Manchmal…

…ist das was man sagen möchte nicht das, was man sagt. Oder zumindest nicht das, was der andere versteht.
Unsere Dusche war seit Wochen bockig und befand, dass wir uns gefälligst, hygienehalber, nicht duschen, sondern abkochen sollten. Zwar ließ sich der Temperaturregler ohne weiteres auf alle Gradzahlen drehen, lediglich die Wassertemperatur blieb davon völlig unbeeindruckt. Duschen glich also in den letzten Tagen fast einer Mutprobe und es war klar, dass der Handwerker her musste. Weil Herr Venus nicht zu Hause sein konnte, beaufsichtigte Frau Venus mit fachmännischem Blick die Instandsetzungsarbeiten. (“Der hat das erst das glänzende Ding abgemacht und dann alle Schrauben rausgedreht und ein paar mal Wasser laufen lassen und dabei ganz viel Dreck gemacht.”)
Der Handwerker war nach knapp zehn Minuten fertig und bat mich, doch eben selbst die Hand unter den Brausestrahl zu halten, damit er mir demonstrieren könne, wie feinabgestimmt man ab sofort im Hause Venus wieder die Wunschtemperatur einstellen kann.

Herr Venus kam abends nach Hause und meinte – “Und, war der Handwerker da und hat er die Dusche wieder hingekriegt?” worauf hin ich stolz erwiderte – “ja, wir haben’s gleich danach zusammen getestet – geht wieder.”

Die Gesichtsentgleisung von Herrn Venus war noch besser als unter der 50-Grad-Brause.

Die Top-3…

…der Weisheiten, die keine Schwangere mehr hören kann:

3. “…ja aber FRÜHER hatten wir das auch nicht/ war das anders/ hat man sich darüber gar keinen Kopf gemacht, und aus Euch ist ja auch was geworden…”

2. “… Wenn die Kleinen erstmal da sind, hat man alles andere vergessen (bezogen auf die Geburt an sich)”

1. “… Ich sag immer, raus kommen sie alle, es ist noch keins drin geblieben… “

Ich habe ein Suchtproblem!

Die Dinger sind Teufelszeug! Herzchenförmig. Viel zu früh. Ist denn schon Weihnachten? Ich weiß auch nicht, wie die gestern in meinen Einkauf geraten sind. Und danach in mich. Aber jetzt ist noch ein einziges, gefülltes Lebkuchenherzchen übrig… Seit zehn Minuten schmachte ich es an. OK, ich bin schwanger. Aber darf man im SEPTEMBER gegen die eigene Überzeugung schon Weihnachtskram …*mampf*… Mist.

Mutterschutz – wird alles anders…

Jap, und es fängt schon an.

Vor der Schwangerschaft, samstags:

“huch, ich habe ja noch gar nicht mit dem Hausputz angefangen und es ist ja schon zehn Uhr!”

Heute, beliebiger Tag:
“Huch, ich habe ja noch gar nicht mit irgendwas angefangen und es wird ja schon hell!”

Mutterschutz, Woche 2, Tag 2

Langzeitarbeitslosen gehe die Struktur des Tages irgendwann verloren, habe ich neulich gelesen. Ich bin seit einer Woche und einem Tag im Mutterschutz und fühle mich jetzt schon langzeitarbeitslos. Zumindest, was meine Struktur angeht.

Erkenntnis 1: Ausschlafen ist böse. Es führt dazu, dass ich alleine aufstehe und sich mein Mittagessen in die frühen Nachmittagsstunden verlagert, wo es nicht hingehört.

Erkenntnis 2: Mittagsschläfchen sind ebenso böse. Ich schaffe es nicht, mich wegen zwanzig Minuten ins Bett zu legen. So lange braucht alleine mein Bauch, um sich bequem zu betten. Wenn ich mich hinlege, dann muss es sich lohnen, also schlafe ich mindestens zwei Stunden tief und fest, was wiederum dazu führt, dass ich mich abends meinem zubettgehenden Mann anschließe und ins Dunkle starre, ohne schlafen zu können. Was dann folgt, sind wirre …

…Träume: Heute Nacht eröffnete mir meine Frauenärztin, dass die “Null” an dieser Stelle im Mutterpass darauf hindeute, dass das Kind mit beiden Armen auf der rechten Körperseite geboren werde. Sie lächelte dabei, als handle es sich um eine besonders ulkige Sache.

Babys: Hormone sind Teufelszeug. Sobald im Fernsehen ein fremder Säugling gezeigt wird, schießen mir die Tränen in die Augen und ich möchte ihn anfassen. Ich brauche einen Exorzisten.

Bauch: Abgesehen davon, dass ich beim Einkaufen Selbstgespräche führe (ich spreche mit dem Kind und erzähle ihm, was ich heute zu Kochen beabsichtige), bin ich auch selbst Gesprächsthema. Neulich an der Kasse vor mir stand eine Mutter mit ihrer ungefähr Vierjährigen. Die Kleine starrte mich an mit einem Blick, den man von Leuten kennt, die an einem schweren Unfall vorbeikommen und nicht wegsehen können. Dann fragte sie ihre Mutter “Mama, kriegt die Frau ein Baby oder ist die einfach so dick?” Am liebsten hätte ich gesagt, der Bauch käme daher, dass ich an Kasse zwei gerade eine freche Vierjährige aufgefressen hätte und nun auf die nächste warte. Meine Rachegedanken wurden jedoch jäh vom Lachen der Mutter unterbrochen, das klang wie das Husten eines pensionierten Grubenarbeiters, der seit seinem zehnten Lebensjahr Kette rauchte. Ihre gelben Finger packten zwei Dosen Ravioli, vier Dosen Bier und zwei Schachteln Kippen in eine zerfledderte Aldi-Tüte und ich beschloss, dass das Kind andere Sorgen hatte und hielt meine Klappe.

Zeit und Raum: Mein Raum-Zeit-Kontinuum löst sich ein bisschen auf. Zwar kann ich die Uhr lesen, aber manchmal habe ich bereits beim Weggucken vergessen, wie spät es eigentlich ist. Ist ja auch nicht so wichtig. Ich orientiere mich sowieso nur noch an niederen Bedürfnissen – Hunger, müde, Badezimmer. Das jeweilige Datum ist mir mittlerweile ein völliges Rätsel. Sogar der Wochentag bedarf scharfen Nachdenkens. Allein meine Schwangerschaftswoche weiß ich im Schlaf.

Krankenhaustasche: Ich vermeide den Begriff “…koffer”. Das klingt zusehr nach Urlaub und Daueraufenthalt. Im Internet findet man drölftausend Checklisten, was man alles zur Entbindung mitbringen soll. Nach langer Suche habe ich gestern Abend endlich eine gefunden, die mir in ihrer Kürze sympathisch erscheint. Auf Ratschläge wie “packen Sie Ihrem Geburtspartner Badebekleidung ein, falls er sie in die Geburtswanne begleiten möchte”, kann ich gut verzichten. Ich habe immer ein Bild von einer munteren Whirlpoolrunde vor Augen, die sich mit Champagner zuprostet, während ich in ihrer Mitte gerade niederkomme. Es gibt Orte, da ist man auch als Gebärmutter gerne alleine.

Die K-Frage: K wie Klamotten. Ich habe einen wohlsortierten Kleiderschrank voller Dinge, die mir mal passten. Heute erscheinen mir Shirts und Blusen lächerlich klein, als hätte ich Alice-im-Wunderland-gleich eine Transformation innerhalb von Sekunden durchgemacht. Ich gewande mich also in Größen, die meine Kugel halbwegs abdecken und tröste mich damit, dass ich das Haus nur verlassen muss, wenn ich unbedingt möchte.

Bücher: Es gibt auch positive Veränderungen, jaha! Ich befinde mich in Woche zwei, Tag zwei, und kann stolz vermelden, dass ich bereits am VIERTEN Buch bin. Und ich lese wahrlich nicht nur Broschüren, nein, richtige Bücher! Ich wage nur nicht, jemandem davon zu erzählen, einzig, weil ich den Satz “genieß es, soviel Zeit wirst Du später NIE MEHR haben” nicht mehr hören kann.

Jaaaa, Kinder sind kleine, zeitraubende Parasiten, die erst Deinen Bauch und dann Dein komplettes bisheriges Lebens sprengen. Zum Glück bringen die Hormone auch eines mit sich – das ganz große “na-und-Gefühl” und eine tiefe Zuversicht, die beinahe religiöse Züge hat. Insofern gleite ich jetzt zurück in meine kleine Blase und widme mich erstmal in Ruhe der Tageszeitung. Soviel Zeit werde ich später nämlich NIE MEHR haben.

Die Zeit…

…wenn ich aufstehe, hängt unmittelbar mit dem Verlauf des restlichen Tages zusammen. Spät aufstehen, also ab acht, heißt, Herr Venus ist außer Haus und die Chancen, dass ich muffelig werde, sind ungleich hoch. Mit Herrn Venus aufstehen und wenigstens noch drei Sätze beim Kaffee austauschen zu können, erdet mich und der Tag wird wesentlich produktiver. Mag daran liegen, dass er schon um halb sieben beginnt. Aber zwischen sieben und neun ist die Welt so besonders. Man weiss, man könnte noch im Bett sein, ist es aber nicht. Fühlt sich an, wie dem Leben zwei Stunden zu klauen. Außerdem arbeitet mein kreativer Motor auf Volllast um diese Zeit. Bin wohl wirklich ein Frühaufsteher… Und guten Morgen übrigens! FALLS schon einer auf ist, im Blogland!

Mutterschutz, Tag 1 und 2

Es regnet. Aber heute nur draußen. Am Freitagabend war Frau Venus ja tatsächlich ein bisschen das heulende Elend in Person. Alles vorbei. Und so liebe Kollegen. Und so tolle Geschenke und so viele Blumen und… alles vorbei.
Am Samstag hatte ich mich halbwegs mit der Situation angefreundet.
Am MONTAG, dem ersten offiziellen Mutterschutztag also, saß ich um sechs in der Küche beim Kaffee. WENN ich schon daheim bleiben “darf”, dann mag ich nix davon verpassen.
Ich machte mich also um halb acht auf zum Einkauf, wartete mit den anderen Rentnern vor der Tür, bis man uns ENDLICH einkaufen ließ, hängte Wäsche auf und ab, räumte mein neues Arbeitszimmer ein, beantragte Mutterschutzgeld, ging bei der Post vorbei und erstand schließlich Zeitschriften. Als ich dann wirklich alles organisiert hatte, was es zu tun gibt, war es – zwei.
So’n Tag kann richtig produktiv sein, wenn man ihn nicht im Büro verbringt!
Heute war mir allerdings weder nach Aufstehen um sechs, noch nach organisieren. Ich war ein bisschen unlustig. Die Wäsche war schnell erledigt, ich hab schon um elf gekocht und war um zwölf fertig mit Essen. Und was tut man, wenn man sich selbst bäh findet? Richtig. Man geht ins Bett.
Drei Stunden später aufgewacht – jetzt regnet es draußen, aber nicht mehr drin!

Aber da darf’s ja auch.

Es ist…

…Freitagmorgen um viertel vor sieben.
Rituale. Mein Kaffeebecher ist grade leergeworden. Gleich geht’s ins Bad, dann steht die Klamottenfrage an. Dann mach ich mich auf den Weg ins Büro. 50km, vertraute Strecke.
Und doch ist heute nichts wie immer. Ich trete den Heimweg heute Abend an und werde ein Kapitel vorerst abgeschlossen haben. Die Schlüssel, der Sender für die Tiefgarage… Bleiben im Büro. Ab heut Abend bin ich Gast dort für die nächsten zwei Jahre mindestens.
Sie machen es mir aber auch nicht leicht… Eine Welle der Sympathie schlägt mir entgegen, Bedauern, Umarmungen, Seufzer, Geschenke und Blumen.
Sagen wir es mal so, ich bin nicht verzweifelt, dass ich gehe. Ich gehe aus Gründen, die sehr erfreulich sind. Und ich will wiederkommen. Mir ist nur die Vorstellung unheimlich, erstmal Vollzeitmama zu sein. Aber vermutlich kann ich einfach nur mit Veränderungen schwer umgehen und finde es hinterher ganz prima. Ich WEISS einfach nicht, wie es sein wird und nix ist schlimmer für mich als Ungewissheit.
Wenigstens gehöre ich definitiv nicht zu den Müttern, die aus Frust im Job ein Kind in die Welt setzen und die Elternzeit als Fluchtmöglichkeit sehen. Alles wird gut. Wird es ja immer. Und jetzt muss ich ins Bad. Sonst komm ich später als notwendig ins Büro. Zu meinem letzten Arbeitstag.

Typisch…

…ich.
Ich war sieben Wochen lang tapfer im Gebärmutterkurs. Habe mich müde und mit Motivationsdefizit dazu genötigt, dorthin zu gehen. Und fand es immer hinterher gar nicht so schlecht.
Den allerletzten Abend, dachte ich mir, wenn wir nur noch alles wiederholen und uns gegenseitig Angst machen für die Geburt, DEN schenk ich mir.
Also schrieb ich meiner Hebamme eine nette Mail, dass ich leider verhindert sei, ausgerechnet am letzten Abend, dass es mir unsagbar leid tue und ich allen viel Glück und alles Gute wünsche.

Heute morgen schrieb sie mir zurück. Das mache doch gar nix. Der letzte Abend sei erst nächste Woche, weil sie doch diese Woche noch im Urlaub sei.
Stimmt. Ich habe den Termin für den letzten Abend dick und fett im Kalender stehen. Der liebe Gott will wohl nicht, dass ich Schwänze. Mir fehlt einfach das Talent dafür… und – *seufz* – …eine Ausrede für nächste Woche. Argh.