Veränderungen…

…oder besser gesagt Entwicklungen, die es festzuhalten gilt: am 13. Februar hab ich die Kleine das letzte Mal angelegt. Seither wird offenbar keine Milch mehr produziert. Das ist für mich ok, weil ich nicht mehr ständig aufpassen muss, einen schmerzhaften Stau zu bekommen. Auf der anderen Seite ist damit unwiderruflich die Stillzeit vorbei, die ich, in der Zeit, in der es gut geklappt hat, genossen habe. Unser Kind hat mir aber sehr deutlich gemacht, dass es so nicht weitermachen mag. Sie war quengelig, unzufrieden und hat abgenommen. Dafür dann heute Nacht: um halb zehn hat sie geschlafen, hat um halb vier mal nach dem Schnuller verlangt und wollte um kurz vor sechs erst wieder trinken. Ein sattes Kind schläft besser. Und ich erst. Für euch mag es langweilig oder unbedeutend sein, für eine frische Mama sind es Meilensteine!
Und mal ehrlich, guckt sie nicht zufrieden ausser Wäsche?

Defizite…

… Werden gerade offenkundig im Hause Venus. Und zwar auf väterlicher Seite. Ich will ja gar nicht jammern. Mein Mann ist durchaus vielseitig begabt. Er kann Nudeln kochen und Fläschchen machen, mit Bohrmaschine und Kreissäge umgehen, imkern und argumentieren, wickeln, trösten und Feuer im Kamin machen. Nur eins kann er nicht, so sehr er sich bemüht: Schleichen. Wir gehen abends ins Bett in unserem Schlafzimmer, wo Minivenus seelig schlummert. Während ich mich traumwandlerisch sicher und so geräuschlos wie die Wollmäuse unterm Schrank durch den dunklen Flur bewege, folgt mir ein raschelndes Schlurfen von zu langen Hosenbeinen auf Teppich. Wenn wir die Tür erreicht haben schlüpfe ich tonlos hindurch, umrunde die Wiege, werfe einen letzten zärtlichen Blick auf das schlummernde Kind im diffusen Schein des Nachtlichts und schlüpfe unter meine Decke.
Mein Mann dagegen rempelt zunächst die Tür mit dem Fuß an, die gegen die Schranktür scheppert. Das Kind grunzt. Der Mann muss lachen und rennt zurück in den Flur, wo er sich prustenderweise noch von weitem anhört wie der blaue Elefant aus der Sendung mit der Maus. Er schlurft zurück und bemüht sich erneut möglichst leise den Stecker des Babyphones zu ziehen. Das Kind raschelt in seinem Schlafsack umher. Um zu gucken, ob es noch schläft, zündet der Gatte die Taschenlampe des iPhones an und richtet den Strahl in die Wiege, die jetzt ähnlich anheimelnd erstrahlt, wie die nächtliche Einflugschneise des Stuttgarter Flughafens. Das Kind murrt. Der Vater leuchtet sich seinerseits den Weg ins Wasserbett, in das er sich gewiss so elegant wie möglich aber mit vernehmlichem Gluckern plumpsen lässt und flüstert in Zimmerlautstärke seiner im gleißenden Schein des 1000 Watt iPhone Flutlichts augenrollenden Frau zu: WAS denn? Ich war doch total leise…

Und ich besinne mich ganz schnell darauf, dass der Umgang mit Hammer und Nägeln und die Fähigkeit zum Wickeln, anziehen und trösten mehr Wert sind als der geräuschlose Zehengang und gebe ihm einen Gutenachtkuss. Auch der beste Mann kann nicht alles können. Und der Rest ist schon ganz ordentlich.

Dinge…

…die ich nie nie nie tun wollte und doch getan habe.

1. meinen Mann mit Papa anreden. Schnell wieder abgewöhnen, geht gar nicht.

2. In Babysprache zu säuseln. Ja hat das Mausekind das Bauchi voll? War die Milch sooo feiiiin? Und jetzt? Tut das Mausekind mit dem Fanti schön Heia machen?
Man kann nicht anders.

3. Spaghetti im Teller kleinschneiden, weil man sie einhändig besser löffeln kann. Der Hunger lässt Prinzipien bröckeln.

4. Ohne einen letzten Blick in den Spiegel das Haus verlassen. Wird schon alles richtigrum angezogen sein.

5. Ein Shirt mit vollgespuckter Schulter nicht umgehend auszuziehen. Da kommt eh noch mehr dazu…

6. Nudeln mit Ketchup zu essen. Akut unlustiges Kind, akut Hunger. Man wird flexibel.

Mir fällt jeden Tag was Neues auf… Ich bin so inkonsequent, aber nennen wir es einfach pragmatisch, ok?

Es geschah…

…gestern Abend im dunklen Schlafzimmer…(wer jetzt Schweinkram erwartet, wird gleich enttäuscht sein!)
Ich öffnete einen Cremetiegel einer bekannten Marke, deren Name fast wie Niveau aussieht. Ich holte tief Luft und sog den charakteristischen Geruch ein. Und da waren plötzlich Bilder, die 20 Jahre alt sein mussten. Ich als Teenie beim sonntäglichen Beautyritual. Baden und Eincremen. Ein einziger Atemzug förderte Geschichte zutage, meine Geschichte. Weil der Geruch so untrennbar mit dem Erlebten zusammenhing. Mit ein bisschen Drübernachdenken fielen mir noch weitere Orte, Menschen, Begebenheiten ein, die ich “riechen ” kann.

In meiner ehemaligen Redaktion, in der ich neulich mal wieder mit der Kleinen auf Besuch war, riecht es nach Zeitung. Nach Teeküche, Teppichboden, Wochenenddienst und Papier.
Wenn jemand an mir vorbeigeht und ein bestimmtes Parfum trägt, fühle ich mich sofort in das elterliche Wohnzimmer meiner besten Freundin versetzt, höre eine Standuhr gongen und halte eine Tasse Schwarztee in der Hand.
Und jetzt frage ich mich: wonach riecht es bei uns? Nach Schwedenofen? Nach nichts? Nach Baby? Kann mich jemand anders riechen (und ich möchte damit nicht die Funktionalität meines Deos testen) und rieche ich individuell? Oder eigenartig?
Wenn ihr Euch fragt, wie schwurbelig ein Blogeintrag morgens um halb acht sein kann, dann wisst ihr jetzt: sehr. Vielleicht ist es auch der Bananenjoghurt, der vor mir steht und mit seinem Duft meinen Verstand beeinträchtigt, so bananig, wie die Banane, die ich in meiner Schwimmtasche vergessen hatte, wie der Fruchtzwerg, den ich morgens um sechs löffeln musste, um einen Pipibecher für meinen Schwangerschaftstest zu haben, wie… Ich hör ja schon auf.
Aber interessieren würd’s mich doch: hat noch jemand ein olfaktorisches Fotoalbum im Kopf? Muss auch nicht Banane sein.

Hier…

…spukt es. Jedenfalls ist das die einzige Erklärung für diverse Dinge, die hier vor sich gehen. In meinem Haushalt tauchen Dinge auf. Aus dem Nichts. Gestern Abend fand ich wieder so ein Subjekt. Auf der Suche nach UNO-Karten, die ich bezeichnenderweise nicht fand, fiel mir zuoberst auf dem Stapel ein Cluedo-Spiel in Buchform in die Hände. Ich hätte Stein und Bein geschworen, kein solches Spiel zu besitzen oder jemals besessen zu haben. Aber es liegt leibhaftig im Schrank. Ich habe gerade nochmal geguckt. Es liegt noch immer da. Unschuldig, als wäre es schon immer da. Und beim Nachdenken über das Auftauchen des Brettspiels, das ich noch NIE gesehen habe, NIE! fielen mir noch weitere Dinge ein, deren Herkunft mir schleierhaft ist. Ich besitze mindestens drei Bücher, die ich neulich erstaunt im Regal gefunden hatte beim Abstauben, die ich nie gelesen habe. Das allein ist kein Grund an paranormale Aktivitäten zu glauben, denn selten verlasse ich einen Buchladen ohne Buch, was aber nicht heißt, dass jedes Buch sofort gelesen wird. Aber ich konnte mich bei dreien weder an das Cover, noch an die Gelegenheit erinnern, als ich sie erstanden hatte. Und beim Lesen des Klappentextes wusste ich schon gar nicht, warum mich diese Bücher einmal zum Kauf verleitet hatten. Weil ich nicht ausschließen kann, dass ein gütiger Mensch sie mir geschenkt haben könnte, sollen die Titel hier lieber unerwähnt bleiben, nur soviel: es sind Bücher aus der Rubrik “Freche Frauenromane”, also jenem Regal, das ich in Buchhandlungen normalerweise tunlichst meide. Sie sind da und fristen ihr unangetastetes Dasein zwischen vielgelesenen, eselsohrigen, abgeliebten Büchern.
Soviel dazu. Und dann gibt es noch den umgekehrten Fall. Ich vermisse einen Schuh. Ja ich weiß, man verliert Ohrringe und Schlüssel, die Orientierung und die Unschuld, aber Schuhe?! Es handelt sich um einen lackroten Plateau-peeptoe mit Fesselriemchen. Einer ist noch da. Der Linke. Ich habe schon alle Schränke und Schubfächer und Schuhschränke durchgesehen. Der dazugehörige Rechte ist auch nicht in meinem Kofferraum, wo sich schon etliche Paare wieder gefunden hatten. Er ist einfach weg. Und ich weiß nicht, wo ich einen einzelnen Schuh verloren haben könnte, da ich mich an keine Gelegenheit erinnere, zu der ich einbeinig unterwegs gewesen wäre.

Und gestern Abend kam mir die Erleuchtung! Es muss mit dem schwedischen Möbelriesen zu tun haben und dessen Schrankmodell Brömbömbör. Das Ist gar kein Schrank, sondern ein Reiseportal für unbenutzte Dinge! Bestimmt hatte der eine Schuh sich mit dem anderen unterhalten über das lange Ungetragensein im Winter und die große Konkurrenz und beschlossen, sich auf den Weg zu machen in eine andere Wohnung, wo man seine grazienhafte Unbequemlichkeit eher zu ertragen wusste als bei mir! Den anderen würde er nachholen, wenn er ein gutes Zuhause gefunden hatte!

Wenn ihr also mit der ganzen Familie am Spieltisch sitzt und Euch auf einen spannenden Cluedoabend freut, euch aus dem Spieleschrank von ganz hinten neben der Monopolyschachtel aber nur ein roter Lackschuh anlächelt, dann seid so gut und meldet Euch! Ich tausche das Cluedospiel gerne zurück. Ich lege sogar noch einen frechen Frauenroman drauf. Versprochen.

Blogland …

…und facebook…
Angeregt durch bellydancers Gedanken über facebook und dessen Auswirkungen auf unser tatsächliches Sozialleben, bin ich ins Grübeln gekommen. Ist bloggen nicht ebenso Selbstdarstellung, wie facebookposts? Wenn ich auf facebook lese, dass sich Bekannte gerade am Münchner Flughafen befinden auf dem Weg in die Karibik, nehme ich dies zur Kenntnis und denke mir, dass das eigentlich keine Sau interessiert. Frage mich, wieso man so etwas für so bedeutsam hält, dass man es mit 400 Freunden teilen muss. Wozu, wenn nicht um damit anzugeben? Andererseits… Tun wir Blogger nicht dasselbe? Nur ausführlicher? Erzählen wir uns nicht, was wir alles Tolles erleben und haben?
Doch, tun wir. Aber – ich kann nur von mir ausgehen – wir teilen auch Schattenseiten. Wir erzählen uns die Dinge, die uns nerven, traurig oder wütend machen. Wir teilen uns mit in unserer Hilflosigkeit einer Krankheit gegenüber oder wenn wir Menschen verloren haben. Und je länger ich übers Bloggen nachdenke, desto mehr staune ich. Gerade weil wir uns die Hochs und Tiefs erzählen, habe ich das Gefühl, meine Blogfreunde zu kennen. Auch wenn ich viele noch nie gesehen habe. Auf facebook bin ich nur befreundet mit Menschen, die ich im echten Leben persönlich kenne. Und doch weiß ich von vielen von ihnen nicht einmal halb so viel wie von Euch.
Und wenn wir uns persönlich treffen, haben wir irgendwie schon eine gemeinsame Geschichte, weil wir Einblicke in unser Leben geben und bekommen. Wir teilen sogar Insiderwitze wie alte Kumpel, ich sag nur Chicoree mit Zimt oder lasches Haar und die Richtigen werden sich angesprochen fühlen und grinsen.
Über mein Blog habe ich schon Menschen kennen lernen dürfen, die ich im echten Leben niemals getroffen hätte. Über facebook bin ich mit Leuten befreundet, die ich im echten Leben zwar kenne, mit denen mich aber kaum persönliches verbindet. Facebook ist eine Art Fenster, auf dessen Sims wir nur die schönsten Blumen stellen. Mein Blog ist dagegen die Tür, durch die man mir viel näher kommt. So. Das waren philosophische Ansichten bei Sonnenaufgang. Ich hoffe, ich darf noch ganz lang Teil Eurer Welt bleiben, ihr würdet mir verdammt fehlen!

Ein spektakulärer…

…Tag im Leben von Frau Venus.
Gebt es zu. Es hat euch doch schon immer brennend interessiert, was Frau Venus den ganzen Tag so treibt. Wusste ich’s doch.

Mein Tag in Bildern. Extra für Euch.

08:15
Die Kleine hat mich ausnahmsweise nochmal wieder einpennen lassen nach dem gefühlten fünften Frühstück um halb sieben.
Dann aber nix wie ins Bad und ne saubere Mama gezaubert.

Dann ist das Minikind soweit wach, dass wir uns Gedanken über die Minigarderobe machen können. Und ne frische Windel und ne gehörige Portion Rumgeblödel gibbet auch:

10:00
Die Kleine döst noch ne Runde, für Mama gibt’s endlich…

12:00
Der Morgen ist ruckizucki rum und es wird Zeit zu kochen.

Tagesgericht heute? Pasta alla verdure. Mjam.

Die Äuglein fallen erneut zu…

…und das heißt für mich, Zeit für:

und (blöderweise) auch für:

18:00
Und nach genügend Spielen und Glucksen und neuen Eindrücken geht das Venuskind ins Bett…

…und Mama legt endlich die Beine hoch.

Unglaublich aufregend, ne? Und Euer Tag so?

ABC – Teil 7

Ein konfuses Leben macht konfuse Gedanken und konfuse Gedanken stehen einem zusammenhängenden, in sich schlüssigen Blogbeitrag meistens im Wege. Daher Splitter in ABC-Form, wie gewohnt.

A… wie Auto. Mein gelber Flitzer. Alle fünf Tage hatte ich die Tankstelle angesteuert. Weil fünfhundert Kilometer in der Woche (ohne Wochenende) doch ne Menge sind. Jetzt fahre ich einen pfefferminzgrünen Opel Corsa. Weil der gelbe Flitzer den Kindersitz als Beifahrer nicht leiden mag und hinten keine Sitze hat. Also gurkt Frau Venus mit dem grünen Drops ihrer Frau Mama durchs Leben, wobei Letztere die Cabriosaison kaum erwarten kann, weil sie dann mal das gelbe Dach aufmachen darf. Wobei gurken ist gemein, der Kleine hat fast 100 PS. Trotzdem vermisse ich den hübschen Gelben.

B… wie Babypost. Man glaubt es nicht. Seit die standesamtlichen Nachrichten die frohe Kunde der Geburt unserer Tochter hinausposaunt haben, trudeln hier merkwürdige Briefe ein. Gutscheine vom Spielwarenladen leuchten mir ja noch ein. Auch dass der “Christliche Laden der Region” uns eine Taufkerze andrehen will, ist halbwegs erklärbar. Skurril finde ich hingegen den Gutschein für eine Kiste Sprudel. Als ob wir ohne Kind nur von Schnaps gelebt hätten. Hm.

C… wie chaotisch. Wird es zugehen in meiner alten Firma. Hört sich immer noch komisch an. Mein ehemaliger Arbeitgeber, der die Türen zugemacht hat. Meine arme Vertretung muss die nächsten Tage und Wochen Kündigungen schreiben und Arbeitszeugnisse und allen Behördenkram abwickeln. Meine Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei ihr. Es lebe der Pathos. Hach.

D… wie durchschlafen. Wann habe ich das letzte Mal durchgeschlafen? Ich hätte die Nacht zelebriert, wenn ich gewusst hätte, wie es sich anfühlt, zweimal nachts eine halbe Stunde von einem kleinen Milchvampir vom schlafen abgehalten zu werden. Halb drei ist so gar nicht meine Zeit. Aber die der Kleinen. Das Kindswohl geht vor. Trotzdem – ich freue mich auf den Tag, bzw. die Nacht, in der sie DURCHschläft.

E… wie Elefant. Fast hätte ich die kleine Spieluhr verschenkt, weil wir fünf Spieluhren bekommen haben und kein Kind FÜNF Spieluhren haben muss. Zumal sich die musikalische Ausbeute auf Einschlaf-Lieder beschränkt. Und jetzt liebt sie die Kleine heiß und innig. Ich bin dafür, dass mal jemand eine Spieluhr baut, die Highway to hell spielt. Echt jetzt. Ich würde dann auch noch ne sechste kaufen.

F… wie Fussel. Mein Kind ist ein Fusselmagnet. Ich habe keine Ahnung, wie diese kleinen blauen, grauen, braunen, beigen Fusselfäden immer in diese Patschehändchen kommen, die ja noch gar nicht so viel greifen. Aber sie sind da. Jeden Abend. Und Mama putzt die Fingerchen jeden Abend sauber. Und wundert sich.

G… wie Gäste. Erinnert sich noch jemand dran, dass ich mich ausgekotzt habe in den ersten Wochen nach der Geburt? Hinz und Kunz und deren entfernte Verwandte haben uns besucht um das Jesuskind zu sehen und ihm Gaben darzureichen. Und jetzt? Jetzt kommt keine Sau mehr. Pfh.

H… wie Himbeerblättertee. Ich frage mich ernsthaft, ob ich meine Druiden-Tees jetzt trinken soll. Ich habe wehenfördernde, wehenhemmende und allgemein schwangere Teemischungen. Ich könnte sie ja mischen und gucken, was dabei raus kommt?!

I… wie Ideen. Mal hab ich ganz viele davon, mal keine Lust, sie anzupacken, mal keine Zeit, mal bin ich einfach überrollt von ihnen. Ich mindmappe schon, um den kleinen Duracell-Hasen in mir in eine vernünftige Richtung zu lenken. Mal sehen, wann ich weiß, womit ich wie anfangen will…Bis dahin schreibe ich alles auf, was mir so einfällt. Falls mir in dreiunddreißig Jahren dann mal langweilig ist.

J… wie Jon Bon Jovi. Kam im Radio und das Kind begann plötzlich zu strahlen und zu glucksen. Herrjeh.

K… wie Konsum. Was bin ich sparsam. Ich komme außer im Lebensmittelladen nicht großartig in Versuchung, Geld auszugeben. Selten war ich so genügsam wie in diesen Tagen. Und interessanterweise macht es mir gar nichts aus. Zeiten ändern sich.

L… wie Langeweile. Ich beklage mich ja gar nicht. Langweilig ist einem als Mama eines dreimonatigen Kindes eigentlich nie. Aber manchmal fehlt mir dann ganz plötzlich eine Beschäftigung und sowas führt bei mir zu den skurrilsten Ideen. Ich ertappte mich neulich dabei, wie ich mir eine Anleitung im Internet ansah – Thema: Kleiderbügel umhäkeln. Nach fünf Reihen kam ich wieder zu mir und packte das Gefrickel verschämt beiseite. Was kommt als nächstes? Altpapier nach Datum sortieren?

M… wie Mamasein. Noch nie war mein Leben so sorgenschwer und verantwortungsbeladen aber gleichzeitig so reich und beglückt.

N… wie Nickerchen. Willkommene Unterbrechung der Tagesroutine. Ich kann mittlerweile immer schlafen, wenn das Kind es tut. Ich kann quasi den Kochlöffel beiseite legen und mich auf die Couch und penne innerhalb von fünf Minuten ein. Sehr effizient. Nur meistens will das Kind genau dann aufstehen, wenn ich gerade mit George Clooney shoppen bin. Daran arbeiten wir noch.

O… wie Oma. Leider noch immer sehr schlimm. Schluckt nicht mehr, guckt nicht mehr, will nicht mehr sein. Und vegetiert vor sich hin und wartet, dass sie endlich sterben darf. Für sie ist es sicher schlimm aber für uns auch.

P… wie Porto. Wenn die Post schon 3-Cent-Briefmarken auf den Markt bringt, warum so HÄSSLICHE?

Q… wie Quatsch. Meine Tochter liebt es, wenn sich Mami für sie zum Horst macht. Und ich kann endlich so sein, wie es meiner Natur entspricht. Hemmungslos albern. Ha.

R… wie Rückbildungsgymnastik. Ja, wir lassen den Aufzug fahren. Und die Murmeln rollen. Wir tun allerhand Dinge, die für Außenstehende lustig aussehen müssen. Und weil wir dies abends tun und draußen dunkel und drin hell und die Fenster ohne Vorhänge sind, wundert sich vermutlich so mancher Passant. Noch zweimal, dann bin ich soweit rückgebildet, dass ich hoffentlich KEIN Kandidat für die Seniorenwindel werde.

S… wie Struktur. So langsam bekommt mein Alltag wieder eine. Der kleine Mops fügt sich ein in mein Leben, das ich vorher mal hatte. Ich kann wieder ein ganzes Gericht kochen und warm essen mit Messer und Gabel, weil das Kind so lange brav ist. Ich kann auch wieder die ganze Wohnung putzen, ohne alles stehen und liegen lassen, weil ich ein schreiendes Bündel den Flur auf und ab tragen muss. Mist. Wenn ich’s mir recht überlege – kochen und putzen habe ich gar nicht sooo vermisst.

T… wie Taufe. Steht bevor und ich freu mich drauf. Die Einladungen sind im Werden und der Pfarrer hat sich zum Gespräch angekündigt. Wenn ich jetzt wüsste, welche Größe das Kind am Ostersonntag trägt, würde ich Kleidchen bestellen und mich herzallerliebsten Schleifchenorgien hingeben. Aber die leise Stimme der Vernunft in mir rät mir, noch zu warten.

U… wie Urlaub. Irgendwann dieses Jahr gehen wir vielleicht zum ersten Mal zu dritt in den Urlaub. Vermutlich werde ich unsere Wohnung einpacken, damit Mademoiselle ja nichts vermisst. Oder wir warten einfach noch auf den nächsten Sommer. Städtereisen sind wohl erstmal gestrichen.

V… wie Viehzeugs. Ok, ein wenig weit hergeholt. Aber natürlich bekommt das beste Kind der Welt kein Kinderbilderbuch von der Stange. Mama hat eigens eines gemalt, ist aber noch nicht fertig. Hannahs erstes Tierbilderbuch. Schweine-Mama Anneliese findet sich ebenso darin wie Paul Pinguin.

W… wie Werte. Herrjeh, Mamasein ist ganz schön anstrengend. Ich muss meinem Kind ein Vorbild sein. Ich möchte das sogar. Von ganzem Herzen. Das heißt aber auch, ich muss ganz gegen meine eigene Überzeugung behaupten, Schokokekse seien KEIN adäquates Frühstück. Und selbiges unumgänglich für einen guten Start in den Tag. Ich darf nicht mehr aus dem Topf essen und keine Klamottenberge mehr anhäufen auf dem Klodeckel. Naja, das mit den Keksen geht noch ne Weile. Und dann ess ich sie einfach heimlich im Bett. Ha.

XYZ: Z… wie Zumba. Tierisch anstrengend, laut, lustig. Morgen gehe ich zum dritten Mal zu den Hüpfdohlen und habe richtig Spaß dabei. Allein mit der Koordination von Beinen und Armen hapert es manchmal. Trotzdem geht die Stunde rum wie im Flug und ich komme mit glühenden Wangen und ausgepowert nach Hause.