Zwischen Terror und Teigmaschine – sieben Stunden abgetaucht …

Mein Samstag war vermutlich wie bei vielen von Euch belastet, überschattet, gedämpft von den Ereignissen der Nacht zuvor. Ich bin aufgewacht mit einem Druck auf dem Magen, der mir noch vor dem ersten Augenaufschlag in Erinnerung rief – heute ist es nicht wie sonst. Ich arbeitete morgens am PC und konnte mich nicht beherrschen, bei twitter die neuesten Ermittlungsergebnisse zu lesen und mich zu gruseln. Aber egal, was ich tat, las, erfuhr – nebenher war hier auch Alltag. Auch wenn ich das Gefühl hatte, es hakt und klemmt ein wenig – die Tatsache, dass meine Dreijährige unbekümmert um mich herumwuselte, erdete mich. Am Nachmittag schließlich überreichten wir das Kind der Oma und machten uns auf den Weg ans andere Ende unseres Landkreises. Und dort gelang mir endlich, was ich den ganzen Tag über versucht hatte – ich schaltete komplett ab und tauchte in eine andere Welt ein. In die des Backens nämlich. Die wohltuende Wärme im Backhaus, die Gesellschaft von lieben Menschen, die konzentrierte Arbeit mit den Händen – all das katapultierte mich ganz weit weg von Terror, Blutvergießen und Schrecken. Sieben Stunden lang formten wir Brote, schnupperten an Sauerteig, bröselten Hefe, knabberten Sonnenblumen, wischten uns Mehl aus den Haaren und knusperten an frischem Backwerk.

Wir lachten und scherzten und Paris war sieben Stunden lang kein Thema. Erst spätnachts auf dem Heimweg erinnerten mich die Nachrichten im Autoradio daran, was passiert war.

Und auf diesem Heimweg eben fasste ich einen Entschluss. Dass ich mich für die Welt und das Weltgeschehen auch weiterhin interessieren werde. Dass mich dieser Krieg nicht kaltlässt. Dass ich aber in meinem Alltag genau das tun möchte, was allen Terroristen dieser Welt gemeinsam ein Dorn im Auge ist – ich werde lachen und feiern, ich werde lieben und küssen, wir werden uns an der Natur freuen und an uns, wir werden spielen und herumalbern, alte Freunde treffen und neue dazu gewinnen. Wir werden essen und trinken, genießen und uns zusammen auf das konzentrieren, was wir haben – unsere Freiheit und unseren Frieden. Weil wir eine Familie sind, weil wir nicht in Angst erstarren wollen und weil wir letztlich unserem Kind vorleben wollen, auf welche Art wir leben. In Freiheit, Frieden und mit positiven Gedanken.

Was machen die Ereignisse mit Euch? Lasst es mich wissen, ich bin neugierig!

Edit: Etwas sehr Ähnliches gibt es bei Nic von LuziaPimpinella zu lesen, habe ich grade gefunden und verlinke ich sehr gerne.

5 Antworten auf „Zwischen Terror und Teigmaschine – sieben Stunden abgetaucht …“

  1. Ich habe sinngemäß schon an anderer Stelle ähnliches geschrieben:
    Ich habe über die Jahre schon Terror erlebt (Gott sei Dank nicht am eigenen Leib) – aber in meinem Lebensumfeld. Ich bin alt genug, die RAF schon selbst wahrgenommen zu haben. Später anderen Terrorismus – IRA, Terroristen aus dem Libanon und später dann alles, was mit den Golfkriegen in Verbindung steht. Was – in irgendeiner Form – letztlich ja auch zum Erstarken von ISIS führt.
    Freunde saßen nach dem 11. September in den USA fest – und waren nur ausnahmsweise nicht in New York in genau diesem Marriott Hotel im World Trade Center – sondern in Phoenix, wo sie für eine New Yorker Bank programmierten.

    Du wirst dankbar, klein und demütig. Aber – ich habe mir schon damals geschworen: Wenn Du Dir von Terroristen Dein Leben stehlen läßt, dann haben sie erreicht was sie wollen. Daß wir Angst haben, auf die Straße zu gehen. Daß wir Angst vor anderen Kulturen haben. Daß wir Angst vor der Nacht haben und daß wir Angst vor dem Fremden haben. Und die Angst uns auch daran hindert, all das zu erleben, zu reisen.

    Terroristen wollen ja nicht mal was erobern, um es zu „beherrschen“ – das würde ja erfordern, auf wieder etwas aufzubauen. Nein – sie wollen nur zerstören und Zerwürfnis schaffen – einen Religionskrieg.

    Ja – ich bin pessimistisch – weil ich nicht glaube, daß wir diese Sorte Terrorismus in absehbarer Zeit besiegen oder in den Griff bekommen werden. Weil man kaum eine Chance hat, jemanden zu hindern, der keine Angst davor hat, bei seinem Attentat zu sterben (meist scheitern Attentate, weil der Täter unbeschadet entkommen will).

    Aber – wir dürfen uns nicht das nehmen lassen, was wir haben – und wenn wir weiter lachen, tanzen, singen, reisen, lieben, lernen und LEBEN – dann machen wir das, was sie am meisten fürchten.

    Und das habe ich vor.

    1. Danke Wendy! Es stimmt – womit willst du jemanden aufhalten, der den Tod nicht fürchtet? Verhindern werden wir vieles nicht können. Aber doch, dass uns jemand unser Leben klein macht. Danke für Deine Worte!

      1. Weißt Du – wir haben etwas, für das es sich lohnt zu leben.

        Die glauben, sie haben etwas, für das es sich lohnt zu sterben.
        Und damit ist schon alles gesagt, für was die sind – für nichts, was sie auf dieser Welt finden könnten. Denen ist diese Welt gleichgültig. Und deswegen dürfen wir die nicht an die Macht kommen lassen.

        1. Ja, das stimmt wohl. Mir will nur nicht in den Kopf, wie man so ticken kann. Wie man so fanatisch an etwas glauben kann, dass man sich und andere opfert. Für die „Sache“. Wie ich schon geschrieben hatte, lasst uns alles tun, was sie ärgert – leben, lachen, genießen, ausgehen, träumen.

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