Die machen mich fertig…

Kein Stäubchen. Staub! Um Himmels Willen! Niemals! Stattdessen blankpolierte Fenster hinter blühenden Orchideen. Selbstgenähte Kissenbezüge mit Handkantenschlag. Selbstgeknüpfte Troddeln am Gardinenband. Ein makelloser, beiger, hochfloriger, frischgesaugter Teppich. Im Regal: Ein paar Bildbände – Verzeihung – coffee table books. Über zeitgenössische Kunst, Mode, sowas eben. Damit es nach Arbeit aussieht – ein weiteres Regal. Schwarzlackiert. Aber Staub is ja eh nicht. Darin gleichfarbige Ordner mit liebevoll handbeschrifteten Rückenschildern, die jeden Kalligraphen neidvoll erblassen ließen. Auf dem Schreibtisch – ein Tintenfass. Eine Messingschale mit Utensilien drin. Als Kontrast dazu – Schreibtisch-Gadgets, wie ein Frosch als Klebebandabroller und derlei buntes Plastikzeug. Und ein großer Blumenstrauß, dessen Pfingstrose ein dekoratives Blütenblatt abgeworfen hat, das jetzt dekorativ auf dem Schreibtisch liegt.

Lifestyle-Blogs machen mich fertig!

Echt jetzt! Wer wohnt denn so? Diese Arbeitszimmer sehen doch nicht aus, als würde man DARIN arbeiten, sondern DARAN! Leben diese Leute in ihrer eigenen Homestory? Gibt’s bei denen keine Post-it’s, die alt und wellig sind und nicht mehr richtig kleben, auf denen aber lebenswichtige Passwörter vermerkt sind (die man nirgends sonst gespeichert hat…)? Auch die übrige Wohnung – gibt’s da keine Dreckwäsche? Steht da nie eine ungespülte Tasse in der Spüle, weil die Spülmaschine noch voll und die Lust, sie auszuräumen, schon ganz leer ist? Haben die ne Putzkolonne, die jeden morgen Katzenhaare von der Couch pflückt und die Kuscheldecke so hindrapiert, dass sie irgendwie benutzt-unbenutzt ausschaut?

In unserer Wohnung wird gelebt. Jeden Tag. Auf meiner Fensterbank verwelken Blumen, weil ich zwei schwarze Daumen habe. Unser Fernseher ist ein Staubmagnet. Meine Spülmaschine wird geleert und gefüllt und immer passt das letzte Stück nicht mehr rein und steht irgendwo rum. Ich wasche mindestens dreimal pro Woche Wäsche, aber in der Zeit dazwischen lagert sie undekorativ im Waschkorb. Ich habe Zahnpastaspritzer auf meinem Spiegel und neuerdings auch sehr kleine Fingerabdrücke. Wenn ich koche, sieht man das. Ich räume nach dem Essen auf und schaffe es nicht, davor Bilder von meinem Essen zu machen, die aussehen, als hätte Johann Lafer den Teller geradewegs aus seiner Showküche auf meinen Esstisch gezaubert.
Aber gut, jeder wie er’s mag. Ich gucke staunend die perfekten Wohnstätten von anderen Bloggern an, bewundere die selbstgenähten Kindersachen und die wie zufällig hingewürfelten Nippes-Kollektionen auf dem Kaminsims. Aber eines find ich dann echt anstrengend. Wenn der entsprechende Blogbesitzer sein Katalog-Wohnzimmer kommentiert mit:
“Entschuldigt bitte die Unordnung, ich wollte nur schnell meinen neuen, 1000-teiligen Sofa-Patchwork-Überwurf für Euch fotografieren. Ging ganz schnell, war an zwei Abenden ruckzuck genäht, während ich Rhabarbergelée eingekocht und ein neues Mango-Chutney entwickelt habe, über meinen IPod ein paar Hebräisch-Vokabeln gelernt und meine Fußnägel pedikürt habe.”

Drohnen fliegen nicht…

Wann hat er wieviel gewusst?
Offenbar weiß Verteidigungsminister de Maizière das auch nicht mehr so richtig, wenn es um die Probleme mit den Drohnen geht. Und irgendwie ist das alles auch echt ärgerlich. Eine halbe Milliarde Euro – weg. Drohnen – weg. Weil es nämlich dafür keine luftfahrttechnische Zulassung gibt.

Schon blöd, da bestellt man was und stellt ernüchtert fest, dass man es nicht benutzen darf. Dass es überhaupt Probleme gibt, hat er na-tür-lich nicht gewusst. Ein Minister erfährt in seinem Ministerium ja grundsätzlich immer alles als Letzter. Wahrscheinlich muss er jeden Morgen die Aushänge am schwarzen Brett neben der Kantine studieren. Zwischen “Zwei-Zimmer-Wohnung in Mitte gesucht, bitte mit EBK” und “Labrador-Welpen günstig abzugeben, bei Interesse wuff@wau.de“ hing sicher ein Post-it mit “Bitte um Beachtung: Tränen lügen nicht Drohnen fliegen nicht, Thomas, bitte Rückruf auf 213″

Vielleicht hatte er Urlaub und hat den Zettel deswegen nicht gesehen? Auf jedenfall hat ihn diese Pleite kalt und überraschend erwischt. “Ich bin verärgert”, mault er verschnupft. Weil keiner mit ihm über Probleme reden will. Och mensch.

Nicht genug, dass die Opposition jetzt hämisch kichert und mit dem Finger auf ihn zeigt. Auch die Presselandschaft hebt tadelnd den Zeigefinger, wie der Spiegel:

Selbst wenn es, wie de Maizière schreibt, keine formale Vorlage an ihn gab: Der Minister muss schon aus dem Pressespiegel, der ihm jeden Morgen vorgelegt wird, spätestens seit Anfang 2013 von den Problemen beim Euro Hawk gewusst haben.

Ja ebe

Vom schwarzen Brett…

…des Bundestags:

“Liebe Mitglieder des Bundestags,

da unsere gestrige Aktion “Hammelsprung” so gut angekommen ist, hat sich das Aktionsbündnis Fitte Pause dazu entschlossen, weitere gemeinsame Unternehmungen auf die Beine zu stellen. So laden die Organisatoren am Montag ein zum Ententanz, Treffpunkt 12:30 Uhr im Foyer.

Am Dienstag dürfen wir sie zum Gänsemarsch rund um den Bundestag begrüßen, wir starten wieder um 12:30 Uhr, wer möchte, kann Nordic Walking-Stöcke mitbringen.

Am Donnerstag findet mit dem Maulwurf die vorerst letzte Aktion der Reihe Fitte Pause statt. Für weitere Anregungen sind wir Ihnen dankbar.

Die Verwaltung, Abteilung Spiel und Spaß”

Ich werde beobachtet!

Lange hatte ich nur ein diffuses Gefühl. Eine düstere Ahnung. Ich spürte die Augen, die in jedem Zimmer auf mir ruhten und jeden meiner Schritte verfolgten. Jetzt war ich ihnen mit der Kamera auf der Spur und – tatsächlich! Sie beobachten mich!

Der hier beispielsweise. Der hat ein ganzes Netzwerk aufgebaut. In jedem Zimmer finde ich diesen kleinen Kerl mit dem ulkigen Schneidezahn.

Oder der hier: Der geht sogar mit mir aus dem Haus!

In unserem Bad passieren offenbar unfassbare Dinge. Wieso sonst, sollte der hier so die Augen aufreißen?

Dieses kleine Monster hier guckt aus der Wand in der Gästetoilette. Immerhin hat es zwei Zähne.

Warum der hier so genervt mit den Augen rollt? Keine Ahnung. In meiner Küche gibt’s eigentlich nix zu meckern. Dachte ich immer…

Der hier versteckt sich, wo’s heiß her geht.

Und jetzt kommt der Oberhammer: Der hier ist jedesmal da, wenn ich DUSCHE!
Was es DA zu grinsen gibt, möcht ich mal gerne wissen!!!

So. Un

Schöne feministische Weltin…

Die Uni Leipzig hat beschlossen, dass künftig alle Männer weiblich sind. Wenigstens sieht das ihre Verfassung so vor. Dort wird nämlich das generische Maskulinum abgeschafft und durch das generische Femininum ersetzt. Aus Professor wird Professorin, aus Dozent Dozentin. Das sei dringend notwendig, finden Feministinnen, weil man jahrelang nur in einer Fußnote erwähnt worden sei. Immerhin ist die Fußnote ja weiblich. Zeit für Gleich(!)berechtigung, Zeit, die Männer in die Fußnote zu verbannen.
OK. Ich musste das erstmal sacken lassen. Es gibt also immer noch Frauen, die sich nicht ausreichend angesprochen fühlen, wenn da “die Professoren” steht? Es gibt Studentinnen, deretwegen man die verkorkste Formulierung “Studierende” eingeführt hat, damit sie wissen, dass sie auch gemeint sind? Vielleicht sollten wir Frauen generell an unserer Selbstwahrnehmung arbeiten. Wären wir emanzipiert und gleichberechtigt, würden wir da nicht einfach drüber stehen? Was kommt als nächstes? Ändern wir Artikel von Dingen, damit die irgendwie weiblicher sind? Heißt es dann der Hose und die Rock? Und die Kleid? Muss ich meinen Mann in den Küche schicken, nur weil der Hausarbeit ja schließlich aufgeteilt werden muss? Meine Mann soll ruhig mal den Wäsche aufhängen und den Spülmaschine ausräumen, während ich den Auto zum Werkstatt bringe?
Da brechen sich Unis den (…ZENSIERT…) ab, um jeder Studentin klar zu machen, dass sie auch mitspielen darf. Auf dem Papier, Mädels. Gut, wir haben Unis, deren Forschungsarbeit von der Wirtschaft finanziert werden muss, wir haben schlechte Hörsäle und zu wenig Platz, aber hey, wir haben ein generisches Femininum! Und jetzt springt die Uni Berlin auch noch auf den Zug auf! Wenn sich das generell durchsetzt, sehen die Zeitungsartikel bald schräg aus.

“Die gesamte Mannschaft und Frauschaft des Vereins der Bienenzüchterinnen und Bienenzüchter in Musterhausen lud am Wochenende alle an der Bienenhaltung Interessierten, alle Imkerinnen und Imker und Imker und Imkerinnen (damit jeder mal vorne steht), sowie weibliche und männliche Neugierige ganz herzlich zum Sommerfest ein.
Das Programm wurde umrahmt von der Bläser- und Bläserinnenkapelle Hinterdorf und vom Männergesangsverein Harmonie (der laut Satzung auch weibliche Mitglieder aufnimmt). Am Nachmittag konnten sich die Gästinnen und Gäste ein Stück Kuchen schmecken lassen, den die Imkerinnen und Imker in gleichberechtigter Arbeitsaufteilung (damit keiner denkt, backen wäre nur was für Frauen) in Kooperation für die Besucherinnen und Besucher gebacken haben. Die Wettergöttin war den an der Bienenhaltung interessierten Frauen und Männern wohlgesonnen und die/der Sonne lachte bis in die späten Abendstunden vom Himmel.”

Wir ha

Blöder Igel!

Nicht falsch verstehen, ich mag Igel. Diese kleinen, stacheligen, possierlichen Trappeltierchen, die in unserem Garten die Flöhe auflesen und herumniesen.
Was ich nicht mag, ist im Sprechzimmer meines Arztes zu sitzen und einen Katalog vorgelegt zu bekommen. Ich möchte mir nicht vorkommen, wie mein Auto in der Werkstatt. Bei dem der freundliche Chefmechaniker aus Kulanz mal drüber guckt und mir dann anbietet, dass man für kleines Geld den Zahnriemen checken könnte. Ich will nicht scheckheftgepflegt nach Hause gehen mit eins und Sternchen.

Das Leistungsverzeichnis beim Arzt ist aber voll mit Dingen, die der Doc mit mir machen könnte, aber nicht tut. Warum nicht? Weil ich dafür nicht bezahle. Und meine Kasse auch nicht. Bei einer Vorsorgeuntersuchung beim Frauenarzt wird also auf Ultraschall und Urintest verzichtet. Was natürlich nicht heißt, dass es nicht angesprochen wird. So vage. “Wenn Sie möchten, machen wir noch einen Ultraschall. Kostet aber extra.” Dem Patienten, der nein sagt, bleibt ein schales Gefühl zurück. Hätte ich das doch machen lassen sollen? Ist mir meine Gesundheit diese Extra-Ausgabe nicht wert? Spare im am falschen Fleck?
Es ist ein perfides Geschäft mit der Angst und der Unsicherheit von Patienten, die man schlecht informiert. Ich gehe davon aus, dass ein Arzt seiner Sorgfaltspflicht nachkommt und einen Ultraschall macht, wenn er einen Grund dazu sieht. Wenn er nach einer Tastuntersuchung der Meinung ist, alles sei soweit ok und ein Ultraschall nicht notwendig, soll er es bleiben lassen. Und dann die Klappe halten. Und mir keine Möglichkeiten anbieten, die mich verunsichern, nur weil sie ihm einen extra Verdienst ermöglichen. Ich, die ich gesund bin, kann nein sagen und kann das vor mir verantworten. Wer vorbelastet ist, wird sich das vielleicht überlegen.
Wer es sich nicht leisten kann, hat nicht viel Wahl. Er wird es ablehnen müssen.
Damit werden Patienten automatisch in Klassen eingestuft. Kannst Du’s Dir leisten, dann lass den Arzt checken, was er eigentlich ohnehin tun sollte, bestünde ein Anfangsverdacht. Hast Du das Geld nicht, dann hast Du Pech gehabt. Igel ist eine ganz große Angstmacherei, die mit der Furcht und Sorge von Patienten Geld scheffelt. Für Ärzte, die keine unabhängigen Helfer mehr sind, sondern profitorientierte Unternehmer. Ich könnte kotzen.

ABC, auf ein Neues

A… wie Ameisen. Wo kommen die her? Wo wollen die hin? Zur Zeit ist es ein BISSCHEN ruhiger an der Krabbelfront. Aber hier und da begegnet mir eine in meinem Badezimmer oder – noch viel schlimmer – in der Küche. Backpulver, Köder, Streugift. Ich glaube ich züchte Resistenzen. Argh.

B… wie Badewanne. Sie ist zu klein für die kleine Große. Die stört das überhaupt nicht, aber mich. Nach jedem Badegang ist mein Badezimmer eine Wanne.

C… wie Cicero. Heißt: Kichererbse. Sagt Gerald, der alte Lateiner.

D… wie Dauerregen. Endlich hat heut mal die Sonne gescheint, wenigstens ne Weile und wenigstens ein bisschen. Ich bin bis gestern mit Sitzheizung rumgefahren. SITZHEIZUNG. Im JUNI!

E… wie Elemente. Was Wasser anrichten kann. Unfassbar. Die Bilder aus Passau schockieren mich.

F… wie füttern. Ein Kind mit sieben Monaten zu füttern ist manchmal echt eine Geduldsprobe. Der vielzitierte Sack Flöhe erscheint mir da wie eine Aufwärmübung.

G… wie Geranien. Oder eben das Fehlen solcher. Ich möchte schon seit Wochen mal meine Balkonbegrünung in Angriff nehmen. Aber es schifft oder ist schweinekalt.

H… wie Hochwasser. Das Thema beschäftigt die Medienlandschaft noch immer. Ist schon auch heftig, wie’s mittlerweile in Passau und im Osten aussieht. Da bin ich ganz ehrlich froh, dass ich nicht so nah am Wasser wohne.

I… wie Impfen. Zum Glück hat die Maus die letzte Impfung halbwegs gut weggesteckt. Die nächste steht erst im Oktober an. Und bis dahin würde ich den Kinderarzt bitte nicht mehr sehen wollen. Der ist nämlich Südamerikaner und spricht so deutlich wie Jorge Gonzales. Nur trägt er flachere Schuhe.

J… wie Jesses, verfliegt die Zeit. Gut, das war weit hergeholt. Aber stimmt doch, unser Kind ist sieben Monate alt. Ich war eben noch überrascht, schwanger zu sein.

K… wie Kohlrabi. In meinem Kühlschrank. Geschält. Für morgen. (Hilfe. Was gibt’s morgen? Was mach ich mit Kohlrabi?)

L… wie Landesgartenschau. Ist bei uns grade in Sigmaringen. Schön, bunt, hat uns gut gefallen. Und die Kleine fand’s auch cool. So im Kinderwagen. Glaube ich.

M… wie Mittagessen. Zur Zeit wird hier intuitiv gekocht. Ich nenne das so, weil es die spannende Fortsetzung von “Planlos eingekauft” ist. Man kocht, was da ist. Und stellt mal was Neues zusammen. Schmeckt nicht gibt’s nicht.

N… wie Newsfeed. Twitter überfordert mich immer noch. Könnte auch daran liegen, dass ich zuviel Zeug abonniert habe. Wenn ich alle zwei Stunden mal reingucke, muss ich mich durch hunderte tweets wühlen. Vielleicht wär weniger mehr.

O… wie Oma. Das Haus meiner verstorbenen Omi wird verkauft. Irgendwie ein komisches Gefühl, da mal vorbei zu fahren und die Leute nicht zu kennen, die da jetzt wohnen.

P… wie Papa und mein altes Handy. Keine Erfolgsgeschichte. “Die Tasten sind so klein”, meinte er kleinlaut. Glück, dass mein Mann sein altes Handy wieder zum Laufen gebracht hat. das hat groooße Tasten. Bevor er sich ein Seniorenhandy kauft, das ein bisschen aussieht wie eine Tafel Ritter Sport.

Q… wie Qualle. Wusstet ihr schon, dass Quallen sowas wie Ameisensäure in den Nesseln haben?

R… wie… Rindfleischettiketierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz. Ich werd’s vermissen.

S… wie schmerzhaft müssen die Zähne wohl sein, die sich grad durch Minis Kiefer bohren. Zumindest teilt sie mir ihr Unbehagen sehr lautstark mit.

T… wie Tablet! MEIIIINS! Ich hab endlich ein tolles Zeichentablet. Ein wacom, falls es wen interessiert.

U… wie Untermieter. An unserem Bienenstand wohnt ein Siebenschläfer. Der ist SOOO SÜÜÜÜSS! Ich hab ihn Siegbert getauft und er gehört mir.

V… wie Vätermonate. Im Juli und August bin ich zu dritt! Will sagen, mein Mann nimmt Elternzeit. Wir freuen uns alle schon riiiiesig.

W… wie Wandern. Würden wir gern mit der Kleinen, aber es scheitert am w wie Wachstum. Die Maus wächst eher in die Breite und ist noch zu kurz für den schicken Tragerucksack. Von mir hat sie das nicht.

X, Y… wie nixnypsilon

Z… w

Die Großwetterlage…

…am Nachrichtenhimmel: Teilweise leicht bewölkt, teilweise schwere Gewitter mit Orkanböen. Dazwischen sonnige Abschnitte.
Will sagen – der tägliche Blick in irgendein Medium zeigt einen bunten Mix aus Informationen, die für mich interessant und wichtig sind, aber auch den vielzitierten Sack Reis. Auf Deutschland bezogen ist das Thema des Tages noch immer Hochwasser, auch wenn hier der Spannungspegel so langsam fällt. Sandsäcke, Feuerwehrleute, Rettungsdienst, Evakuierte im Schlauchboot oder auf Schuppendächern, ungläubige Hochwassertouris – die Bilder ähneln sich. Sonst noch? Deutschland hat gegen die USA im Fußball verloren. Leute, die sich mit sowas auskennen, meinen “blamabel verloren”. Das längste Wort der deutschen Sprache gibt’s nicht mehr. Was natürlich nicht heißt, dass man es nicht mehr benutzen darf. Ich gehöre ja eher der “rettet die schönen Worte”-Fraktion an, aber ich muss gestehen, auch mir dürfte es schwer fallen, den Begriff “Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz” in meinen täglichen Sprachgebrauch zu integrieren. Und so schön isses wieder nicht. Was noch? Let’s dance hat einen neuen Star hervor gebracht. Er heißt Manuel irgendwie, den Rest hab ich wieder vergessen. Ich las von einer Demo von Parkschützern in der Türkei, die blutig aufgelöst wurde – S21 wird wohl bald zum Synonym für einen behördlichen und staatlichen Umgang mit Menschen, der mit Demokratie wenig zu tun hat. Die USA sind weiter windgebeutelt, auch hier macht die Natur was sie will. Ich habe sicher noch mehr gelesen und gehört heute morgen, aber ich erinnere mich spontan nicht mehr daran. Und genau darüber grüble ich seit ich auf bin nach – über meinen eigenen, subfontanellen Info-Filter. Ich konsumiere Medien auf vielfältige Art und Weise. News-Seiten im Internet, Radio, facebook-posts und tweets. Nicht zuletzt Tageszeitung. Die allerdings meist als letztes, weil mich der Rest der Welt schon vor dem Aufstehen im Bett erreicht. War die Welt einfacher, als die Menschen in erster Linie sich, ihre Familie und ihr Dorf hatten? Wer hat wem im abgelegensten Dorf erzählt, dass Krieg ausgebrochen ist? Gäbe es ein Wettrüsten, wenn Nord- und Südkorea nichts voneinander wüssten? Es ist natürlich utopisch, über eine Welt ohne Nachrichten nachzudenken. Aber was muss mein armes Hirn am hellen Morgen schon verarbeiten? Ich bin beim ersten Kaffee schon vollumfänglich informiert über das Leben ganz wo anders. Dass Angelina Jolie den ersten Auftritt nach Brustentfernung hatte, dass ein Wikileaks-Helfer mit der Todesstrafe rechnen muss. Dass bei Amazon zum dritten Mal gestreikt wird. Früher gab’s Müsli und Kaffee zum Frühstück, heute Massenaufstände und Krisen. Das Fatale: Nachrichten machen süchtig. Ich ertappe mich immer wieder dabei, wie ich die Großwetterlage des Nachrichtenhimmels beobachte, als könnte jede Minute etwas passiert sein, was mein Leben unmittelbar ändert. Fragt mich aber morgen nochmal jemand nach den gestrigen News – ich fürchte, mein Hirn hat über Nacht wieder großreine gemacht und ich habe das meiste vergessen. Das mit dem Rindfleisch-Wort zum Beispiel. Oder diesen Dancing-Manuel. Manchmal tut es einfach gut, abzuschalten. Und noch kann ich das. Habe ich gestern gemerkt. Wir haben einen Familienausflug zur Landesgartenschau gemacht. Ich hatte den Auftrag, für einen Artikel ein Bild einer der zahlreichen Attraktionen für Kinder zu machen. Die Sonne schien, die Schau war voller Familien. Ich machte Bilder. Von Blumen, vom Schloss, von Gärten, von Brücken und von uns. Auf keinem einzigen Bild ist ein Kind drauf. Ich habe es schlicht vergessen. Das mit dem Abschalten muss ich noch üben. Aber jetzt geh ich erstmal Nachrichten gucken.

Der Hochsommer ist im Anmarsch!

Das zumindest dachte ich grade eben. Als das Prasseln des Dauerregens auf meinem Dachfenster plötzlich so leise wurde nämlich. Und ich die Berge der Alb vor meinem Fenster durch den Regenschleier schon fast wieder ausmachen konnte.
Aber kaum hatte ich den Gedanken zu Ende gedacht, setzte gleichmäßiges Plätschern ein und der Regen kam in gewohnter Heftigkeit zurück.
“Gib mir irgendwas, das bleibt”, summte ich vergnügt und betrat meinen Balkon. Das weiche, grüne Moos fühlte sich angenehm an unter meinen Zehen und das Schilfgras in der Ecke rauschte sacht im Wind. Ich schloss für einen Moment die Augen und lauschte dem Quaken der ersten kleinen Frösche, für die unser Meisenkasten Kinderstube geworden war. Im Garten unter mir blühten die Seerosen und bildeten einen herrlich pastelligen Farbklecks im Dunkelgrün des Wassers. Die kleinen Reispflänzlein in meinen Blumenkästen hatten sich gut entwickelt. Aber was war das? Im Spiegel der Oberfläche sah ich eine Bewegung und schaute auf. Nachbar Schmitt stand seinerseits auf dem Balkon und winkte. In seinem dunklen Neopren hätte ich ihn fast übersehen. “Sie beißen heute schlecht”, brüllte er durch zwei Hände zu mir herüber und zeigte auf die Angel, die von seinem Balkon hing. Ich lachte und hob beide Arme, zum Zeichen, dass man da eben manchmal nicht drinstecke, da hörte ich von Weitem bereits ein leises Tuckern. Schnell lief ich zum Schaltkasten, um die grünen und roten Leuchtsignale einzuschalten, damit das Postboot den Weg sicher durch unsere Gärten fand. “Ich habe heute leider keine BILD für Sie”, rief mir die Postfrau entschuldigend zu und tuckerte rüber zu Schmitt. Das Brummen des Außenbordmotors wurde leiser und ich ging zurück in die Küche. Es würde jetzt so langsam Zeit fürs Mittagessen. Seehecht oder Regenbogenforelle? Auf alle Fälle mit Meerrettich. Und zum Nachtisch Wassermelone. Das Mittagsmahl hatte mich dermaßen geschafft, dass ich meine müden Gräten ins Wasserbett warf. Ich war gerade eingeschlafen, als mich ein völlig absurder Traum heimsuchte. Ich träumte von trockenen, blühenden Wiesen. Von Geranien in Balkonkästen. Von Sonnenschein und blauem Himmel. Schweißgebadet erwachte ich und musste lachen. FRÜHLING! Pfffh… manchmal träumt man vielleicht einen Mist zusammen. Flüssigmist, versteht sich.

Hausfrau…

…, noch nicht verzweifelt. Könnte aber noch kommen. Heute ist mein letzter offizieller Arbeitstag, ab morgen nenne ich mich Hausfrau und Mutter. Aus diesem Anlass trug ich heute beim Kochen eine Schürze. Sieht sehr häuslich aus und verhindert das Bekleckern der übrigen Oberbekleidung. Beim Rühren in der Tomatensoße gab ich mir die größte Mühe, die Schürze nicht zu bekleckern, weil waschen müsste man die ja auch. Ich komme nicht umhin mir Gedanken über Sinn und Unsinn einer Küchenschürze zu machen. Aber hausfraulich aussehen tut es. Als Herr Venus nach Hause kam, flötete ich – Liebling, das Essen ist fertig! Kurz überlegte ich mir, die gattigen (=die, des Gatten) Hausschuhe neben den Esstisch zu stellen, wurde aber in meinem Gedankengang von spritzender Tomatensoße unterbrochen. Fleck auf der Schürze. Großes Kino.
Und so aßen wir am Familientisch, traut vereint. Selbstgemachte Bolognese mit Pasta, das Kind Spinat mit Kartoffeln. Häuslicher Frieden. Nach dem Mittagsmahl betüdelte ich das Kind, bis es sich zum Mittagsschlaf hinreißen ließ, hängte Weißwäsche ans Seil und machte Betten. Und weil ich dann doch ein bisschen verzweifelt war, setzte ich mich wieder an den Rechner. Denn dort – jetzt kommen wir zum eigentlich Sinn dieses langatmigen Blogbeitrags – entsteht ein Buch. Es ist ein ultrageheimes, grimmepreisverdächtiges Werk, verkündet die größenwahnsinnige Stimme in meinem Kopf. Aber Euch kann ich’s ja sagen – es wird ein Krimi. Die erste Leiche gibt’s bei Zeile zwei, soll ja nicht so lang werden. Oder doch. Ich habe das letzte Wochenende auf dem Fußboden meines Esszimmers gehockt (neben dem Kind auf der Decke) und von Hand Manuskriptzettel bekritzelt. Blatt für Blatt habe ich die Geschichte aus meinem Hirn auf Papier gebracht. Das hat den ungeheuren Vorteil, dass ich mich beim Schreiben in alberne Details vertiefen kann und beim Blick auf meinen in Stein gemeißelten Spannungsbogen wenigstens rechtzeitig merke, dass ich grade völlig vom Weg abkomme. So sind jetzt immerhin zehn fertige Textseiten entstanden. In Gedanken signiere ich schon huldvoll lächelnd meine Bücher auf der Frankfurter Buchmesse. Is klar.
Es wäre also nett von Euch, wenn ihr hin und wieder nach dem Stand der Dinge fragen könntet. Frau Venus braucht ein bisschen Erwartungsdruck von außen. Sonst verliere ich mich womöglich irgendwann im Kosmos von Buntwäsche und Breigläschen. Und das wär schon ein bisschen, schade, oder? (Psst… das ist jetzt EUER EINSATZ…)