„Wir müssen reden…“

…sagte Hannahs Erzieherin neulich mit einem bedeutungsschweren Blick und sah mir ganz tief in die Augen. Während ich in Gedanken schon sämtliche Erziehungsfehler durchging, hatte sie meinen entsetzten Blick wohl bemerkt und schob schnell ein „nix Wildes, das Entwicklungsgespräch steht halt mal wieder an“, hinterher. Ach. so.

Und so fand ich mich im Kindergartenbüro auf einem dieser Miniaturstühle wieder und lauschte mit zunehmender Begeisterung der Entwicklungsgeschichte meines Kindes. Nicht, dass das kindliche Werden bei uns zu hause gänzlich an mir vorbeiginge, aber die Fortschritte und Eigenheiten des eigenen Kindes aus dem Mund einer anderen Person zu hören, ist nochmal eine ganz andere Nummer. Während mein Kind beim Aufräumen also eher selten die Krone des Aufräumkönigs bekommt (denn dazu müsste man tatsächlich mit etwas mehr Enthusiasmus als andere aufräumen. Man müsste vermutlich überhaupt mal aufräumen. Wenigstens ein bisschen), so habe es eine ganz eindeutig zu definierende Stärke: Seine Sprache. Mit ihren Sprüchen, so versicherte mir die Erzieherin mit einem sehr wissenden Blick, könne man Ordner füllen. Ihr Wortschatz und ihre Redegewandheit trügen dazu bei, dass sie oft für viel älter und reifer gehalten werde, als sie eigentlich sei. Vielleicht hat das auch damit zu tun, dass sie in 11 Monaten Kindergarten stolze sieben Zentimeter in die Höhe geschossen ist. Auch, dass sie mit gerade vier Jahren ganz zuverlässig und selbstverständlich rechts und links auseinander halten kann, verblüffte die Fachfrau. (Das hat sie übrigens eindeutig nicht von mir. Ich hab da mit 36 noch Schwierigkeiten.) Die Motorik wäre altersentsprechend, bei den Händen eher die rechte, bei den Beinen eher das linke stärker.

Gurke schneiden geht schon ganz gut. Auch wenn ich um den kleinen Daumen öfter mal Sorge habe. Geschnitten hat sie sich aber noch nie.

Defizite? Förderbedarf? Die Erzieherin lächelte milde. Machen lassen, meinte sie. Manches sei den Kindern einfach in die Wiege gelegt und sie bekämen es über die Gene ihrer Eltern geschenkt. Die Sache mit der Schlagfertigkeit könnte sie womöglich von Mama haben. Auch wenn die das leise Gefühl beschleicht, dass ihr Töchterchen ihr schon mit 4 um Längen voraus ist.

Heute morgen, ich wollte Hannahs Joggingjacke über den Kopf ziehen, anstatt den Reißverschlus

s zu öffnen, zeterte das Kind und wehrte sich mit Händen und Füßen.

H: „Du machst das faaahaalsch. Das muss man vorne aufmacheeen.“

Ich: „Das wäre auch so gegangen, glaub mir doch auch mal was. Ist denn immer das Ei klüger als die Henne?“

H (überlegt): „Ja. Und ich bin das Ei.“

Ich: „So. Und wer war dann zuerst da? Das Ei oder die Henne?“

H: „Auch das Ei.“

Ich: „Aha. Und wo bitte kam dann das Ei her?“

H ohne zu Zögern: „Ha, aus Südtirol.“

WISSTER BESCHEID, WA?

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