Frau ver Peilt…

Ratgeber! Was ne unnütze Erfindung! Steht da irgendwas Neues drin, was einem die beste Freundin nicht auch hätte raten können? Muss man wirklich Geld ausgeben für ein mehrbändiges Werk, nur um sicher zu gehen, dass man richtig tickt?
Ja, manchmal wohl schon. Ich besitze auch einen Ratgeber. “Wie ich die Dinge geregelt kriege”.
Darin wird zum Beispiel erklärt, wie man seinen Arbeitsplatz und sein Leben so organisiert, dass man nie zu spät kommt, wenig Stress hat und immer alles findet, weil man WEISS wo es sich befindet. Ordnung schafft und Ordnung hält.
So weit, so gut.

Ich fa

Hilfe zur Selbsthilfe…

Von Facebook kann man halten, was man mag. Ich nutze es hauptsächlich, um mit ehemaligen Schulfreunden, entfernten Bekannten und ehemaligen Kollegen in Kontakt zu bleiben. Ich finde es auch praktisch, an Geburtstage erinnert zu werden. Aber facebook scheint meinen Freundeskreis völlig falsch einzuschätzen! Da hat ein Bekannter von mir diese Woche Geburtstag, blöderweise befindet er sich am anderen Ende der Welt. Und facebook meint allen Ernstes, der kriegt das nicht selbst gebacken, eine ordentliche Party zu schmeißen. Oder weswegen sonst würde es mich drei Tage im Voraus ermahnen “Ein Freund hat diese Woche Geburtstag. HILF IHM BEIM FEIERN!”. Ja was glauben die denn? Meine Jungs und Mädels sind debil und kriegen das nicht allein gebacken? Soll ich jetzt rüberfliegen mit einem Koffer voller Partyhütchen und Konfetti? Soll ich Fleurop bemühen? Partysalate schicken? DER KRIEGT DAS ALLEINE HIN! ECHT!
Gratulieren… ja das werde ich natürlich. Aber ich rühr KEINEN FINGER!

Sprachlos…

…hinterm Steuer erlebt man mich seltenst. Da ich entweder mit meinem Beifahrer quatsche oder, falls kein solcher vorhanden, telefoniere (selbstverständlich über eine Freisprecheinrichtung), ODER, was am häufigsten zutrifft – lauthals singe.

Gestern morgen auf der Fahrt ins Büro blieb mir indes die Spucke weg.
Ich erzähle Euch warum.
Ich kenne die Strecke nach über vier Jahren fast im Schlaf. Nähere mich dem Parkplatz, auf dem häufig die Herren in bleu stehen und hübsche Fotos machen. Bremse also aus Gewohnheit leicht ab und stelle fest, nicht zu Unrecht, denn die gesamte Kolonne vor mir bremst ebenfalls. Aber weswegen? Ich kann aus der Ferne kein verdächtiges Fahrzeug erkennen. Beim Näherkommen erkenne ich jedoch ganz anderes – es gibt ein paar Bäume auf dieser Raststätte, sie schirmen quasi den Parkstreifen von der Bundesstraße ab. Und hinter einem dieser Bäume, oder vielmehr NEBEN einem solchen, hockt eine Frau auf dem Boden mit nacktem Hintern und nackten Oberschenkeln, die aufgrund ihrer zarten Blässe vor dem naturgrünen Hintergrund leuchtend zur Geltung kommen, und erledigt in ALLER SEELENRUHE IHR GESCHÄFT! Und zwar nicht eben ein bisschen Pipi, sondern … ihr wisst schon. Das war auf die Entfernung überdeutlich zu erkennen, zumal die Gute ihre Kehrseite leicht gen Straße gerichtet hatte, vermutlich, damit man ihr Gesicht nicht sieht.
Nun denn. Ich bin an und für sich nicht heikel in solchen Sachen. Und wäre es ein Kleinkind gewesen, hätte ich mir nichts dabei gedacht. Aber warum zum Kuckuck KACKT eine erwachsene Frau für den morgendlichen Berufsverkehr gut sichtbar auf einem Parkplatz, fünf Meter weg von der Fahrbahn, wo sie hätte doch wunderbar in den nahegelegenen Wald verschwinden können?
Wenn nicht

Der Trend zum hässlichen Haus…

Ich bin vielleicht empfindlich. Mag sein. Und über Geschmack zu streiten ist müßig. Weiß ich.
Aber fällt es nur mir auf? Überall schießen knallbunte Häuser wie Pilze aus dem Boden!
Ich bin sicher keine Verfechterin von steingrau-aschgrau-mausgrau und ich finde besonders zartgelbe Häuser meist sehr hübsch.
Aber eine alte Bruchbude, die seit den 60ern nicht modernisiert wurde, wird auch nicht besser, nur weil man ihren Sockel VIOLETT und ihr Oberteil GELBGRÜN anmalt!

Dieser Farbflash trifft auch meist nur alte Hütten! Wenn es ein supermoderner Neubau wäre, könnte ich mir ein bisschen ausgefallene Farbe noch vorstellen. Ein roter Streifen. Ein blauer Kubus als Eingangsbereich. Aber das Haus der Oma grün und schlumpfblau anzumalen… macht es nicht neuer und nicht moderner und nicht schicker. Es bekommt nur einen gewaltigen Öko-Touch und erschreckt die Nachbarn.
Vielleicht

Ich, der stöckelnde Alien…

Ihr erinnert euch doch sicher an mein schickes neues Schlüsselbrett. Als ich mein Vorhaben, ein solches zu basteln, meinem Mann mitteilte, reagierte der kooperativ wie immer. “Brett? Besorg ich Dir! Kein Problem.”
Im Grunde ist das auch wirklich kein Problem. Diese Ankündigung zur Unterstützung hat nur einen Haken – sie enthält keine Zeitangabe. Wenn Schatzi also sagt – “Frau, kannste haben, alles in der Werkstatt, kein Problem, such ich Dir raus, ein besonders Schönes sogar”, dann verschluckt er gerne den Nachsatz “…wenn ich dazu komme”.
Und weil ich das nach 12 Jahren so langsam weiß, bedanke ich mich dann immer artig und verfolge mein kreatives Ziel selbst weiter.
So auch letzten Freitag. Ich erwachte morgens mit jenem Gefühl der Entschlossenheit, das mich grundsätzlich erst dann verlässt, wenn ich Bastelknete, Filzbögen, Burdaschnitte, Schmuckperlen, Windowcolour oder ähnliches gekauft und ausprobiert habe. Auf das Ergebnis kommt es dabei übrigens nicht an.

Ich beschloss also, dem örtlichen Baumarkt einen Besuch abzustatten.

Schon auf dem Parkplatz kam ich mir vor, wie ein schwarzes Schaf. In einer Kuhherde. Der Parkplatz war voll mit Männern in blauen und roten Latzhosen, Stahlkappenschuhen und Arbeitsmänteln. Sie einte dieser eine Blick, der Blick eines Mannes, der mit seinen Händen arbeitet und WEISS was er da tut. Ob Farbkübel oder Holzlatten, Gipssäcke oder Bohrmaschinen… sie alle sahen absolut entschlossen und irgendwie siegessicher aus.
Ich ließ mich davon nicht irritieren, setzte mein selbstbewusstestes Gesicht auf und stöckelte an der Info vorbei. Und den Augen von zwei skeptisch dreinblickenden Baumarktmitarbeitern, die zwar grüßten, aber keinen Zweifel daran ließen, dass sie sich absolut sicher waren, dass ich mich verirrt hatte. Um das arme Reh zwischen Paletten und Tapetenrollen wieder herauszuführen und in den nahegelegenen Zoofachhandel oder zum Gärtner zu geleiten, verfolgte mich einer von beiden sofort. Er beschleunigte seinen Schritt rapide, als ich mich nach kurzem Studium der monstergroßen Schilder GEGEN die Richtung “Unser Pflanzenfachmarkt” entschied und links abbog. “Kann ich Ihnen helfen?” fragte er und unterdrückte sein Schnaufen mühsam. “Nein danke, ich schau mich nur mal um.” Ich guckte in ein völlig ausdrucksloses Gesicht. “Ich schau mich nur mal um” scheint keine baumarktübliche Ansage zu sein. Gerade als ich mich fragte, ob ich für eine Reaktion irgendwo die “zwei” drücken muss um ins Hauptmenü zurückzukommen, meinte er “äh… ok. Aber wenn Sie Hilfe brauchen… rufen Sie!” Er sah mich dabei an, als hätte er lieber gesagt “Aber fassen Sie dabei ja nichts an!”
Ich bedankte mich höflich und versuchte zu ignorieren, dass mir der Gute wie ein Schatten die folgenden 15 Minuten durch den Laden folgte und immer gerade da Farbeimer gerade rückte und Pinsel sortierte, wo ich hinter einer Musterfliesenwand auftauchte. Als sowohl den richtigen Gang als auch das richtige Brett gefunden hatte und mich nicht sofort in Richtung Kasse begab damit, sagte eine Stimme direkt neben mir: “Ah, was gefunden?” “Ja. Aber gibt’s das auch in weiß?” Er, froh, endlich helfen zu dürfen, meinte eifrig “Ja natürlich, ich zeig’s Ihnen, gleich um die Ecke.” Für eine Sekunde glaubte ich, er würde mich an die Hand nehmen. Ich folgte ihm aber auch so brav ohne mich des Eindrucks erwehren zu können, er ginge extra langsam, damit die arme Frau mit dem großen Brett und den hohen Schuhen hinterher kommt. Nur um ein Regal später vor weiß furnierten Brettern aus Pressspan zu stehen. Ich, milde lächelnd: “Aber nein, doch keine Spanplatten. Ich möchte ein Massivbrett. Und auch nicht furniert, schon gar nicht mit Kunststoff, sondern höchstens weiß LASIERT.” Er sah irritiert drein. “Ach so. Aber. Die hier sind schmutzabweisend. Ganz leicht abwischbar. Und das weiß bleibt auf Dauer so … weiß”, meinte er, streichelte mit der freien Hand fast liebevoll über die Einschweißfolie und strahlte mich überzeugend an, sichtbar stolz auf seine Argumente. Ich holte ebenfalls lächelnd zum finalen Schlag aus. “Ich will das Brett aber nicht putzen. Ich will es bemalen.” “Bema… also Künstlerbedarf führen wir leider nicht. Ich könnte höchstens drüben in der Gartenabteilung…” “Nein, machen Sie sich keine Mühe”, unterbrach ich ihn. “Ist nicht so wild. Ich kauf einfach noch weiße Farbe und einen Pinsel und mach das kurz selbst.”
Ich bedankte mich abermals und stöckelte weiter, dem Wegweiser “Farben und Tapeten” hinterher.
Und das nächste Mal parke ich auf dem Behindertenparkplatz. Vielleicht werde ich dann gleich VOR der Tür abgefangen.

Ziemlich baff…

…bin ich. Als ich heute morgen ins Büro kam, stand ein Strauß pinker Gerbera und pinker Rosen auf meinem Tisch. In der Mitte ein glänzendes pinkes Vögelchen.
Weil ein Geschenk für meine Chefin direkt daneben lag, dachte ich, dass die Blumen wohl nicht für mich sind.

Bis mein Chef kam. Ihn habe ich zuerst gefragt, von wem und für wen die sind. Die Antwort verblüfft mich immer noch.
“Na von mir. Für dich. Weil heute Dein erster Tag ist und Du sicher viel zu tun hast und ich mir dachte, Du würdest dann besser starten!”

Ähm. Wow.

Ein Schlüssel-Erlebnis…

…haben wir ab sofort täglich beim Nach-Hause-Kommen und von-zu-Hause-Weggehen. Denn wonach greift man automatisch? Richtig! Nach dem Schlüsselbund. Weil der bei uns ständig irgendwo herumliegt und keinen richtigen Platz hat, haben wir jetzt ein Schlüsselbrett. Aber natürlich kein fades, eintöniges Schlüsselbrett, sondern ein Selbstgemachtes.
Darf ich vorstellen: Elfriede, Eugen und Erwin Eule. Sie kümmern sich ab sofort um unsere Schlüssel.

EDIT: Natürlich bleibt das Brett nicht auf dem Boden stehen, aber der Heimwerkerkönig ist noch nicht daheim…

Der kreative Super-GAU…

…steht mir mal wieder bevor. Ich höre schon sämtliche Alarmsirenen schrillen.
In meinem Urlaub wollte ich mich endlich mal wieder meiner kreativen Seite hingeben. Alle kleinen Projekte vollenden und bewerkstelligen, die ich schon so lange im Kopf habe. Wofür ich nie Zeit finde. Was ich immer auf den Urlaub verschiebe.
Auf meiner To-Do-Liste standen:
– ein Schlüsselbrett mit bunten Eulen drauf, die auf einer Stange, bzw. einem Ast sitzen, in der/dem sich die Haken befinden.
– Nähen! Ich besitze zwar eine Nähmaschine aber leider nicht die dazugehörige Ahnung, wie man sie bedient, geschweige denn, was sich damit alles machen lässt. Weil es mir leicht und praktisch erscheint, wollte ich Kissenbezüge nähen.
– ein Bild für unser Wohnzimmer. Da ist so ne fade leere Fläche über der Glotze. Und ich male ja sonst auch alles selbst.

Davon erledigt:
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Nun ja. Immerhin habe ich heute mal Stoff gekauft. Und ich hab mir einen Überblick verschafft, wie man eine solche Hülle näht. Kann ja nicht so schwer sein. Geht ja immer nur geradeaus, ne?

Weil ich meinen Mann mit Dingen wie “besorg mir ein Brett und Haken” gar nicht erst bemühen möchte, werde ich morgen, ganz im “selbst ist die Frau”-Gedanken, in den Baumarkt gehen und mich eindecken mit allem notwendigen Zeug.

Dann fehlt nur noch das Bild. Aber Freitage sind ja lang.

Ihr ahnt es sicher schon. Es wird Freitagabend werden und ich werde hier sitzen inmitten von angefangenen Dingen, voller Farbe und Stoffschnipseln und NIX wird fertig sein. Aber hoffentlich bin ich dann wenigstens glücklich…

Ich, Annette…

So ihr Lieben, ich bin wieder auf dem Posten. Und ein anderer Mensch. Was so eine Woche Abstand doch ausmacht. Ich fühle mich jetzt schon wie verwandelt. Ich genieße die vielen kleinen Besonderheiten, die man nur hat, wenn man nicht arbeiten muss, wie beispielsweise morgens um halb elf zum Metzger zu gehen und sich IN RUHE zu überlegen, ob und was man kochen könnte. Und dann auch noch in Ruhe zu kochen. Und zu essen. Nun ja. Heute morgen habe ich einen erneuten Zahnarztbesuch würdevoll hinter mich gebracht – war natürlich wieder alles in bester Ordnung, keine Ahnung warum ich davor immer so hibbelig bin.
Aber jetzt zum eigentlichen Punkt – der letzten Woche. Wir waren im Münsterland auf einem Bauernhof und haben die Zeit auf dem Land wirklich zum Erholen und für Zweisamkeit genutzt.
Und ich habe festgestellt, dass ich mich dort einfach sehr wohl fühle. Merkwürdigerweise sehr vertraut. Ich mag die roten Klinkerhäuser und die Sandsteinfassaden und bestaune die großen Gehöfte und die riesigen Felder. Manchmal war mir fast ein bisschen unheimlich, wie wohl ich mich da oben gefühlt habe – wer weiß, vielleicht war ich in meinem früheren Leben mal eine Münsterländerin? Besonders fasziniert hat mich das Leben von Annette von Droste-Hülshoff, auf deren Spuren wir ein bisschen gewandelt sind. Begabtes, unkonventionelles, dickköpfiges Frauenzimmer, gemessen an ihrer Zeit. Das Wetter hätte nicht schöner sein können, wir hatten ausreichend Gelegenheit, radeln zu gehen, wir waren geocachen, wir haben die Stille genossen rund um den Hof und dann auch wieder den Trubel in Münster und Oberhausen. Die neue Ausstellung im Gasometer hat uns ebenso beeindruckt wie – mal wieder – der Konsumtempel nebenan. Und weil unser Fernseher in der Ferienwohnung versagt hat, hatten wir tatsächlich nicht nur Zeit zum Lesen und Quatschen, sondern haben gespielt! Tischtennis in der Tenne und Schach in der Küche.
Ich habe gemerkt, wie mein Hirn auslüftet und wie meine Akkus nach zwei Tagen anfangen, wieder aufzuladen.
Gestern war ich schwimmen und wir waren noch ein bisschen bummeln, heute habe ich meine Omi besucht und morgen statten wir dem schwedischen Möbelriesen noch einen Besuch ab.
Es geht mir so viel besser als noch vor zwei Wochen! Und das alles so gut wie offline!
Tja… das ist auch schon das Fazit – ich muss raus aus dem Internet, hab ja schließlich URLAUB!

Nur ganz kurz…

…es geht mir soooo gut! Ferien auf dem Bauernhof sind der Knaller. Tolle Wohnung, tolles Wetter, sightseeing, geocachen, radeln, Eis essen, Natur entdecken… Die Akkus laden auf!