…a bunch of retards – and you fit in!
…sai
…a bunch of retards – and you fit in!
…sai
Ich behaupte gerne, ich hätte eine eigene Meinung zu verschiedenen Dingen. Wenn ich das sage, kommt es mir auch wirklich so vor. Ich stelle nur immer wieder und immer öfter fest, dass meine Meinung subjektiv ist und auf einer Informationsschieflage basiert. Ich versuche mich bestmöglich über das zu informieren, was mich interessiert. Die Medienvielfalt ist hilfreich auf der einen Seite. Aber meine Meinung bildet sich nicht nur aus dem, was mir die Medien erzählen, sondern auch aus dem, was sie weglassen Und darin besteht die Gefahr der Einseitigkeit. Es ist erstaunlich, nein, erschreckend eher, wie sehr sich der Blick auf manches verändert, wenn man sich intensiv um mehr Hintergrundwissen bemüht. Die Medien haben Fast-Food-Charakter – schmeckt irgendwie, macht satt irgendwie. Aber ist weder gesund noch trägt es zum Vitaminhaushalt bei. Schlimmer noch – die Geschmacksnerven stumpfen ab.
Die Medien bereiten Nachrichten in schnellverdauliche Häppchen auf. Sensation hier, Skandal da. Wenig Text, der Leser soll nicht überfordert werden. Als Beilage wird eine Statistik serviert, aus der man alles mögliche herauslesen könnte. Und fertig ist das Drei-Gänge-Menü aus “Das ist passiert – der ist schuld – das ist DIE Meinung dazu”.
Und der Leser… schluckt es und freut sich, so gut informiert zu sein. So satt. Das happy meal für den Geist.
Ich will nicht alle Medien über einen Kamm scheren. Es gibt – dank Internet – eine große Auswahl an Informationsquellen. Blogger gehören auch dazu. Aber es ist schade, dass gerade diese Blogs die bezahlbaren Bio-Feinkostläden sind und die Massenmedien übersalzenen, einheitlichen Großküchenfraß servieren.
Wer nicht wirklich Acht auf seine “Ernährung” gibt, wird sprichwörtlich abgespeist mit Sattmachern.
Und am schlimmsten finde ich, dass ich hier von meinem eigenen Berufsstand rede.
Willkommen gefühltes Wissen!
Ein bisschen brain to go tut mir gut!
Mein Mann ist ein Praktiker. Vor seinem inneren Auge formieren sich Werkstoffe, Werkzeuge, Schrauben und Leisten zu einer praktikablen Lösung für jedes meiner haushaltlich-handwerklichen Probleme. Sein erstes Geburtstagsgeschenk an mich war eine selbstgebaute Staffelei, die so stabil ist, dass ich auf künstlerisch begabten Nachwuchs hoffen darf. Wenn es also im Haushalt ein Problem gibt, das schreinerisches oder allgemein handwerkliches Können erfordert, ist mein Mann genau der Richtige.
Ich bin eher der verbale, theroetische, musenbeflügelte Teil unserer Ehe. Lesen, Sprache, Kochen, Malen, all das sind Dinge, die ich dafür gut kann. Hätte mein Mann mich also in den Baumarkt mitgenommen, hätten wir uns heute morgen unsere dummen Gesichter sparen können. Allerdings gäbe es dann auch diesen Text nicht.
Auf Zehenspitzen stehend nämlich (noch ein Vorteil – ich hätte mindestens eine Bockleiter benötigt!) friemelte er in unserem Badezimmer an der Lampe herum und murmelte etwas von “LED-Leuchte mal ausprobieren…” und “…die soll 20 Jahre lang halten…”
Er hatte die kleine Birne grade an den dafür vorgesehenen Platz gebracht, als die hellen Fliesen in der Dusche ein zartes Schlumpfblau annahmen. Wir hatten beide noch nicht einmal Worte für unsere Verwunderung gefunden, als sich das satte blau in ein Giftgrün verwandelte. Unsere Köpfe drehten sich gleichzeitig zurück zur Lampe, wo sich gerade ein sonnenaufgangsgleiches Rot einstellte. “Hast du etwa aus Versehen eine farbige LED gekauft?” fragte ich unnötigerweise. “Äh…” sagte Herr Schatzi, “ja… nein… weil… siehste mal, ich hab gedacht, ich bastel Dir ein privates Spa mit Farbspiel unter der Dusche.”
Mein Mann ist ein Praktiker. Nur wenn es um Ausreden geht, wird er blitzschnell zum Theoretiker.
…begleitet mich ab sofort.
Ich habe lange darüber nachgedacht, wie ich mein Leben organisieren soll. Wie ich die Ideen festhalten soll, die dauernd aufploppen. Die virtuellen Post-its, die ich vor meinem geistigen Auge sehe und auf denen profane Dinge wie “Klopapier kaufen” steht. (Was sich übrigens, sollte man es vergessen, von einer profanen Kleinigkeit in ein ernstzunehmendes Problem verwandelt auf Dauer!)
Ständig lebe ich mit der Angst, etwas Wichtiges zu vergessen. Natürlich notiere ich mir Dinge in meinem Handy-Kalender mit Erinnerungsfunktion. Aber eben nicht alles. Manchmal auf dem Weg zur Arbeit inspiriert mich die Natur. Ich sollte am Wochenende die Rosen im Garten fotografieren, bevor sie verblühen. Während der Fahrt nehme ich es mir fest vor, nur um es vergessen zu haben an der nächsten roten Ampel.
Jetzt hatte ich eine INNOVATIVE Idee. Ich habe mir – unfassbar originell, nie dagewesen, unglaublich – ein Notizbuch gekauft.
Mit weißen Seiten.
Die ersten zwei Seiten sind schon voll mit “Auflaufform nicht vergessen”, “Spülmaschinentabs kaufen” und “Überweisung einwerfen” und ähnlich wichtigen Dingen. Ich kann – wenn ich mal wieder einen künstlerischen Anflug habe – Zeichnungen machen. Ideen festhalten.
Ich bin einfach nicht der Diktiergerät-iPhone-Blackberry-Typ.
Ich bevorzuge Papier. Und das haptische Habhaftwerden meiner Ideen.
Ich will bewusst das Büchlein nicht nur für Ideen oder Skizzen oder als Mahner und Erinnerer nutzen. Alles, was in meinem Kopf herumspukt und raus muss hat darin Platz. Ich bin sehr gespannt, wie ich damit klar komme. Auch wenn es vermutlich nicht immer hochgeistige Ergüsse sein werden.
Ich sag nu
Ich liebe meinen Papa. Ich erkenne mich in ihm wieder, er hat mir einige Charaktereigenschaften und nicht zuletzt auch die blauen Augen vererbt. Meinen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn habe ich ebenso von ihm wie die Gabe, verzeihen zu können.
Mein Papa war Zeit meines Lebens berufstätig. Gestresst, unterwegs, müde daheim.
Er entdeckt jetzt gerade sein Leben nochmal neu. Seit einem knappen Vierteljahr ist er im Ruhestand und tastet sich begeistert vorwärts in die neue Freiheit. Gräbt alte Wünsche aus. Holt “mach-ich-später-wenn-ich-Zeit-habe”-Pläne aus dem Schrank.
Letztes Wochenende rief er mich an. Ob ich diesen Samstag schon was vorhätte. Er würde gerne auf die Frankfurter Buchmesse fahren. Mit mir.
Natürlich fahr ich mit. Morgens um sechs zuckelt der Bus los (das heißt aufstehen um halb fünf…), abends um neun werden wir wieder daheim sein.
Ich denke seit Tagen darüber nach – wann habe ich das letzte Mal so viel Zeit allein mit meinem Papa verbracht? Ich glaube, noch nie. Wird Zeit.
Neues aus der Kategorie “hört ihr Euch eigentlich selbst zu?”…
“Bahnchef Rüdiger Grube hält den Widerstand der Gegner des Bahnprojekts “Stuttgart 21” für nicht gerechtfertigt. “Ein Widerstandsrecht gegen einen Bahnhofsbau gibt es nicht”, sagte er der “Bild am Sonntag”. Entscheidungen träfen in Deutschland die Parlamente (…)”
Quelle: Tagesschau.de
Wikipedia sagt:
“Das Parlament (von altfranz.: parlement „Unterredung“; franz.: parler „reden“) ist die Volksvertretung
Sind Demonstranten kein Volk, Herr Grube?
Ein mehrheitlich getroffener Beschluss ist das Eine. Einen Holzweg aus vermeintlicher Konsequenz zu Ende zu gehen, das andere.
Nachtrag zum Thema Vertreter des Volks:
Am 14. November 2007 wurden im Rathaus 61.193 gültige Unterschriften für einen Ausstieg der Stadt aus dem Projekt übergeben; notwendig waren 20.000. Der Antrag auf Zulassung des Bürgerentscheids wurde am 20. Dezember 2007 vom Stuttgarter Gemeinderat mit 45 zu 15 Stimmen mit der Begründung abgelehnt, dass er rechtlich unzulässig sei. Das Regierungspräsidium Stuttgart und das Verwaltungsgericht Stuttgart wiesen Widersprüche von Vertretern des Bürgerentscheids zurück.
Kennt ihr den Satzanfang? Ich benutze ihn immer noch oft in Gedanken. Ich werde gefühlt nicht groß. Ich warte schon über 30 Jahre drauf. Ich glaube, Älterwerden hat nicht mit körperlichem Verfall zu tun. Nicht nur. Altwerden fängt im Kopf an.
Wenn man anfängt, selbst Grenzen zu sehen. Das passt nicht mehr zu mir. Dafür bin ich zu alt.
Woran macht man das denn fest? Am Datum auf dem Personalausweis? Oder daran, wie andere einen wohl sehen? Muss die in ihrem Alter ein pinkes Schaf am Schlüsselbund tragen? Das ist doch kindisch. Nun ja, das ist doch eine Frage der Perspektive. Bin ich kindisch oder seid ihr verklemmt, erstarrt, ach so reif? Ich will nicht erwachsener tun, als ich bin. Ich will nicht im grauen Hosenanzug und mit knieumspieltem Tweed-Rock einkaufen gehen, wenn mir nach Mini, zerrissenen Jeans oder Chucks zumute ist. Nur weil ich mich von meinen Zwanzigern verabschiedet habe. Man kann doch nicht. Das tut man nicht. Sagt wer? Wer entscheidet, wer und wie ich bin, wenn nicht ich? Jemand anders? Das wäre grauenvoll. Ich will nicht behaupten, ich träfe grundsätzlich Bauchentscheidungen und würde mich kindisch benehmen. Ich weiß sehr gut was ich kann und was ich möchte. Ich habe Ziele vor Augen. Aber wer schreibt mir denn vor, dass die Straße dahin grade und betoniert sein muss? Es gibt auch einen verschlungenen, märchenhaft-abenteuerlichen Pfad durch den Dschungel. Dort entlang, wo es atemlose Lachanfälle gibt. Wo man Turnschuhe mit Pailetten trägt. Wo man eine Plüschgiraffe im Bett haben darf und pinke Schafe mit sich herumträgt. Wo man Regenschirme mit rosa Punkten und Telefone mit Federn am Hörer benutzt. Wo man sich dem, “was MAN tut”, gelegentlich widersetzt. Wo man den Stimmen in seinem Kopf mehr Glauben und Vertrauen schenkt, als den Stimmen derer, die meinen zu wissen, “was sich gehört in dem Alter”. Ich will nicht sagen, ich mag keine Konventionen. Ich bin nicht verrückter als ich mich traue zu sein. Ich bin Bausparer und fahre stets angeschnallt, ich esse ausreichend Salat und Gemüse und geh auch gern mal ein Stück zu Fuß. In vielen Bereichen bin ich die Vernunft und Disziplin in Person. In anderen bin ich wahlweise mal 5 und mal 14 Jahre alt und lasse das Kind in mir die Regie übernehmen. Pause vom Dasein der Angepassten.
Ein Plädoyer für mehr gedanklichen Ungehorsam.
Wir sind das Volk.
An diesen Satz musste ich heute morgen denken, als ich mir vom Sprecher der Polizeigewerkschaft und seinem unsäglichen Interview über die Proteste in Stuttgart die Laune verderben lassen musste. Was geht denn in diesem Land vor sich? Für wen wird denn Politik gemacht? Was ist Euer Auftrag? Ich scheine da was falsch verstanden zu haben. Politiker sind Vertreter des Volkes? Dann sind sie scheinbar blind und taub.
Seht ihr die Proteste gegen Stuttgart 21? Versteht ihr, dass Euer Volk zum Großteil nichts davon hält? Oder zumindest die Vorgehensweise – abgesehen vom Projekt selbst, über dessen Notwendigkeit und Umsetzung man sicher noch einmal reden könnte – unangemessen findet? Offenbar nicht.
Ihr haltet es für konsequent, eine einmal gefällte Entscheidung mit aller Härte durchzuziehen. Intelligenz und Größe haben aber imho nichts mit verbissener Sturheit zu tun. Mit der Scheuklappen-Methode, die seit Beginn beim Mappus-Gedächtnis-Bahnhof angewandt wird, habt ihr Euch in eine Sackgasse manövriert. Wenn man sein Gesicht verlieren würde, wenn man eine einmal gefällte Entscheidung nicht noch einmal überdenken kann, dann würden wir heute noch Hexen verbrennen und hätten die Berliner Mauer noch.
Ich könnte schreien, wenn ich den Pressesprecher der Polizei im Radio sagen höre, dass der Polizeieinsatz gestern völlig gerechtfertigt war. Was ist das für ein Land, in dem alte Damen und Schüler mit Reizgas bespritzt werden, weil sie ihren Unmut durch eine Sitzblockade äußern? “Wer sich einer Aufforderung der Polizei widersetzt, handelt alles andere als friedlich”, wurde ich heute morgen übers Radio aufgeklärt. Wer eine Seniorin mit Wasserwerfern aus dem Weg räumt handelt in meinen Augen alles andere als angemessen. Mein Verständnis von Rechtsstaat ist ein anderes. Ich krieg das große Kotzen wenn ich sowas hör.
…ich getan habe (vielleicht waren’s ja echt die Tröpfchen), aber die Erkältung hat auf dem Absatz umgedreht und ist verschwunden. Es geht mir wieder gut und ich fühle mich heute total energiegeladen. Als hätte ich Happy-Pillen geschluckt (vielleicht waren’s ja echt die Tröpfchen).
Hab in der kurzen Zeit, die ich jetzt im Büro bin, schon mehr geschafft, als gestern den ganzen Tag (vielleicht sind’s ja echt die Tröpfchen?).
Ich wünsch Euch nen schönen Tag! (Teelöffel und Tröpfchen holen geh…)