Wenn die Mutter mit der Tochter …

Manchmal hat der Herr des Hauses einfach unverschiebbare Termine. Und manchmal fallen die auch auf einen Sonntag. Das Tochterkind und ich könnten dann natürlich zuhause sitzen und Däumchen drehen und warten, bis der beste Papa und Herzensmann wieder heimkommt. Tun wir aber selten. Denn seit die Kleine im Kindergarten ist und damit den halben Tag nicht da, sind Mutter-Tochter-Ausflüge selten geworden. Wir haben gestern morgen also beschlossen, den Sonntag zu nutzen und sind zu zweit losgezogen. Und zwar in österlicher Mission.

Nach einem Abstecher zum Bäcker – wer ist schon gerne ohne Proviant unterwegs (vor allem ich nicht, denn ich habe unterwegs plötzlich immer mehr Hunger, als wenn ich zuhause wäre. Das war übrigens schon früher so, auf Schulausflügen. Wir waren mit dem Bus noch keine zehn Kilometer unterwegs, als ich schon mindestens einen Apfel aus dem Rucksack verputzt hatte. Kennt jemand dieses Phänomen?) – haben wir uns in einer Stadt in der Nachbarschaft einen Ostereiermarkt angeschaut. Die Kleine hat sich für eine gehäkelte Karotte entschieden („ich hab in meiner Kinderküche gaaaar keine Karotte mehr. Hab ich alle … versteckt.“ (Anm. d. Mutter: versteckt = verschlampert.)), ich habe mir zwei lustige Hühner für unsere Weidenzweige ausgesucht, an denen schlichte, weiße Eier baumeln. An den Zweigen. Nicht an den Hühnern. Wir sind noch ein bisschen durch die Ausstellung gebummelt und haben uns dann wieder auf den Weg zum Auto gemacht. Dort angekommen meinte das Kind allerdings: „Ich will noch gaaar nich heim. Gibt’s nicht noch mehr Eier?“ Ganz spontan fiel mir das Ostereiermuseum in Sonnenbühl ein. Allerdings müssten wir dafür einmal quer durch den gesamten Landkreis … ich guckte an den Himmel und sah blau zwischen den Wolken. Ich guckte in Kinderaugen und sah nur blau. Ich überlegte, was wir wohl daheim machen würden. Und während ich noch hirnte, sagte die Kleine auf dem Rücksitz „Mama, faaahaaar.“ Und so fuhren wir.

Im Ostereiermuseum – kleiner Ausflugstipp für alle, die in meiner Gegend daheim sind – gibt es wahre Kunstwerke zu bestaunen. Sakrale Motive, Tiere, tolle Muster – die ausgestellten Eier sind richtige Schätze und man erfährt auch viel über die Osterbräuche in anderen Ländern. Wir hatten besonderes Glück, denn sonntags sind vor Ostern dort Künstler anwesend, die ihre kleinen Kostbarkeiten anbieten. Und natürlich konnten wir auch da nicht widerstehen und kauften ein Ei mit Pinguin für Omas Osterbaum und ein Ei mit Elefant für den unsrigen.

Mit einer Dreijährigen unterwegs zu sein, ist für mich unglaublich bereichernd. Ich zeige ihr ein bisschen von meiner Welt und sie sagt mir, was sie darin sieht. Ich hätte die Schafe da oben auf der Wiese nicht gesehen. Oder dass an der Infotafel der Kirche in Sonnenbühl eine Comiclok hängt, die aussieht wie die Emma von Jim Knopf. Ich staune immer wieder über den völlig anderen Blick eines Kindes auf die Welt. Dass Hannah mit uns übrigens in Museen und Ausstellungen geht, ist kein pädagogischer Fimmel von uns. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mich auf Spielplätzen einfach langweile. Mein Kind kann sich dort zwar eine halbe Stunde austoben (das tut sie auch, mit Oma), aber stundenlang mag dort keiner von uns beiden herumsitzen. Also begleitet sie uns bei vermeintlichen Erwachsenendingen. Und zwar aufmerksam, neugierig und wissbegierig. Ich bin mir sicher, dass man Kindern in dem Alter das schon zutrauen kann. Natürlich stehen wir nicht stundenlang vor Exponaten und rattern den Begleittext herunter, wir schauen einfach an, was uns gefällt, so lange wir Lust dazu haben. Sie muss kein Eierexperte werden, trotzdem glaube ich, dass jeder Impuls und jedes bisschen Anreiz und Input von außen eine Spur hinterlässt, die sie offen macht, Neues für sich zu erschließen. Was sie mal daraus macht, bleibt ihr überlassen. Aber den Grundstein lege ich gerne.

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