Meine Hoffnung mampft morgens Müsli

Ich bin ein optimistischer Mensch. Schon immer. Dass nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wurde, ist ein Grundsatz für mich. Als ich gestern Abend ins Bett gegangen bin, war mir durchaus bewusst, dass ich die Wahl in den Staaten verschlafen werde, aber hey, die wählen ja eh ohne mich. Und eigentlich war ich mir auch ganz sicher, dass Hillary Clinton zwar knapp gewinnt, aber doch eben gewinnt. Ich bin aufgewacht, habe noch im Bett das Internet leergelesen. Und hatte eigentlich gar keine Lust mehr, aufzustehen.

Es war knapp. Aber die Amerikaner haben Donald Trump zu ihrem nächsten Präsidenten gewählt. Vielleicht haben sie auch Hillary Clinton bewusst nicht gewählt. Das Ergebnis ist dasselbe. Das Gefühl, das diese Wahl bei mir hinterlässt, ist das selbe fassungslose, wie das nach dem Brexit. Meine ehemaligen Kollegen, von denen viele aus den USA stammen oder wieder dort leben, sind allesamt geschockt.

12Aber wer wissen will, wie schnell man mit Platitüten und Populismus und ohne Programm einen solchen Sieg einfahren kann, muss sich nur ansehen, auf welche Zahlen die AfD bei uns kommt. Und während ich noch immer ratlos im Bett liege und es nicht glauben will, bewegt sich die Decke neben mir. Ein blondes kleines Mädchen seufzt leise und murmelt „Mama, bist Du da?“ Mir ist auch nach Seufzen, aber ich reiße mich zusammen. Wir starten in unseren Tag, als wäre nichts geschehen. Und doch beschäftigt mich sehr, dass der mächtigste Mann der Welt ein populistischer und sexistischer Egomane ist, der Frauen am liebsten am Herd oder im Bett sieht. Ein blonder Clown mit wirrem Blick, der seinen Wahlkampf nachweislich auf Lügen aufgebaut hat, der Gefühle in seinem Volk angesprochen hat und dabei doch mit nichts als Schlagworten um sich warf.

Und was nun? Während das blonde Mädchen plappernd sein Müsli löffelt und mich dabei unbekümmert anstrahlt, ist mir eines plötzlich sonnenklar. Wir können die Welt nicht ändern. Wir können den Lauf der Dinge nicht aufhalten. Aber wir dürfen deswegen nicht in starre Resignation verfallen. Unsere Kinder sind die Erwachsenen von morgen und wir können diese Welt nur besser machen, wenn wir in die Vernunft, in die Weltoffenheit und in die Toleranz unserer Kinder investieren. Damit es nicht die frustrierten Menschen ohne Schulabschluss sind, die in ihrer Zukunft über die Welt entscheiden.

 

2 Antworten auf „Meine Hoffnung mampft morgens Müsli“

  1. Weißt Du, eigentlich bin ich Informationsjunkie. Zeitung, Nachrichten, Internet und ein Abo des Time Magazins…. seit etwa einem Jahr habe ich eine zumindest partielle Verweigerungshaltung. Ich lese immer noch Nachrichten und sehe mir eine Sendung an. Aber ich sauge sie nicht mehr auf oder sitze stundenlang wie das Kaninchen vor der Schlange. Ich kann es nicht mehr machen.
    Ich muß mir den Glauben bewahren, daß es auch wieder besser wird, daß die Menschen vielleicht erleben müssen, wohin ihre Dummheit sie führt.
    Unsere Großeltern haben im Krieg Kinder bekommen, obwohl das sicher keine gute Zeit dafür war. Man muß einfach glauben oder?

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