Schei* Technik…

…fluchte ich gestern vor mich hin. Als ich in Vorfreude auf den Feierabend in die Tiefgarage zu meinem gelben Flitzer eilte und mit diesem zwei Minuten später vor geschlossenem Rolltor stand, das sich auch nach gutem Zureden und nach Betätigens aller Knöpfe nicht öffnen wollte.
Ein herbeigerufener Techniker (umdrehen, zurückfahren, parken, drei Stockwerke hochspurten, telefonieren) versicherte, sich gleich auf den Weg zu machen. Ein lieber Kollege wollte sich das Malheur parallel dazu ansehen. Und kam mit der frohen Botschaft zurück – Tor ist offen. Geht zwar nicht mehr zu, ist aber immerhin offen. Bei meinem zweiten Anlauf (Telefonat mit dem Techniker ergab, dass dieser schon auf dem Weg ist, drei Treppen runter, Garagentür auf) musste ich leider feststellen – Tor ist wieder zu. Der herbeieilende Techniker schließlich spart sich dankenswerterweise Kommentare über die unheilige Verbindung von Frau und Technik und erklärt mir “chchadd eifach Wackla.” Und gibt dann etwas nebensächlich zu Protokoll “dass fieleicht Kollege chchadd vergesse Notaus aussumache.”
Ahso. Sesam öffne Dich. Wenn auch auf Umwegen.

Du Horst!

Es gibt für mich ein neues Synonym für “beleidigte Leberwurst”. Künftig werde ich sagen “Jetzt spiel doch nicht den Horst”.
Ich kommentiere die aktuelle politische Lage wirklich ungern. Aber im Fall von Horst Köhlers Rücktritt mach ich glatt ne Ausnahme.
Als er sein Amt aufgenommen hat, titelte die Bild: “Horst wer?”, jetzt schreibt sie “Horst weg!”.
Warum hat er so plötzlich sein Amt hingeschmissen? Doch nicht allen Ernstes, weil er kritisiert wurde? Er selbst fühlt sich angegriffen wegen seiner falsch verstandenen Äußerungen zum Militäreinsatz. Zur Durchsetzung nationaler Handelsinteressen.
Aha. Warum stellt er dann nicht klar, was er meinte? Kein Stift zur Hand? Kein Mikro in Reichweite? Pressesprecher im Jahresurlaub in Südafrika?
Kann der Arme sich denn nicht verbal wehren? Nein, er schmeißt die Schaufel in den Sandkasten und stapft beleidigt von dannen.
Und die FDP benimmt sich wie die Übermutter. Marschiert finster dreinblickend zum Sandkasten und schimpft mit den anderen Kindern. “Ihr sollt den Horst nicht so fertig machen. Lasst ihn halt in Ruhe. Er meint das nicht so. Jetzt sitzt er in seinem Zimmer und schmollt. DENKT MAL DRÜBER NACH, WAS IHR DA GESAGT HABT!” Armer Horst.

Ich finde, auch und gerade ein Bundespräsident muss sich Kritik stellen. Wer im Iglu lebt, muss Kälte abkönnen. Die Opposition habe mit ihrer harschen Kritik Respekt an seinem Amt vermissen lassen. Wer beim kleinsten Luftzug umfällt und davonläuft, schadet dem Ansehen seines Amtes selbst viel mehr.

Voll im Matsch…

…steckte mein linker Ballerina vorhin beim Sprung über eine feuchte Wurzel, bzw. nach Landung hinter dieser.
Geocachen kann so schön sein. Wir haben uns heute eine gemütliche Runde vorgenommen, dem Wetter getrotzt und von Platschregen über Sturm bis strahlender Sonne alle Wetterlagen miterlebt. Der Wetterbericht erzählt grade, dass uns nächste Woche fast 30 Grad erwarten. Lässt ja hoffen.
Meine persönlichen Aussichten für die nächsten Tage: Heiter und sonnig. Die Woche ist kurz, ich hab am Freitag frei, wir haben am Dienstag ersten Hochzeitstag, ich habe ein wichtiges Softwarepaket bekommen ( @ Norbi! ), mein Computerkurs lief prima gestern… nur bin ich jetzt so müüüüde…
Könnte daran liegen, dass wir um viertel nach zehn noch aus dem Haus gegangen und erst um halb zwei ins Bett gefallen sind. Und heut den ganzen Tag durchs Unterholz getigert sind.
Jetzt heißt es – anstehende Arbeiten in kleine, verträgliche Häppchen aufteilen… Schönen Sonntag Euch noch!

Zu viel Organisation…

…ist auch nix.
Ich hab eine neue Zeit für mich entdeckt. Die frühen Morgenstunden. Seit ich neulich morgens um halb sechs aus unerfindlichen Gründen ausgeschlafen aus dem Bett gekullert bin und noch so viel Zeit übrig hatte, dass ich Klamotten aufräumen und mein Bad putzen konnte, habe ich aus der Schlaflosigkeit eine Tugend gemacht.
Meine Aufwachphase eine halbe Stunde vorverlegt. Mit dem Ergebnis, dass ich besser aus dem Bett komme und morgens richtig viel gebacken bekomme.
Gestern morgen zum Beispiel habe ich beide Bäder geputzt und Betten gemacht, den Kleiderschrank einsortiert und Wäsche abgehängt, eine Waschmaschine beladen und den Trockner ausgeräumt. So blieb mir heute nur noch, alles zu staubsaugen, ein bisschen Staub zu wischen und die Küche auf Vordermann zu bringen. Ich möchte fast sagen, es läuft entspannt.
Viel zu entspannt.
Denn seit ich nicht mehr unter Strom stehe, fallen mir tausend Dinge ein, die ich ja jetzt anfangen könnte. Wo ich ja jetzt sowas wie Freizeit habe.
Ich fühle mich wie der rosarote Hase aus der Duracell-Werbung. Und das ist leider meistens der erste Schritt in ein neues Chaos.
Kann mich bitte wer bremsen?!

Deutsche Sprache…

…ist so lustig, wenn unsere Mitarbeiter sie benutzen, um mir E-mails zu schreiben!

“Hallo Frau Venus!

Wie wird der Sommer geht?

Erinnerst du dich, wenn Mr.XY wollte mein Geld zurück zu geben? War es nicht im Juni?

Vielleicht könnten Sie in Kontakt nur für den Fall vergaß er bekommen?

Hoffe es geht alles gut da. Ich hörte die Sonne ist zurück nach XY-stadt.”

Mein Spanisch ist hoffentlich besser als sein Deutsch. Aber ich freue mich über seine Bemühungen.

Warum nur…

… hat mir keiner gesagt, dass der Kaminkehrer heut kommt? Auf der Suche nach der Herkunft dieser komischen Klopfgeräusche stand ich plötzlich nackt vor Kaminkehrer und Schwiegervater.

… stellt sich die Polizei zum Blitzen seit WOCHEN an die selbe Stelle? In eine langgezogene Linkskurve? Nicht genug damit, dass man den weißen Bus mit aufgeklappter Heckklappe schon aus zwei Kilometern Entfernung sieht, die Beamten stehen auch noch zu dritt in neongelben Warnwesten daneben.

… verschwindet die Sonne immer dann, wenn man sich grade auf schönes Wetter eingestellt hatte?

… kann ich keinen Tatort im Liegen angucken? Ich lag gestern keine zwei Minuten auf dem Sofa, als ich eingepennt sein muss. Schatzi hat mich um viertel nach elf geweckt und ich bin ins Bett getapert. Na toll, wenn ich mir mal einen Abend “frei” nehme, verschlaf ich ihn prompt.

… gi

Viereinhalb Stunden…

…in der Küche gestanden hab ich gestern.

Ich nehme mir ja immer wieder vor, öfter groß zu kochen, nur leider komme ich dann nie dazu. Gestern habe ich mir einfach spontan Essensgäste eingeladen, so dass ich keine Ausreden mehr hatte.

Es gab erst einen Feldsalat mit bunten Paprikasprenkeln, dann einen Rinderschmorbraten mit schwäbischen, hausgemachten Spätzle, Rotkohl und Soße und danach ein Tiramisu. Lecker war’s. Für seinen Mann und Freunde zu Kochen, ohne dass man dabei Handlanger für Schnibbelarbeiten rekrutiert, ist sicher auch total unemanzipiert.

….

Cooking for friends is fun!

Das Fossil – weitergedacht…

…Nachtrag zu gestern – “die Jungs haben verloren”. Auch das ist ein Satz, der mir von der Diskussion über das Rollenbild in Erinnerung geblieben ist. Wenn es also derzeit so ist, dass Männer mehr und mehr den Haushalt übernehmen müssen, ihre Hemden selbst bügeln und ihre Frauen Karriere machen lassen… was ist dann anders als in der Generation meiner Mutter und meiner Oma? Das selbe Spiel, vertauschte Rollen. Und was ist damals passiert? Es hat sich eine Emanzipationsbewegung in Gang gesetzt, die offenbar jetzt darin mündet, dass Männer “verloren” haben und selbst kochen, bügeln und waschen müssen.
Verlieren kann aber nur, wer sich im Kampf befindet. Für mich ist das kein erstrebenswerter Zustand.
Was wohl als nächstes passiert? Wie lange dauert es noch, bis sich eine E-Mann-zipation formiert? Das gleiche Spiel, nur wieder rückwärts?
Wollen die Alphamädchen das?
Ich glaube, dass die, die sich heute damit brüsten, einen Mann Zuhause zu haben, der den Haushalt schmeißt, sich auf den falsch verstandenen Lorbeeren ihrer Mütter ausruhen. Emanzipation wollte die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Keine Hausmänner, die kuschen, wenn ihre Frau den Putzlappen nach ihnen wirft.

Ich bin ein Fossil.

Eine Zeugin längst vergangener Zeiten. Gestrandet zwischen “neuen Frauen”. So komme ich mir wenigstens heute vor.
Auslöser dieses Gefühls war die simple Bemerkung einem Kollegen gegenüber, er solle sich doch nicht die Hemdsärmel bis zum Ellbogen krempeln, die seine Freundin vorher mühevoll gebügelt habe.
Er bekam einen ans Hysterische grenzenden Lachanfall und erklärte mir, als er wieder zu Atem gekommen war, dass er allenfalls SELBST bügle, aber dass seine Freundin für ihn noch kein Bügeleisen in die Hand genommen hätte. Als ich dann einen zufällig vorbeikommenden anderen Kollegen fragte, ob seine Freundin denn die Hemden für ihn bügle, guckte er mich an, als hätte ich ihn gefragt, ob seine Freundin Bart trägt. Eher, so meinte er, würde er ein Bügeleisen an den Kopf bekommen, würde er es wagen, sie um die Plättung seiner Wäsche zu bitten.
Eine Kollegin schließlich versetzte meinem grade auf die Knie sinkenden Selbstbewusstsein schließlich den Todesstoß, indem sie mir erzählte, dass sie sogar getrennt voneinander Wäsche wuschen.
“Aber wenn ihr so damit zurecht kommt, dann ist es doch in Ordnung für Euch”, waren ihre letzten Worte, bevor sie milde lächelnd in ihr Büro verschwand. Und ich? Fühle mich be-lächelt. Weil ich für meinen Mann nicht nur die Wäsche wasche, ich lege ihm auch die Socken zusammen und in die Schublade, putze unsere Wohnung und schüttle sein Kopfkissen auf. Ich kaufe ein und sauge Staub, ich putze Fenster und wechsle Bettwäsche, ich schrubbe Badfugen und lüfte Räume. Ich. Nicht er.

Was ist Emanzipation? Muss mein Mann überall da mitmachen, damit ich mich emanzipiert fühlen kann? Muss ich ihm, wenn er um neun von seiner Imkerei nach Hause kommt, verschwitzt und verklebt, den Staubsauger in die Hand drücken und ihn mit dem Putzplan wedelnd auf seine Pflichten hinweisen?
Fühle ich mich dann besser? Sie sei eben ein Alphatier, meinte meine Kollegin. Das Wort begleitet mich seither. Alphatier.
Wikipedia sagt:
“Alpha-Tier bezeichnet in der Verhaltensforschung das Leittier einer Herde oder eines Rudels. Alphatiere sind in der Regel die kräftigsten, erfahrensten und aktivsten Tiere der Gruppe. (…)
Der Begriff Alpha-Tier bezieht sich auf Alpha, den ersten Buchstaben im griechischen Alphabet: Alpha-Tiere sind also die „ersten“ (sprich: in der Rangordnung am höchsten stehenden) Tiere ihrer Gruppe.”

Das beruhigt mich. Denn erstens führen wir eine Ehe und kein Rudelleben und zweitens würde Alphatiersein bedeuten, dass ich das ranghöhere Tier in unsere Ehe bin. Und mein Mann ein Betatier, also mir untergeben.
Grausige Vorstellung. Wir stehen auf Augenhöhe, so sieht man sich sprichwörtlich besser, als wenn einer von oben auf den anderen herabguckt. Und drittens steht da auch, dass Alphatiere die aktivsten und erfahrensten sind. Nicht die, die die Arbeit gerne andere erledigen lassen, um sich mehr “alpha” zu fühlen.

Je länger ich drüber nachdenke, desto emanzipierter fühle ich mich, weil ich diesen ganzen “ich-bin-so-emanzipiert-weil-mein-Mann-den-Haushalt-schmeißt”-Kram offenbar nicht nötig habe. Ich definiere mich nicht über den Gebrauch eines Putzlappens und selbiger degradiert mich auch nicht zur Putzfrau. Wenn man sich seiner geistigen Fähigkeiten bewusst ist und weiß, was man kann, fühlt man sich auch vom Hemdenbügeln nicht in seiner Ehre gekränkt. Allen Alphatierchen kann ich nur sagen – ein Alphatier hat jedes Rudel nur eines. Ganz schön einsam da oben, oder? Ich denk noch ne Weile drüber nach. Nur nicht jetzt. Die Waschmaschine pfeift.