Frau von Stepford in Retroschürze sucht Supersauger

Liebe Freunde der heimischen Wälder, dieser Blogbeitrag wird Ihnen präsentiert von „Restlos platt in Retroschürze“. Ihr versteht nur Bahnhof? Ich hatte irgendwann auch das Gefühl, auf einem solchen gelandet zu sein. In Tokio. Zur Rushhour. Denn wir haben uns heute mit gefühlt 534.872.309 anderen Menschen auf zum Stuttgarter Messeherbst gemacht.

Die Veggie-Messe war für mich ausschlaggebend, den Gatten zum Messebesuch zu bequatschen zu animieren. In meiner Vorstellung schnupperte ich an Gewürzen, ließ mir Brotaufstriche auf Probierwürfelchen schmecken und schlemmte mich durch ein Käsesortiment. In Wirklichkeit schoben mich die besagten 534.872.309 anderen Menschen an den Leckereien vorbei. Und sie standen dann natürlich alle vor mir an der Schlange des Veganz-Foodtrucks, allerdings ist Beharrlichkeit natürlich eine meiner größten Stärken (haha) und so saßen wir nach nur 20 Minuten mit einem veganen Cheeseburger in einer Ecke. Umringt von besagten 534.872.309 … ihr wisst schon.

Beim Essen fasste ich also folgenden Plan:

  • Um nicht gefrustet mit leeren Händen nach Hause zu gehen, würde ich auf der Kreativmesse hübschen Kleinkram kaufen, aus dem sich wunderbare Weihnachtskarten basteln lassen.
  • Auf der Spielemesse würde ich ein oder auch zwei pädagogisch wertvolle Weihnachtsgeschenke fürs Tochterkind kaufen.
  • Auf der Food & Style würde ich für mich ein paar kleine Leckereien kaufen und vielleicht noch essbare Kleinigkeiten für liebe Menschen zu Weihnachten finden.
  • Und auf der Heim & Familie würde ich am Stand von Vorwerk einen neuen Rezeptchip für den Thermomix kaufen.

Wir machten uns also auf den Weg. Ich möchte jetzt nicht sagen, dass der Plan in die Hose ging, aber er erfuhr eine sehr grundlegende Änderung.

  • In der Halle der Kreativmesse rief meine innere Stimme alle drei Meter ganz laut „Kiiiiiitsch“ und ich konnte mich zwischen Glitzer und Klunker und Streublümchen und Perlchen und Schleifchen nicht mehr auf irgendetwas fokussieren und war froh, wieder rausgekommen zu sein, ohne mir ein Samtbild-Bastel-Set ans Ohr gequatscht haben zu lassen.
  • Auf der Spielemesse sah ich den Wald vor lauter Bäumen nicht. Was ich aber sah, war ein Spiel für Erwachsene und ich wusste spontan, für wen ich es kaufen würde.
  • Auf der Food & Style muss ein großes Verwandtschaftstreffen stattgefunden haben, denn zu den 534.872.309 Menschen hatten sich ungefähr noch ein Drittel mehr gesellt. Die drängten sich in genau dem einen Gang mit den kleinen Leckereien, die ich mir gerne genauer angeguckt hätte. Stattdessen fiel mein Blick auf einen kleinen Stand mit unfassbar herzigen Schürzen. Und so kaufte ich zwischen 534.872.309undeinDrittelmehr Menschen eine hellblaugrundige Schürze mit Cupcake-Design und rosaroten Schleifenbändern. Und war auf einmal extrem glücklich. Auch ohne süße Schweinereien.
  • Auf der Heim & Familie vereinbarten wir völlig unversehens einen Termin mit einem Bodenbelags-Fachbetrieb, der ganz in unserer Nähe sitzt. Weil die Damen am Stand von Vorwerk nur Geräte aber keine Rezeptchips verkaufen wollten (blöder Fehler, GANZ blöd), ließ ich mir bei den Kollegen einen Saugroboter vorführen. Und staunte nicht schlecht, als mir der freundliche Herr erklärte, dass man einmal die Woche natürlich trotzdem noch gründlich herkömmlich saugen müsse. (Dann müsste ich mir jetzt erst noch einen Hund anschaffen, damit sich die Anschaffung für das tägliche Saugen von Tierhaaren irgendwie rechtfertigen ließe.) Begeistert war ich zwar von der nasswischenden- und trockensaugenden Alternative, allerdings hatte ich nach fünf Minuten beinahe einen Kaufvertrag in der Hand, nebst „nurheutegiltderSuperpreis“-Versprechen und „dieBlitzflitzHanddüsegibt’snurHEUTEumsonstdazu“-Geblubber. Sowas mag ich einfach nicht und deswegen war ich in dem Moment auch wieder raus. Aber hey, ich habe einen halben Messestand gesaugt. Und steige jetzt ein in die Marktanalyse bei den Nass-Trockensaugern. (Tipps, anyone?)

Und dann … tranken wir einen Kaffee. Und guckten ziemlich müde aus der Wäsche, weswegen wir den Heimweg antraten. (Kennt ihr den Elternblues? Wenn man das Kind am Hosenbein hängen hat, sehnt man sich nach einem Bummel in Ruhe. Man konzentriert sich am meisten darauf, dass das Kind nicht verloren geht, in die falsche Richtung läuft, Essen auf den Pulli schmiert oder Stände abräumt. Und schwört sich – nächstes Mal macht Oma den Babysitter. Ist man aber alleine unterwegs, sieht man überall kleine Kinder. Und vermisst den eigenen kleinen Frosch.)

Und jetzt? Sitze ich in einer hellblauen Schürze an meinem Rechner und fühle mich wie Chefin der Frauen von Stepford. Werde ich sie jemals wieder ausziehen? Werden die 534.872.309 anderen Menschen alle ein Samtbild-Glitzerschleifchen-Bastelset gekauft haben? Und wird unser Kind an Weihnachten eine leere Schachtel auspacken? Und vor allem: Welcher Staubsauer wird für mich unterm Baum liegen? (Memo an den besten Gatten: Das war ein Witz. EIN WIHITZ!)

4 Antworten auf „Frau von Stepford in Retroschürze sucht Supersauger“

  1. Naja, klitzekleine Abweichungen vom Plan sind da bei genauerem Lesen schon zu erkennen, aber die sind total nebensächlich! Für die Schürze hat sich das alles doch gelohnt!

    Hast DU sie mitterweile schon mal ausgezogen oder trägst Du die jetzt konsequent auch im Bett? 😉

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