Wer motiviert mich?

Liebes Leben…

Es gibt Phasen im Leben eines jeden, in denen er rein gar nichts zu tun hat. Die Wäsche liegt gebügelt im Schrank, der Waschkorb ist so leer wie Trockner und Wäscheleine. Der Kühlschrank hingegen ist üppig gefüllt und die Fliesen im Bad glänzen in der Morgensonne. Alle Aufgaben sind erledigt und auch die Vorbereitung für die nächste Klausur hat man schon hinter sich. Dann tritt eine gewisse Lethargie ein, ein Gefühl, wie kurz vor dem Einschlafen. Durch den Tag lümmeln, mal hier mal da etwas herumräumen, Schwimmen gehen, Eis essen, lesen. Genauso muss sich ein fetter Kater fühlen, der sich nach dreieinhalb Schalen Sheba auf der Couch zusammenrollt.
Ist ja auch wirklich prima, wenn man eben sonst nix zu tun hat. Leider geht bei meiner Organisation gerade etwas völlig daneben. Das sanfte Herumdämmern, die Leichtigkeit, mit der ich gerade durch den Tag gleite (Mach ich heut’ nicht, mach ich morgen) ist zwar sehr entspannend. Allerdings ist es kein zufriedenes “Das-hab-ich-mir-jetzt-aber-verdient-Gefühl”… denn es rührt nicht von den vielen Häkchen an meiner To-Do-List, sondern schlicht von deren unüberschaubarer Länge. Heute in einer Woche steht die erste von acht schriftlichen Prüfungen an. OK, drei von den Achten sind vielleicht lernbedürftig, aber trotzdem. Wenn ich an das Pensum denke, das noch vor mir liegt, wird mir ein bisschen schlecht. Und dann gucke ich aus dem Fenster und denke “Oh, die Sonne scheint… lernen? Später!”
An sich ja nicht falsch. Nur dass ich “später” eben vom vielen Schwimmen, im Freibad Herumliegen und Einkaufen so kaputt bin, dass ich die Sache mit dem Lernen gerne auf morgen verschiebe. Und morgen? Da scheint doch sicher wieder die Sonne.
Vielleicht verewige ich hier meine Liste. Möge das ein Antrieb sein, endlich loszulegen.

1. BWL lernen
2. WIRKLICH BWL lernen
3. BM lernen
4. HK lernen
5. Dringend Wäsche waschen (oder dritten Waschkorb kaufen… )
6. Dringend Wäsche bügeln
7. Küche sauber machen
8. Die ganze Wohnung saugen
9. Für Petra eine Lava-Grill-Gebrauchsanweisung aus dem Spanischen ins Deutsche übersetzen
10. Für Franks Geburtstagsfeier morgen Abend eine Schachtel fürs Geschenk basteln
11. Schreibtisch aufräumen (Sollte vielleicht ganz oben stehen…)
12. Balkonkästen auszupfen (Wer hat das Unkraut da gepflanzt??? )
13. Das Wort “Morgen” aus meinem Wortschatz streichen

Mir würde noch viel mehr einfallen… aber für den Anfang reicht’s. Außerdem treffe ich mich um halb zehn mit meiner Mama zum Mutter-Tochter-Endlich-Mal-Daheim-Bummel. Hab ja sonst nix vor.

Mich bringt ja nix aus der Ruhe…

Liebes Leben, am Freitag in einer Woche steht die erste von acht schriftlichen Prüfungen vor der Tür. Und ich habe weder Panikattacken noch irgendwie sonst Lust zu lernen. Stattdessen betrachte ich die Sonne, freue mich aufs Freibad, dödle den ganzen Tag herum, esse Eis und lasse es mir gut gehen. Bin mal gespannt, wann ich die große Krise kriege und mich ans Wiederholen mache… Kann ja nicht mehr so lange dauern…:>>

Gestern habe ich übrigens richtig mit den Tränen gekämpft. Wir hatten die letzte Französischstunde und unsere Lehrerin hat uns gesagt, wie gerne sie mit uns gearbeitet hat und dass wir immer eine sehr angenehme Klasse gewesen seien, dass sie uns alles Glück der Welt wünsche und hoffe, dass wir alle unseren Weg fänden. Schluck. Heute steht die letzte Englisch-Stunde an bei Herrn Jacobi. Vielleicht hole ich gleich mal Taschentücher.

Ein letzter Sprung ins kühle Nass der Freiheit…

Liebes Leben,

gestern war ein schöner Tag. OK, Deutschland ist im Halbfinale hängen geblieben und ich war zugegebenermaßen ein bisschen enttäuscht, obwohl ich den ganzen Tag schon behauptet habe, dass Italien gewinnen wird und mir deswegen viele böse Kommentare eingehandelt habe. Leider hatte ich ja dann recht. Aber egal. Sonst war der Tag rundum prima. Meine Mädels und ich waren im Freibad und haben uns die Sonne auf den Bauch brennen lassen. Beim Volleyball auf dem Sandplatz haben wir sofort Mitspieler gefunden aber aufgrund von heißen Fußsohlen schnell das Feld geräumt, Julia hat einen neuen Schwimmstil kreiert und fleißig geübt, Maggie ist eingeschlafen und hat so ziemlich den ganzen Mittag verpennt und Sandra und ich haben uns einfach nur hin und wieder eingecremt, in die Sonne gegrinst und den Tag in vollen Zügen genossen. Und heute? Heute mittag ist um drei Feierabend. Die Sonne sticht jetzt schon vom Himmel und die Klausuren sind alle geschrieben. Natürlich könnte ich in meinem verdunkelten WG-Zimmer sitzen und Vokabeln für die Prüfung lernen.  Aber wäre es nicht viel besser, im Freibad zu liegen und das Buch einfach dort aufzuschlagen? Abgesehen davon beginnt in vier Wochen der Ernst des Lebens (wieder) und ich werde acht Stunden täglich in einer Redaktion sitzen…
All diese Umstände lassen doch nur einen Schluss zu: Ich MUSS ins Freibad, so oft es noch geht. Oder?

Gemüse-Flash…

Liebes Leben,

ich weiß ja, dass Gemüse gesund ist. Und ich esse auch wirklich gerne Gemüse. Aber zur Zeit mutiere ich offenbar zum Vegetarier. Ich kann mich im Supermarkt schon nicht sattsehen an der frischen, grünen, appetitlichen Auslage, sehe die violetten Auberginen glänzen, die Wassertröpfchen auf den prallen, leuchtend roten Tomaten und das satte Grün der Selleriestangen. Und was mache ich? Kaufen, kaufen, kaufen. Gemüse satt. Gestern gab’s Curryreispfanne mit Karotten, Lauch, Zuckerschoten und Staudensellerie. Heute wird’s Spaghetti mit dem Rest Sellerie und der übrigen Karotte geben. Und Tomatensauce dazu. Mjam. Und nicht nur Gemüse wandert in meinen Magen: Obst gibt’s auch in rauen Mengen. Wahrscheinlich sind Maggie und ich die gesündeste WG Deutschlands. Von A wie Aubergine bis Z wie Zucchini. Wir essen uns quer durchs Beet. Und jetzt werde ich meine Frühstückspause einläuten. Was es gibt? Birne und Melone… seufz!

Abschiedsschmerz kündigt sich an…

Liebes Leben und ihr Lieben…

Zuerst sah es aus, als wären die zwei Jahre ewig. Jetzt ist die Schule fast geschafft und so langsam macht sich Abschiedsschmerz breit. Natürlich gibt es ein paar Leute, denen ich weniger hinterhertraure… Wenn man sich mal wieder trifft, ist es sicher nett. Aber das war’s dann auch. Aber es gibt sechs Menschen, die mir immens ans Herz gewachsen sind. Sie sollen hier verewigt sein:
Julia, meine immer lachende, immer fröhliche, warmherzige und treue Nebensitzerin,
Maggie, die beste, unkomplizierteste, witzigste Mitbewohnerin, die man sich wünschen kann,
Claudi, die im Lauf der Zeit zu einer lieben Freundin geworden ist,
Sandra, der Fußballfan, der für jeden Sch… zu haben ist und so oft meine Ansichten geteilt hat
Franzi, die ich so mag, weil sie so offen und grundehrlich ist, eben so, dass man jederzeit ein offenes Ohr bei ihr findet und
Kay, zu dem ich – weil wir uns altermäßig am nächsten sind – einen guten Draht habe, weil wir über die selben Sachen lachen können, die selben Interessen haben und weil er einfach eine verlässliche, sanftmütige Person ist, von der ich mehr über Männer gelernt habe, als in sieben Jahren Beziehung…

Scheiße, ich werd’ euch vermissen. Und ich hoffe, dass wir in Kontakt bleiben. Danke für die zwei schönen Jahre, ich bin froh, euch getroffen zu haben.

BWL-Horror

Liebes Leben,

ok, ganz so zahm bist du ja doch nicht. Oder warum sonst haust Du mir diese grausliche BWL-Arbeit um die Ohren. Da stehe ich morgens um sechs auf, nicht etwa um Laufen zu gehen, wie ich das sonst in letzter Zeit zu tun pflegte, sondern um mich in die Tiefen des EU-Zollwesens und in die Dokumente verschiedener Frachtführer zu stürzen. Was interessiert mich denn, ob der Frachtführer eines Güterkraftfahrzeugs vier oder fünf Durchschläge von seinem Frachtbrief dabei hat? Ich glaube, es sind nur vier… Und bei der Bahn sind es im internationalen Verkehr stolze fünf. Und die Bahn haftet nach dem Prinzip der Gefährdungshaftung und zwar national mit 8,33 Rechnungseinheiten pro Kg und international mit derer 17. So. Ich hoffe, bei der Klausur wird irgendwas gefragt, was ich auch weiß. Im Moment schwirrt mir nämlich ganz schön der Kopf. Also, wer immer dies auch liest – keiner wahrscheinlich – bitte Daumendrücken! Ganz feste! Ab 10! BITTEBITTEBITTE!!!

Der Vertrag ist da! Und er ist unbefristet!

Liebes Leben!

Du machst mir Angst… Was machst du mit mir? Ist es denn gerade einfach Sommer oder hast du supergute Laune oder findest du mich einfach nur prima gerade?
Hab heute meinen Vertrag per mail bekommen, er ist sogar unbefristet. Hätt ich nicht erwartet. Die allererste Bewerbung und gleich ein Volltreffer. Wo ist der Haken, frag ich mich? Und warum bin ich zur Zeit nur so energiegeladen? Alles scheint mir völlig einfach von der Hand zu gehen. Ich kriege Haushalt und Schule richtig gut unter einen Hut und auch mit Schatzi ist alles im Lot. Läuft besser, als die Polizei erlaubt. Da hat man doch glatt Angst, dass gleich eine ganz große Krise hinter der nächsten Ecke lauert… Aber bis dahin genieß’ ich’s einfach. Wer sich über zuviel Glück beschwert, hat nämlich wirklich einen an der Klatsche.

Gibt’s auch Energiewolken-Fallout?

Liebes Leben,

ich dachte ja immer, um mich herum gibt es einige Schnarchnasen. Schließlich geht man ja nicht immer gleich davon aus, dass mit einem selbst was nicht stimmt. Erstmal werden die anderen der Abnormität verdächtigt.
So langsam beschleicht mich aber doch das Gefühl, dass ich es bin, die nicht ganz sauber tickt.

Gestern Abend. Ich und meine Mitbewohnern beim Fernsehen. Beide hellwach. 21 Uhr. 22 Uhr. 23 Uhr. Keine Spur von Müdigkeit. Ich bin dann um kurz nach zwölf schlafen gegangen. Konnte zwar relativ gut einschlafen, war heute morgen aber um kurz nach fünf wieder so fit, als hätte ich 24 Stunden durchgepennt. Diese 40-minütigen Morgenspaziergänge durch die verschlafene Kleinstadt und die anschließende Dusche und das gemütliche Frühstück entwickeln sich zum Ritual. Klingt nicht komisch? Ist aber so… denn wer geht schon morgens um halb sechs spazieren?

Womöglich hängt es mit dem Regenguss von gestern zusammen. Gibt es Energie-Regen? Gestern Abend war der Himmel so seltsam gülden-gelb. Oder bin ich womöglich von Außerirdischen entführt und mit einem Extra-Akku ausgestattet worden? Und hat jemand Ähnliches beobachtet? Vielleicht rufen wir dann einen Selbsthilfegesprächskreis ins Leben… (Das erste Treffen findet dann morgens um fünf bei einer gemeinsamen Bergwanderung statt… )
Ob ich wohl Mitstreiter finde….