Lauter werdende Mütter – auch männliche…

…habe ich heute erschaffen. War ja klar, dass ich dann die Lohnbuchhaltung übernehmen muss, wenn ein Superspezialsondernochniedagewesen-Fall eintritt – meine Chefin ist im Mutterschutz. Dolle Wurst. Die Buchhalterin meines Vertrauens hatte so einen “Fall” nämlich auch noch nie. Also haben wir uns zusammen durch die Reiter und Felder gewühlt und uns selbst fast wie kurz vor der Niederkunft gefühlt. Mit Stammlohnarten und Lohngruppen jongliert. Und eigentlich sah es ganz richtig aus. Letzten Freitag.
Bis ich heute gesehen habe, was das Lohnprogramm gemacht hat – aus allen Mitarbeitern werdende Mütter, weil plötzlich keiner mehr Gehalt, aber alle Mutterschaftsgeld bekommen. Brutto = Netto. Klar hätten die sich gefreut. Aber aus meiner Sicht war es ein mittleres Fiasko. Ich habe es aber soweit hingebogen, dass die Mitarbeiter jetzt Festlohn bekommen und die eigentliche Mutter in spe das, was ihr zusteht. Morgen geh ich da nochmal hin und dann wird die Nachberechnung in die Wege geleitet.
Während ich um den Monitor kreiste und Handbücher wälzte und leicht panisch wurde, klickte die Buchhalterin seelenruhig durch die Fenster. “Hier vielleicht? Hm… nein. Das hier? Oh, sehen Sie mal, das sieht gut aus…”
Ob es das tut, sehe ich dann morgen. Die Probeabrechnung sah zumindest nicht falsch aus.

Gut gebrüllt…

Löwe…Sekretärin!
Mein Arbeitsalltag als Assistentin der Geschäftsleitung unterscheidet sich sicher aufgrund der Branche von dem einer Chefsekretärin bei einer Bank. Hin und wieder übersehe ich schon selbst, wie schräg manches ist, weil sich mein “Normalitäts-Rahmen” längst ins Schräge verschoben hat.
Am Freitag wurde dies mal wieder überdeutlich, denn da bat mich unser Sound-Designer um Hilfe. Er benötige einen weiblichen Schrei, der Schmerz ausdrücke und Wut. Also stand ich eine geschlagene Stunde in unserem Tonstudio vor einem Mikro und brüllte wie am Spieß. Gut gemeinte Ratschläge wie “Stell Dir vor, Du bekommst grade ein Kind” oder “Denk einfach, Du säßest auf dem Klo”, waren nicht unbedingt hilfreich. Als ich dann fast heiser war, war endlich der richtige Ansatz gefunden und der Brüller war perfekt. Allein das mit dem abschließenden “Seufzer” mussten wir nach viel Gelächter aufgeben, “ich will dir ja nicht zu nahe treten, aber das klingt alles, als würden wir einen Porno synchronisieren”. Na gut. Ich bin ja eigentlich auch Sekretärin und keine ausgebildete … Seufzerin. Aber Spaß gemacht hat’s auf jeden Fall. ROARRR!

Ein Samstag, wie er sein soll…

…steht mir bevor. Die Tatsache, dass Herr Venus nicht zu Hause ist, stellt die einzige Ausnahme dazu dar, ich hab ihn ja gern um mich. Aber geht halt nicht heute.
Ich hab also ausgeschlafen bis zehn, genieße grade eine Tasse in Gesellschaft des Bloglands, schwing mich gleich unter die Dusche, werde dann noch ein bisschen Staubsaugen und die restlichen Haushaltspflichten erledigen. Dann Lebensmittel einkaufen und mir was Leckeres kochen. Und dann? Um drei werde ich meine “kleine” Cousine treffen, die ewig meine Kleine sein wird, auch wenn sie 24 ist. Ein Eiskaffee um ihren neuen Job zu feiern und ihren Umzug in eine andere Stadt. Ach. Alle werden sie flügge… Und dazwischen? Ich könnte lesen. Oder an meinem Magazin herumwurschteln. Oder telefonieren. Spazierengehen. Über den Urlaub im August nachdenken. Ein Projekt, das ich mit einem meiner Lieblingskollegen auf die Beine stellen will, skizzieren. Oder oder oder?
Was ist denn ein perfekter Samstag? Er erscheint mir immer dann am erstrebenswertesten, wenn grade Montag ist. Oder Sonntagabend. Was macht der Rest vom Blogland heute so?

Meine Mama…

… kommt ganz nach mir. Oder so.
Sie weilt gerade innerdeutsch mit meinem Papa im Urlaub in einem Örtchen, dessen Namen ich vorher noch nie gehört hatte. Just heute morgen tauchte gerade dieses Örtchen jedoch in den Nachrichten auf, mit der Meldung, ein Lama sei dort unterwegs.
Ich griff zum Handy, schrieb eine sms und fragte sie, was sie wohl wieder angestellt hätten, da wäre ein Lama unterwegs und sie möge es doch bitte festhalten, wenn es ihr begegne. Ihre Antwort – “Hallo Tochter, mein Lama ist es nicht, das sitzt mir gegenüber und frühstückt.”

Mein Leben und ich: Szenen einer Ehe, Folge 5: Der Grill!

Mein Mann ist ein Herdentier. Im Grunde sind wir uns da recht ähnlich, was sich für eine harmonische Ehe generell als zuträglich erweist.
Diese Harmonie äußert sich in vielen Gebieten, unter anderem auch dabei, dass wir beide gerne Gäste haben. Wobei uns der Zustand des Gäste-habens voneinander grundlegend unterscheidet. Während die Aufgabe meines Mannes sich dabei auf “Hey, habt ihr Lust am Samstagabend zu Grillen?” beschränkt, obliegt es mir, dafür zu sorgen, dass die durch eine solche Aussage in Gang gesetzte Kaskade an Aufgaben bewältigt wird. Sprich – Schatzi sagt “lass uns Grillen” und ich kümmere mich um das was, das wo und das wie. Die Nebensächlichkeiten also.

Zurück zu letztem Samstag. Während jener Aufruf zum outdoor-Kochen bei mir also eine routinierte Maschinerie, bestehend aus Abklärung der Gästezahl, Auswahl von Grillgut, Wälzen von Rezeptbüchern und Anrichten von Salaten in Gang setzte, hatte mein Mann seinerseits die Idee, diesmal fundamental in den Ablauf der Vorbereitungen einzugreifen: “Ich kaufe einen neuen Grill!”
Dieser Gedanke ist nicht neu, er reift bereits seit einigen Monaten, wenn nicht gar Jahren in ihm heran, erreicht grundsätzlich während der Sommermonate die höchste Dichte und flaut gegen Winter wieder ab. Die bloße Phantasterei um jenes neue Equipment formierte sich just letzten Samstag jedoch zu einer handfesten Kaufabsicht.
Am Samstagvormittag machte sich mein Schatz also auf den Weg dorthin, wo Männerträume wahr werden, was für Männer eine Art Vorzimmer des Paradieses sein muss – er ging in den Baumarkt.
Und erlitt Schiffbruch. Nicht genug damit, dass ein anderer Jäger auf dem weiten Feld der Grills schneller war und den Letzten seiner Art vor Hases Nase weggekauft hatte – im zweiten Baumarkt versagte zu allem Überfluss auch noch die EC-Karte.
Derart zurückgeworfen kehrte der enttäuschte Jäger müde und verdrießlich ins heimische Küchenchaos zurück, goss ein Füllhorn an Verwünschungen und Flüchen über meinen Käsewürfeln und mir aus, die ich, wie es von einer liebenden Ehefrau erwartet wird, den unverschämten Konkurrenzkäufer mitverfluchte und Magnetismus im Hinblick auf dessen Gefährlichkeit für die Funktionalität einer EC-Karte sofort ebenfalls als Teufelszeug anerkannte, und beschloss trotzig, den alten Grill zu benutzen.

Ich hätte es eigentlich wissen müssen.
Die Gäste kamen pünktlich um halb sieben. Mein Mann war schon zu Hause, immerhin, und hockte im Wohnzimmer auf dem Fußboden in kurzen Hosen und verschwitztem T-Shirt. Umgeben von diversen Schrauben, Muttern und Stiften, einem Verlängerungskabel nebst innig damit verbundenem Akkuschrauber, inmitten einer expressionistisch anmutenden Landschaft aus Styroporteilen, Kartons, leeren Plastikfolien und Blechteilen. Auch wenn die Dimensionen der Schachtel hätten vermuten lassen, dass sich mein Mann versehentlich im Kaufrausch eine Fertiggarage nebst Sonnenkollektoren, Dachbegrünung, gepflasterter Einfahrt und Basketballkorb hatte aufschwatzen lassen, war dem bunten Aufdruck zufolge eindeutig ein Grill in der Kartongarage enthalten, der dem Namen “outdoor kitchen” zumindest größenmäßig absolut gerecht wurde.
Während die hungrigen Besucher also artig auf der Couch Platz genommen hatten, wohnten sie einem unvergleichlichen Schauspiel in mehreren Akten bei, dessen Hauptdarsteller mein Mann und der Grill sein Antagonist waren. Das Drehbuch bestand aus einem Schriftstück mit mehreren dünnen Seiten voller kryptischer Zeichnungen mit Pfeilen und Zahlen und es erscheint unnötig zu erwähnen, dass mein Mann, wie alle Männer, in einem solchen Fall eher dem Improvisationstheater zugeneigt ist, als sich an schnöde Vorgaben zu halten.
Unter den staunenden Augen des Publikums, flankiert vom zarten Knurren mehrere Mägen entstand so tatsächlich Stück für Stück ein Grill.
Unter stehenden Ovationen wurde der Held, der einen gewissen Besitzerstolz nicht verbergen konnte, frenetisch gefeiert und nur eine Stunde nach Eintreffen der Gäste ergab sich das erste Steak zischend in sein Schicksal.
Ach ja. Me

ABC-Update, Teil 2…

…weil es so gut funktioniert für Splitter, die keinen eigenen Eintrag hergeben…

A wie Aufstehen – zur Zeit komme ich erstaunlich gut um halb sechs aus den Federn. Oder auf alle Fälle eben vor sechs. Könnte am Sommer liegen.

B wie Buchhaltung. Am Freitag kämpfe ich mich das erste mal alleine durch die Lohnbuchhaltung. Mögen die Finanz-, Steuer- und Gehältergötter mir beistehen.

C wie Chaos – ist erstaunlicherweise ausgeblieben. Trotz “Venus ohne Chefin im Büro”. Der Laden läuft weiter und meine Hirnrinde bröselt entgegen aller Erwartung noch nicht ab.

D wie Danke. Sagt man viel zu selten.

E wie ehemalige Kollegen. Ich bin zu einem Mitarbeitertreffen bei meiner “alten” Zeitung eingeladen worden und freu mich drauf, die Jungs und Mädels wieder zu sehen.

F wie Ferienwohnung. Ich beabsichtige tatsächlich in eine solche zu ziehen im nächsten Urlaub. Wenn etwas absolut erholsam sein müsste, dann doch wohl eine Ferienwohnung irgendwo in Deutschland, irgendwo im Nirgendwo. Wo man im Schlafanzug frühstücken kann. Wie daheim. Nur eben wo anders. Mal sehen.

G wie Grill. Groß und mächtig steht er auf unserem Balkon und nennt sich längst nicht mehr profan Grill, sondern outdoor kitchen. Die Größe gibt ihm Recht, das Teil hat unten ein Schränkchen drunter, links und rechts eine komfortable Ablage und einen großen Deckel mit Griff, so dass man die Grillfläche schließen und wunderbar etwas garen kann. Letztes Wochenende ausprobiert – super!

H wie Hitze – meine Güte, seit Tagen ist es mir einfach nur zu warm des Nachts. Ich hab mich gestern sogar über den heftigen Regen gefreut. Und die kühle Brise heute morgen in der Küche war eine richtige Wohltat.

I wie Insubordination. Hat mir eben meine Muse vorgeschlagen. Hab googeln müssen und dann grinsen. Passt ja so GAR nicht zu mir. Naja. Ein bisschen. Aber alles zum Wohle der Firma.

J wie Japan. Schaaaaade! Ich wollte doch mit den Mädels Weltmeisterin werden. Und dann kommen diese blöden, …, …….(!) Japanerinnen. Aber gut, angesichts des Dramas im eigenen Land gönne ich das denen doch irgendwie. Ein winziges bisschen.

K wie Konsum. Fernsehkonsum nämlich. In letzter Zeit = 0. Ich widme mich viel lieber meinen Büchern.

L wie Literatur. Wow, ich habe so viele ungelesene Bücher! Und bin seit Tagen und Wochen in einer Lesephase, um deren Berg zu minimieren. Und es macht Spaß!

M wie Magazin. Das erwacht allmählich wieder aus der Sommerstarre. Bin wieder motiviert und freu mich aufs weitermachen. Gutes Zeichen.

N wie Nutella, Nutria, Nordlicht, Naturschauspiel und Nebelkerze. Das waren die ersten Begriffe, die meinem Kollegen bei der Frage “Fällt Dir was ein mit N?” einfielen. Ach ja. Nudelholz, noob und Nase kamen auch noch. Ich hab mich für Narzismus entschieden. Das Bildnis des Dorian Gray. Grade ausgelesen und für sehr gut befunden.

O wie Oma. Das Buch über das Leben meiner Oma… ist ein Projekt, das grade mal wieder öfter an die Oberfläche meines Bewusstseins wabert. Wie fängt man ein Buch an? Legt man Charktere fest? Teilt man Kapitel auf? Hm…

P wie Presse. Ich habe am Wochenende mal wieder was für die Zeitung gearbeitet, bei der ich früher war. Hat Spaß gemacht. Ist immer noch ein Traumjob und ich versuche, das wieder öfter zu machen.

Q wie Quantität. Es ist einfach blöd, wenn man grundsätzlich den Hunger seiner Gäste überschätzt. In einem Maß, das einen zwingt, tagelang Reste zu essen, die sich zu absonderlichen Menüs zusammenfügen. Gebratene Nudeln mit Nudelsalat. Örks.

R wie Ringelnatter. Neulich bei den Bienen meines Mannes im Garten entdeckt bei ihrem Versuch, eine Kröte zu fressen. Sie fühlte sich durch unser Auftauchen dann wohl aber derart gestört, dass sie die Kröte, die bis zu den Vorderbeinen bereits in der Schlange steckte, wieder losließ. Wenn die mal jetzt keinen Psychiater braucht.

S wie Suche! Auf die begebe ich mich heute mal wieder mit einem Kollegen. Die ewige Suche nach der Schachtel. Für insider auch “geocaching”. Ist einfach ein schräges Hobby. Aber ziemlich cool.

T wie Tracy… die muss grad Geduld haben. Meine “ich turne am Boden herum”-Phase ist grade nicht mehr so ausgeprägt. Kommt aber wieder.

U wie Uli! Meine beste Freundin! Ich hab ihr ne sms geschrieben, sie hat sie erst am Morgen danach gelesen, aber in der Nacht von mir geträumt. Manchmal funktioniert die connection einfach. Gruß an dieser Stelle, du heimliche Mitleserin! Ja, jetzt schmunzelt sie…

V wie Verwandtschaft. Manchmal erfährt man in fünf Minuten am Telefon Dinge über die Vergangenheit seiner engeren Verwandtschaft, die einem 30 Jahre lang keiner erzählt hat. Von Wunden, die nicht mehr heilen werden. Und nähert sich dabei wieder an Personen an, die einem fremd geworden waren. Weil man sie SO gut versteht.

W wie Wasserbad. Funktioniert am besten, wenn man auch Wasser in den Topf tut. Geht auch ohne, macht aber jede Menge Rauch in der Küche und verzögert den Backprozess. *hust*

X wie äh…

Y wie öh…

Z wie

Ein neuer Fan…

…von Terry Pratchett bin ich seit gestern. Weil ich mich gar nicht mehr einkriegen kann ob des Wortwitzes und der verschwurbelten Geschichten, hier mein Zitat des Tages… … passt irgendwie auch zu unserem Büro.

“Die Aussage ‘Kein Mensch wäre so dumm, so etwas zu tun’ stimmt nicht. Irgend jemand wäre immer so dumm, etwas wirklich Dummes zu tun – nur um zu sehen, ob es möglich wäre. Wenn du in einer versteckten Höhle einen Schalter anbringst und ein Schild aufhängst ‘ENDE-DER-WELT-SCHALTER. BITTE NICHT DRÜCKEN’, hätte das Schild nicht einmal Zeit zu trocknen.”

Noch eins?
“Er versuchte, die Gedanken mit allen Mitteln aus seinem Kopf verbannen, aber ebensogut hätte er versuchen können, einen gefüllten Eimer unter Wasser zu leeren.”

OK, eines noch:
“Er war bestens für den Posten in leitender Position geeignet. Erstens: er änderte nie seine Meinung. Zweitens: Er brauchte immer einige Minuten, um neue Konzepte zu verstehen. Das ist sehr nützlich: Wenn sich jemand nach zwei Minuten noch immer bemühte, etwas zu erklären, so handelte es sich vermutlich um etwas Wichtiges; wenn die Erläuterungsversuche schon nach einer Minute aufgegeben wurden, lohnte es sicher nicht, der Sache Aufmerksamkeit zu schenken.”

Und noch dieses zum Schluss:
“Es war kein hübscher, interessanter Dschungel, wie ihn in Leopardenfelle gekleidete Helden bevorzugten, sondern ein Dschungel, der es ernst meinte, dessen grüne Mauern viele Stockwerke weit nach oben ragten, ein Dschungel, in dem alle Repräsentanten der Flora die Borke hochgekrempelt hatten und sich der anstrengenden Aufgabe widmeten, über ihre Konkurrenten hinauszuwachsen. Der Boden war kein Boden im eigentlichen Sinne, bestand zum größten Teil aus zu Kompost metamorphierenden Pflanzen. Insekten schwirrten durch die sporenhaltige feuchte Luft. Hinzu kam eine schreckliche, atemlose Stille, verursacht von den auf Hochtouren laufenden Motoren der Photosynthese. Ein jodelnder Held, der sich hier von Liane zu Liane schwingen wollte, mußte zunächst eine Schneise schaffen.”

Und noch ein Aufreger…

…der mich einmal mehr an der Medienlandschaft in diesem Land zweifeln lässt.
Wir haben so viele Abend-Talk-Runden im Fernsehen. Im öffentlich-rechtlichen, weichgepolsterten Nest. Wofür?
Deutschland vertickt leise, still und heimlich 200 Leopard-Kampfpanzer an die Saudis. Und was tut der Aufklärer der Nation, Plassberg, zur besten Sendezeit? Er füllt die unerträgliche Stille mit einer abstrusen Diskussion über die Daseinsberechtigung von Frauenfußball zwischen einem Fußballer, der sich grämt, weil er noch nie Weltmeister war und jetzt in Aserbaidschan rumdümpelt, einem Journalisten, der kraft Beruf darauf besteht, sagen zu dürfen, was er sagen will selbst wenn’s keinen interessiert, und einem chronisch sauertöpfischen TANZLEHRER, der findet, dass Frauen beim Tanzen schöner aussehen.
Ich bin… manchmal einfach fassungslos.

EDIT: Um es kurz zu fassen – dieses Land stellt nicht zur Debatte, ob man Panzer an einen Kriegsstaat liefern soll oder nicht. Aber ob Frauen auf einen Fußballplatz gehören, muss erst erörtert werden. Ich krieg echt Angst.

Ne ungerechte Welt…

…ist das doch. OK, Menschen machen Fehler. Ich habe Achtung vor denen, die Fehler einräumen.
Aber wie kann es sein, dass ein Amt sagen kann – wir verstehen Ihre Lage, wir geben zu, dass wir einen Fehler gemacht haben, Sie sind nicht richtig informiert worden, dennoch können wir rückwirkend nichts mehr für Sie tun?

Es geht um eine ehemalige Mitarbeiterin, ich hatte davon erzählt, und ihren verzweifelten Versuch, sich Arbeit zu beschaffen. Sie ist dafür ins Ausland gegangen, weil sie im englischsprachigen Raum viel bessere Chancen hat. Für diese Zeit hat sie überhaupt kein Geld bekommen, weil die Vermittlerin sich weigerte, mit mir Kontakt aufzunehmen, OBWOHL ich eine Vollmacht habe, OBWOHL ich meine Karte zu den Unterlagen gelegt habe und OBWOHL ich in einem Brief, den sie dabei hatte, darum gebeten hatte.
Ich wurde an die Hotline verwiesen, bei der mir bei drei Anrufen von drei Gesprächspartnern drei verschiedene Versionen vorgetragen wurden.
Meine Vollmacht wurde bei der Poststelle verschlampt, ihr Einspruch wurde mit falscher Begründung abgelehnt. Und trotzdem heißt es “Wir können leider daran nichts mehr ändern.”

Scheiß Paragraphenreiter.

Ausbrechen…

…würde ich manchmal gerne. Einfach ausreißen. Dem Trott für einen Tag den Rücken kehren. Vor allem frühmorgens hab ich dieses drängende Verlangen. Wenn ich mit offenem Dach in der Sommersonne vorbeifliege an sich im Wind wiegenden Getreidefeldern. Wenn ich ganz am Waldrand noch zwei Rehe erspähe, die im gestreckten Galopp wieder in den Schutz des Waldes fliehen. Wenn mir die übrigen Ausfahrten des Kreisverkehrs so viel verlockender zu sein scheinen, als die, die ich jeden Morgen nehme.
Einfach mal anders abbiegen. Andere Häuser, andere Straßen sehen. Und dann nicht mehr aufhören, zu fahren. Wie sieht so ein Morgen in der Schweiz aus? In den Alpen? In Frankreich? In Italien?
In diesen Augenblicken scheint es mir das Köstlichste überhaupt zu sein, wo anders zu sein als hier. Einfach weiterzufahren. Weg. Nicht, weil es mir hier nicht gefällt, sondern weil ich das alles jeden Tag sehe.

Der Welt einen Tag abluchsen. Dem geordneten Gefüge für ein paar Stunden die Zunge herausstrecken.
Einen Kaffee zu trinken am Bodensee. Einen Waldspaziergang zu machen in einem Wald, dessen Lage ich noch nicht einmal kenne. Einfach anhalten, wo es schön ist. Leuten beim Arbeiten zusehen. Das geschäftige Treiben einer Stadt am Morgen zu beobachten mit einer Tageszeitung und einem Kaffee in der Hand.

Und keiner, der mich dabei stört.
Ich glaube, der tägliche Trott hemmt meine Kreativität. Wieviel spontaner könnte ich guten Ideen nachgehen, wenn ich nicht in meinen eigenen Stundenplan eingeschnürt wäre…

Aber vielleicht bewahrt mich dieser Zeitrahmen auch davor, völlig abzuheben? Würde ich überhaupt etwas auf die Reihe kriegen, wenn ich keinen festgelegten Plan hätte? Würden die Dinge funktionieren, wenn ich sie tun könnte, wann immer ich möchte?

Vermutlich nicht. Aber es geht ja auch nicht um einen Dauerzustand. Sondern um einen Tag. Einen einzigen Tag…
Versteht das irgendjemand?