Frau Franz Josef, Sie nerven.

Eigentlich wollte ich nichts dazu schreiben. Aber als ich heute mittag unversehens in eine Twitterdiskussion hineingeriet (lustigerweise, während ich neben meinem Kind lag und auf seinen Mittagsschlaf wartete), beschloss ich, es doch zu tun. Hier, auf meinem Blog. Meinem Mum-Blog, das entsetzlich anti-emanzipatorisch ist, wie ich erklärt bekam.

Aber von vorne. Worum es geht: Um die Post von Franz Josef Wagner. (Ja, das ist ein Link zur BILD. Wer tapfer ist, klickt drauf, wer nicht – ich kann’s ihm nicht verübeln. Ich verspreche, es kommt nicht wieder vor.)

Der lustige Onkel aus dem Fünfzigerjahrearchiv der BILD, der auf seiner Gartenbank sitzend über die Frauen von heute sinniert, beschwert sich darüber, dass Frauen heutzutage keine Mütter mehr seien. Nein, auch die nicht, die Kinder haben. Jaja, ihr habt richtig gelesen. Sie wären Powerfrauen, Karrierefrauen, Chefredakteurinnen. Sie wären nicht da, wenn ihre Kinder nachts Angst vor Blitz und Donner hätten, strampelten sich auf dem Laufband stattdessen Fett vom Körper, trügen Hosenanzüge und tränken Smoothies. Sie würden die Köpfe ihrer Kinder nicht streicheln, wenn sie einschliefen. Ich habe kurz innegehalten und überlegt – Powerfrau? Och. Karrierefrau? Ne. Mutter? Ganz sicher. Hosenanzug? Check. Smoothie? Check. Laufband? Nä. Obwohl ich dem angesprochenen Frauenbild also nicht zu hundert Prozent entspreche, schickte ich einen flapsigen tweet in die Welt. Und bekam prompt Antwort. Allerdings krude. Ausweichende. Irgendwie inhaltsbefreite. Von einer Frau übrigens. Sie warf mir vor, dass plötzlich jede Mamabloggerin mit zehn oder mehr Lesern sich über Wagner aufregen würde. Dabei seien wir doch per se anti-emanzipatorisch. Wir Mamas mit Blog und Kindern aber ohne feste Anstellung. („Mum-Blogs sind anti-emanzipatorisch, . Und sich an nem versoffenen Bild-Leitartikler abzuarbeiten ist öde.“ Und auf die Frage, wo ich denn bitte Redakteurin sei „Frauen OHNE feste Anstellung spricht ja nicht gerade für eine emanzipierte Gesellschaft…“)

Von soviel Weisheit emanzipatorisch aufgerüttelt gab ich mich erstmal einer Übersprungshandlung hin. Alten Verhaltensmustern folgend räumte ich Geschirr in die Spülmaschine und schämte mich dabei. Ich, die Sklavin meines Haushalts. Dann topfte ich Grünlilien um, grübelte rastlos über mein kümmerliches Dasein als Mutter ohne Festanstellung aber mit Topfpflanzen und antiquiertem Rollenbild. Ich, die Frau mit zwei Ausbildungen, die den Mann den Alleinverdiener spielen lässt. Die ein Kind bekommen hat und den ganzen Tag über Blätterteigrezepte schreibt und Instagram nutzt. Die  tatsächlich lieber direkt anderen Frauen im echten Leben hilft, als sich stundenlang über ebensolche in der Anonymität des Netzes auszulassen.  Und je mehr ich in der Erde wühlte, desto mehr kristallisierte sich ein Gedanke aus dem trüben See meiner Schwermut heraus: Nicht Männer, schon gar nicht BILD-Onkels, sondern Frauen sind die wahren Emanzipationskiller. Frauen, die anderen Frauen über twitter die Welt erklären und das Rederecht in Abrede stellen. Frauen, die andere Frauen spöttisch als „Mum-Blogger mit zehn oder mehr Lesern“ verhöhnen. Die für sich selbst die Weisheit auf dem Weg zur Geschlechteregalität reklamieren und dabei gerne Geschlechtsgenossinnen umbügeln. Es ist wie mit den Müttern untereinander – Männer müsen gar nichts zur Unterdrückung der Frau mehr tun – das haben sie erfolgreich an solche geifernde Emanzen abgetreten.

Bleibt für mich die Frage – was ist Emanzipation? Für mich bedeutet das, wählen zu können. Bekomme ich Kinder oder nicht, arbeite ich Vollzeit oder nicht, gebe ich mein Kind in die Krippe oder nicht. Ich hatte die Wahl und habe ein Kind bekommen, arbeite, wann und was ich will und amüsiere mich jeden Tag über die Sprüche meiner klugen und schlagfertigen Tochter, die um mich herumwuselt. Und ich schreibe ein Mom-Blog. Weil ich es kann. Und nichts anderes muss. Und jetzt, ihr verbiesterten Suffragetten da draußen, steckt Eurem Mann (so es einer mit euch aushält) den Staubwedel in die Hand, nehmt den Stock aus dem Hintern und leckt’s mich am … ach. Ich geh jetzt Bügeln.

 

5 Antworten auf „Frau Franz Josef, Sie nerven.“

  1. Kicher – aber das weiß man doch – Frauen sind wie die SPD.

    Die SPD braucht auch keine Opposition – die demontiert sich regelmäßig selbst. Die Opposition braucht das nur auszusitzen.

    Und niemand ist gnadenloser gegenüber einer Frau (egal wo sie steht) als eine Frau, die eine andere Einstellung vertritt.

    Meiner (ganz persönlichen) Meinung nach übrigens einer der Gründe, warum es noch lange dauern wird, bis wir wirkliche Gleichberechtigung erreichen. Weil Frauen im Gegensatz zu Männern tatsächlich nie um der Sache willen an einem Strang ziehen. Das können Männer tatsächlich besser – die bringen sich zwar durchaus um – aber wenn sie ein gemeinsames Ziel haben, können auf einmal Männer, die sich spinnefeind sind, Allianzen bilden.

    1. Das weiß man. Aber genervt hat’s mich trotzdem. Und ich gebe Dir völlig Recht. So lange Frauen sich nicht einem gemeinsamen Ziel unterordnen können, sondern andere Frauen dabei von der Seite anmachen, wird sich nix tun. Ob ein oller BILDOpa jetzt drüber schreibt oder nicht.

  2. Wagner ist ein widerlicher Troll und was er schreibt Kalkül. Er ist wie jeder Lohnschreiber bei Springer von Herzen niederträchtig und ein schlechter Mensch! Er ist dieser Aufmerksamkeit nicht wert!

    Ach Mädels, ist Neid nicht ne Totsünde?
    Btw, sehr schöner Rant! 🙂

    Der dicke Westfale!

  3. Deswegen hab ich einen Männerberuf 😉 – da muss ich mich nicht mit anderen Frauen rumschlagen, kann mich fachlich streiten und hinterher Bier trinken.

    Ich fühl mich aber genauso in meiner Frauenwelt wohl – aber da bin ich der Chef grins

    Übrigens koch, backe und strick ich auch gern – und denk in keiner Form darüber nach, ob ich emanzipiert bin oder nicht. Solltest Du auch nicht. Es ist doch auch wurscht.

    1. Ich denke auch nicht groß drüber nach, ob das für mich ok ist. Ist ja ganz allein mein Problem. Viel mehr nervt mich der „das sollte dich aber beschäftigen, du antiemanzipatorisches Weibchen“- Ton, mit dem mir andere da reinreden.

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