Es saugt und bläst der Heinzelmann …

Es ist ja oft so: Wenn man sich mit dem Gedanken trägt, ein neues Auto zu kaufen, fallen einem überall genau die Autos auf, die man gut findet. Ist man auf der Suche nach schwarzen Pumps, laufen einem im Internet überall schwarze Pumps übern Weg, die einem gefallen könnten. Und sucht man EINMAL im Internet nach Staubsaugern, jauchzt die Werbeindustrie ekstatisch auf und man sieht in allen Facebook-Kleinanzeigen plötzlich nur noch Staubsauger. Soweit, so absehbar. Dass man aber vom Einkaufen nach Hause kommt und ein Vorwerk-Vertreter auf dem Hof steht, der einem unverbindlich ein Prospekt mit den neuesten Hochleistungssaugern in die Hand drückt, obwohl man wirklich NIRGENDS seine Adresse hinterlassen hat – das ist dann doch ein bisschen spooky. (Hallo NSA? Würden Sie das bitte lassen?) (Übrigens: Dass der Staubsauger Kobold heißt, ließe vermuten, dass das schicke Ding das Haus alleine reinigt. Die Realität ist aber die, dass Sie der Kobold sind, der das Haus saugt. Eigentlich müsste der Sauger also Assistenzkobold heißen. Oder Erfüllungsgehilfe.)

Seitdem ich mich intensiv mit den mannigfaltigen Möglichkeiten der Hartbodenreinigung befasse (Fachvokabular, merkste?), komme ich aus dem Staunen kaum noch raus. Da gibt es das End-Laser-Modell mit Zyklonen, das den Staub atomisiert oder sonstwie unschädlich macht. Dann gibt es das robuste Allzweckgerät, das Böden nass und trocken wischt und vermutlich auch noch föhnt. Man hat die Wahl zwischen anti-allergenen Geräten und Milbenkillern, kann Polsterbürsten und Matratzenreinigungsaufsätze dazu ordern, muss wählen, ob man ein Kabel hinter sich herziehen will oder auf die Leistung eines Akkus setzt.

DIe Preise, ihr Lieben, schwanken zwischen gut 100 und 2000 Euro. Auch wenn letzteres Gerät sogar noch meine Luft reinigen und beduften würde, um so viel Geld für ein Putzgerät auszugeben, fehlt mir einfach die Leidenschaft fürs Grundreinigen.

Und weil mich die Suche nach einem neuen Staubsauger ein wenig überfordert (weil am Ende des Tages das Ding halt sauber saugen muss, den Kaffee koche ich dann selbst), habe ich mich heute mit Teppichschaum daran gemacht, die Flurteppiche zu schrubben. Wenn ich Pech habe, hat der Superreiniger ungleichmäßige Flecken hinterlassen. Wenn ich Glück habe, trocknet das weg und ist nachher einfach sauber. Ich warte immer noch auf den Mann von Vorwerk, der mir einen Orden für die Hausfrau des Jahres in die Hand drückt. Das wäre mal eine Marketingstrategie.

Wenn die Teppiche jetzt aber scheckig bleiben, hilft vermutlich auch kein Staubsauger mehr. Darüber würde mich selbst duftende Luft nicht mehr hinwegtrösten.

Werde ich die Staubsaugersuche irgendwann erfolgreich beenden? Oder werde ich in alter Liebe entflammt noch viele Jahre lang mein astmathisches Wägelchen hinter mir herziehen? Wird der Vorwerkmann meinen Weg noch einmal kreuzen auf so wundersame Weise wie heute? Und wird er einen Orden dabei haben? Es bleibt spannend. Bleiben Sie dran, wenn es wieder heißt: Es saugt und bläst der Heinzelmann, wo Frau Venus sonst nur … Sie wissen schon.

One Reply to “Es saugt und bläst der Heinzelmann …”

  1. Ich kenne das! Vor wenigen Jahren habe ich eine Klamottenmarke entdeckt und meinen Freund gefragt, was dieser Markenname eigentlich bedeutet! Ihm und seiner Frau sind direkt und sofort das Gesicht eingeschlafen, sie konnten einfach nicht glauben, dass ich diese Marke nicht kannte.

    Mittlerweile habe ich echt viele Klamotten davon, trage das eigentlich permanent und jeder Zweite auf der Straße trägt das auch! Ich erkenne es von Weitem, mit geschlossenen Augen, notfalls auch ganz ohne hinzugucken. Aber bis 2011 war das völlig an mir vorbeigegangen.

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