Topfgeschichten – Noah mit Kartoffeln.

Folgender Dialog ergab sich vor wenigen Minuten am Venusschen Esstisch. Ich, eine Auflaufform auf den Tisch stellend: „Vorsicht, heiß!“ Mann und Kind im Chor: „Mmmmh!“

Beide bekommen die Teller vollgeschaufelt, wobei die Menge je nach Tellergröße natürlich variiert. Beide gucken das Essen an. Dann sich. Dann mich. Fast im Chor fragen sie mich: „Was ist DAS da?“ Ich grinse in mich hinein. War mir ja SO klar. „Probiert’s doch mal. Ich erzähl’s Euch gleich.“ Der Mann schiebt einen Löffel in den Mund, schluckt. Guckt immer noch fragend. Das Kind stochert und guckt nur fragend. „Das ist Quinoa!“ Stille. „Aha.“ sagt der Mann. „Ich mag keinen Noah“, sagt das Kind und fügt sicherheitshalber ein „oder?“ an. „Doch, Du magst das“, behaupte ich dreist. „Das ist lecker und gesund. Und guck, da sind doch auch ganz viele Kartoffeln!“ sage ich. Kartoffeln ist das Stichwort. Ich habe ein Kartoffelkind zur Welt gebracht und es beginnt zufrieden zu Löffeln. Auch den Noah. Der Mann meint immerhin, „schmeckt besser als Linsen“. Das will schon was heißen. Trotzdem, und dafür liebe ich sie, lassen sich beide darauf ein und holen sich Nachschlag.

Ich kann gar nicht glauben, dass ich seit fast genau einem Jahr kein Fleisch und keine Wurst mehr esse. Es fühlt sich an, als hätte ich noch nie anders gegessen. Auf alle Fälle noch nie bunter und abwechslungsreicher. Zufällig fiel mein Blick heute beim Kochen auf einen Speiseplan, der in der Innenseite meines Küchenschranks klebt. Ich hatte mir lang vor meiner Veggie-Zeit einen „ewigen Menüplan“ erdacht, der sich im vierwöchigen Turnus wiederholt. Die meisten Gerichte darauf waren Standards, die ich immer wieder kochte. Das Erstaunliche: Fast nichts davon habe ich im letzten Jahr gekocht, auch nicht in abgewandelter, fleischloser Form. Und ich erinnere mich gut, dass ich lange über dem Plan gegrübelt hatte, weil mir keine 25 unterschiedlichen Gerichte einfallen wollten. Es hat sich also gezeigt, dass Vegetarismus für mich überhaupt keine Einschränkung, sondern vielmehr eine große Bereicherung meiner Ernährung war. Ich habe mich mit einschlägiger Literatur eingedeckt und im Internet viele spannende Rezepte gefunden. Ich habe meine Liebe zu Suppen entdeckt und ganz Neues ausprobiert. Wie zum Beispiel Mandelmus oder eben Quinoa. Manches probieren wir einmal und kein zweites Mal. Manches hält aber auch Einzug in unseren Vorratsschrank. Ich bin grundsätzlich ein Küchen-Freestyler und kann ohne groß nachzudenken aus Vorräten für meine Familie in kurzer Zeit etwas Leckeres zaubern, das allen schmeckt. Aber ich habe auch die Liebe zum Kochen wiederentdeckt und die Lust am Ausprobieren neuer Rezepte. Meine eigenen Bedenken aus der Anfangszeit, ob mir der Verzicht schwer fallen würde, haben sich völlig in Luft aufgelöst. Von Verzicht spüre ich überhaupt nichts. Es fühlt sich vielmehr so richtig an, als hätte ich schon viel früher drauf kommen können.

Wer jetzt Lust auf „Kartoffeln mit Noah“ bekommen hat, der braucht:

etwa 8 mittelgroße Kartoffeln, 200g Quinoa (wir haben roten genommen), einen halben Bund Frühlingszwiebeln, 150 gr Frischkäse (Kräuterfrischkäse macht’s würziger), 100 ml Milch oder Sahne, Bergkäse zum Bestreuen, eine Kugel Mozzarella, Salz und Pfeffer.

Ich habe die Kartoffeln geschält und in feine Scheiben gehobelt und ca. 15 min vorgekocht. Der Quinoa (das Quinoa?) wird mit heißem Wasser gewaschen und mit der doppelten Menge Wasser etwa 20 min gar gekocht. Die fertigen Kartoffeln mit dem Quinoa mischen und in eine feuerfeste Form geben. Ich habe die Mozzarella-Würfel auch gleich darunter gemischt. Den Frischkäse mit der Milch glattrühren, die kleingeschnittenen Frühlingszwiebeln dazu geben, mit Gewüzen abschmecken und den Guss über die Kartoffelmischung schütten. Den Bergkäse oben drüber streuen und den Auflauf bei 220 Grad Ober-/Unterhitze etwa 20 Minuten überbacken. 

PS: Der Speiseplan wird übrigens abgehängt und findet vermutlich auch keinen vegetarischen Nachfolger. Ich finde das Konzept zwar in der Theorie immer noch unfassbar praktisch, aber irgendwie scheiterte es immer an „da ist noch vom Vortag übrig“ oder „da hab ich jetzt aber gar keine Lust drauf“. Wir probieren einfach weiterhin, worauf wir Lust haben und wann wir dazu Lust haben. Es sei denn, es geht um Rhabarber. 🙂

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