass das Schaf(ff) in meinen Augen aber ungesund aussehe und dass wir uns überlegten, was zu tun sei. “Weißt Du nix wem Schafffe gehöre?” fragte mich die andere. Wir unterhielten uns eine Weile über mögliche Schäfer, über Geburtshilfe bei Schafen und beratschlagten, wen man wohl anrufen könnte. Zwei weitere Jogger vergrößerten unseren Gesprächskreis. Frau Schwiegervenus hatte eine ungefähre Vermutung, wem die Herde gehören könnte. Frau Venus war zum ersten Mal froh, ein internetfähiges Smartphone zu besitzen und fand die Telefonnummer. Leider war niemand zu Hause. Der Himmel übrigens… ach ihr wisst schon. Blau. Die Joggerin schlug vor, die Stadtverwaltung anzurufen. Aber Freitagmittags um vier… keiner mehr da. Ich googelte also nach dem Veterinäramt. Das Band ratterte eine Handynummer für Notfälle herunter, die ich mir allerdings nicht merken konnte. Und zu schreiben hatte ich nichts. “Ruffst Du Bolizei an, dafür sinn die da!” beschloss eine der beiden Spaziergängerinnen.
Da mir nach längerem Überlegen nichts besseres einfiel, tat ich das. Vielleicht hatte man dort die Nummer vom Veterinär. Der Beamte war sehr aufgeschlossen und freundlich, riet mir jedoch, einen Notruf über 112 abzusetzen. Da ich noch nie die 112 angerufen hatte, räusperte ich mich zunächst feierlich und hatte dann die Leitstelle am Telefon. Ich erklärte drauf los.
“Ein … Schaf?” sagte der freundliche Mann am anderen Ende.
“Jup”, sagte ich.
“Und das… liegt auf der Weide?” fragte er zurück.
Ich kam mir ein wenig doof vor. “Jaha, aber es liegt ja nicht nur so rum. Es bekommt ein Lamm. Oder zwei oder eben auch nicht. Also es braucht Hilfe!” betonte ich.
“Aha. Ja. Hm. Dann rufen Sie mal das Revier an, die sind für… sowas… am ehesten zuständig”, erklärte er.
“Die haben mir doch eben erklärt, ich solle den Notruf wählen”, gab ich zurück.
Wir besprachen noch eine Weile die Konsultation eines Tierarztes, diskutierten die Kostenübernahme desselbigen (Bürokratie, herrjeh, hier liegt ein leidendes Tier!)und der nette Retter beschloss, selbst die Kollegen bei der Polizei zu informieren.
Frau Venus bimmelte in dieser Zeit nochmal den vermeintlichen Besitzer an und – hatte Glück. Ja es seien seine Schafe, ja, er eile sofort los.

Für das Schafff war Rettung unterwegs. Die beiden Fußgängerinnen wollten noch so lange dort bleiben, bis der Schäfer kommt. Und Frau Schwiegervenus und ich guckten zum Himmel. Der war urplötzlich schwarz geworden. Aus einem warmen Lüftchen war ein veritabler Sturm geworden und wir waren keine 50 Meter vom lammenden Schaf entfernt, da begann es zu schütten. Es regnete von links und rechts und oben. Ich konnte den Kinderwagen kaum noch geradeaus schieben, weil Böen daran rüttelten, als sei es Spielzeug. Die Nässe kroch durch meine Jeans und machte sich sogar langsam unter meiner Daunenjacke bemerkbar. Meine Haare klebten innerhalb von zwei Minuten am Kopf, meine Nase tropfte unaufhörlich. Wir verfielen in einen lockeren Lauf und wurden gefühlt noch viel schneller nass. Ich versuchte meinen Mann anzurufen, aber ich verstand kaum, was er sagte. Nur “Auto voll” und “kann nicht”. Zum Glück hatte er jedoch meinen Schwiegervater erreichen können, der uns nach weiteren fünf Minuten entgegengefahren kam.

Der Schäfer war uns übrigens ebenso winkend entgegen gekommen. Er hatte das arme Schaf in den Hänger geladen und in den heimischen Stall gebracht.

Frau M

Ich lebe noch!

Ich hoffe, das beruhigt euch. Jaja, ich bin da. Ich lese hier und da mit, aber ich sag’s euch – das Leben ist grad zu schnell für mich. Für Pausen im Blogland jedenfalls. Die letzten zwei Wochen in Kurzform – Kind war ein zweites Mal fies verstopft und wir fuhren ein zweites Mal in die Kinderklinik. Nach Tipp vom dortigen Kinderarzt klappt es jetzt aber bisher ganz gut, ich klopfe auf Holz, dass das so bleibt. Wir hatten Taufe! Am Ostersonntag, draußen Usselwetter, aber drin sonniges Kind. Großes Fest mit ca. 60 Gästen, danach leider Halsweh und Schnupfen. Wird aber wieder. Gestern gab’s den ersten Brei! Ok, ein Löffelchen Zucchinibrei ist im Kind gelandet, der Rest auf dem Latz. Aber hey, wir üben ja noch. Ansonsten ist Frau Venus eingespannt zwischen Kamera und Kinderkacke, zwischen Pressearbeit und Pürierstab und ganz und gar mit Alltagsbewältigung beschäftigt. Kurzum – es gibt nüscht spektakuläres zu vermelden. Außer – mich gibt’s noch. Und so spektakulär ist das nu nich.

Dankeeee!

Ihr Lieben! Vielen herzlichen Dank für die Geburtstagsgrüße! Verzeiht mir, wenn ich nicht alle kommentieren konnte, mein Geburtstag war schön und von vielen Gästen und Kuchenstücken und Blümchen noch schöner gemacht worden! Am Dienstag hatte Herr Venus höchstselbst Geburtstag und wir aßen erneut Kuchen und der Tag war sehr entspannt, bis, ja bis das Kind plötzlich einen sich steigernden Schreianfall bekam und sich abends kurz vor zehn nur noch brüllend gewunden und um sich geschlagen hat. Nach ergebnislosen Telefonaten mit nicht erreichbaren Bereitschaftsdiensten, Hebammen und Kinderärzten hat uns die Ersatzhebamme um viertel nach zehn darin bestärkt, das Kind in die nächste Klinik zu bringen. Dort sind wir viertel nach elf auch aufgelaufen, das Kind bekam Glycerinöl in den Bobbes und legte kleine Ostereier. Um viertel nach eins waren wir wieder daheim. Die Verdauung macht ihr immer noch zu schaffen, aber heut morgen gings dann wieder von alleine. Uff. Kinder, ich sag’s euch, sind das reinste Abenteuer.

Mit dem Patenonkel…

…stellt man sich gut! Geht am besten mit Schokokuchen. Dass der nach Kindergeburtstag aussieht, liegt am Mamahormon. Ehrlich. Ausserdem haben Männer eine gewisse Infantilität bis ins hohe Alter.

Das wäre Ihr Plan gewesen…

Geplant war folgendes:
Aufstehen gegen acht, Kind wickeln und anziehen und füttern. Kaffee trinken und Zeitung lesen. Gegen neun duschen und fertig machen, bis elf putzen und staubsaugen. Von elf bis halb zwölf einkaufen, essen, Geschenk für Gatten verpacken. Gegen halb drei kann dann der liebe Mittwochnachmittagskaffeebesuch kommen.

Passiert ist dann folgendes.
Aufgestanden gegen acht, Kind gewickelt, angezogen und gefüttert. Kaffee getrunken und Zeitung gelesen. Das Telefon klingelt. Eine Mitmutter, die neu in der Stadt ist und Anschluss sucht. Wir unterhalten uns über Gläschen und selbstgekochten Brei, über Gemüsekisten-Abos und über Babytee. Worüber ich niemals mit anderen Müttern sprechen wollte man so spricht halt mit anderen Müttern. Es klopft in meiner Leitung. Ich würge die Mitmutter ab und habe eine alte Freundin am Ohr. Sie ist grade mit dem zweiten Kind schwanger und wir reden über selbstgekochten Brei, Babytee und die bevorstehende Taufe. Wir legen auf und ich gucke auf die Uhr. KURZ VOR ELF! Ich sitze noch im Schlafanzug vorm kalten Kaffee. Das Kind guckt mich interessiert an. Ich flitze unter die Dusche. Gerade als ich nass bin klingelt das Telefon. Ich dusche zu Ende, föhne meine Föhnfrisur und schiele auf das Telefondisplay. Meine Mama. Ich rufe zurück. Sie wollte nur mal hören, wie’s mir so geht. Gut geht’s mir, ich komme leider zu nix. Nein, ich bin nicht gereizt. Ja, dem Kind geht es gut. Es ist halb zwölf. Ich nehme das Kind mit ins Bad und fange an, die Dusche zu putzen. Ich habe gerade nasse Füße und wienere mich über die Fliesen, als das Kind diesen sinnierenden Gesichtsausdruck bekommt. Ich ahne das Schlimmste und tatsächlich wabern unschöne Düfte durchs Bad. Das Kind fängt an zu jammern. Ich trockne mich ab und eile zum Wickeltisch. Ich habe Hunger. Von gestern ist noch was übrig, was mir meine mama liebevoll verpackt mitgegeben hatte. Das Essen ist aber nirgends. Jedenfalls nicht im Kühlschrank. Genaugenommen kann ich mich auch nicht entsinnen, es dort hineingestellt zu haben. Aber wo ist es dann? Richtig. Es steht noch im Auto. Das Kind ist maulig und kündigt ebenfalls Hunger an. Ich mache also ein Fläschchen. Mein Bauch knurrt vorwurfsvoll. Dann endlich ist das Kind zufrieden und schläft ein. Ich eile zum Auto. Hole mein Essen, esse es leise ein Zimmer weiter. Aus dem Topf. Einen Teller aus dem Schrank neben dem Kind zu holen, würde unnötig Krach machen. Zwei Minuten später ruft meine Tante an. Es ist gleich zwei. Um halb drei kommt der liebe Mittwochnachmittagskaffeebesuch. Ich habe weder eingekauft noch geputzt. Das Kind ist zwei Stunden lang maulig, bis der Besuch wieder geht. Jetzt ist alles gut. Aber ich habe keine Lust mehr, zu putzen. Leben mit Kind. Vergiss Pläne.