Putztrupp, Pein und Putenschnitzel

So könnte man den Morgen der kleinen Venus zusammen fassen. Wecker düdelt, Augen auf, Aua. Da war er wieder, der Halsschmerz. Ich hoffe, dass das nur eine sehr kurzfristige Beeinträchtigung meines Wohlbefindens ist, weil ich auf HALSSCHMERZEN so gar keine Lust habe. Und dann war ausgerechnet heute der Verkehr so zäh und die LKWs so zahlreich, dass ich erst fünf nach halb acht im Büro aufgeschlagen bin. Dabei hatte sich doch die Fensterputztruppe für halb acht angekündigt. Ich hetze also die Treppen hoch – keiner da. Hätte ich gewusst, dass die Jungs erst um ZEHN VOR ACHT hier antanzen, hätte ich eine wesentlich entspanntere Fahrt gehabt. Hmpf. Aber wenigstens zeichnet sich das Mittagessen als kleiner Silberstreif am Horizont ab – die Venus bekocht ihre Kollegen. Auf dem Menüplan steht heute:
Gemüsecremesüppchen (gestern Abend schon vorgekocht) mit Crème fraîche-Häubchen und danach Curryrahmgeschnetzeltes mit Früchten an Reis. Hunger hätt ich jetzt schon.

Mein Leben und ich: Szenen einer Ehe, Folge 2: Die Jogginghose

Der Mensch ist ein Herdentier. Herr Schatzi und Frau Venus sind da keine Ausnahme. Als gestern der Anruf von Freunden kam, ob wir Lust hätten, vorbei zu kommen auf ein Stück Torte und danach auf einen Sprung ins Thermalbadwasser, waren wir umgehend bereit, die Sonntagsplanung umzuwerfen. Herr Schatzi eher wegen der Torte, Frau Venus mehr wegen des Bades. Ich hab also zügig alle Badesachen aufs Bett geworfen, mich kurz umgezogen und meine Es-ist-Sonntag-ich-DARF-gemütlich-aussehen-Klamotten daneben gelegt. Herr Schatzi, der noch kurz außer Haus musste, hatte lediglich die Aufgabe, die Badesachen in eine Tasche zu packen.

Dramaturgischer Schnitt.

Wir sind auf dem Weg zum Thermalbad, Torte war lecker. Schatzi meint, “…hoffentlich habe ich jetzt auch alles eingepackt.”
Die Venus: “Ich hab doch alles aufs Bett gelegt. Bikini, Badehose, Handtücher…”
Herr Schatzi: “…ja, und ich hab brav alles eingepackt was da lag… wozu Du allerdings Deine Jogginghose brauchst, habe ich nicht kapiert.”
Die Venus: “Du hast meine…?”
Herr Schatzi: “DU hast doch gesagt, ALLES was da liegt…”
Die Venus: ”

Buchmesse – Meine Ausbeute

Es ist immer dasselbe. Wenn mich jemand nach der Frankfurter Buchmesse fragt, wie ich es fand – der WAHNSINN. Toll. Spannend war’s. Nur AUF der Buchmesse selbst fühle ich mich erschlagen. Überwältigt von der Vielfalt und der Masse an Information, Eindrücken und Papier. Immerhin hat mich unsere Reiseleiterin gestern beruhigt. Um alle Neuerscheinungen zu lesen eines Jahres müsste eine Person über 390 Jahre lesen – vorausgesetzt, sie schafft pro Tag ein Buch.

Ich habe also das getan, was ich immer tue – versucht die Herrschaft über alle Bücher an mich zu reißen. Indem ich Informationsmaterial ohne Ende eingesammelt habe. Mal sehen, wie lange ich brauche, um mich da durchzuwühlen. Vermutlich mehr als 390 Jahre.

Ich bin doch kein Alien.

Ich nehm alles zurück. Ich brauche Schlaf. Viel Schlaf.VIEL VIEL Schlaf. Gestern Abend – der Bus zuckelt von der Buchmesse heim. Die kleine Venus kauert mit brennenden, trockenen, müden Augen, zittrigen Beinen (OHGOTT sind wir viel marschiert) und dem unbedingten Willen, auf der Stelle einschlafen zu dürfen, auf dem Bussitz. Da war es acht. Um die Sache abzukürzen – ich war um halb zehn im Bett und war erst nach 13 Stunden wieder wach. Dafür jetzt aber sehr ausgeschlafen. Das beste System braucht wohl mal eine Defragmentierung.
Die Buchmesse hat mir definitv gestern den Rest gegeben.
Aber dazu

Ich bin ein Alien.

Ich bin nachtaktiv und brauche gar keinen Schlaf. Und habe jahrelang einen völlig falschen Schlafrythmus gepflegt. Viel zu lang gepennt. Gestern morgen, 5:20, der Wecker klingelt, die Venus macht die Augen auf. Systemstart. Alles fährt ordnungsgemäß hoch, nichts bleibt hängen. Maschine läuft den ganzen Tag. Gestern Abend, kurz nach elf. Runterfahren klappt innerhalb von 5 Minuten, System schaltet in den Sleepmode.
Heute morgen. 4:30 (!). Wecker. Augen auf. Hellwach. Ich fühl mich fit!
Womöglich fühlt sich Aufwachen erst gegen sechs nach Qual an? Und davor ist es einfach ein Schlafen-Aufhören? Ich fühle mich grade mal wieder wie der rosarote duracell-Hase. Schalter an, Schalter aus. Wo mag dieser ominöse Schalter sein…

Solltet ihr heute Nachmittag Bilder der Frankfurter Buchmesse in der Glotze sehen und erspäht irgendwo eine schlafende Frau mit kurzen roten Haaren zusammengerollt auf einem Büchertisch… bin ich vermutlich aus Versehen an den Schalter gekommen.

Medien – Nutzen vs. Risiko

Ich behaupte gerne, ich hätte eine eigene Meinung zu verschiedenen Dingen. Wenn ich das sage, kommt es mir auch wirklich so vor. Ich stelle nur immer wieder und immer öfter fest, dass meine Meinung subjektiv ist und auf einer Informationsschieflage basiert. Ich versuche mich bestmöglich über das zu informieren, was mich interessiert. Die Medienvielfalt ist hilfreich auf der einen Seite. Aber meine Meinung bildet sich nicht nur aus dem, was mir die Medien erzählen, sondern auch aus dem, was sie weglassen Und darin besteht die Gefahr der Einseitigkeit. Es ist erstaunlich, nein, erschreckend eher, wie sehr sich der Blick auf manches verändert, wenn man sich intensiv um mehr Hintergrundwissen bemüht. Die Medien haben Fast-Food-Charakter – schmeckt irgendwie, macht satt irgendwie. Aber ist weder gesund noch trägt es zum Vitaminhaushalt bei. Schlimmer noch – die Geschmacksnerven stumpfen ab.
Die Medien bereiten Nachrichten in schnellverdauliche Häppchen auf. Sensation hier, Skandal da. Wenig Text, der Leser soll nicht überfordert werden. Als Beilage wird eine Statistik serviert, aus der man alles mögliche herauslesen könnte. Und fertig ist das Drei-Gänge-Menü aus “Das ist passiert – der ist schuld – das ist DIE Meinung dazu”.
Und der Leser… schluckt es und freut sich, so gut informiert zu sein. So satt. Das happy meal für den Geist.
Ich will nicht alle Medien über einen Kamm scheren. Es gibt – dank Internet – eine große Auswahl an Informationsquellen. Blogger gehören auch dazu. Aber es ist schade, dass gerade diese Blogs die bezahlbaren Bio-Feinkostläden sind und die Massenmedien übersalzenen, einheitlichen Großküchenfraß servieren.
Wer nicht wirklich Acht auf seine “Ernährung” gibt, wird sprichwörtlich abgespeist mit Sattmachern.
Und am schlimmsten finde ich, dass ich hier von meinem eigenen Berufsstand rede.

Mein Leben und ich: Szenen einer Ehe, Folge 1: Die Lichtdusche

Mein Mann ist ein Praktiker. Vor seinem inneren Auge formieren sich Werkstoffe, Werkzeuge, Schrauben und Leisten zu einer praktikablen Lösung für jedes meiner haushaltlich-handwerklichen Probleme. Sein erstes Geburtstagsgeschenk an mich war eine selbstgebaute Staffelei, die so stabil ist, dass ich auf künstlerisch begabten Nachwuchs hoffen darf. Wenn es also im Haushalt ein Problem gibt, das schreinerisches oder allgemein handwerkliches Können erfordert, ist mein Mann genau der Richtige.
Ich bin eher der verbale, theroetische, musenbeflügelte Teil unserer Ehe. Lesen, Sprache, Kochen, Malen, all das sind Dinge, die ich dafür gut kann. Hätte mein Mann mich also in den Baumarkt mitgenommen, hätten wir uns heute morgen unsere dummen Gesichter sparen können. Allerdings gäbe es dann auch diesen Text nicht.
Auf Zehenspitzen stehend nämlich (noch ein Vorteil – ich hätte mindestens eine Bockleiter benötigt!) friemelte er in unserem Badezimmer an der Lampe herum und murmelte etwas von “LED-Leuchte mal ausprobieren…” und “…die soll 20 Jahre lang halten…”
Er hatte die kleine Birne grade an den dafür vorgesehenen Platz gebracht, als die hellen Fliesen in der Dusche ein zartes Schlumpfblau annahmen. Wir hatten beide noch nicht einmal Worte für unsere Verwunderung gefunden, als sich das satte blau in ein Giftgrün verwandelte. Unsere Köpfe drehten sich gleichzeitig zurück zur Lampe, wo sich gerade ein sonnenaufgangsgleiches Rot einstellte. “Hast du etwa aus Versehen eine farbige LED gekauft?” fragte ich unnötigerweise. “Äh…” sagte Herr Schatzi, “ja… nein… weil… siehste mal, ich hab gedacht, ich bastel Dir ein privates Spa mit Farbspiel unter der Dusche.”
Mein Mann ist ein Praktiker. Nur wenn es um Ausreden geht, wird er blitzschnell zum Theoretiker.