Mein Kind – ich bereue nichts. Zum Glück.

Ich habe unmerklich ein bisschen die Luft angehalten, als ich von der Frau las, die offen zugibt, ihre Entscheidung für ein Kind zu bereuen. Nicht, weil ich das an sich so unerhört finden würde, sondern weil es tatsächlich ein Tabubruch ist. Und weil es mir für die andere Mutter sehr leid getan hat. Ich kann mir nicht mal ansatzweise vorstellen, wie zerrissen sie sich fühlen muss zwischen dem, was in ihr tobt und dem, was man von ihr erwartet.

Denn wenn man ein Kind bekommt, ist man gefälligst gerne Mutter, zumindest, wenn es ein Wunschkind war. Seit Tagen ist unter dem Hashtag #regrettingmotherhood eine hitzige Diskussion darüber entbrannt, ob man seine Mutterschaft überhaupt in Frage stellen darf. Der Tenor: „Sie wusste doch, was auf sie zukommt, warum hat sie sich dann überhaupt für ein Kind entschieden?“

Meine allererste Reaktion war auch „ja aber das weiß man doch alles“. Dass man selbst zurücksteckt. Dass man anfangs nachts nur in kurzen Etappen schläft. Dass man einen täglichen Kampf gegen Fusseln, Legosteine, Puzzlestücke und Krümel führt. Dass man seinen Tagesablauf erst nach dem Hunger, dann nach dem Schlafbedürfnis des Kindes ausrichtet und dass man nicht mal alleine aufs Klo kann. Und dann dachte ich drüber nach, wie ich mir das Muttersein vorgestellt habe und wie es dann tatsächlich war. Fakt ist – der kleine Mensch mit all seinen Marotten überrollt einen von einem Tag auf den anderen. Man denkt zwar während der Schwangerschaft über das Leben nach Tag X nach, aber was einen erwartet – keiner kann das beim ersten Kind auch nur annähernd einschätzen.

Und um ehrlich zu sein – Gedanken wie „wenn ich jetzt kein kleines Kind hätte, könnte, würde, sollte ich“ sind mir auch nicht fremd. Aber gleichzeitig sagt die innere Stimme – hättehätteFahrradkette. Du hast ein Kind. Und das ist gut so. Ich bin ausgesprochen froh, in die Mamarolle hineingewachsen zu sein. Bevor wir uns entschieden haben, ein Kind zu bekommen, habe ich lange und gründlich überlegt. Will ich meinen Job erstmal aufgeben? Will ich mich wirklich mit Windeln, mit Zahnen, mit Impfen, mit Schlaflosigkeit, mit all den Dingen auseinandersetzen, die da wohl auf mich zukommen? Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich mich gefühlt habe, als wir die Entscheidung getroffen hatten. Ich war irgendwie euphorisch und gleichzeitig dachte ich, wir sind völlig übergeschnappt. Aber dann sagte meine innere Stimme, dass die tollsten Dinge passieren, weil man einfach mal beherzt JA zu etwas sagt.

Und ich glaube, ein bisschen liegt darin auch das Geheimnis begründet – man muss sich darauf einlassen. Und zwar mit Haut und Haaren. Ein Kind gewährt keine Umtauschfrist. Man kann nicht mal zwei Wochen Mamasein schnuppern. Man bringt es zur Welt und ab dann ist man gefordert. Und wie gesagt, obwohl man das WEISS, ist man von der Wirklichkeit überrumpelt. Wenn das Kind Fieber hat, fühlt man sich selbst noch viel kränker. Wenn das Kind den ersten Schritt tut, platzt man vor Stolz als hätte man grade rausgefunden, wie man über Wasser geht. Wenn es „Ich hab dich lieb“ sagt, schmilzt man einfach so weg. 

Die Frau, die sagt, sie bereue es, Mutter geworden zu sein, sagt gleichzeitig, dass sie ihre Tochter liebt und dass sie mit ihr auch sehr glückliche Momente erlebt. Dass die unglücklichen in ihr drin nur eben überwiegten und sie sich heute anders entscheiden würde. Ich kann das zum Glück nicht nachempfinden, aber ich bewundere ihre Ehrlichkeit und ihren Mut, das so auszusprechen.

Ich kenne zwar die Einschränkungen, die sie beschreibt, aber empfinde sie nicht als gravierende Beeinträchtigung meines Lebens. Ich habe den Kinderwagen in Highheels durch den Ort geschoben, wir nehmen die Kleine mit ins Restaurant, wir leben unser Leben so gut es geht weiter wie früher, nur eben zu dritt. Vielleicht ist auch das ein wichtiger Punkt – das Kind ist zu uns gekommen, nicht andersrum. Klar macht man Abstriche, kommt nicht mehr so oft ins Kino oder in die Therme, aber bis zur Selbstaufgabe muss es nicht gehen. Es irritiert mich oft, wenn ich höre, wie andere Mütter ihren Tagesplan am Nachwuchs ausrichten. Der Kaffee mit der besten Freundin wird der Babymassage geopfert. Zum Sport geht man nicht mehr, beim Babyfrühschwimmen ist man ja auch im Schwimmbad. Irgendwie. Bummeln? Fällt aus zugunsten von Kinderturnen, Musikgarten, Säuglings-Feng-Shui. Ich will diese Mamas sagen – denkt auch mal an Euch! Gebt Euch nicht komplett auf und bleibt auch die Frau, die ihr vor dem Kind mal wart. Kinder brauchen nicht viel, um glücklich zu sein. Schon gar keine Mama, die insgeheim genervt ist, weil sie doch nur das Beste für ihr Kind zu wollen hat.

Wir, und damit meine ich das Fräulein und mich, machen nüscht. Außer der Krabbelgruppe einmal die Woche. Ich bin der Meinung, dass noch früh genug ein straffer Terminplan auf uns zukommt. Da teilen wir uns die Tage lieber noch so lange selbst ein und auf, wie wir können. Haben wir Lust, Plätzchen zu backen, machen wir das. Wollen wir Tiere gucken, gehen wir einfach los. Steht uns der Sinn nach Sandkasten, Imdreckbuddeln, einkaufen, Musikmachen, Singen – keiner schreibt uns vor, wie und wann wir das tun. Dass mein Kind dabei weniger Förderung erfährt, als ein von außen bespaßtes Gleichaltriges – das Risiko gehe ich gerne ein. Wir pflanzen zusammen Kresse und gießen die Körnchen täglich, um zu staunen, wie viel man innerhalb weniger Stunden schon beobachten kann. Wir gehen in den Streichelzoo und singen lauthals „Alle meine Entchen schwimmen im Klosett“, bis sich die Kleine vor Lachen den Bauch hält und nur noch gluckst.

Das sind die Momente, die mir bewusst machen, dass die Entscheidung goldrichtig war. Zumindest für mich. Und ich bin sehr froh, dass es nichts zu bereuen gibt.

#regrettingmotherhood

 

10 Antworten auf „Mein Kind – ich bereue nichts. Zum Glück.“

  1. Ich habe ja keine Kinder – aber eine Menge Freundinnen miterlebt, wie sie Single waren, geheiratet haben (oder nicht) und auch wie sie Kinder bekommen haben und diese groß wurden.

    Und ich habe selbst erlebt, wie an eine Frau im „gebärfähigen Alter“ jeder den Anspruch stellte, nun habe sie doch langsam mal die biologische Uhr ticken hören und Kinder in die Welt zu setzen. Weil man das doch so macht. Erst recht, wenn Frau in einer Beziehung ist.

    Ging mir auch so – die Fragen waren selbst von netten Bekannten und Verwandten phasenweise so penetrant, daß es schon übergriffig war und man das Gefühl hatte, kaum noch plausible Ausreden zu haben – zumal man nicht jede Tiefe oder Untiefe einer Beziehung mit diesen Menschen diskutieren will.

    Es ist also ein recht hoher sozialer Druck da, Kinder zu bekommen, erst recht wenn für Außenstehende ja alles optimal ist.

    Dann bin ich der Ansicht – nein – bevor man ein Kind hat, weiß man alles nur in grauer Theorie – selbst wenn man schon für andere die beste Babysitterin der Welt war. Denn das eigene Kind kann man nicht abgeben – und was 3-Monatskoliken bedeutet, lernt man erst, wenn das Kind welche hatte.
    Hat man dann noch ein Schreikind, möglicherweise ein krankes Kind oder was auch immer es für Varianten „kompliziertes Kind“ gibt, geht man auf dem Zahnfleisch. Ist man möglicherweise noch dazu alleinerziehend – aus was für Gründen auch immer – trägt man die Last allein – vielleicht noch verbunden mit finanzieller Sorge.

    Sorgen mit Kindern hören ja auch nicht auf, wenn sie mal auf 2 Beinen gehen. Die gehen weiter und als Eltern hast Du Sorgen und Probleme mit Deinen Kindern und um Deine Kinder, bis Du selbst vermutlich stirbst.

    Ja – ich glaube, daß man seine Kinder innig lieben kann – aber daß es selbst bei der besten Mutter je nachdem mehr oder weniger Gelegenheiten gibt, in denen sie sich ihr altes Leben zurücksehnt. Und vielleicht – je nachdem wie schwierig der Alltag ist – sind diese Gelegenheiten häufiger.

    Ich habe eine Freundin, die mit 18 schwanger wurde, der Vater zahlte nie, aus dem Wohnheim, in dem sie lebte flog sie raus (nicht für alleinerziehende Mütter), eine andere Wohnung nicht in Sicht. Sie bekam dann einen Wohnplatz in einer ganz anderen Stadt. Weil sie ihren Schulabschluß beenden wollte, zahlte das Arbeitsamt kein Arbeitslosengeld (sie stand ja dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung), das Sozialamt fühlte sich nicht zuständig (weil sie schon einen Hauptschulabschluß mit kombinierter Ausbildung als Hauswirtschafterin hatte – sie hätte ja arbeiten können).
    Es hat mehrere Monate gedauert, bis sie von IRGENDWOHER auch nur einen Cent bekam.
    In dieser Zeit lebte sie von dem, was die Betreuerinnen in dem Wohnheim für sie hatten, die Kleine bekam Klamotten von anderen Müttern geliehen und der Kinderarzt, der einmal im Monat in das Wohnheim kam, impfte und untersuchte unentgeltlich, weil beide ja nicht krankenversichert waren.
    Die Leiterin des Wohnheims stundete die Miete – eigentlich hätte sie sie vor die Tür setzen müssen, weil kein Träger für die Kosten der Unterbringung garantierte.

    Dieser Zustand dauerte von August bis kurz vor Weihnachten. Dann geruhten die Behörden, die Zuständigkeit zu PRÜFEN (noch nicht zu zahlen…. das dauerte nochmal)

    Und ich bin zu 100 % überzeugt, meine Freundin hat in dieser Zeit mehr als einmal bedauert, Mutter geworden zu sein – obwohl sie ihr Kind geliebt hat.

    Das ist lange her, das Baby von damals ist erwachsen. Ich dachte vorher nicht, daß es sowas in Deutschland gibt und es passieren kann.
    Aber ich weiß, daß es Lebenssituationen gibt, die man so nicht vorhersehen kann.

    Und wenn etwas nicht vorhersehbar ist, dann ist es die Tatsache, wie das Leben mit dem neuen Wesen ist. Und mit ziemlicher Sicherheit ist das völlig anders, als man dachte. Mal viel viel besser – und mal abgrundtief schlimm.

    1. Danke für den weisen Kommentar. Das Umfeld spielt vermutlich auch eine große Rolle. Wenn man als junge Mama selbst lauter Freundinnen hat, die kleine Kinder haben, ist die Akzeptanz der eigenen Situation vielleicht noch eher da. Bekommt man mit 20 ein Wunschkind und verliert nach und nach den Kontakt zum Freundeskreis, weil die abends einfach unterwegs sind und man nicht mehr mitkann, wächst womöglich der Frust. Ich denke, es ist wie mit dem Heiraten auch – man ist sich sicher, den Richtigen getroffen zu haben und verbindet sich für alle Ewigkeit mit ihm, um dann nach fünf Jahren festzustellen, dass Menschen sich verändern und die Entscheidung die Falsche war. Man weiß vieles eben erst hinterher, nur kann man bei einem Kind nicht mehr zurück.

  2. Einen schönen Eintrag hast du da geschrieben.

    Und du hast auch recht – beim ersten Kind weiß man nicht einmal ansatzweise, was auf einen zukommt. Es ist ja nicht nur das nächtliche Aufstehen, das Windel wechseln etc. – der kleine Mensch ist bei Mama und Papa eingezogen und bleibt erst einmal da.
    Am vierten Tag dachte ich tatsächlich: OhgottohgottmeinLebenistweg.

    In die Mamarolle muss man eben auch erst mal hineinwachsen – und dann sollte man sie so gestalten, wie man selbst das braucht und möchte und nicht so, wie man meint, es machen zu müssen.
    Das Wichtigste war für uns (und du hast das ja auch schon angesprochen), dass wir eben auch mit Baby alles machen. Nur weil man ein Kind hat, muss man nicht daheim sitzen. Ich nehme den Kleinen mit, wenn ich mich mit Freundinnen treffe. Wir waren schon mehrmals beim Shoppen und im Restaurant etc. etc. – und je größer er wird, desto mehr ist möglich.
    Auf gewisse Dinge muss man sich einlassen – dass halt nicht mehr alles so schnell geht wie bisher. Wenn ich shoppen gehen will, kann ich nicht innerhalb von einer halben Stunde los, dann dauert das schon mal länger. Und letztens wollten wir weg, waren auch richtig früh dran, dann passierte ne Katastrophe in der Windel 😉 und wir kamen eben doch zu spät. Da geht die Welt auch nicht unter.

    Ich finde es jedoch unendlich bereichernd ein Kind zu haben. Es fasziniert mich zu sehen, wie sich der kleine Mann tagtäglich weiterentwickelt. Vor ein paar Wochen lag er noch einfach so da – und jetzt fängt er an mit seinen Spielsachen zu spielen, er gluckst laut, wenn er sich freut und er hält sein Köpfchen. Das ist einfach unbeschreiblich.

    1. Es IST für mich auch bereichernd, weil ich es annehme mit allen Vorzügen und Nachteilen. Es ist ganz großartig, das Fräulein zu haben. Und ich habe meinen Kaffee auch fast immer heiß trinken können. Ich sage ihr einfach, gib mir bitte noch fünf Minuten, dann spielen wir weiter. Ist vielleicht auch einfach die Frage, wie man mit dem Kind lebt und umgeht.
      Und ja, vieles geht nicht mehr so schnell, aber das wird wieder. Wenn wir heute schnell an den See, zum Einkaufen, in die Stadt wollen, sind wir beide in zehn Minuten angezogen und ausgehfein. (Wenn Dein Kleiner mal größer ist, brauchst Du auch kein riesiges Gepäck mehr mitzuschleppen, keinen Kinderwagen mehr ins Auto zu wuchten, etc. )
      Ich freu mich auf neue Bilder! 😉

  3. Ich seh’s ähnlich wie Wendy (und habe auch keine Kinder). Ich wollte noch nie Kinder, nicht einmal, als ich jung war, hatte einfach keinen Drang. Im gebährfähigen Alter wurde mir oft gesagt: „Pass auf, wenn es erstmal zu spät ist, tut es dir leid.“ Also, bis jetzt nicht. Aber das weiß man ja dann auch erst, wenn es soweit ist.

    Ich kann mir schon vorstellen, dass es Mütter gibt, denen die Entscheidung, Kinder zu haben, leid tut – auch, wenn sie ihre Kinder lieben. So richtig kann man doch nicht vorher wissen, wie es sein wird. Man kann es sich vielleicht vorstellen, aber die Wirklichkeit ist ja dann doch oft anders. Viele meiner Freundinnen haben gesagt, dass sie nicht bedacht hatten, wie es ist, Verantwortung für einen anderen Menschen zu haben und wie schwer die auf einem wiegt.

    Ich kann mir auch vorstellen, dass die Mutter in dem Artikel erleichtert ist, ihr Bedauern einmal äußern zu dürfen und zu sehen, dass sie nicht die einzige ist, denn ein Tabubruch ist es ja auf jeden Fall.

    Wie du das machst mit deiner Tochter (ich kann gar nicht fassen, wie groß sie schon ist!) finde ich toll. Dass du sie nicht von einer Kleinkindaktivität zu einer anderen schleifst, sondern nach Tagesform entscheidest was ihr macht. Wie du schon sagst: Termine kriegt sie noch früh genug. Auch, dass sich bei euch nicht das ganze Leben 24/7 um Kinderbespaßung dreht. Respekt. Das traut sich auch nicht jeder.

    1. Ich halte mich immer an den Grundsatz – gib ihr eine Aufgabe, die sie beschäftigt. Wenn der Hausputz ansteht, kriegt sie einen maximal feuchten (lieber trockenen) Lappen und wischt Möbel ab. Wenn wir einkaufen müssen, bekommt sie ihren kleinen Wagen und den Auftrag, sich einen Käse auszusuchen. Wenn ich koche, darf sie mal die Suppe umrühren, die Paprika probieren oder Tomaten schneiden (mit meiner Hilfe). Wenn man sie in den Alltag einbezieht, kriegt man seine eigentlichen Dinge gut geregelt. Das ist auch eine Form der Bespaßung und vieles geht langsamer als sonst, aber es kommt uns beiden zugute. Am wenigsten verstehe ich die Mütter, die mir erzählen, die Kleine gehe seit sechs Wochen in den Musikgarten, aber immer, wenn die Instrumente ausgepackt würden und alle anfangen zu singen, krabbelte die Kleine zur Tür raus. Es gebe jedesmal Protest, wenn sie auf dem Teppich bleiben solle. Oder, die Babymassage sei echt super, sechs von acht Mal habe der kleine Finn zwar gebrüllt und man habe nach einer halben Stunde abbrechen müssen, aber SONST war’s toll. Ich frage mich da oft, ob sich die Mamas eigentlich selbst bespaßen wollen oder einfach dem Druck nachgeben, alles wahrzunehmen, was angeboten wird. (Weil, muss ja gut sein fürs Kind, sonst gäb’s das ja nicht.) Wir singen daheim und in der Badewanne. Da kann man auch aufhören, wenn man keinen Bock mehr hat. Ich will diese Angebote sicher nicht schlechtreden, es gibt sicher tolle Sachen, an denen viele großen Spaß haben. Aber für mich ist nicht nur entscheidend, dass das Kind dabei wirklich Freude hat, sondern auch, dass ich mich nicht hinquälen muss. Wenn man sein eigenes Leben völlig auf die Seite schiebt und fortan nur noch im Baby- und Kleinkindmodus unterwegs ist, kann ich mir schon vorstellen, dass man nach einiger Zeit keine Kraft und keine Lust mehr hat und die Entscheidung in Frage stellt. Soweit sollte man es nur nicht kommen lassen.

  4. Ich kannte die Diskussion nicht und habe deshalb den von der verlinkten Artikel gelesen.

    Und ich finde es offensichtlich, dass diese intelligente Frau eine wichtige Sache nicht reflektiert. Eben ihre übertriebene Angepasstheit an die von ihr selbst gesteckten vermeintlichen gesellschaftlichen Normen. Ihren schier nicht aushaltbaren Anspruch perfekt zu sein.

    Sie geht nicht wie sie es eigentlich wünscht 8 Stunden arbeiten, weil sie ihr Kind nicht solange weggeben will? Was bringt es dem Kind eine unleidliche Mutter die ein Programm mit ihr abzieht zu spüren. Egal was ist, was sie sich auch einfallen lässt, das Kind erspürt, dass die Mutter unzufrieden ist und das ist ein Schaden den man nicht leicht kitten kann. Dieser Schaden geht sehr tief, tiefer als der Schaden, Sehnsucht nach der Mama zu haben, weil die lange arbeitet. Sag ich jetzt mal so.

    Frau Venus, Du bist in meinen Augen die perfekte Mutter!!!!

    Und ich habe es immer für mich so gehalten und kann auch gar nicht anders. Ich mach mein Ding. Immer. Niemals würde ich darauf verzichten das zu kochen was ich mag. Da bin ich ja wirklich radikal hart und denk mir: Friss Vögelchen oder lass es halt. Es ist ja gesund was ich koche und sie müssen ja nicht das essen, was sie partout nicht mögen, deswegen kriegt die Kleine derzeit häufig „nackte“ Nudeln oder nackte Kartoffeln oder nackten Reis, weil sie das Gemüse nicht mag und ja auch kein Fleisch ist. Solange sie genug Obst isst (und das tut sie) quäle ich mich deshalb nicht mit einem schlechten Gewissen. Wie anstrengend wenn ich alles nach den Kids richten würde.

    Weil ich nicht für Rollenspiele tauge und vor allem seit dem Studium auch kaum mehr Zeit für Gesellschaftsspiele habe, höre ich mich häufig sagen: Ich bin Eure Mutter, ich hab Euch lieb, bin für Euch da, umsorge Euch, bekoche Euch, aber ich bin nicht Eure Spielkameradin. Die müsst Ihr hierher einladen. Ich muss lernen.

    Deshalb hab ich viel mehr als wegen des Essens ein schlechtes Gewissen, aber nicht so, als dass ich es anders machen würde. Ich versuche immer wieder Aktionen einzuplanen, ich bastle gerne mit ihnen, Colourquast, Speckstein, Schrumpffolie, Malen,… in meiner nicht enden wollenden Strickwahnphase lehre ich sie stricken und häkeln, und wir singen viel. Die Kleine hat Annett Louisan für sich entdeckt und so rennen wir durch die Fußgängerzone der statt und singen die Lieder ihrer Musicals die sie so liebt oder eben die von Annett zur Zeit ist der Renner „Das Gefühl“ und so tönt die Kleine: „Denn das Leben ist kein Warenhaus,… dieses Gefühl steht mir nicht,… ich schau mich nur um… und dann schmettert sie betonenden laut: SCHAU MICH NUR UM.“ Ich find es herrlich, wenn sich die Menschen dann kichernd umdrehen.

    Ich denke sie ist glücklich und ich glaube auch, wirklich glücklich können Kinder nur sein, wenn die Eltern authentisch sind.

    Es gibt ja auch diese Frauen die sichs durchs Stillen quälen, weil es ihnen jeder einredet. Was für ein Wahnsinn. Dabei tut es ihnen furchtbar weh, das Kind wird nicht satt oder irgendwas anderes stimmt nicht, es hapert alles und das tut doch der Bindung nicht gut, das kann mir keiner erzählen. Ich hatte gestillt weils bei mir unkompliziert war,… aber ich hab bei beiden Kids um den 8. Monat rum aufgehört, weil sie dann selber ne Brezzel in der Hand halten konnten und dann dachte ich, es ist Zeit loszulassen.

    Ojeee, ich merke, ich könnte Romane schreiben.
    lg
    manu

  5. Sorry wegen der vielen Fehler!!! Peinlich!!!!

    Und ich möchte noch zwei Dinge hinzufügen, weil es glaub ich nicht so deutlich rüberkam.
    Warum ich glaube, dass die Unzufriedenheit der Mutter zu spüren so schlimm ist. Und zwar wird das Kind (das tun alle Kinder) es auf sich beziehen. Es wird damit aufwachsen, dass die Mutter zwar da ist und tolle Sachen mit ihr macht, aber da ist auch immer wieder eine Wand zwischen ihnen, die sie nicht überwinden kann. Und sie wird denken, sie ist an der Wand schuld, so wie Kinder denken, sie seien schuld, wenn Eltern sich streiten.

    Und das ist aus meiner Sicht schlimmer, dass so ein kleiner Wurm glauben muss, es ist es nicht wert, dass seine Mutter mit ihm glücklich ist, als wenn es eben Stunden der Sehnsucht aushalten muss, dafür aber die zufriedene, sich selbst erfüllende Mutter mit offener Sehnsucht authentisch liebend das Kind in den Arm nimmt am Abend.

    Und ja, ich wollte sagen, ich bin ganz ganz bestimmt keine perfekte Mutter, ich glaub das kommt gar nicht rüber, weil ich gleichzeitig trotzig sage, ich finde es so in Ordnung wie ich es tue. Das ist so, weil ich natüüüüüüüüüüürlich auch ein schlechtes Gewissen habe. Aber ich weiß auch ich kann nicht anders. Ich kann so und so ist es eben.
    Dafür sind meine Kinder für mich der Sinn meines Lebens. Sie sind keine Last, keine Bürde, nie in keiner Sekunde. Ich ärgere mich, ich schimpfe ich bin auch mal enttäuscht, übermüdet, genervt, aber eine Last? Nie.

    Sooo jetzt bin ich aber fertig, glaub ich. 🙂

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