Schein und Sein

oder: Wie ich einmal beinahe sauteure Schuhe gekauft hätte.

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Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, gehe ich dafür auch weite Wege. Auch noch abends, kurz vor Ladenschluss. Wenn ich mir also in den Kopf gesetzt habe, noch wegen einer Gutschrift und dem dringenden Wunsch nach ein paar flachen Schuhen in die Nachbarstadt zu fahren, dann halten mich auch die fortgeschrittene Tageszeit und einsetzender Neuschnee nicht auf. Leider war mein Weg durch das Usselwetter gestern Abend um sieben völlig für die Katz, weil der Schuhladen, bei dem ich noch immer eine Gutschrift habe, zwar siebentausend Paar Schuhe bereithält, leider aber keine, die dem Bild in meinem Kopf entsprachen.

So verschob ich den Schuhkauf auf heute Vormittag, vor das Mädelsfrühstück um zehn. Ich steuerte im Schuhladen meines Vertrauens auf das Paar Schuhe zu, das ich letzte Woche bereits in Augenschein genommen hatte. Lässt man hübsche Schuhe eine Woche lang links liegen, wird man damit bestraft, dass die einzig passende Größe leider ausverkauft ist. Dabei hätte ich ehrlich und wirklich 120 Euro für einen glitzernden Slipper ausgegeben, hätte ich ihn denn bekommen. Seufzend begab ich mich also ans Regal mit den Modellen in 37 und probierte halbherzig das eine oder andere Paar an. Die Verkäuferin war bemüht und zog immer weitere Variationen von flach-hell-sportlich-wegen-mir-auch-mit-Glitzer aus dem Regal, aber irgendwie war der Richtige nicht dabei. In einem unbeobachteten Moment fischte ich mir selbst zwei Schuhe aus der „Sale“-Reihe und probierte an. Die Verkäuferin kehrte zurück und setzte einen Blick auf, den ich als „Mist-sie-hat-die-reduzierten-Schuhe-gefunden-Niederlage“ interpretierte. Ich schlüpfte also in meinen Favoriten hinein und war augenblicklich im Schuhhimmel. Weich, gefedert, anliegend wie ein gut sitzender Hausschuh. „Die nehm ich“, rief ich begeistert und drückte der Dame den Schuh in die Hand. Sie lächelte und fragte: „Die sind toll, nicht? Das sind Candice Cooper!“ Ich sagte so etwas wie „aha“, denn während mir Alice Cooper durchaus ein Begriff gewesen wäre, sagte mir die Schuhmarke rein gar nichts.

Ich folgte ihr also zur Kasse, wo sie den Scanner über das Etikett zog. „Ach, da gehen sogar mehr als 10 Prozent ab!“, informierte sie mich freudestrahlend. Ich freute mich noch ein bisschen mehr. Denn tatsächlich hatte ich ob meiner Passformeuphorie überhaupt nicht auf das Preisschild auf der Sohle geachtet. Weil Sale-Aufkleber. Offenbar hatte ich gerade ein unglaubliches Schnäppchen gemacht.

„Dann bekomme ich bitte noch 132 Euro!“, flötete die Schuhverkäuferin. Ich hatte vielleicht einen winzigen, WINZIGEN Moment lang Mühe, mein konsterniertes Gesicht zu verbergen. Dann aber überlegte ich mir, dass ich lediglich zwölf Euro mehr ausgegeben hatte, als geplant. Und bezahlte. Für superbequeme Schuhe, die regulär 190 Euro gekostet hätten, wie der verspätete Blick auf den Sohlenkleber zeigte. Die Moral von der Geschicht – den Preis lies erst, dann staunst Du nicht. Andererseits – hätte ich den Preis zuerst gesehen, hätte ich sie unanprobiert zurückgestellt. Und DAS wäre dann tatsächlich ein Verlust gewesen.

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